Eine Hand mit Handschuhen hält einen Computer-Chip

Halbleiterhersteller sind begehrte Zulieferer. Welche Firmen liefern die meisten Chips? (Bild: H_Ko/Adobestock)

| von Dörte Neitzel
Aktualisiert am: 08. Apr. 2021

Ein Auto, das automatisch einparkt. Ein Lkw der sowohl ein gleichmäßiges Tempo als auch den Abstand zum Vorfahrenden auf der Autobahn einhält. Beiden ist gemeinsam: Sie beinhalten mehr Softwarecode als ein Flugzeug, zumindest, wenn man Arndt Ellinghorst von Bernstein Research in London glaubt.

Aber tatsächlich behält ein Auto mit Fahrerassistenzsystemen seine Umgebung ständig im Blick, dank der Sensoren. Das, was sie erkennen, muss jedoch verarbeitet werden. Das übernehmen sogenannte Controller, beziehungsweise Microcontroller. "Der muss dann eine Entscheidung fällen, so nach dem Motto: Jetzt brems' doch mal!", erklärt Michael Töpper vom Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration in Berlin.

Von 2012 bis zum Jahr 2017 stieg der Mikrochip-Hunger der Autoindustrie von 25,4 auf 34,4 Milliarden US-Dollar an. Das ist ein Plus von 35 Prozent. Nach Angaben des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZEVI) stecken in Fahrzeugen Mikrochips für etwa 430 Euro, in Elektroautos ist es mit rund 410 Euro etwas mehr. Die Experten gehen davon aus, dass sich der Wert durch das automatisierte Fahren noch einmal um etwa 910 Euro erhöht.

Der Anteil von Halbleitern und passiven Bauelementen ist in den letzten Jahre stark angestiegen. So sind in einem voll ausgestatteten Premiumauto bis zu 10.000 Halbleiter und ein Vielfaches davon an passiven Bauelementen verbaut.

Auf solche Bauteile sind Halbleiterhersteller spezialisiert, die auf Halbleiter basierende elektronische Bauteile herstellen. Doch welche Halbleiterhersteller sind die größten? Dominieren die asiatischen Halbleiter-Produzenten wirklich den Markt? Immerhin hatte sich Peking in seiner 2015 beschlossenen Industriestrategie "Made in China 2025" das Ziel gesetzt, bis 2020 70 Prozent der in China benötigten Halbleiter selbst herzustellen.

Wir stellen die zehn Unternehmen mit den höchsten Umsätzen der Halbleiterbranche vor – bezogen auf die Umsätze im ersten Halbjahr 2020. Wir berücksichtigen dabei sowohl solche mit eigener Fabrikation als auch Auftragsfertiger (Quelle: IC Insights).

Was sind Halbleiter?

Halbleiter sind Stoffe, die sowohl isolieren, als auch elektrischen Strom leiten. Sie besitzen also die Eigenschaften von nicht leitenden Isolatoren als auch von Leitern.

Welche der Eigenschaft im Vordergrund steht, bestimmen äußere Bedingungen sowie die Störungen in der Struktur des Atomgitters eines Halbleiters. Die Stoffe werden in kristalline und amorphe Halbleiter eingeteilt. Eines der bekanntesten Materialien für Halbleiter ist Silizium. Auch Germanium wird verwendet.

Sogenannte organische Halbleiter bestehen größtenteils aus Kohlenstoffatomen. Sie kommen beispielsweise in Leuchtdioden (OLEDs) oder Solarzellen zum Einsatz.

Bedeutung von Chips steigt

Apple hat auf seiner Keynote im November 2020 seinen neuen Computerchip aus dem Hause Apple Silicon vorgestellt. Damit ersetzt der Tech-Riese die Intel-Prozessoren, mit denen er seine Produkte mehr als zwei Jahrzehnte ausgestattet hat, Schritt für Schritt. Ein Zulieferer wird also durch Eigenproduktion ersetzt.

Bisher konnte Apple in der von Intel und Samsung Electronics angeführten Halbleiterindustrie noch kaum Fuß fassen. Das soll sich nun mit den M1-Chips des neuen Macs ändern. Das zeigt, wie viel Musik in der Halbleiterindustrie steckt. Und, dass die USA eine führende Rolle im Halbleitermarkt spielen.

Nach Angaben der World Semiconductor Trade Statistics (WSTS) lag der weltweite Umsatz der Halbleiterunternehmen im Jahr 2018 bei knapp unter 400 Milliarden US-Dollar. Durch die konjunkturelle Abkühlung im Jahr darauf sank die Zahl zwar wieder. Für 2020 und die Jahre danach rechnen die Experten aber wieder mit einem Plus.

Säulendiagram mit dem Umsatz der weltweiten Halbleiterindustrie von 2014 bis 2021 (geschätzt)
So viel Umsatz machen Halbleiterunternehmen. (Quelle: WSTS, Grafik: TECHNIK+EINKAUF)

Welche Arten von Halbleiterherstellern gibt es?

Halbleiterhersteller lassen sich in drei Gruppen einteilen:

1. Klassische Halbleiterhersteller (IDM, Integrated Device Manufacturer): Diese Unternehmen sind sowohl in der Entwicklung als auch in der Produktion von Halbleitern tätig. Beispiele sind etwa Intel, Samsung, SK Hynix, Micron Technologies und Texas Instruments. Ihr Problem: Der Betrieb der Fabriken wird aufgrund der steigenden technischen Anforderungen immer kapitalintensiver.

2. Auftragsfertiger (Pure-Play Foundries): Diese Unternehmen produzieren für andere Unternehmen. Ihre Halbleiter tragen keine eigene Marke. Größter Auftragsfertiger ist TSMC in Taiwan. Auch die chinesische Semiconductor Manufacturing International Corporation (SMIC) fertigt im Auftrag. Seit September 2020 wird das Unternehmen nicht mehr mit Komponenten aus den USA beliefert wegen eines Embargos.

3. Reine Chipentwickler (Fabless): Diese Unternehmen sind nur noch in der Entwicklung tätig. Sie besitzen keine Produktionsstätten (fabless = fabriklos). Sie lassen andere für sich fertigen.

Auswirkungen von Corona auf den Halbleitermarkt

Die Corona-Pandemie hat den Halbleitermarkt im ersten Quartal 2020 kalt erwischt. Die Autobauer und ihre Zulieferer mussten die Pforten schließen, weil die Lieferanten weltweit - ebenfalls aufgrund von Werksschließungen oder Nachschubschwierigkeiten - reihenweise wegbrachen. Auch neue Autos fanden kaum noch Abnehmer und das rund um den Globus.

Getätigte Halbleiter-Bestellungen wurden also flugs entweder reduziert oder komplett storniert. Die Aussichten sahen auf kurze Frist nicht besonders gut aus. Den Chip-Produzenten fielen also ihre Abnehmer weg, sie mussten sich nach Alternativen umschauen. Diese fanden sie in der Unterhaltungsindustrie und im Smart Home-Produkten. Während der Lockdowns boomte dieser Bereich, die Nachfrage war entsprechend hoch.

Doch dann erholte sich China schneller als gedacht. Ebenso schneller als gedacht liefen die chinesischen Werke wieder an und die auch die Nachfrage nach Neuwagen stieg unerwartet rasant. Die Folge: Es fehlten und fehlen Mikrochips an allen Ecken und Enden. So sehr, dass im Januar und Februar Autobauer weltweit Werke zeitweise dichtmachen, weil sie die Produktion ohne die wichtigen Elektronikbauteile nicht aufrechterhalten können.

Kurzfristige Bestellungen bei Infineon & Co. sind allerdings nicht möglich. Um die richtigen Chips herzustellen, sind Hunderte von Prozessschritten nötig. Nachschub zu organisieren dauert also in einem solchen Fall nicht Tage, sondern Monate. Hinzu kommt das US-Embargo geben chinesische Hersteller wie SMIC sowie prognostizierte Beschaffungsrisiken der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) für die benötigten Rohstoffe, sogar von Silizium.

US-Sanktionen gegen chinesische Chiphersteller

Ein nicht zu unterschätzendes Risiko für alle Halbleiter-Einkäufer sind die Sanktionen der USA unter Donald Trump gegen chinesische Unternehmen wie den Konzern Huawei. Zunächst galt ein Verbot, von Huawei entwickelte Chips in US-Produkten zu verwenden. Die US-Regierung befürchtet, dass sich Huawei über sein Firmen-Netzwerk über Umwege Zugriff auf amerikanische Technik verschafft. Diese Regelung wurde jedoch verschärft.

Von den Sanktionen sind jetzt auch Zulieferer von Huawei betroffen. Beispielsweise stehen Unternehmen auf der Blacklist, die Maschinen aus den USA nutzen, um Chips herzustellen, die an Huawei geliefert werden sollen. Das Problem der Lieferanten: Sie haben ihre Maschinen für die Chipherstellung meist in den Vereinigten Staaten gekauft.

So stellen beispielsweise KLA-Tencor, Lam Research oder Applied Materials entsprechende Maschinen für die Herstellung von Chips her. Aber auch die niederländische ASML ist betroffen.

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Halbleiterhersteller Ranking 2020

Wo kommen die meisten und die größten Halbleiter-Zulieferer her? Häufig ist die Rede von "aus Asien". Doch ist das wirklich so? Welche Rolle spielen US-Firmen? Und was ist mit deutschen Halbleiter-Produzenten wie Infineon, Carl Zeiss SMT oder Siltronic/Wacker? Sind auch sie im Ranking 2020 enthalten?

Platz eins bis drei

Die ersten drei Plätze teilen sich seit geraumer Zeit Intel, Samsung und TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Company). Bis 2018 lag Samsung noch ganz vorne, wurde dann aber von seinem schärfsten Konkurrenten Intel abgelöst. Insgesamt konnten alle drei Unternehmen im ersten Halbjahr 2020 ihre Umsätze steigern, und das sogar signifikant. TSMC hat hier mit einem Plus von 40 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 die Nase vorn, landet aber nur auf Platz 3.

Platz vier bis sieben

Aus Südkorea stammt die Nummer vier im Ranking 2020, bei steigendem Umsatz bleibt SK Hynix stabil. Micron Technologies ist ein US-Unternehmen, das seine Chips weltweit produziert. Es hat sich vor allem auf Computer-Chips spezialisiert. Ebenfalls aus den USA stammt Broadcom. Das Unternehmen mit Sitz in San José, Kalifornien, kann seinen sechsten Rang erfolgreich verteidigen. Ein weiterer US-Hersteller landet mit Qualcomm auf Platz sieben, ebenfalls wie im Vorjahr.

Platz acht bis zehn

Nvidia entwickelt Grafikprozessoren und Computer-Chips, lässt diese aber extern fertigen und erreicht den achten Platz im Ranking der größten Chip-Produzenten weltweit. Texas Instruments (ebenfalls USA) sowie HiSilicon aus China folgen auf den weiteren Plätzen.

Halbleitermarkt wächst bis 2021

Die Worldwide Semiconductor Trade Statistics (WSTS) geht davon aus, dass der Halbleitermarkt in 2020 um gute fünf Prozent auf 433 Milliarden US-Dollar gestiegen ist. In 2021 rechnen die Statistiker mit einem weiteren Wachstum um 8,4 Prozent. Vor allem bei den Speicher-Chips (13,3 Prozent) und optoelektronischen Chips (10,2 Prozent) soll es zweistellige Wachstumsraten geben.

Auch werden alle Regionen von der Steigerung betroffen sein. Besonders hoch werde der Zuwachs aber in Amerika sowie in Asien ausfallen.

Das sind die größten Halbleiterhersteller in Deutschland

Platz 1: Infineon Technologies, Neubiberg

Infineon Technologies wurde 1999 als eigenständiges Halbleitergeschäft aus dem Siemenskonzern ausgegliedert und ist ein aktiennotiertes Unternehmen. Es hat im Geschäftsjahr 2018/2019 einen Umsatz von 8 Milliarden Euro ausgewiesen. Mehr als 41.000 Mitarbeiter sind weltweit beschäftigt, Kerngeschäft ist nach wie vor die Halbleiter-Produktion. Diese gliedert sich in die Geschäftsbereiche Automotive, Digital Security Solutions, Industrial Power Control und Power Management & Multimarket. In der Automobilindustrie sind Infineon-Halbleiter für Antriebsstränge, Komfortelektronik oder Sicherheitssysteme gefragt. Infineon fertigt aber auch Halbleiter für Telefonie, Haushaltsgeräte, Computer-Elektronik oder Maschinen.

Platz 2: Carl Zeiss SMT, Oberkochen

Carl Zeiss SMT ist eine Tochter der Carl Zeiss AG. Das Kürzel SMT steht für Semiconductor Manufacturing Technology. Im Jahr 2018/2019 wies das Unternehmen einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro aus. Seit 2016 ist der niederländische ASML mit 25 Prozent beteiligt, ebenfalls im Halbleitergeschäft unterwegs. An fünf Standorten sind etwa 2.800 Mitarbeiter beschäftigt. Schwerpunkt der Fertigung ist die Fotolithographie, eine Methode zur Produktion von integrierten Schaltkreisen.

Platz 3: Siltronic, München

Siltronic ging 1996 aus Wacker Chemitronik hervor, wobei es nach wie vor Verbindungen zu Wacker Chemie gibt (30 prozentige Beteiligung). Im Jahr 2019 meldete Siltronic einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro. Das Unternehmen produziert in den USA (Portland), in Singapur und in Deutschland. Fokus sind Siliziumwafer. Die dünnen Platten sind als elektronische Bauelemente in der Mikroelektronik, Mikrosystemtechnik und der Photovoltaik gefragt.

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