Aluminium auf Lager

Der Aluminiumhersteller aus Deutschland Alu Rheinfelden könnte Russisch werden. (Bild: sveta - adobe.stock.com)

Update 12. April 2021: Die deutschen Behörden haben die Übernahme von Alu Rheinfelden durch Rusal genehmigt, sowohl das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie als auch das Bundeskartellamt haben ihre Freigaben erteilt. Nun kann die Transaktion gemäß Kaufvertrag stattfinden.

 

Eigentlich war der Deal schon perfekt: Die russische Rusal übernimmt den deutschen Mittelständler Alu Rheinfelden. Die Produktion sollte in Deutschland bleiben und Forschung und Entwicklung sollten gestärkt werden. Alle Beteiligten waren glücklich.

Hatte doch die Alu im Herbst 2020 ein vorläufiges Insolvenzverfahren beantragt und 55 von 256 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen gekündigt. Im Februar dann die erleichternde Mitteilung der für die Sanierung zuständigen Kanzlei: Ein Investor ist gefunden. Der Haken: Die Übernahme musste noch vom Bundeswirtschaftsministerium sowie dem Bundeskartellamt genehmigt werden.

Aluminium Rheinfelden ist Aluhersteller mit langer Tradition. Es war 1898 die erste Aluminiumhütte in Deutschland. Heute ist das Unternehmen in drei Geschäftsbereichen aktiv:

  • Alloys, also Legierungen. Hier besitzt Alu Rheinfelden mehrere Patente und Markennamen, die in der Automobilindustrie bekannt sind.
  • Semis, also primäre und einzigartige Butzen, Rohlinge und vorgeschnittene Teile aus recyceltem Aluminium.
  • Carbon:Carbonpasten helfen bei der Herstellung von hochreinen Ferrolegierungen und von Siliziummetall.

Einen Preis für die Übernahme nennen die Beteilgten nicht, allerdings gibt es Gerüchte, die ihn noch nicht einmal bei 15 Millionen Euro sehen.

Mittlerweile gab es das OK des Bundeskartellamts und sogar von Betriebsrat und Gewerkschaft. Die Acht-Wochen-Frist läuft am 8. April ab, hat das Bundeswirtschaftsministerium bis dahin keinen Einspruch eingelegt, gilt der Kauf als wirksam.

Bild-Zeitung schürt Bedenken

Zwischenzeitlich hatte jedoch die Bild-Zeitung Bedenken gegen den Verkauf geschürt. Mit der Schlagzeile "Deutsche Patente für Putins Panzer" wurden Befürchtungen genährt, dass das deutsche Know-how für die russische Rüstungsindustrie genutzt würde.

Auch Ralf Fücks, Chef der Denkfabrik Zentrum Liberale Moderne wird von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zitiert: "Es wäre fahrlässig, einem Konzern (wie Rusal, Anm. d. Red.), der die russische Rüstungsindustrie beliefert, sicherheitsrelevantes Know-how einer deutschen Firma auszuliefern."

Zwar sind weder Rusal noch Rheinfelden in der Rüstungsindustrie aktiv. Nach Angaben eines Sprechers von Rusal gab es in der Vergangenheit zwei Rheinfelden-Kunden "mit möglichen Militäranwendungen", die außerhalb der EU lagen. Im Geschäftsvolumen mache das weniger als ein Prozent aus.

Allerdings steht Rusal-Miteigentümer Oleg Wladimirowitsch Deripaska auf den US-Sanktionslisten wegen Mitbesitzes an anderen Fabriken, die Panzer und Flugzeuge herstellen. In die Geschäftsführung von Rusal ist er nach Bekunden des Konzerns nicht mehr involviert.

Rusal produziert vornehmlich Primäraluminium und Aluminiumlegierungen. Bis auf einige Ausnahmen wie Alufolien oder Alufelgen, sind darunter keine fertigen Produkte.

Neuer Interessent taucht auf

Zeitgleich hat ein zweiter Interessent seine Kaufbereitschaft signalisiert. Die Investorengruppe Euroatlantic, zu der Ex-Infineon-Chef Ulrich Schumacher und Erika Zander, Tochter des ehemaligen Rheinfelden-Eigentümers Alois Franke, gehören.

Rusal pocht aktuell auf seine älteren Rechte. Eine Entscheidung sollte in den nächsten Tagen fallen.

Nach eigenem Bekunden ist Deutschland für Rusal ein Kernmarkt für kohlenstoffarmes Karbon. In Europa beschäftigt der russische Konzern mehr als 1.000 Mitarbeiter. Mit dem Kauf von Rheinfelden will sich Rusal auch neue Kunden erschließen, da die Abnehmerkreise sich aktuell nur wenig überlappen.

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