Würth-C-Teile-Management

Bild: Würth Industrie Services

17. Jul. 2019 | 10:29 Uhr | von Dörte Neitzel

Wer an die Entwicklung einer neuen Maschine oder Anlage denkt, hat Teile mit hohen Ergebnisbeiträgen und/oder Investitionskosten auf dem Schirm. Über C-Teile machen sich hingegen die wenigsten von Anfang an Gedanken. Arbeitsschutzartikel, DIN- und Normteile, chemisch-technische Produkte, Werkstattausrüstung, Verschraubungen – sie müssen einfach irgendwie passen.

Billig ist nicht das Beste

Charakteristisch für diese Artikel sind neben ihrem geringen Stückwert die gleichzeitig hohen Beschaffungskosten. Dahinter stecken vor allem die Vielfalt und Bestellhäufigkeit, die letztlich in eine enorme Datenmenge und einen entsprechend großen Verwaltungsaufwand münden.

Denn bei C-Teilen ist nicht automatisch der günstigste Preis des einzelnen Artikels auch der beste. Andere Faktoren wie Versorgungssicherheit, Serviceleistungen und natürlich die Qualität wirken sich ebenfalls auf die Entscheidung für ein Produkt oder einen Händler aus.

Die Erfahrung zeigt: Für Konstrukteure und Einkäufer ist es hier wirklich nicht einfach, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Einkauf von skalierbaren C-Teile-Management-Systemen

Mit C-Teile-Management Beschaffung verschlanken

Wie lässt sich der Einkaufsprozess also strukturieren, damit die Produktion jederzeit über die passenden C-Teile in der gewünschten Menge verfügt, der Einkauf seinerseits den Aufwand aber entsprechend gering halten kann? Die Antwort lautet “C-Teile-Management”. Dahinter steckt der Ansatz, zunächst den operativen Weg der Materialbeschaffung zu verschlanken.

Viele Unternehmen arbeiten bereits mit selbst entwickelten Lösungen, um beispielsweise Lieferanten und Produktgruppen zu bündeln und um Ordnung direkt am Arbeitsplatz zu schaffen – für einen besseren Überblick über die vorhandenen C-Teile. Je größer der Verbrauch an unterschiedlichen C-Teilen, desto eher lohnt sich der Einsatz professioneller Lösungen. Das beginnt bei einem einfachen Kanban-Regal und endet bei einer digitalisierten Anwendung.

In der Königsdisziplin läuft die komplette Beschaffung der C-Teile vollautomatisiert und ohne manuellen Aufwand.

Was brauche ich wirklich?

C-Teile-Management lohnt sich für jedes Unternehmen, unabhängig von seiner Größe. Welches System hierfür in Frage kommt, lässt sich in einer Bedarfsanalyse zügig ermitteln. Die Würth Industrie Service definiert hierzu zunächst gemeinsam mit dem Anwender den Warenkorb der C-Teile, die es zu bewirtschaften gilt.

Für eine professionelle Konzeption spielen die aktuellen Beschaffungsprozesse sowie die räumlichen Gegebenheiten eine wichtige Rolle. In der Planungsphase entscheiden die Experten über Lagerort und -kapazitäten, die die Anforderungen treffen. Was das Sortiment betrifft, so sind dem praktisch keine Grenzen gesetzt.

Aktuell führt Würth Industrie Service mehr als 1,1 Millionen Artikel. Einsteiger greifen häufig zuerst auf DIN- und Normteile zurück, um den Fokus im ersten Schritt auf den neuen und optimierten Prozess zu richten. Ist der Ablauf im Unternehmen etabliert, können auch Sonder- und Fremdteile sowie lieferantengebundene Teile problemlos hinzugefügt werden. Der modulare Aufbau der Lösungen ermöglicht eine individuelle Gestaltung der Systemlandschaft.

In der Industrie 4.0 auf Nummer sicher

Fertigungslinien werden immer flexibler und die Digitalisierung immer selbstverständlicher. Damit wandeln sich auch die Anforderungen an die Versorgungssicherheit für C-Teile. Die Abläufe sollen derart einfach und schlank sein, dass Kunden bzw. Produktionsmitarbeiter nicht mehr selbst bestellen müssen.

Vielmehr kennt das System eigenständig den genauen Bedarf an Material und meldet diesen vollautomatisiert an den Lieferanten. Ein Beispiel hierfür sind RFID-Kanban-Systeme, die Würth Industrie Service bereits seit knapp zehn Jahren anbietet. Herzstück der Radio-Frequency-Identification-Technologie sind die integrierten Transponder, die Informationen wie Behältertyp, Artikelnummer, Bezeichnung, Füllmenge und Charge speichern und im Bedarfsfall automatisiert eine Bestellung auslösen.

Einkauf von skalierbaren C-Teile-Management-Systemen

Einkauf von skalierbaren C-Teile-Management-Systemen.

Hierzu werden diese Daten direkt von der Produktion des Kunden mehrmals täglich zum Zentrallager in Bad Mergentheim übermittelt. Das RFID-System bildet dabei die Basis für zahlreiche darauf aufbauende Lösungen – von einem intelligenten Regal bis hin zu einer batteriebetriebenen Einheit, die auch für die Bestandsverwaltung eingesetzt werden kann.

Fazit

Die Beschaffung von C-Teilen gehört zu den eher unbeliebten Tätigkeiten der Einkaufsabteilungen. Oder anders ausgedrückt: C-Teile machen Mühe, aber keinen Spaß. Mit einem durchdachten C-Teile-Management lässt sich jedoch ein großer Teil des Aufwands reduzieren. Wie genau das aussehen kann, hängt von den individuellen Anforderungen ab.

Skalierbare Lösungen, intelligente Behälter direkt in der Fertigung und eine systemübergreifende Plattform können zudem Optimierungspotenzial hinsichtlich Bedarf und Verbrauch von C-Teilen aufdecken.

Autoren: Christian Bayer (Würth Industrie Service), Kathrin Irmer

Bilder: Würth Industrie Service


Checkliste für skalierbare C-Teile-Management-Systeme

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Wie viele manuelle Bestellungen tätige ich pro Tag?

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Welchen Umsatz haben meine einzelnen Bestellungen?

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Was kostet ein einzelner Bestellprozess in meinem Unternehmen?

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Wie viele unterschiedliche C-Teile habe ich im System angelegt?

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Auf wie viele Lieferanten greife ich für diese Artikel zurück?

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Welche Fertigungs-, Einkaufs- und Organisationsstruktur habe ich?

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Habe ich ausreichend Lagerflächen?

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Welche zusätzlichen Services sind mir wichtig?


Drei Fragen an Tino Zipf, Einkaufs- und Logistikleiter Bell Equipment:

Wo liegen die besonderen Herausforderungen der Versorgung mit C-Teilen bei Bell Equipment?

Am Standort Eisenach befindet sich die Endmontage der Bell Muldenkipper. Rund 110 Mitarbeiter setzen dabei mit viel Handarbeit die Stahlbaugruppen zusammen, die aus Südafrika zu uns geliefert werden. In einem großen Projekt haben wir in den vergangenen Jahren die Versorgung von DIN- und Normteilen und weiteren Verbindungselementen konsequent auf eine RFID-gestützte Kanban-Versorgung umgestellt und mussten dabei natürlich mit den Vorgaben unseres afrikanischen Mutterkonzerns konform gehen. Das war zunächst eine echte Herausforderung, die wir gemeistert haben. Damit alles passt, beziehen wir aktuell rund 260 unterschiedliche C-Teile über Würth Industrie Service sowie unterschiedliche Verbrauchsmaterialien für die Montage der insgesamt acht verschiedenen Baugruppen.

Wie organisieren Sie die Beschaffung von C-Teilen?

Direkt in unserer Montage befindet sich der zentrale Kanban-Bahnhof, aus dem wir die Arbeitsplätze auf kürzesten Wegen bedienen, damit in unserem Produktionstakt von drei Stunden alles just in time vorhanden ist. Vor über zehn Jahren haben wir mit einem eigenen Kanban-System begonnen und das schrittweise ausgebaut. Inzwischen haben wir die RFID iBOX von Würth Industrie Service in unser bestehendes Kanban integriert.

Wo liegt aus Ihrer Sicht der Vorteil dieser Lösung?

Mit unserer Flottenmanagementlösung I_Site geben wir unseren Kunden ein Werkzeug an die Hand, ihre Flotte zu optimieren – zum Beispiel die Auslastung oder Wartungen zu planen oder Zugangskontrollen zu hinterlegen, um damit die Kosten, Produktivität, Sicherheit und Umwelt immer im Blick zu haben. Die Bedeutung dieses Themas erkennend, stattet Toyota Material Handling ab Oktober 2018 alle Lagertechnikgeräte serienmäßig mit den erforderlichen Komponenten für I_Site aus.


Einkaufsführer in Zusammenarbeit mit Würth Industrie Service GmbH & Co. KG

Die Würth Industrie Service GmbH & Co. KG wurde am 13. Januar 1999 durch die Ausgliederung der Division Industrie aus der Adolf Würth GmbH & Co. KG in Künzelsau gegründet. Sie ist als eigenständiges Tochterunternehmen innerhalb der Würth-Gruppe mit über 1 640 Mitarbeitern am Standort Bad Mergentheim auf dem Drillberg tätig. Das ehemalige Gelände der Deutschordenskaserne bietet dabei ausreichend Raum für weitere Expansion. Unter der Marke ‚CPS – C-Produkt-Service‘ bietet die Würth Industrie Service den produzierenden Industriekunden individuell zugeschnittene, logistische Beschaffungs- und Versorgungskonzepte wie scannerunterstützte Regalsysteme, automatisierte elektronische Bestellsysteme oder eine Just-in-time-Versorgung mittels Kanban-Behältersystemen. Dabei erfolgt die Belieferung der Kunden direkt an die Fertigungslinie in die Produktion.

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