Tablet mit grünen Diagrammen

Es gibt zwar Kennzahlen für Nachhaltigkeit, viele Unternehmen können oder wollen ihre Angaben jedoch nicht beweisen. (Bild: Robert Kneschke - stock.adobe.com)

Es ist schwer, dem vergangenen Jahr viel Positives abzugewinnen, aber der rapide Anstieg der Zahl der Verbraucher, die sagen, dass die Pandemie sie dazu inspiriert hat, in Zukunft nachhaltiger einzukaufen, ist ein Silberstreif am Horizont.

Laut einer aktuellen Studie von Mastercard durchgeführt in 24 Ländern geben 58 Prozent der Verbraucher an, dass ihr Umweltbewusstsein seit der Pandemie gestiegen ist. 85 Prozent sind bereit im Jahr 2021 aktiv Umwelt- und Nachhaltigkeitsprobleme zu bekämpfen. Für ein Viertel der Befragten bedeutet dies, dass sie sich weigern, bei Unternehmen einzukaufen, die keine soliden ethischen und ökologischen Referenzen vorweisen.

CSR-Maßnahmen bringen "Nachhaltigkeitsprämie"

Unternehmen wie Unilever vertreten seit langem das Mantra "Gutes tun, indem man Gutes tut". Diese Strategie trägt Früchte. Unilever erklärte kürzlich, dass seine nachhaltigen Marken 50 Prozent schneller wachsen als der Rest des Unternehmens. Das ist auch für Anleger interessant, die zunehmend von einem Trend profitieren wollen, der ihrer Meinung nach weiter an Dynamik gewinnen wird.

Unternehmen mit guten CSR-Profilen schneiden besser ab als ihre Konkurrenten und profitieren von einer "Nachhaltigkeitsprämie", so Larry Fink, Vorsitzender von BlackRock, dem weltweit größten Vermögensverwalter, in seinem offenen Brief an die CEOs aus dem Jahr 2021. "Je mehr Ihr Unternehmen zeigen kann, dass es seinen Kunden, seinen Mitarbeitern und seinen Gemeinden einen Mehrwert bietet, desto besser werden Sie in der Lage sein, im Wettbewerb zu bestehen und langfristige, dauerhafte Gewinne für die Aktionäre zu erzielen."

Wenig Belege für CSR-Kennzahlen

Schon seit einiger Zeit werden Unternehmen dazu ermutigt, CSR-Kennzahlen in ihre Unternehmensberichte aufzunehmen. Doch die Belege zur Untermauerung der Behauptungen sind häufig subjektiv und in vielen Fällen fehlen sie. Der Mangel an Beweisen lässt bei einigen potenziellen Investoren die Alarmglocken läuten. Laut einer Umfrage der Index Industry Association sind 63 Prozent der Investmentgesellschaften der Meinung, dass der Mangel an quantitativen Daten ein Haupthindernis für eine wirksame CSR-Umsetzung ist.

Zyniker argumentieren, dass die Unternehmen absichtlich Informationen zurückhalten, um falsche Behauptungen aufzustellen. Eine von der Europäischen Kommission durchgeführte Untersuchung ergab, dass 42 Prozent der "grünen" Angaben auf Unternehmenswebsites falsche oder irreführende Informationen enthielten. Für viele Unternehmen ist es schwierig gute Absichten durch solide Daten zu stützen. Das gilt insbesondere für die Lieferketten, auf die sich viele große Unternehmen verlassen, um ihre Waren auf den Markt zu bringen.

Dokumente in Papierform erschweren Sichtbarkeit entlang der Lieferkette

Trotz des rasanten technologischen Fortschritts sind Lieferketten in hohem Maße von Dokumenten in Papierform abhängig. Während der Pandemie war das eine der Hauptursachen für Engpässe. Büros und Fabriken wurden geschlossen.

Unternehmen hatten keinen Zugriff auf Dokumente, die ihnen Auskunft gaben, wann sie bezahlt werden oder wo sich die benötigten Waren in ihren Lieferketten befinden. Dokumente in Papierform sind zudem fälschungsanfällig und eignen sich kaum für die Erstellung eines effektiven Prüfpfads, mit dem sich die Herkunft nachverfolgen lässt.

Eine Studie von Deloitte ergab, dass 65 Prozent der Unternehmen nur einen begrenzten oder gar keinen Einblick in ihre Lieferkette unterhalb der ersten Ebene der Lieferanten haben. Da zwischen 80 und 90 Prozent des Umwelt-Fußabdrucks eines Unternehmens auf die Zulieferer zurückzuführen sind, stehen Unternehmen aller Größenordnungen unter wachsendem Druck, sich durch die Veröffentlichung von Nachhaltigkeitsdaten zu größerer Transparenz in den Wertschöpfungsketten zu verpflichten.

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Digitalisierung fördert Transparenz und die Einhaltung des neuen Lieferkettengesetzes

Ab 1. Januar 2023 verpflichtet das deutsche Lieferkettengesetz Unternehmen mit mehr als 3.000 Mitarbeitern die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette sicherzustellen. Das betrifft rund 900 Unternehmen in Deutschland. Ab 2024 gilt die Regelung für Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern, rund 4.800 Unternehmen in Deutschland.

Deutschland ist Vorreiter. Ähnliche Gesetzgebungsverfahren finden in zahlreichen europäischen Ländern sowie auf EU-Ebene statt. Die Regulierung wird dazu beitragen, den Übergang zu einem stärker digital vernetzten Ökosystem in der Lieferkette zu beschleunigen.

Größere Transparenz wird auch bedeuten, dass Beschaffungspraktiken, die sich nur darauf konzentrieren, maximalen Nutzen zu minimalen Kosten zu erzielen, ins Rampenlicht geraten. In dem Maße, in dem die Planung der Widerstandsfähigkeit mit langfristigen Nachhaltigkeitszielen verschmilzt, wird die Entwicklung hin zu kürzeren Lieferketten und mehr Zulieferern zunehmend an Dynamik gewinnen. Diese Umstrukturierung wird Hand in Hand mit einer weitaus kooperativeren Beziehung zwischen Käufern und Lieferanten gehen.

Beziehung zwischen Einkäufer und Lieferanten neu definieren

Die Identifizierung und Bestrafung von Lieferanten, die die Nachhaltigkeitskriterien nicht erfüllen, ist eine Möglichkeit für Unternehmen, ihr Haus zu säubern und ihre eigene CSR-Bilanz zu verbessern. Aber wenn große Organisationen wirklich etwas verändern wollen, müssen sie auch Möglichkeiten in Betracht ziehen, ihren Zulieferern die Instrumente an die Hand zu geben, die sie benötigen, um Teil der Lösung zu werden. Einige Unternehmen entscheiden sich dafür, ihr eigenes Kapital direkt in die Lieferketten zu investieren, um die Arbeitsmethoden zu verbessern. Aber nicht jedes Unternehmen wird diesen Luxus haben. Die Lieferantenfinanzierung bietet einen alternativen Weg.

Durch die Digitalisierung der Beziehungen zwischen Einkäufern und ihren Lieferketten können Unternehmen - über einen Finanzierer - Lieferanten, die bereit sind, sich an Nachhaltigkeitszielen zu orientieren, günstigere Kreditlinien anbieten. Die Lieferanten erhalten das Kapitalpolster, das sie für die Verbesserung ihrer Arbeitspraktiken benötigen. Die Einkäufer können das Kapital behalten, das sie zur Verbesserung ihrer eigenen Prozesse benötigen. Alle gewinnen.

Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass Unternehmen mit einer besseren CSR-Performance besser gegen die Störungen durch die Pandemie gewappnet waren. Unternehmen, die sich gegen künftige Schocks wappnen wollen, haben mit COVID eine fertige Blaupause erhalten, wie sich Nachhaltigkeit auszahlen kann. Für viele Unternehmen wird dies ausreichen, um den Wandel zu beschleunigen. Für diejenigen, die noch zögern, werden der Druck von Verbrauchern, Investoren und Aufsichtsbehörden dazu führen, sich stärker an Nachhaltigkeitszielen auszurichten.

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