Rechnung auf Papier mit Füllhalter daneben

Immer mehr Unternehmen lassen bei Ihren Rechnungen die Zahlungsfristen weg und wollen ihr Geld sofort haben. (Bild: A_Bruno/Adobestock)

| von Dörte Neitzel

Die Zahlungsziele auf Rechnungen werden weniger oder fallen sogar ganz weg. Bislang räumten 2020 nur noch 62 Prozent der deutschen Unternehmen ihren Kunden Zahlungsziele ein. Das sind deutlich weniger als die 81 Prozent im Jahr 2019.

Das ist ein Ergebnis der jüngsten Coface-Befragung deutscher Unternehmen zu ihren Zahlungserfahrungen. In den ersten beiden Umfragen des Kreditversicherers lagen die Werte jeweils über 80 Prozent (2017: 83%, 2016: 84%).

Dabei sind Unternehmen, die vor allem den heimischen Markt bedienen, besonders vorsichtig und die Haupttreiber dieser Entwicklung. 2020 ging ihre Anzahl auf 58 Prozent zurück von 80 Prozent im Jahr zuvor.

Noch im Jahr 2019 hatte es keinen Unterschied zwischen inländisch orientierten und exportierenden Unternehmen gegeben. In beiden Bereichen räumten rund 80 Prozent der Firmen ihren Kunden unterschiedlich hohe Zahlungsziele ein.

Kürzere Zahlungsfristen, pünktlichere Zahlungen

Die durchschnittliche Zahlungsfrist verringerte sich um drei Tage auf 34 Tage. Im Jahr 2019 waren es im Schnitt noch 37 Tage. Insgesamt fordert die Hälfte der befragten Unternehmen ihre Kunden auf, Zahlungen zwischen 0 und 30 Tagen zu leisten. Dieser Zeitraum ist in Deutschland seit dem Corona-Ausbruch merklich beliebter geworden: Im Jahr 2019 forderten noch 43 Prozent entsprechend lange Zahlungsziele.

Auch die Disziplin, Zahlungen pünktlich zu leisten, ist angestiegen. 2019 berichteten 85 Prozent der Unternehmen über Zahlungsverzögerungen. Jetzt waren es nur noch 68 Prozent.

„Zum gegenwärtigen Zeitpunkt können wir nicht bestimmt sagen, ob dies alles durch die Corona-Pandemie verursacht wurde oder ob es Teil einer neuen Norm ist“, erklärt Christiane von Berg, Coface-Volkswirtin und Autorin der Studie. „Dies wird erst durch die Daten der folgenden Jahre geklärt werden können. Dennoch ist der Anteil der gemeldeten Zahlungsverzögerungen bei weitem der niedrigste in unseren bislang vier Umfragen seit 2017.“

Diese Branchen zahlen am schnellsten

Während die Zahlungsverzögerungen zwischen 2019 und 2020 insgesamt im Durchschnitt nur um einen Tag kürzer ausfielen, sind die Werte in den Branchen sehr unterschiedlich.

Als positive Überraschung stellte sich die Pharma-Chemie-Branche heraus: Hier gingen die Überziehungen von 2019 auf 2020 um fast eine Woche auf 27 Tage zurück. Umgekehrt erfuhr der Automobilsektor um 20 Tage längere Verzögerungen.

Christiane von Berg: „Während die Zahlungsverzögerungen im Automobilsektor mit der sehr negativen Geschäftsentwicklung zu erklären sind, verzeichnete auch der Sektor der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) eine deutliche Verlängerung der Zahlungsverzögerungen um rund 14 Tage. Mit knapp 48 Tagen Überziehung erreicht diese Branche den Spitzenplatz. Das überrascht, da dieser Sektor vom Lockdown und der weiter anhaltenden Arbeit im Home Office profitiert.“

Transport war 2020 der Sektor mit den höchsten Rückgang der Zahlungsverzögerungen in Deutschland: 43 Tage von der Rechnungstellung bis zum Zahlungseingang inklusive Überziehung. Das ist ein Rückgang um 22 Tage gegenüber 2019. Dagegen gehört IKT nun zu den Sektoren, in denen die Hersteller sehr geduldig sein müssen. Sie warten im Durchschnitt 71 Tage, bis das Geld eingeht, und damit 11 Tage länger als im Jahr zuvor.

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Warum der Krisenmodus noch anhalten wird

Die Hauptrisiken für das Exportgeschäft haben sich stark verändert. Das größte Risiko des vergangenen Jahres, der Handelskonflikt zwischen den USA und China, ist im Risikospektrum des Jahres 2020 nur noch marginal. Stattdessen nannten drei von vier Unternehmen Corona und seine Auswirkungen auf die globale oder die deutsche Wirtschaft als Hauptrisiko neben der pandemiebedingten Unterbrechung von Produktionsketten.

„Dennoch sind Risiken wie der Brexit, das seit unserer Umfrage 2017 genannt wird, nicht verschwunden und könnten mit einem No-Deal-Brexit, der sich für 2021 abzeichnet, noch dringlicher werden“, erwartet Christiane von Berg. „Somit ist Deutschland selbst mit einem etwas positiveren Konjunkturausblick für 2021 noch weit davon entfernt, aus dem Krisenmodus herauszukommen.“

Größte Chancen in Deutschland

Im Jahr 2020 bleibt Deutschland in dieser Umfrage das Land mit den größten Chancen. Die Bedeutung Deutschlands stieg sogar von 81 auf 91 Prozent. „Ein Grund könnte darin liegen, dass Unternehmen in unsicheren Zeiten dazu neigen, in den Ländern zu operieren, die sie am besten kennen, und sich naturgemäß stärker an ihrer Heimatregion orientieren“, meint die Coface-Volkswirtin.

So ist der Anteil der Unternehmen, die die EU bevorzugen, unverändert, während die Erwartungen für andere wichtige Exportziele wie China oder die USA deutlich zurückgegangen sind.

An der Befragung nahmen 753 Unternehmen aus Deutschland teil. Sie fand im Juli und August 2020 statt.

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