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| von Dörte Neitzel

Der Name hat etwas Gummiartiges wie ein Tintenfisch, klingt dehnbar wie Sauerteig – Molybdän. Dabei ist das silbrige, glänzende Metall genau das Gegenteil: Extrem hart und korrosionsbeständig. Reduzierende Säuren können dem Element nichts anhaben und seinen Schmelzpunkt von 2.623 Grad Celsius übertreffen lediglich Tantal und Wolfram. Anders als diese ist Molybdän jedoch verhältnismäßig leicht. Seine Dichte beträgt nur ein Viertel jener von Eisen.

Diese Eigenschaften haben das Metall zu einem der wichtigsten Rohstoffe für die Veredelung von Stahl gemacht. Molybdän macht Stähle härter sowie korrosions- und hitzebeständiger. Gleichzeitig lässt sich mit dem Metall versetzter Stahl leichter schmieden.

Nicht zur ersetzender Stahlveredler und Trockenschmierstoff

Mit bis zu 80 Prozent der etwa 270.000 Tonnen Molybdän, die jedes Jahr gefördert werden, stellen Stahlproduzenten deshalb Edel-, Volllegierungs-, Werkzeug- und Schnelldreh-, sowie C-Stähle her. Ihre Kunden setzen die Werkstoffe überall dort ein, wo Material besonders hohen Belastungen und Temperaturen standhalten muss – etwa in der Luft- und Raumfahrt oder bei der Herstellung von Waffen, Gussformen und Strahlenschutzausrüstung. Mit Molybdän legierte Stähle kommen aber auch auf dem Bau und in der Automobilindustrie zum Einsatz. Dort helfen sie, das Gewicht von Fahrzeugen zu reduzieren, ohne Abstriche bei deren Stabilität und Sicherheit machen zu müssen.

In Verbindung mit Schwefelatomen wird Molybdän als Molybdänsulfid in Pulverform auch als trockener Schmierstoff für Flugzeugturbinen, Maschinen und Motoren eingesetzt. Mit der Verbindung beschichten Autobauer beispielsweise Kolbenringe, um die Reibung zu reduzieren und die Leistung zu erhöhen.

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Wichtigstes Isotop für die Nuklearmedizin und Ersatz für Silizium in der Halbleiterfertigung

Molybdänsulfid kommt auch in der Elektronikindustrie bei der Produktion von Solarzellen, Halogenlampen und Flachbildschirmen zum Einsatz. In der Halbleiterherstellung könnte das Sulfid künftig Silizium als Werkstoff ablösen.

Nicht zuletzt nutzt die petrochemische Industrie Molybdän, um damit Rohölprodukte zu entschwefeln. Die Nuklearmedizin macht sich die radioaktiven Eigenschaften von Molybdän-Atomen zu Nutze. Diese zerfallen zu Technetium-99, dem bei 80 Prozent aller Untersuchungen mit Radionukliden verwendeten Isotop.

Reserven reichen nur noch für 40 Jahre

Für all diese Branchen könnte es schon bald schwer werden, sich mit ausreichend Molybdän zu versorgen. Denn bei der aktuellen Jahresförderung von 270.000 Tonnen reichen die weltweit vorhandenen Reserven in Höhe von etwa zehn bis 15 Millionen Tonnen gerade noch für gut 40 Jahre. Nach weiteren vier Jahrzehnten dürften auch die angenommenen Ressourcen erschöpft sein. Molybdän ist damit nach Antimon der Rohstoff mit der geringsten statischen Reichweite. Schon lange bevor die Vorkommen zu Ende gehen, dürften jene Staaten, die noch Reserven des Elements haben, den Zugang dazu einschränken.

Gefährliche Länder- und Anbieterkonzentration

Aufgrund der bei Molybdän sehr hohen Länderkonzentration haben diese Länder dann ein gewaltiges Druckmittel in der Hand. Zwei Drittel der Lagerstätten befinden sich allein in den USA und China. Die Volksrepublik verfügt über 41 Prozent der Reserven, die Vereinigten Staaten über 25 Prozent. Weitere große Vorkommen gibt es in Chile, Peru und Mexiko – Staaten also, die auch über umfangreiche Kupfervorkommen verfügen. Denn 54 Prozent des weltweit gewonnenen Molybdäns fallen als Nebenprodukt beim Abbau von Kupfer an, weitere elf Prozent bei der Förderung von Wolfram. Die größten Anbieter von Molybdän auf dem Weltmarkt sind dementsprechend Bergbauunternehmen wie die chilenische Corporación National del Cobre, der US-Konzern FreePort MacMoRan oder die australisch-britischen Konzerne BHP Billiton Group und Rio Tinto, die auch große Kupferminen betreiben. Bei den Molybdän-abbauenden Unternehmen ist die Konzentration ähnlich besorgniserregend wie bei der Verteilung der Reserven auf nur eine Handvoll Staaten. Die fünf größten Anbieter bringen es zusammen auf einen Weltmarktanteil von 45 Prozent.

Ungenutzte Recyclingpotenziale

Könnten Staaten wie Deutschland und Japan, die neben den USA und China den weltweit größten Molybdänverbrauch haben, den Rohstoff recyceln, wären sie weniger vom Import des Elements abhängig. Doch während Stahl der weltweit am häufigsten wiederverwertete Werkstoff ist, gibt es keine technische Möglichkeit, das darin enthaltene Molybdän zu isolieren und separat zu recyceln. Auch ein Ersatz des Elements durch andere Rohstoffe ist in den meisten Anwendungsbereichen nicht möglich.

Zusammenfassung Rohstoff Molybdän
Beschreibung: · chemisches Element ‚Mo‘ mit der Ordnungszahl 42
· Molydän ist ein extrem hartes und korrosionsbeständiges silbrig glänzendes Metall
· Durch seinen hohen Schmelzpunkt von 2623 Grad Celsius ist es außerdem eines der hitzeresistentesten Elemente. Nur Wolfram und Tantal haben noch höhere Schmelzpunkte
· Anders als andere hitzebeständige Metalle ist Molybdän jedoch verhältnismäßig leicht. Seine Dichte beträgt nur ein Viertel jener von Eisen
Verwendung: · Edelstahlherstellung (29%)
· Vollegierungsstahl (17%)
· Herstellung von Werkzeug und Schnelldrehstahl (10%)
· Produktion von C-Stahl (10%)
· Katalysator in der Erdölraffination (8%)
· Molybdänstahl und -legierungen (7%)
· Produktion von Gussseisen (3%)
· Schmiermittel (3%)
Größte Förderländer von Tantal: · China (39%)
· USA (25%)
· Chile (15%)
Größte molybdänfördernde Unternehmen : k.A. da Molybdän meist als Nebenprodukt des Kupfer– und Wolframabbaus anfällt
Vorhandene Reserven*: 10 bis 15 Mio. Tonnen
Vorhandene Ressourcen**: k.A.
Statistische Reichweite der Reserven: 40 Jahre
Statistische Reichweite der Ressourcen: k.A.
Recyclingquote: Obwohl Stahl der weltweit am häufigsten wiederverwertete Werkstoff ist, gibt es keine technische Möglichkeit, das darin enthaltene Molybdän isoliert wiederzugewinnen
Substituierbarkeit: In der Stahlherstellung ist Molybdän kaum zu ersetzen. Werden Abstriche bei den Produkteigenschaften gemacht, so lässt sich das Element allerdings durch Boron, Chrom, Niob oder Vanadium substituieren
Jahresproduktion von Molybdän 2013: 270.000 Tonnen.

Quelle: Fraunhofer, US Geological Survey

*Reserven = aktuell bekannte, mit der vorhandenen Technologie rentabel ausbeutbare Vorkommen
**Ressourcen = aktuell bekannte, aber noch nicht rentabel ausbeutbare Vorkommen