MEWA_Chemikalienschutzkleidung_Labor1000

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| von Dörte Neitzel
Zentraler Punkt der gesetzlichen Vorschriften ist die Gefährdungsanalyse Sie muss für jeden Arbeitsplatz individuell durchgeführt werden Neben der exakten Angabe der Chemikalien fließt hier ein, wo genau sie zum Einsatz kommen sowie die Art und Weise, Dauer und Temperatur ihrer Einwirkung Ziel ist es, die realen Risiken zu identifizieren – erst dann kann die jeweils passende PSA unter den sechs unterschiedlichen Typklassen für Chemikalienschutzkleidung ausgewählt werden Das gilt  für Chemieunternehmen ebenso wie für Batteriehersteller, die Betriebe der Galvanotechnik, Labore oder Forschungsanstalten. Die Bandbreite chemischer Substanzen, vor denen jeder einzelne Mitarbeiter durch die Persönliche Schutzausrüstung (PSA) geschützt werden soll, reicht von Säuren, Laugen und Lösemitteln über Fette und Öle bis hin zu Stäuben oder Gasen. Zentraler Punkt der gesetzlichen Vorschriften ist die Gefährdungsanalyse. Sie muss für jeden Arbeitsplatz individuell durchgeführt werden. Neben der exakten Angabe der Chemikalien fließt hier ein, wo genau sie zum Einsatz kommen sowie die Art und Weise, Dauer und Temperatur ihrer Einwirkung. Ziel ist es, die realen Risiken zu identifizieren – erst dann kann die jeweils passende PSA unter den sechs unterschiedlichen Typklassen für Chemikalienschutzkleidung ausgewählt werden.

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Die richtige Schutzkleidung beschaffen.

Die rund 50 existierenden Normen sind hier zwar eine gute Orientierung, aber kein Gütesiegel und entbinden den Arbeitgeber nicht von seiner Pflicht zur Analyse der tatsächlichen Gefährdungen. So schützt etwa eine Schutzkleidung gegen flüssige Chemikalien und geringem Einwirkungsrisiko nach Typ 6 mit der Zertifizierung EN 13034 wie im Anwendungsbereich beschrieben, nur eingeschränkt. Denn im Rahmen der Testverfahren muss die Gewebebeständigkeit nur für eine von vier Chemikalien nachgewiesen werden. Keine wirklich belastbare Prüfung, da in der Praxis auch andere Chemikalien eingesetzt werden können.

Die Anforderungen an eine Schutzkleidung müssen daher individuell für jeden Arbeitsplatz unter den speziellen Bedingungen überprüft werden. Wichtige Kriterien sind die Art der Chemikalien, ihre Konzentration, die Umgebungstemperatur, in der die Chemikalie eingesetzt wird, Dauer, Art und Weise der Einwirkung der Chemikalie auf die Schutzkleidung sowie die mechanische Beanspruchung der Schutzkleidung.

Art der Bekleidung

Je nach Typ wird Chemikalienschutzkleidung für den gesamten Körper als einteiliger Overall oder zweiteiliger Anzug mit oder ohne Haube oder Sichtscheibe eingesetzt, mit oder ohne Füßlingen oder Überschuhen oder Atemschutz. Die Gefährdungsbeurteilung entscheidet auch darüber, ob ein Teilkörperschutz ausreichend oder ein Vollkörperschutz notwendig ist. Grob können die einzelnen Typklassen wie folgt beschrieben werden: Typ 1 ist gasdicht; Typ 2 ist nicht gasdicht; Typ 3 ist flüssigkeitsdicht; Typ 4 ist sprühdicht; Typ 5 ist partikeldicht; Typ 6 ist begrenzt spritzdicht. Auch beim Einkauf von Schutzbrillen, -stiefeln und -handschuhen sollte auf Qualität und die realen Bedingungen am Arbeitsplatz geachtet werden.

Reality-Check: Eignet sich die Kleidung?

Die Eignung und Akzeptanz der PSA sollte der Arbeitgeber – wenn er auf Basis seiner Gefährdungsanalyse die Auswahl getroffen hat – testen. So findet der Verantwortliche heraus, wie sich die Materialien gegenüber den Chemikalien verhalten. Bei der Auswahl der PSA sollte man sich unbedingt von einem Profi unterstützen lassen. Bevor man sich für eine Kleidung entscheidet, sollte ebenfalls geprüft werden, ob sich ihr Gewebe auch langfristig für eine Exposition gegenüber bestimmten Chemikalien eignet. Sonst können die Kosten für den Verschleißersatz sehr hoch werden.

Um solche teuren Fehlkäufe zu verhindern, ist es am besten, mit der ausgewählten Schutzkleidung Tragetests direkt am Einsatzort durchzuführen, bevor man sich abschließend für ihre Anschaffung entscheidet. Nur wenn die Kleidung auch vorschriftsmäßig getragen wird, erfüllt sie ihre volle Schutzleistung. Wichtig ist daher ebenfalls die Funktionalität der Kleidung: Alle Tätigkeiten müssen ungehindert und ohne Schwierigkeiten durchgeführt werden können. Auch das Thema Wohlfühlfaktor spielt eine Rolle – erst wenn sich der Träger in der Schutzkleidung wohlfühlt und sich die Kleidung gut an- und ausziehen lässt, wird er die Kleidung wie vorgeschrieben tragen. Diese Akzeptanz der Schutzkleidung führt in letzter Konsequenz zum optimalen Schutz.

Pflege und Wartung wichtig

Zu guter Letzt: Arbeitgeber müssen auch dafür sorgen, dass die Chemikalienschutzkleidung funktionsfähig bleibt und diese vorschriftsmäßig pflegen und warten. Waschen in Eigenregie ist daher keine Option: Chemikalienschutzkleidung muss in der Regel nach dem Waschen immer nachgerüstet werden, damit sie ihre Schutzfunktion wieder erfüllt. Professionelle Anbieter von Schutzkleidung im Mietservice stellen daher nicht nur die Kleidung, sondern übernehmen den gesamten komplexen Pflegekreislauf sowie die Wartung.

Autoren: Silvia Mertens (MEWA), Kathrin Irmer

Bilder: MEWA


Checkliste für den Einkauf von Schutzkleidung

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Ein Team bilden: Wer muss in die Auswahl eingebunden werden?

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Eine Gefährdungsbeurteilung an den Arbeitsplätzen durchführen.

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Die Anforderungen an die Kleidung auf Basis der Gefährdungsbeurteilung definieren.

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Den erforderlichen Schutzumfang der Kleidung festlegen: Nach welchen Normen sollte die Kleidung geprüft sein und welche Körperteile müssen geschützt werden?

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Einen Anbieter auswählen, der als Teil des Leistungspakets Schulungen, Tragetests und Qualitätssicherungsmaßnahmen anbietet.

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Prüfen, ob der Anbieter auch Spezialgrößen liefern kann.

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Die Schutzfunktion der Kleidung im Praxiseinsatz vor Ort testen.

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Den voraussichtlichen Verschleiß der Kleidung vor Anschaffung analysieren.

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Tragetests von ausgewählten Mitarbeitern durchführen lassen, um den Tragekomfort und die Funktionalität zu prüfen.

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Akzeptanz der Kleidung hinsichtlich ihres Tragekomforts bei den Mitarbeitern abfragen.


Einkaufsführer in Zusammenarbeit mit MEWA Textilservice

MEWA versorgt Unternehmen europaweit von 44 Standorten aus mit Berufs- und Schutzkleidung, Putztüchern, Ölauffang- und Fußmatten sowie Teilereinigern im Full-Service. Ergänzend können per Katalog Artikel für Arbeitsschutz unter der Marke ‚World Wide Work by MEWA‘ bestellt werden. Etwa 5 200 Mitarbeiter betreuen über 184 000 Kunden aus Industrie, Handel, Handwerk und Gastronomie. 2017 erzielte die MEWA Gruppe einen Umsatz von 672 Mio Euro. Gegründet 1908, ist MEWA heute führend im Segment Textil-Management. Im November 2013 kam MEWA unter die Top 3 des Deutschen Nachhaltigkeitspreises in der Kategorie ‚Deutschlands nachhaltigste Produkte / Dienstleistungen‘. 2016 wurde das Unternehmen vom Verlag Deutsche Standards zum dritten Mal als ‚Marke des Jahrhunderts‘ und 2015 zum zweiten Mal als ‚Weltmarktführer‘ ausgezeichnet.