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Business-Knigge Tschechien: Das müssen Einkäufer wissen

Bild: Pixabay

25.03.2019

Business-Knigge Tschechien: Das müssen Einkäufer wissen

Deutschland ist Tschechiens Top-Exportland. Entsprechend häufig ist der Einkauf zu Gast bei unserem östlichen Nachbarn. Was Sie bei Verhandlungen beachten müssen.

Tschechien zählt zu den am weitesten entwickelten Staaten des ehemaligen Ostblocks – nicht zu verwechseln mit der Slowakei, der anderen Region der ehemaligen Tschechoslowakei. Vielleicht auch deswegen gibt man sich betont lässig und ungezwungen.

Doch bei geschäftlichen Treffen sollte der Einkauf die länderspezifischen Dos und Don’ts kennen. Diese erfahren Sie in unserem Business-Knigge Tschechien.

Die Begrüßung

In Tschechien begrüßt man sich mit Handschlag, jedoch ist es höflicher zu warten, bis einem das Gegenüber die Hand reicht.

Als Anrede ist ein freundliches Dobrý den (Guten Tag) bestens geeignet. Nach sechs Uhr abends wird daraus ein Dobrý večer (Guten Abend). Das allgegenwärtige Ahoj zur Begrüßung bleibt guten Freunden untereinander vorbehalten.

Zur Verabschiedung gibt es meist wieder einen Handschlag und ein Na shledanou (Auf Wiedersehen).

Die Anrede

In Tschechien legt man im Geschäftsleben durchaus Wert auf Titel, sie sind quasi ein natürlicher Bestandteil des Namens. Wenn Sie nicht so richtig wissen, wie Sie Ihr Gegenüber ansprechen sollen, liegen Sie mit Pani (Frau) oder Pane (Mein Herr) immer richtig, noch besser ist ein Pane Rediteli (Herr Geschäftsführer/Direktor), Pane Doktore (Herr Doktor) oder Pane Inženýru (Herr Ingenieur) – auch, wenn es vielleicht nicht stimmt. Übel nimmt es Ihnen keiner.

Tipp: Fragen Sie ruhig nach der richtigen Aussprache des Namens. Das gibt auch gleich einen wunderbaren Small-Talk-Anlass, denn viele tschechische Namen haben deutsche Wurzeln.

Frauen müssen übrigens damit rechnen, dass an ihren Nachnamen ein –ova angehängt wird. Also bitte nicht wundern, Frau Meierova.

Werden Sie als Kunde von Ihrem Gegenüber mit dem Vornamen angeredet, ist das als Kompliment zu verstehen, dass Sie annehmen sollten. Das kommt vor allem bei jüngeren Tschechen schneller vor als bei älteren.

Die Kleidung

Generell trägt man in Tschechien gerne legere Kleidung, nur zu offiziellen Anlässen holen sie Anzug und Krawatte heraus. Und Einkaufsgespräche sind ein solcher Anlass.

Männer machen also mit dem klassischen – nicht zu eleganten – Anzug und einer Krawatte alles richtig, für Frauen ist bei Geschäftstreffen das Kostüm Pflicht.

Auch die richtige Anrede gehört zur Höflichkeit!

Meetings planen

Persönliche Treffen sollten Sie einige Wochen im Voraus planen und den Termin per Mail oder Fax bestätigen.

Wer keinen schlechten Eindruck machen will, kommt besser pünktlich zum vereinbarten Termin. Für das Treffen sollten Sie ebenfalls genügend Zeit einplanen.

Sprachprobleme?

Nutzen Sie Englisch als Geschäftssprache. Vor allem unter Jüngeren ist Englisch in Unternehmen weit verbreitet – gerade in Prag. Zwar kann die ältere Generation – und auch Bewohner der Grenzgebiete – oft gut Deutsch, doch sollte man die Sprache nicht per se voraussetzen.

Bei Älteren ist es meist umgekehrt, sie können nicht immer fließend Englisch, denn die Sprache wird an Schulen noch nicht so lange gelehrt.

In jedem Fall gilt: Langsam sprechen, um sich gegenseitig gut verstehen zu können.

Feine, humorvolle Kommunikation

Tschechen pflegen einen feinsinnigen Humor mit ironischen Zwischentönen. Wer den Humor beherrscht, sammelt Pluspunkte. Wer nicht, sollte nur über sich selbst oder etwas Neutrales witzeln.

Ablauf von Verhandlungen

Einkaufsverhandlungen laufen in der Regel sachorientiert ab. Auch klingelnde Smartphones werden als störend empfunden, daher ist der Lautlos-Modus eine gute Idee.

Trotzdem heißt es auch hier: Beziehungen aufbauen. Dazu gehört, dass Sie sich für Ihr Gegenüber interessieren und gleichzeitig selbst Dinge von sich preisgeben.

In Tschechien will Ihr Geschäftspartner gerne wissen, ob Sie verheiratet sind, wie Ihre Kinder heißen und was Sie am Wochenende machen. Ihr Gegenüber wird Sie umso mehr respektieren, je mehr er merkt, dass sie ernst genommen werden. Das ist ein guter Anfang für Geschäfte.

Geschäftsessen finden in Tschechien meist mittags statt, wobei die Rechnung der Gastgeber bezahlt.

Seien Sie höflich in allen Situationen

In der Tschechischen Republik gilt Höflichkeit als hohes Gut. Beispielsweise geht der Mann vor der Frau durch eine Tür und hält diese auf. Auch den Stuhl zurechtrücken ist im Nachbarland selbstverständlich. Setzen Sie sich in Meetings allerdings nie sofort irgendwo hin, es könnte ein Platz speziell für Sie reserviert sein.

Ein schlichtes „Nein“ ist übrigens grob unhöflich, das gilt es zu vermeiden. Geben Sie Ihrem Gegenüber lieber zu verstehen, dass Sie für sein Anliegen Verständnis haben, es aber gerade schwer möglich ist, darauf einzugehen. Am besten schlagen Sie Alternativen vor.

In E-Mails kommt es übrigens sehr gut an, wenn man ein bis zwei Höflichkeitsformeln in Tschechisch schreibt. Das kann etwa Dobrý den (Guten Tag) als Einleitung sein oder ein S přátelskými pozdravy (Mit freundlichen Grüßen) zum Schluss der Nachricht.

Sagen Sie dobrou chut (Guten Appetit) bevor Sie Ihre Mahlzeit beginnen. Prosten Sie sich gegenseitig zu und stoßen Sie mit Ihrem Geschäftspartner an, ist ein Na zdraví! (Zum Wohl/Auf Ihre Gesundheit/Prost) angebracht.

Richtiger Small-Talk

Gute Small-Talk-Themen sind Kultur und Sport. Fußball und Eishockey sind die zwei beliebtesten Sportarten in Tschechien. Um sich gegenseitig kennenzulernen ist auch die Familie ein willkommenes Thema. Auch Hobbys dürfen gerne ausgetauscht werden.

Eignen Sie sich ein Mindestmaß an Landeskunde an, denn beispielsweise die Regionen Böhmen und Mähren zu verwechseln macht keinen guten Eindruck. Und dass Prag die Hauptstadt ist, sollte auch jedem bekannt sein.

Wer über den Small Talk hinaus gehen möchte, und eine gute Beziehung mit seinem Geschäftspartner aufbauen möchte, geht am besten in die Kneipe. Von Männern wird allerdings Trinkfestigkeit erwartet, dafür werden dann auch Dinge erzählt, die am Verhandlungstisch nicht zur Sprache kommen.

Daher: Besser einen zusätzlichen Abend einplanen als direkt nach dem Meeting wieder zurückfliegen.

Einladungen nach Hause

Sollte Ihr Geschäftspartner Sie nach Hause einladen, ist das eine echte Ehre, die Sie unbedingt annehmen sollten. Bringen Sie Blumen für die Dame des Hauses (eine ungerade Zahl) und eventuell eine Weinflasche mit.

Ziehen Sie zudem Ihre Schuhe aus, wenn Sie die Wohnung betreten – außer, wenn Ihr Gastgeber es gestattet, die Schuhe anzulassen.

Es gilt darüber hinaus als unhöflich, Essen auf dem Teller zurück zu lassen. Sind Sie satt, können Sie einen angebotenen Nachschlag aber höflich ablehnen.

Absolute No-Gos

  • Politik ist ein heikles Pflaster. Nicht gerne gesehen wird es, wenn Deutsche von sich aus die Vergangenheit ansprechen. Das gilt sowohl für die Zeit der Besetzung durch Nazi-Deutschland als auch die Zugehörigkeit zum ehemaligen Ostblock.
  • Vergleichen – oder noch schlimmer – verwechseln Sie nie Tschechen und Slowaken!
  • Sprechen Sie niemals von der Tschechei! Das erinnert vor allem Ältere an die Zeit der Besatzung im zweiten Weltkrieg. Das Land heißt Tschechien oder Tschechische Republik. Zudem liegt es in Mittel- und nicht in Ost-Europa – Prag ist westlicher gelegen als Wien.
  • Die Einwohner des Landes gehen mit Kritik äußerst sparsam um – wenn überhaupt! Äußern Sie Kritik daher nie direkt! Für sie ist auch sachliche Kritik häufig Kritik an der eigenen Person und daher riskant für weitere Geschäftsbeziehungen. Achten Sie daher auf versteckte Bemerkungen und die Körpersprache Ihres Gegenübers, um feine Signale des Missfallens aufzuspüren.
  • Tschechische Arbeitnehmer denken und handeln sehr hierarchisch, daher ist es absolut nicht gern gesehen, wenn Sie Ihr Jackett ausziehen, bevor es der ranghöchste Geschäftspartner auf tschechischer Seite getan hat.

Autor: Dörte Neitzel

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