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Digitalboom sorgt für Lieferengpässe bei Elektronikteilen

Foto: Pixabay

13.11.2018

Digitalboom sorgt für Lieferengpässe bei Elektronikteilen

Durch die Digitalisierung zieht Elektronik in sämtliche Lebensbereiche ein – vom Auto bis zur Schlafzimmerbeleuchtung. Doch die hohe Nachfrage bringt auch Nachteile mit sich.

Der Digitalboom hat für die Industrie unerfreuliche Nebenwirkungen: Halbleiter und andere elektronische Bauteile sind so knapp wie seit langem nicht. Erstmals gab es in den vergangenen Monaten nach Angaben aus der Branche Mangel bei Allerwelts-Bauteilen wie Kondensatoren oder Widerständen. “Am stärksten betroffen waren die Autohersteller und die Automatisierungsindustrie”, sagte Christoph Stoppok, Geschäftsführer des Fachverbands Electronic Components and Systems (ECEI).

Auch passive Bauelemente werden knapp

Folge der Knappheit sind lange Lieferzeiten und höhere Preise – wiewohl der Fachverband sich zu letzterem Thema nicht äußert. Aktuell sei der Höhepunkt der Knappheit laut Stoppok zwar überschritten, da sich die Konjunktur abschwächt. Vollständig normalisiert hat sich die Lage aber nach Industrieangaben jedoch bisher nicht.

Das Außergewöhnliche ist, dass auch passive Bauelemente und andere Produkte knapp werden, insbesondere Mehrschicht-Keramikkondensatoren”, so Stoppok. Passive Bauelemente heißen passiv, weil sie ein elektrisches Signal in einem Schaltkreis nicht verstärken können, dazu gehört Massenware wie Widerstände oder Kondensatoren.

Gründe für die Knappheit

Zwei Faktoren haben die Knappheit befeuert: die seit Jahren andauernde gute Konjunktur und die Tatsache, dass immer mehr Funktionen elektronisch geregelt werden.

Beispiel Auto: Vom Bordcomputer über Motorsteuerung und Fahrerassistenzsysteme bis zu Komfortfunktionen wie der Sitzheizung sind eine Vielzahl elektronisch gesteuerter Schaltungen notwendig. In aktuellen Audi-Modellen sind mittlerweile zum Teil mehr als 100 vernetzte Steuergeräte im Einsatz, lässt die Ingolstädter VW-Tochter verlauten.

Der Anteil von Halbleitern und passiven Bauelementen sei innerhalb der letzten Jahre ebenfalls stark angestiegen. So sind in einem voll ausgestatteten Premiumauto bis zu 10.000 Halbleiter und ein Vielfaches davon an passiven Bauelementen verbaut. Produktionsverzögerungen gab es nach Audi-Angaben nicht. Auch beim Münchner Rivalen BMW heißt es, die Knappheit elektronischer Bauteile sei beherrschbar.

Elektronik in Industrie und Alltag

Doch nicht nur die Automobilindustrie benötigt elektronische Bauteile. Das Alltagsleben wird technologisch komplexer Die Elektronisierung wird nach Einschätzung von Fachleuten in den nächsten Jahren massiv voranschreiten. In der Industrie sind Automatisierung und Robotik derzeit zwei ganz große Themen – und ohne elektronische Messung und Steuerung nicht denkbar.

Und auch das Alltagsleben wird technologisch komplexer – ob E-Bike, mobiles Bezahlen im Geschäft oder selbstregelnde Heizung. Der Zentralverband der Elektronik- und Elektrotechnikindustrie (ZVEI) schätzte im April, dass die weltweiten Umsätze mit Mikroelektronik von 2017 bis 2022 um knapp 90 Milliarden auf eine halbe Billion Dollar zulegen werden.

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Autor: Dörte Neitzel

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