Bagger in einer Kiesgrube

Immer mehr Rohstoffe werden als kritisch eingestuft. Was unternimmt die EU? (Bild: tina7si/Adobestock)

| von Dörte Neitzel

Die Europäische Kommission hat die Liste kritischer Rohstoffe verlängert. Sie ist ein Gradmesser für das Versorgungsrisiko der europäischen Wirtschaft. Es ist die bereits vierte aktualisierte Auflage.

Die erste Liste von kritischen Rohstoffen aus dem Jahr 2011 umfasste noch 14 Einträge. Sie wurde seitdem alle drei Jahre überarbeitet und der jeweils aktuellen Marktsituation neu angepasst. Die aktuelle Liste beinhaltet mittlerweile 30 Rohstoffe. Neu hinzugekommen sind: LithiumBauxit, Strontium und Titan.

Zusätzlich zur neuen Rohstoffliste wurde ein Aktionsplan für kritische Rohstoffe vorgestellt. Dieser Plan enthält zehn Maßnahmen. Er zielt unter anderem darauf ab, die Abhängigkeiten von Rohstoffimporten zu verringern und die inländische Beschaffung zu stärken. So soll eine widerstandsfähige Wertschöpfungskette entstehen.

Als erste Aktion wurde eine von der Industrie geleitete Europäische Rohstoffallianz gegründet. Ihr erstes Ziel: Die Wertschöpfungsketten von Seltenen Erden und Magneten strategisch autonomer zu machen. Das Vorgehen soll anschließend auf andere Rohstoffe ausgeweitet werden.

Liste der 30 kritischen Rohstoffe 2020
Liste der 30 kritischen Rohstoffe 2020. (Quelle: DERA, Grafik: TECHNIK+EINKAUF)

Lithium ist jetzt auch ein kritischer Rohstoff

Neu auf der Liste der kritischen Rohstoffe ist Lithium. Der Rohstoff ist, zumindest noch aktuell, für den Übergang ins elektromobile Zeitalter dringend notwendig. Bis zu 60-mal mehr Lithium benötigt Europa bis 2050 allein für Batterien - für E-Autos und zur Energiespeicherung. Bis 2030 ist es immerhin noch das 18-fache.

So geht es aus einer Zukunftsstudie der EU hervor. Diese hatte EU-Kommissionsvizepräsident Maroš Šefčovič gemeinsam mit dem Aktionsplan der EU-Kommission vorlegt. Diese zeigt die Abhängigkeit der europäischen Staaten von fossilen Brennstoffen aus dem Ausland. Diese gelte es jetzt gerade nicht gegen eine neue Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen einzutauschen, so Šefčovič.

Corona legt Schwachstellen in Lieferketten offen

Die weltweite Corona-Pandemie hat gezeigt, wo die Achillesferse der internationalen Lieferketten zu finden ist: in der Abhängigkeit von Importen aus Nicht-EU-Drittländern. Der EU-Aktionsplan will die Supply Chains mit einigen Maßnahmen widerstandsfähiger machen.

So soll die Rohstoffbeschaffung nachhaltiger und sozial verantwortlicher werden. Zudem soll der Einkauf von kritischen Rohstoffen diversifiziert werden. Auch das Kreislaufprinzip soll eine höhere Stellung erhalten.

So sollen neben der Versorgung aus Drittländern eigene Kapazitäten aufgebaut werden - in Förderung, Verarbeitung, Recycling, Raffinierung und Trennung Seltener Erden. Das bedeutet mehr strategische Autonomie.

Insgesamt sollen die Maßnahmen den Übergang zu einer digitalen und grünen Wirtschaft sicherstellen. Im Einzelnen sehen sie so aus:

  1. Gründung der Industrie-getriebenen Europäischen Rohstoff-Allianz ERMA. Diese untersucht zunächst die Wertschöpfungskette Seltener Erden, später auch anderer Rohstoffe.
  2. Entwicklung von nachhaltigen Finanzierungskriterien für den Bergbausektor und mineraliengewinnene Sektoren.
  3. Vorantreiben der Forschung an neuen Materialien und der Substituierbarkeit von kritischen Rohstoffen.
  4. Erfassung potenzieller Lieferanten möglicher kritischer Sekundärrohstoffe in Europa und entsprechende Projekte anstoßen.
  5. Priorisierte Bergbau-Projekte und verarbeitende Projekte in der EU identifizieren.
  6. Eigene Bergbau-Expertise in der EU aufbauen.
  7. Erdbeobachtungsprogramme nutzen, um mögliche Rohstoffvorkommen zu identifizieren.
  8. Den Umweltschaden bei der Produktion von Rohstoffen so gering wie möglich halten.
  9. Strategische Partnerschaften schließen, um die Beschaffung von nachhaltigen Rohstoffen zu sichern. Start soll ein Pilotprojekt in Kanada sein.
  10. Der Bergbau kritischer Rohstoffe soll verantwortungsvoller werden.
Wichtigste Lieferländer für kritische Rohstoffe in die EU
Wichtigste Lieferländer für kritische Rohstoffe in die EU. (Quelle: Bericht der EU-Kommission über die Kritikalitätsbewertung 2020)

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