Aufeinander gestapelte Kupferstangen

Kupferstangen: China ist auf dem Weg, den Kupfermarkt noch stärker zu beherrschen. (Bild: salita2010/Adobestock)

| von Dörte Neitzel

Die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) geht davon aus, dass die Risiken auf dem Kupfermarkt zunehmen. Das liege vor allem an der steigenden Marktmacht von China.

Die DERA rechnet damit, dass die Nachfrage nach Kupfer mittelfristig nach oben geht, während sich gleichzeitig die Förderung zunehmend in politisch instabile Länder verlagert.

Kupfer ist unverzichtbar

Kupfer wird aufgrund seiner hervorragenden elektrischen Leitfähigkeit vorwiegend in elektrischen Anwendungen und als Stromleiter eingesetzt. Nach Silber hat das Metall die beste Leitfähigkeit. Somit ist Kupfer beispielsweise für die Energie- und Verkehrswende sowie die Dekarbonisierung der Gesellschaft und der Industrie unverzichtbar.

Laut der Rohstoffrisikobewertung für Kupfer der DERA erwarten die Experten mehr Nachfrage durch die E-Mobilität. Allerdings werde sich das bis 2025 noch nicht auf die Gesamtnachfrage auswirken. Bis dahin, so die DERA, werde der Kupfermarkt zwischen 228.000 und 1,4 Millionen Tonnen im Überschuss liegen.

China ist wichtigster Kupferkäufer

Allerdings steigt seit Jahren der Kupferbedarf in China überdurchschnittlich stark an. Zuletzt hat die Deutsche Rohstoffagentur eine Risikobewertung für Kupfer im Jahr 2013 veröffentlicht. Seitdem, so die aktualisierte Version, habe China seine Marktmacht im Kupfermarkt stark ausgebaut.

Zum einen fragt China mittlerweile 50 Prozent des weltweiten Bedarfs nach. "Diese dominante Stellung birgt Risiken, da die weltweite Kupfernachfrage von der konjunkturellen Entwicklung Chinas abhängig ist“, erklärt DERA-Expertin Ulrike Dorner. „Aktuell erleben wir, wie Chinas wiederbelebte Wirtschaft die Kupfernachfrage und damit auch den Preis antreibt.“

Geringste Hüttenlöhne der Welt

Zum anderen hat China die Produktionskapazitäten für raffiniertes Kupfer weiter ausgebaut. Sein Anteil an der globalen Produktion beträgt mehr als 30 Prozent. Das Land ist damit der wichtigste Produzent von raffiniertem Kupfer und chinesische Hüttenlöhne gelten als Referenzlohn für die weltweiten Lohnhütten.

Die seit Jahren fallenden Hüttenlöhne deuten auf große Überkapazitäten bei der Raffinadeproduktion in China hin. Die von der chinesischen Regierung geplanten Konsolidierung der Kupferhütten greift derzeit noch nicht und es ist davon auszugehen, dass das Land seine Produktionskapazitäten weiter steigern wird.

Diagramm mit den größten Kupferminen weltweit
Das sind die größten Kupferminen weltweit (2019). Quelle: DERA/ICSG 2019, Grafik: TECHNIK+EINKAUF)

Südamerika produziert das meiste Kupfer

Weiterhin weltweit führend im Kupferbergbau ist nach wie vor Südamerika. Allerdings konnte das bedeutendste Förderland Chile nicht mit der weltweit steigenden Bergwerksförderung mithalten und hat globale Anteile verloren.

Derzeit hat das Land einen Anteil von etwa 28 Prozent an der weltweiten Kupferförderung. Andere Länder wie Peru und der Kongo haben in den letzten zehn Jahren ihre Produktion deutlich steigern können.

Mittlerweile hat die Demokratische Republik Kongo Sambia als wichtigstes Kupferbergbauland in Afrika abgelöst und ist viertwichtigstes Kupferförderland weltweit.

Kupferproduktion in politisch instabilen Ländern

Damit verschiebt sich die globale Kupferförderung in instabile und risikoreiche Länder. Diese Entwicklung wird auch in den nächsten Jahren fortschreiten, da in im Kongo neue Kupferprojekte entwickelt werden.

Recyclingmaterial aus Kupfer leistet bereits heute einen wichtigen Beitrag zu Erhöhung des Kupferangebots. Etwa 17 Prozent der globalen Raffinadeproduktion werden aus Sekundärmaterial erzeugt. Der Großteil der Schrotte wird in China zurückgewonnen.

Seit Ende 2018 sind in China jedoch Importbeschränkungen für Kupferschrott in Kraft. Mittlerweile werden bestimmte Schrottqualitäten wieder als Rohstoffe umklassifiziert, die dann nicht mehr den Importrestriktionen unterliegen. „Derzeit beobachten wir, dass China das gesunkene Sekundärangebot durch erhöhte Importe von raffiniertem Kupfer ausgleicht“, so die Dorner.

Deutschland auf Platz 3 der Käufer

Es bleibt abzuwarten, wie sich die aktuellen chinesischen Importrestriktionen auf den primären und sekundären Kupfermarkt auswirken werden. Kurzfristig gesehen wird die Covid-19-Pandemie den Kupfermarkt weiterhin beeinflussen.

Sollte es wieder zu regionalen Lockdowns in den Bergwerksregionen kommen, kann dies Auswirkungen auf die Lieferkette haben. Gleichzeitig ist ungewiss, wie sich die Nachfrage entwickeln wird.

Deutschland hat hinter China und den USA den drittgrößten Kupferbedarf, was die große Bedeutung der deutschen Kupferindustrie im weltweiten Vergleich widerspiegelt. Der Bedarf wird einerseits durch die Erzeugung in primären und sekundären Kupferhütten und andererseits durch Importe gedeckt.

Bei der Kupfererzeugung in Deutschland liegt der Anteil an Sekundärmaterial mit 40 Prozent deutlich über dem globalen Durchschnitt.

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