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| von Dörte Neitzel

Mit 47,6 Zählern nach 49,7 im Januar rutschte der wichtige Frühindikator für das Verarbeitende Gewerbe im Berichtsmonat auf den tiefsten Stand seit Dezember 2012. Hauptgründe für diesen Abwärtstrend waren nach Meinung von EMI-Umfrageteilnehmern der anhaltend rückläufige Auftragseingang sowie das deutlich gesunkene Produktionsniveau.

EMI zum zweiten Mal unter 50er-Schwelle

„Nachdem der EMI abermals unter die magische 50-Punkte-Schwelle gerutscht ist, stellt sich uns die Frage, ob es sich nur um eine Konjunkturdelle oder bereits um den beginnenden Abschwung handelt“, betonte Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME).

„Im Februar zeigt sich der EMI noch einmal schwach. Vermutlich hat die Diskussion um Autozölle Unsicherheit in die deutsche Industrie gebracht“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, die aktuellen EMI-Daten. Auch wenn dieses Thema noch nicht vom Tisch sei, zeigten sich bezüglich anderer Aspekte deutliche Erholungsanzeichen.

Die expansive Geld- und Fiskalpolitik in China habe dort schon für eine Konjunkturaufhellung gesorgt. Auch seien die Chancen weiterhin hoch, dass die USA und China ihren Handelsstreit beilegen beziehungsweise sogar Zollsenkungen herbeiführen könnten. „Der starke Aktienmarktanstieg wird auch die Stimmung bei den Unternehmen in Deutschland beflügeln. Es gibt also auch in Deutschland Boten für einen Konjunkturfrühling“ so die Helaba-Bankdirektorin.

Leichte Rezession der Industrie

„Die Industrie in Deutschland befindet sich in einer leichten Rezession, während gesamtwirtschaftlich eine solche Rezession dank starker Dienstleister vermieden werden konnte. Daran scheint sich im ersten Quartal nichts zum Positiven zu wenden, wenn man auf die Einkaufsmanager-Indizes blickt“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, am Dienstag dem BME.

„Die Sorgenfalten in der Industrie werden tiefer. Insbesondere die Entwicklung der Nachfrage ist aus Sicht der Unternehmen zunehmend ein Risiko“, erklärt Emanuel Weishäupl, Leiter des Referats Grundsatzfragen der Außenwirtschaft und Entwicklungspolitik des DIHK. Die Handelsstreitigkeiten und der Brexit belasteten die Exporte. „Aber auch am heimischen Standort wachsen mit Blick auf die hohe Bürokratie- und Steuerbelastung und den Modernisierungsbedarf in der Infrastruktur die Sorgen“, sagte Weishäupl am Dienstag dem BME.

Rohstoffpreise ziehen an

Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise sagte Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG, am Dienstag dem BME: „Schon im Verlauf des Februar 2019 sind die Preise etlicher Kunststoffe angestiegen. Während dieser Zeit erhöhten sich auch die Notierungen etlicher Vormaterialien.

Die Rohölpreise stabilisieren sich aktuell um 65 US-Dollar je Barrel Brent. Bei Ethylen, Propylen und Benzol zogen die Kontraktpreise für März 2019 aktuell deutlich an. Wir gehen davon aus, dass diese größtenteils in der Lieferkette durchgereicht werden.

Dies gilt umso mehr, als bei einigen Kunststoffen die Versorgung im Verlauf des zweiten Quartals 2019 infolge von Wartungsarbeiten knapper werden könnte. Somit sind in den nächsten Monaten anziehende Kunststoffnotierungen zu erwarten.“

Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick

Industrieproduktion: Zum ersten Mal seit fast sechs Jahren ist die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe Deutschlands im Februar geschrumpft. Der Rückgang überkompensierte den leichten Anstieg im Januar und war auf einen anhaltenden Sinkflug der Neuaufträge zurückzuführen. Das Plus im Konsumgüterbereich konnte dabei das Minus im Vorleistungs- sowie im Investitionsgüterbereich nicht ausgleichen.

Auftragseingang insgesamt/Export: Das fünfte Minus im Auftragseingang in Folge fiel im Februar noch heftiger aus und ließ den saisonbereinigten Teilindex auf den tiefsten Stand seit sechseinhalb Jahren absacken. Der jüngste Rückgang wurde hauptsächlich der schwindenden Nachfrage in den Exportmärkten (vor allem Asien), der strauchelnden Autoindustrie, der wachsenden Zurückhaltung unter den Kunden sowie dem steigenden Wettbewerbsdruck zugeschrieben.

Bei den Exportordern setzte sich der Negativtrend fort. Der entsprechende Teilindex stürzte auf den niedrigsten Wert seit Oktober 2012 – unmittelbar nach dem Höhepunkt der Schuldenkrise in der Eurozone. Die Produzenten von Vorleistungsgütern und Investitionsgütern sahen ähnlich starke Rückgänge im Februar. Dagegen gab es im Konsumgüterbereich keine Veränderung zum Vormonat.

Beschäftigung: Die jüngsten Umfrageergebnisse zeigen, dass sich das solide Beschäftigungswachstum auch im Februar branchenweit fortsetzte. Der saisonbereinigte Teilindex blieb unverändert gegenüber Januar und damit komfortabel über seinem Langzeit-Durchschnitt von 50,5 Punkten. Allerdings lag die Rate unter den starken Werten der Jahre 2017/18. Firmen, die ein Stellenplus verzeichneten, begründeten dies vor allem mit potenziellen Zuwächsen in neuen Märkten sowie der strategischen Unternehmensplanung.

Einkaufs-/Verkaufspreise: Der saisonbereinigte Teilindex Einkaufspreise fiel im Februar den vierten Monat in Folge auf den nun niedrigsten Stand seit Oktober 2016. Die Verbilligung von Stahl wurde weithin als einer der Hauptfaktoren für den Rückgang angegeben. Daneben merkten einige Umfrageteilnehmer an, dass sich der Verkäufermarkt allmählich in einen Käufermarkt entwickelt, da die Einkaufsmengen fallen und Verfügbarkeit steigt.

Der etwas geringere Kostendruck und die nachlassende Nachfrage bewirkten einen langsameren Anstieg der Verkaufspreise. Die Inflationsrate schwächte sich gegenüber Januar merklich auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2016 ab. Allerdings notierte der saisonbereinigte Teilindex immer noch über seinem langfristigen Mittelwert von 51,6 Punkten. Während die Preise für Konsumgüter erneut kräftig zulegten, fielen die Erhöhungen für Vorleistungs- und Investitionsgüter moderat aus.

Jahresausblick: Die Sorgen der Hersteller im Hinblick auf die Produktionsauslastung der kommenden zwölf Monate haben sich im Februar vergrößert. Die Erwartungen wurden so pessimistisch eingeschätzt wie seit November 2012 nicht mehr. Für Kopfzerbrechen bei den befragten Managern sorgen dabei immer noch der bevorstehende Brexit, Handelskriege, geopolitische Unsicherheiten und die Abkühlung der Konjunktur. Nur die Hersteller von Konsumgütern zeigten sich zuversichtlich, binnen Jahresfrist weiteres Wachstum zu generieren.

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