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Einkauf in Tschechien: Was Einkäufer über die Beschaffung in Tschechien wissen müssen

Bild: Pixabay

19.03.2019

Einkauf in Tschechien: Was Einkäufer über die Beschaffung in Tschechien wissen müssen

Tschechien ist für Deutschland ein wichtiger Beschaffungsmarkt. Deutsche Einkäufer sollten das EU-Land bei ihrer Global-Sourcing-Strategie also in Betracht ziehen. Doch was macht die Tschechische Republik für die Beschaffung attraktiv?

Im Jahr 2018 erreichte das Handelsvolumen zwischen Tschechien und Deutschland einen neuen Rekord. Deutsche Einkäufer waren für mehr als 30 Prozent der tschechischen Ausfuhren verantwortlich.

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Deutsche Einkäufer beschafften 2018 noch mehr Produkte aus dem Nachbarland Tschechien als im Jahr zuvor. Auf knapp 33 Prozent kletterte der Anteil Deutschlands am tschechischen Export. Seit 2010 gehört die Tschechische Republik zu den Top 10 der Handelspartner Deutschlands.

Einkauf in Tschechien: Was Einkäufer über die Beschaffung in Tschechien wissen müssen

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Die Industrie basiert insbesondere auf der Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen (z.B. Holz, Kohle, Koks, Briketts, mineralische Rohstoffe), auf dem Maschinenbau sowie der chemischen und metallurgischen Produktion. Auch die Nahrungsmittel-, Schuh-, Textil-, Bekleidungs-, Keramik- und Glasindustrie nehmen eine wichtige Position ein.

Wirtschaftliche Fakten zur Beschaffung in Tschechien

Offizieller Name Česká Republika  (CR) / Tschechische Republik (Tschechien)
Hauptstadt Prag
Amtssprache Tschechisch
Bevölkerung 10,6 Millionen
Bruttoinlandsprodukt 2018 211,8 Mrd. Euro
Bruttoinlandsprodukt pro Kopf 2018
19.944 Euro
Wirtschaftswachstum 2018 / 2019* / 2020* 3,0 % / 2,9 % / 2,6 %
Inflationsrate 2018 / 2019*
2,1 % / 2,2 %
Importe 2017 144,2 Mrd. Euro
Exporte 2017 161,2 Mrd. Euro
Freihandelsabkommen EU-Mitglied

*Prognose GTAI

Beschaffung in Tschechien: Die wichtigsten Ausfuhrgüter

Laut der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer zählen vor allem Straßenfahrzeuge mit etwa einem Fünftel am gesamten deutsch-tschechischen Außenhandelsvolumen zu den bedeutendsten Ausfuhrgütern. Allerdings ging ihr Anteil im vergangenen Jahr erstmals zurück.

Die GTAI geht davon aus, dass die tschechische Automobilindustrie ihren vorläufigen Zenit erreicht zu haben scheint. Marktbeobachter sind der Meinung, dass der Produktionsrekord von 2017 mit 1,4 Millionen Pkw vorerst nicht wesentlich übertroffen werden kann. Auf den weiteren Plätzen rangieren elektrische Maschinen, Geräte und Einrichtungen und Maschinen.

Deutsche Importe aus Tschechien 2017 45,7 Mrd. Euro
Deutsche Exporte nach Tschechien 2017 41,7 Mrd. Euro
Deutsche Einfuhren aus Spanien nach Warengruppen
(in Prozent der gesamten Importe aus Spanien)
· Kfz und -Teile (23,7%)
· Maschinen (13,4%)
· Elektrotechnik (10%)
· Elektronik (8,8%)
· Chem. Erzeugnisse (4,4%)

Die größten ausländischen Investoren in Tschechien sind Volkswagen mit seiner Tochter Skoda, Evo Bus, Magna, Hirschmann, Valeo und Kautex. Aber auch Rehau, Faurecia und AGC produzieren in Tschechien – vor allem als Zulieferer der Automobilindustrie.

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Auch Tschechiens Maschinenbau profitiert stark vom Investitionsboom in der Industrie, die besonders an Automatisierungstechnik interessiert ist. Hersteller von Schienenfahrzeugen und Kraftwerkstechnik sind dank internationaler Aufträge gut im Geschäft. Der Produktionsindex der Branche kletterte in den ersten acht Monaten 2018 um 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zugleich verzeichneten die Betriebe einen Orderzuwachs um 4 Prozent.

Viele Maschinenbauer investieren in neue Ausrüstungen und Software, um ihren Kunden hochwertigere Produkte anbieten zu können. Maschinenbauer ZDAS zum Beispiel rechnet dafür mit Ausgaben von fast 12 Millionen Euro, ebenso Slovacke strojirny aus Mähren. Amtech plant einen Robotik-Inkubator in Brno. Tox Presso­ technik baut Produktionskapazitäten in Brno auf.

Die Metallerzeugung und -verarbeitung befindet sich weiter im Aufschwung. Von Januar bis August 2018 stieg die Produktion um über 5 Prozent. Noch besser entwickelte sich die Auftragslage mit einem Zuwachs der Neubestellungen um mehr als 9 Prozent.

Es gibt viele neue Investitionsvorhaben in der Branche. Die MTX Group steckt 80 Millionen Euro in den Ausbau des nordmährischen Aluminiumwerkes AL Invest Bridlicna. Der Hersteller von Präzisionsstahlteilen, Advanex, will bis Frühjahr 2019 in Prag ein Werk eröffnen und investiert dafür 5 Mil­ lionen Euro. AW Tools aus Brno plant eine neue Eloxieranlage für Aluminiumteile.

Regionale Verteilung wichtiger Wirtschaftszweige in der Tschechischen Republik

Wirtschaftszeweig Regionen
Kfz-Industrie Mittelböhmen, Nordmähren, Ostböhmen, Vysocina, Südböhmen, Nordböhmen
Maschinenbau Plzen, Nordböhmen, Mittelmähren, Nordmähren, Prag
Elektronik, Elektrotechnik Plzen, Südmähren, Mährisch-Schlesien, Ostböhmen, Prag
Metallurgie, Metallerzeugn Mährisch-Schlesien, Südmähren, Mittelböhmen, Plzen, Ostböhmen
Chemie Nordwestböhmen, Mittelböhmen, Ostböhmen, Mittelmähren, Nordmähren
Gummi- und Kunststoffindustrie Nordmähren, Prag, Ostböhmen, Südmähren, Nordböhmen
Lebensmittelindustrie, Getränke Prag, Südböhmen, Plzen, Westböhmen, Südmähren, Nordmähren
Glas, Porzellan Nordböhmen, Westböhmen, Mittelböhmen
Energie Nordwestböhmen, Mittelböhmen, Südböhmen, Südmähren

Quelle: GTAI

Einkauf in Tschechien: Die wichtigsten Rohstoffe

Die Tschechische Republik ist kein rohstoffreiches Land, entsprechend ist der primäre Sektor auch nicht sehr ausgeprägt. Der Bergbau machte 2017  nur 0,7 Prozent der Bruttowertschöpfung aus.

Rohstoffe: Steinkohle, Braunkohle, Kaolin, Ton, Graphit

Produktivität, Qualität und Kosten im Beschaffungsland Tschechien

Die Erfolge der tschechischen Industrie auf den Auslandsmärkten beruhen in erster Linie auf der Expansion des Fahrzeugbaus. Der Ausfuhrwert an Autos und Kfz-Teilen ist in den vergangenen fünf Jahren um rund zwei Drittel auf fast 34 Milliarden Euro gestiegen.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille: Tschechien blickt auf eine rekordverdächtig niedrige Arbeitslosenquote von rund 2,2 Prozent (Stand: März 2018) – das ist der niedrigste Wert in der ganzen EU. Das macht den Arbeitsmarkt extrem angespannt. Nach Untersuchungen des Marktforschungsunternehmens Ipsos musste 2017 jedes vierte tschechische Unternehmen wegen der Personalengpässe Aufträge ablehnen. Ebenso viele Firmen wollen deshalb ihre Ausgaben für die Automatisierung der Produktion ausweiten.

Der Mindestlohn liegt in Tschechien bei 480 Euro im Monat – allerdings bei Lebenshaltungskosten, deren Steigerung denen im Westen wenig nachstehen.

Durchschnittlicher Bruttomonatslohn eines Arbeiters
1.122 Euro
Analphabetenquote 1%
Durchschnittliche Dauer des Schulbesuchs 12,7 Jahre
Anteil der Bevölkerung über 25 Jahren mit sekundärer Schulbildung 99,8%
Anteil der Bevölkerung mit Universitätsabschluss
30,1%
Human Development Index Platz 27 von 189
Global Competitiveness Index
Platz 31 von 138
Offizielle Arbeitslosenquote 2019* 2,4%
Arbeitsproduktivität im EU-Vergleich (Durchschnitt der EU-28 = 100; Deutschland = 105,1) 81,9

*Prognose der GTAI

Beschaffung in Tschechien: Infrastruktur und Logistik

Die Tschechische Republik verfügt über eines der meist entwickelten Verkehrsnetze in Mittel- und Osteuropa. Durch ihre geografische Lage im Herzen Europas bildet sie eine Drehscheibe des Transitverkehrs. Das extensive Netz der Verkehrswege dient nicht nur dem Land selbst, sondern verbindet auch die Nachbarländer und weitere Staaten Europas miteinander. Die Bedeutung der Tschechischen Republik als Transitland ist mit dem Eintritt der Tschechischen Republik auf den Binnenmarkt der Europäischen Union weiter gestiegen.

Die Eisenbahnstrecken sind in Tschechien – gemeinsam mit Belgien – am dichtesten in der EU; im Vergleich mit Westeuropa liegt die Schwäche jedoch darin, dass die Hochgeschwindigkeitskorridore nicht genügend entwickelt sind. Die meisten Eisenbahnstrecken sind in staatlichem Besitz, einige regionale Strecken gehören privaten Eigentümern.

Wichtigste Seehäfen
Wichtigste Flughäfen Prag, Brno, Ostrava
Autobahnnetz 1.250 Kilometer
Eisenbahnnetz 9.620 Kilometer

Risiken bei der Beschaffung in Tschechien: Czexit und Fachkräftemangel

Weder politisch noch geologisch gibt es spezifische Risiken für den Einkauf in Tschechien. Allerdings geistert seit einigen Jahren immer mal wieder das Gespenst vom „Czexit“, also einem Austritt Tschechiens aus der Europäischen Union durch die Nachrichten. Das beunruhigt nicht nur ausländische Investoren, die in Tschechien für den heimischen Markt und den Export produzieren. Auch tschechische Unternehmen, die von der EU als Absatzmarkt im höchsten Maß profitieren, sind verunsichert. Laut der Deutsch-Tschechischen-Industrie-und Handelskammer (AHK) würden mehr als ein Viertel der Unternehmen bei einem Czexit den Standort wechseln – ein Desaster für das Land, denn alleine die größten deutschen Firmen schaffen in Tschechien geschätzt rund 150.000 Arbeitsplätze.

Allerdings hat der Fachkräftemangel auch die Tschechische Republik erreicht. Das zeigt sich insbesondere an der historisch niedrigen Arbeitslosenquote von 2,4 Prozent und den Gehaltserhöhungen. Im Schnitt planen Unternehmen Gehaltserhöhungen von 6,2 Prozent im Produktionsbereich (Blue Collar), bei Bürojobs sind es rund 4,8 Prozent (White Collar). Beispielsweise hat Skoda Auto seine Gehälter 2018 um rund 12 Prozent erhöht.

Trotz der Gehaltserhöhungen macht die hohe Fluktuation den Firmen zu schaffen. In der Fertigung wechseln im Schnitt 11,4 Prozent der Mitarbeiter ihren Job, in manchen Unternehmen wandert sogar jeder dritte Mitarbeiter ab.

Quellen: GTAI, Eurostat, WEF

Autor: Gerd Meyring

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Autor: Dörte Neitzel

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