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19.11.2015

Der Textildruck steht vor neuen Herausforderungen

Die Texil- und Bekleidungsindustrie verzeichnet in Deutschland seit mehreren Jahren einen konstanten Gewinn. Pro Jahr macht die Branche rund 17.8 Milliarden Euro Gesamtumsatz. Viele Unternehmen produzieren im asiatischen Ausland, wo die Löhne und Produktionskosten billiger sind.

Mit Logistikunternehmen transportieren sie die Waren aus China und anderen Ländern nach Deutschland, um sie in Europa zu verkaufen. Doch die Globalisierung bringt Herausforderungen mit sich. Das gilt auch für Produktionsverfahren wie den Textildruck.

Dieser sorgt besonders bei kleinen und mittleren Betrieben für Veränderungen. Der Textildruck ist ein wichtiger Teilbereich der Branche. Er macht rund ein Fünftel der gesamten Textilproduktion aus, Tendenz steigend, denn Verbraucher wollen individueller sein und der Textildruck ermöglicht vielfältige Designs.

Das Bedrucken von Textilien ist allerdings komplex, da sich die Materialien unterschiedlich verhalten und spezielle Behandlungsformen verlangen. Der Textildruck erfolgt in der Regel analog. Beim digitalen Druck gestaltet sich das Farbmanagement noch als zu anspruchsvoll, sodass nur wenige Unternehmen diese Technik anwenden. Derzeit machen digital bedruckte Textilien zwei Prozent des gesamten Textildrucks laut diesen Informationen aus.

Die Technologie zeigt auch noch andere Probleme. Einzelne Bildpunkte sind auf dem Kleidungsstück sichtbar. Besonders bei Textilien mit Pastellfarben wirkt das extrem störend. Auch Durchdrucke mit einem Spiegelbild auf der Rückseite sind mit dem Digitaldruck nur schwer durchführbar. Dazu kommt, dass helle Farben und Cyan nicht echt wirken. Deshalb arbeiten viele Unternehmen in der Textilindustrie weiterhin mit analogen Druckverfahren wie dem Flex- oder Transferdruck, damit sie den Anforderungen und Märkten gerecht werden können.

Klassischer Textildruck mit Transferpressen

Transferpressen

Transferpressen sind im Textildruck ein Standardwerkzeug. (Bild: wikimedia commons © thermopress.com)

Beim Transferdruck wird das Motiv aus einer einfarbigen oder transparenten Kunststofffolie geschnitten und auf das Textil übertragen. Die Folien sind glatt, matt, weich oder samtartig und meistens rückklebend. Mit dieser Drucktechnik sind keine Farbverläufe möglich. Mehrfarbige Drucke mit hoher Deckkraft lassen sich aber durchführen. Den größten Vorteil, den diese Technik bietet, sind die Farbechtheit und die schnelle und kostengünstige Produktion von einzelnen Exemplaren und kleineren Mengen. Führende Mode- und Heimtextilhersteller nutzen diese Technik sehr häufig.

Die Bilder, Logos oder Schriftzüge, die auf den Kunststofffolien zu sehen sind, lassen sich unter Hitze und Druck auf die Textilien übertragen und fixieren. Gleichzeitig gleichen die Transferpressen Unebenheiten oder Höhenunterschiede bei Reißverschlüssen, Knopfleisten oder aufgesetzten Taschen aus. Die Pressen sind auch anwendbar, um Stoffe mit anderen Materialien zu verkleben. Mit ihnen lassen sich Einlagen für Hemdkragen herstellen und Reflektorstreifen auf Sicherheitskleidung kleben. Hochwertige Transferpressen tragen das CE-Siegel. Dieses bestätigt, dass das Gerät europäischen Qualitätskontrollen entspricht.

Neben der Transferpresse sind weitere hochwertige Werkzeuge und Verbrauchsmaterialien wie Cutter, Verklebezubehör und Schneidunterlagen nötig, um ein perfektes Ergebnis zu erreichen. Bei YOW!, dem Online Shop für Kreativwerkzeuge- und Technologien, gibt es mehr als 200 Geräte, Transferpressen und Verbrauchsmaterialien für Unternehmen der Textilindustrie.

Plotter für die Folien

Bevor die Kunststofffolie auf das T-Shirt, den Pullover oder das Trikot übertragen wird, muss diese erstellt und ausgeschnitten werden. Dafür eignen sich Plotter. Das sind Geräte, die wie ein Drucker funktionieren, aber anstatt eines Druckkopfes, ein Schneidemesser haben. Das Schneidmesser schneidet die Folie in die gewünschte Form. Die Konturen der Vektorgrafiken werden so in die Folie geschnitten, dass diese das Trägerpapier nicht beschädigen. Soll ein Logo oder Schriftzug aus mehreren Farben bestehen, muss die Form aus verschiedenen Farbfolien ausgeschnitten und die einzelnen Teile anschließend auf dem Textil zusammengesetzt werden. Im zweiten Arbeitsschritt kommen die Teile der Farb- und Deckschicht, die nicht zum Motiv gehören, weg. Den Vorgang bezeichnet man im Fachjargon als Entgittern. Diese Methode ist zeitintensiv.

Zukunft des Textildrucks ist digital

Bisher eignet sich der digitale Textildruck noch nicht für die hochwertige Produktion. In Zukunft bekommt diese Technik aber einen hohen Stellenwert. Das MMB-Institut für Medien- und Kompetenzforschung geht davon aus, dass der Digitaldruck bis zum Jahr 2020 überproportional wächst. Die Verpackungsindustrie nutzt diese Technologie bereits.

Auch viele Unternehmen der Textilindustrie sind von der technischen Entwicklung begeistert. Wenn der Digitaldruck in dieser Branche massentauglich einsetzbar ist, können Textildesigner viel kreativer und flexibler mit Formen, Schriftzügen, Logos und Farben experimentieren. Sie haben die Möglichkeit, schneller und besser auf Konsumentenwünsche einzugehen. 

Digitaldruck

Solche bunten Stoffe wurden bisher gewebt. Mit dem Digitaldruck ist es in Zukunft möglich, solche Muster auch zu drucken. (Bild: pixabay © LoggaWiggler)

Zudem verbraucht der digitale Textildruck weniger Ressourcen und ermöglicht schnellere Produktionszyklen. Auch ist er langfristig kostengünstiger als die analogen Druckverfahren. Für die Textilindustrie stellt er eine wichtige Zukunftstechnologie dar. Experten sagen für die nächsten Jahre ein Textildruckwachstum von rund 10 Prozent voraus. Die digitalen Druckmaschinen könnten den Textilmarkt bald komplett prägen. Denn aufgrund der hohen Kundenansprüche steigt der Wettbewerbsdruck. Viele Druckdienstleister wappnen sich mit modernen Digitaldruckmaschinen bereits für die künftigen Leistungsanforderungen.

Hersteller von Digitaldruckern für die Textilindustrie

Dem digitalen Textildruck scheint eine glorreiche Zukunft bevorzustehen. Dafür sprechen zahlreiche Aktivitäten am Markt. Epson sieht im Segment des Textildrucks große Wachstumspotenziale und hat bereits Textildrucker herausgebracht. Ähnlich optimistisch blickt der Hersteller Mimaki in die Zukunft. Der Marketingchef Mike Horsten sieht im Textildruck gute wirtschaftliche Perspektiven. Auch Kornit richtet seine Strategie auf das Wachstum aus. Der Geschäftsführer Wilfried Kampe ist überzeugt, dass die Zukunft des digitalen Textildrucks vor der Tür steht. Eher im Stillen operiert das österreichische Unternehmen Aeoon. Es produziert Direktdrucker für Bekleidung auf hohem Niveau. Die ersten Aeoon-Drucker sind schon in den USA im Einsatz. Große Textilunternehmen, wie Spreadshirt, haben dort über 50 Prozent ihrer Textildrucke digitalisiert.

Autor: Kathrin Irmer

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