Freihandel betrifft vor allem (aber nicht nur) den Warenaustausch per Containerschiff.(Bild: VanderWolf Images - stock.adobe.com)
Freihandelsabkommen sind nicht nur für den Absatz von Produkten bedeutsam, sondern auch für den Einkauf. Wie funktioniert die weltweite Beschaffung und welche sind die größten Freihandelsgebiete?
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Nichts verachten viele Menschen derzeit scheinbar so sehr wie den freien Handel mit Waren und Dienstleistungen. US-Präsident Donald Trump hat deshalb bereits in seiner ersten Amtszeit den Beitritt seines Landes zum Transpazifischen Freihandelsabkommen TPP verhindert und hat neu über die nordamerikanische Freihandelszone NAFTA verhandelt. In Großbritannien führte Premierministerin Theresa May ihr Land aus der Europäischen Union.
Gleichzeitig konnten Unternehmen weltweit noch nie so frei mit ihren Produkten handeln wie heute. Insgesamt 375 Freihandelsabkommen zwischen zwei oder mehr Staaten verzeichnete die Welthandelsorganisation (WTO) im Jahr 2025. All diese völkerrechtlichen Verträge haben eines gemeinsam: Staaten verzichten darin auf Zölle auf Einfuhren aus ihren Partnerländern. So wollen Regierungen heimischen Unternehmen neue Absatzmärkte eröffnen, das Wachstum ihrer Volkswirtschaften fördern und Arbeitsplätze schaffen.
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Freihandelsabkommen sichern die Erfolge deutscher Unternehmen
Derartige Handelserleichterungen sind gerade für deutsche Unternehmen wichtig. Liegt die Exportquote deutscher Maschinenbauer nach Angaben des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau doch bei rund 80 Prozent. Deutsche Automobilhersteller exportieren, so der Verband der Automobilindustrie (VDA), mit 77 Prozent ihrer Produktion nur etwas weniger. Knapp jeder zweite Arbeitsplatz hängt in Deutschland deshalb vom Export ab, hat der Bundesverband der Deutschen Industrie errechnet.
Umso empfindlicher trifft es deutsche Unternehmer und Arbeitnehmer daher, wenn wie beispielsweise in Indien beim Import eines deutschen Pkw Zölle in Höhe von mehr als 100 Prozent anfallen.
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Massive Gewinne und Einsparungen durch Freihandelsabkommen mit Südkorea und Kanada
Umso mehr profitiert die deutsche Wirtschaft aber auch vom Abschluss von Freihandelsabkommen mit Staaten außerhalb der Europäischen Union (EU).
So wuchsen die Ausfuhren deutscher Elektrotechnik- und Elektronikhersteller nach Südkorea seit Abschluss des Freihandelsabkommens zwischen der EU und dem ostasiatischen Land 2011 nach Berechnungen des Zentralverbands der Eletrotechnik- und Elektroindustrie jedes Jahr um 8,8 Prozentpunkte schneller als die gesamten Exporte der Branche. Auch deutsche Automobilhersteller konnten ihren Marktanteil nach Angaben des VDA in Südkorea seit Inkrafttreten des Abkommens deutlich auf 16 Prozent steigern. Gleichzeitig haben europäische Unternehmen seit 2010 gut 2,8 Milliarden Euro gespart, weil sie in Südkorea günstiger beschaffen konnten und die aufwändige Bürokratie beim Handel mit dem ostasiatischen Partner wegfiel.
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Ähnlich positiv hat sich nach Berechnungen der Europäischen Kommission das Freihandelsabkommen CETA zwischen der EU und Kanada ausgewirkt. Hier wurden rund 99% aller Zölle abgeschafft. Der deutsche Außenhandel stieg zwischen 2016 und 2019 um fast zehn Prozent. Allein der Import vom Rohstoffen von Kanada nach Deutschland schoss bis 2021 um 270 % in die Höhe.
Kampf mit unfairen Mitteln: Nichttarifäre Handelshindernisse
Dabei liegt der größte Gewinn, den deutsche Unternehmen und Einkaufsmanager aus einem Freihandelsabkommen ziehen oft gar nicht im Abbau von Zöllen und Einfuhrsteuern, weiß Volker Treier, ehemaliger Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages: „Viele Länder haben alternative Methoden erarbeitet, um ihrer eigenen Wirtschaft Vorteile zu verschaffen“, so Treier.
Unter anderem schützen Regierungen ihre heimische Wirtschaft indem sie, Mengenbeschränkungen für den Import von Waren festsetzen oder Einfuhren nur Unternehmen gestatten, die dafür eine Lizenz haben. Sie können beim Grenzübertritt aufwändige Verfahren mit hohen Verwaltungsgebühren einführen, aber auch den Export bestimmter Güter verbieten oder nur nach aufwändigen und teuren Lizenzverfahren gestatten, wenn die heimische Wirtschaft bestimmte Ressourcen wie beispielsweise Rohstoffe selbst braucht.
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Bürokratische Schikanen hinter der Grenze
Auch im Land selbst ergreifen Staaten protektionistische Maßnahmen, wenn sie wie China ausländischen Automobilkonzernen nur dann gestatten, in der Volksrepublik zu produzieren und ihre Autos zu verkaufen, wenn sie auch mindestens ein Elektrofahrzeug anbieten, oder verlangen, dass Unternehmen sensible Daten offenlegen oder ein Joint-Venture mit einem heimischen Unternehmen eingehen. Auch die Festlegung technischer Standards und der Patentschutz sind beliebte Waffen, mit denen Regierungen ihre nationalen Unternehmen schützen.
Nichttarifäre Handelshindernisse in Japan entsprachen vor JEFTA einem Zoll von 50%
Wie das Beispiel der Einfuhr ausländischer Fahrzeuge nach Japan vor Einführung des Freihandelsabkommens JEFTA zeigt, sind derartige nichttarifäre Handelshemmnisse alles andere als trivial: Denn obwohl das Land der Morgensonne keine Einfuhrzölle für Fahrzeuge und Komponenten erhob, konnte Japan den Marktanteil ausländischer Hersteller jahrelang mit bürokratischen Schikanen bei nur sechs Prozent halten. Studien zufolge verursachten die nichttarifären Handelshemmnisse ausländischen Automobilkonzernen in dem ostasiatischen Land Kosten, die in ihrer Höhe einem Einfuhrzoll von 50 Prozent entsprechen.
Megaregionale Freihandelsräume: TTP, RCEP und TTIP
Handelsabkommen wie die Transpazifische Partnerschaft TTP zwischen elf Staaten in Asien, Nord- und Südamerika, oder das 2022 in Kraft getretede Regional Comprehensive Economic Partnership RCEP zwischen den ASEAN-Staaten, China, Indien, Japan, Südkorea, Australien sowie Neuseeland und das gescheiterte Abkommen zwischen den USA und der EU (TTIP) vernetzen Volkswirtschaften, indem sie genau auf dieser nichttarifären Ebene ansetzen und damit weit über den Abbau von Zöllen und Abgaben hinausgehen.
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An megaregionalen Freihandelsabkommen ist jeweils mindestens eine Volkswirtschaft beteiligt, die gemessen an ihrem Handel mit Vorleistungsgütern eine beherrschende Stellung in den internationalen Wertschöpfungsketten einnimmt. Zudem entfallen auf alle an dem Abkommen beteiligten Staaten mindestens ein Viertel der weltweiten Direktinvestitionen und Handelsströme. Daher verändern solche Abkommen die globalen Handelsströme und Wertschöpfungsketten grundlegend. Zugleich sind in der Regel alle Mitglieder dieser Partnerschaften bereits durch zahlreiche Freihandelsverträge untereinander sowie mit Drittstaaten verbunden.
So entstehen durch megaregionale Abkommen nicht nur Handelsräume gigantischen Ausmaßes, wie Zahlen der Handelskonferenz der Vereinten Nationen belegen, handelt es sich bei diesen Partnerschaften auch um den neuen Megatrend der internationalen Handelsdiplomatie: Derzeit verhandeln insgesamt 88 Nationen über den Abschluss von sieben solcher Abkommen.
Megaregionale Handelsräume verändern den Welthandel …
Da Mitgliedsstaaten in megaregionalen Freihandelsabkommen über den Abbau von Zöllen hinaus beispielsweise auch einheitliche Regeln für den Patentschutz und die öffentliche Beschaffung, gemeinsame technische Standards für Produkte oder das Wettbewerbsrecht vereinbaren, bieten sie ihnen in Kombination mit der Größe des entstehenden Handelsraumes die Möglichkeit, die Spielregeln der Weltwirtschaft in ihrem Sinne neu zu schreiben.
So entfallen nach Angaben des Weltwirtschaftsforums allein auf die Mitgliedsstaaten der asiatischen Handelszone RECP ein Drittel des globalen Bruttoinlandsprodukts sowie 30 Prozent der weltweiten Exporte. In Anbetracht einer solchen Übermacht haben Staaten, die nicht Mitglied eines megaregionalen Abkommens sind, oft nur die Möglichkeit, die darin vereinbarten Regelungen ebenfalls zu übernehmen, wenn sie im internationalen Handel nicht ins Hintertreffen geraten wollen.
…und können internationale Wertschöpfungsketten verschieben
Zugleich verändern die entstehenden Megahandelsräume auch die internationalen Lieferketten. So erwarten Experten, dass Indien durch den Zusammenschluss der höherentwickelten ASEAN-Staaten mit dem Subkontinent im Rahmen der RCEP-Partnerschaft für asiatische Unternehmen als Beschaffungsmarkt für Vorprodukte mit mittlerer Wertschöpfungstiefe wie Gießereikomponenten deutlich attraktiver wird. Dies wiederum wird die Entwicklung der indischen Wirtschaft fördern und das Land nicht nur als Beschaffungsmarkt in der mit zwei Milliarden Menschen größten Handelszone der Welt aufwerten.
Ein Freihandelsabkommen (FTA) ist ein Vertrag zwischen Ländern oder Wirtschaftsräumen, der Zölle abbaut, Handelsbarrieren reduziert und Regeln für Investitionen vereinheitlicht. Es fördert den Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalaustausch, wie bei RCEP oder CPTPP zu sehen. Ziel ist Wachstum durch effizientere Märkte.
Was sind die größten Freihandelszonen weltweit?
RCEP ist mit 2,3 Mrd. Einwohnern und 29–30 Bio. USD BIP die größte, gefolgt von CPTPP (500 Mio. Einwohner, 15 Bio. USD). Mercosur hat 282 Mio. Einwohner und 2,7 Bio. USD, ASEAN 700 Mio. und 4 Bio. USD.
Wann wurde das EU-Mercosur-Abkommen vereinbart?
Die Verhandlungen starteten 1999, eine Einigung kam 2019, mit Abschluss 2024 und Unterzeichnung Januar 2026. Streitpunkte wie Agrarquoten verzögerten es über 25 Jahre. Es öffnet Märkte für Industriegüter und Agrarprodukte.
Wie wirkt sich RCEP auf den deutschen Handel aus?
Deutschland exportierte 2024 ca. 180–200 Mrd. Euro nach RCEP (v. a. China), importierte 210–230 Mrd. Euro, was ein Defizit von 30 Mrd. ergab. RCEP stärkt den Zugang zu asiatischen Märkten für Maschinen und Autos. ASEAN als Teil trägt mit 27,5 Mrd. Exporten bei.
Was bedeutet das EU-Indien-Abkommen für 2026?
Es wurde kürzlich vereinbart und verspricht Zollabbau für EU-Exporte nach Indien (2024: 17 Mrd. Euro). Indien importierte 14 Mrd. Euro aus Deutschland, mit Potenzial in Tech und Pharma. Gemeinsam haben EU und Indien 1,9 Mrd. Einwohner und 23 Bio. USD BIP.