Platinbrocken auf einem Betonboden

Platin legt eine besonders steile Preiskurve hin. (Bild: Phawat - stock.adobe.com)

| von Dörte Neitzel

Während sich der Goldpreis von seinem Rekordhoch im Sommer 2020 mit über 2.000 US-Dollar wieder den 1.800 US-Dollar pro Feinunze annähert, haben sich seitdem die Preise anderer Edel- und Industriemetalle in steile Höhen geschraubt. Die Rede ist von Kupfer, Zinn und Platin.

So hat sich der Kupferpreis innerhalb eines Jahres fast verdoppelt. Lag er Mitte März 2020 noch bei knapp 4.700 US-Dollar, notiert er genau elf Monate später bei über 9.000 US-Dollar. Kupfer gilt aufgrund seiner vielseitigen Verwendung als Konjunkturbarometer. Der Preis markiert ein Neun-Jahres-Hoch.

Auch die Preiskurve von Zinn zeigt steil nach oben. Von knapp 13.800 US-Dollar schoss der Rohstoff binnen elf Monaten auf ein Rekordniveau von 29.540 US-Dollar (Stand: 22.2.2021). Verwendet wird Zinn vor allem zum Löten. Mit dem Halbleiter-Boom stieg die Nachfrage rasant an.

Auch Platin legt eine Rallye hin. War es lange Zeit die kleine Schwester von beliebten und sehr teuren Palladium, wird die Nachfrage seit Monaten immer größer. Von knappen 600 US-Dollar im März 2020 verdoppelte sich der Platinpreis auf 1.275 (Stand 22.2.2021). Seinen Einsatz hat Platin in der Industrie vor allem in Autokatalysatoren.

Gründe für den Boom bei Industriemetallen

Wie alle Preis-Rallyes hat auch diese mit einem Missverhältnis von Angebot und Nachfrage zu tun. Während der ersten Phase der Corona-Pandemie fuhren viele Minenbetreiber ihre Förderung zurück. Denn auch die Nachfrage nach Rohstoffen kam durch die weltweiten Lockdowns zunächst fast zum Erliegen. Das führte jedoch zum Abbau von Lagerbeständen bei den Unternehmen.

Während die Nachfrage im ersten Pandemieschock also sank, erholte sich die größte Volkswirtschaft, China, relativ schnell durch die restriktiven Maßnahmen. Mittlerweile liegen die Hoffnungen auf den Impfungen, die auch außerhalb Chinas wieder ein normales Leben und damit eine florierende Wirtschaft ermöglichen sollen.

Laut Eugen Weinberg, Rohstoff-Chefanalyst der Commerzbank ist aber noch ein anderer Grund wichtig: "Hinzu kommt die immense Geldschwemme durch viele Staaten und Zentralbanken in der Coronakrise". Das habe viel Geld in die Rohstoffmärkte gespült und die Preise zusätzlich befeuert.

Superzyklus oder normale Preisschwankungen?

Die Analysten großer amerikanischer Banken wie Citigroup oder JP Morgan sprechen bereits von einem neuen „Superzyklus“ am Rohstoffmarkt, einem anhaltenden Preisauftrieb. Einen solchen Superzyklus hatte es zuletzt nach dem Jahrtausendwechsel gegeben. Chinas Wirtschaft wuchs rasant und die Nachfrage war entsprechend hoch.

Heute komme die Nachfrage Chinas, aber auch die von aufstrebenden Ländern wie Indien, hinzu. Auch die USA erwacht aus dem Corona-Tief. Zudem benötige die Umstellung der Wirtschaft auf grüne Technologien viele Rohstoffe.

Eugen Weinberg von der Commerzbank ist nicht überzeugt davon. Er spricht lieber von einem zeitweisen kräftigen Preisanstieg. Denn über den Fortgang der Coronakrise gebe es noch zu viel Unsicherheit.

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Batterie-Metalle stark gefragt

Besonders die Elektromobilität befeuert die Nachfrage nach Industriemetallen und anderen Rohstoffen. Besonders Lithium und Graphit sind hier zu nennen. Aber auch der Preis von Nickel kennt seit einem Jahr nur noch einen klaren Trend: aufwärts. von knapp 11.000 US-Dollar stieg der Preis auf aktuell knapp 20.000 US-Dollar.

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