Aufeinander gestapelte Stahlrohre in rund und eckiger Form

Überschüssige Stahlprodukte: Vanilla Steel ist eine neue digitale Angebotsplattform für Produzenten und Händler.

| von Dörte Neitzel

“Never let a good crisis go to waste”, pflegte Winston Churchill in den 1940er Jahren zu sagen. Das bedeutet im übertragenen Sinn so viel wie: Lerne aus Krisen. Dies war auch das Motto der Gründer von Vanilla Steel. Sie haben während der Corona-Pandemie die gleichnamige E-Auktionsplattform für europäische Stahlunternehmen ins Leben gerufen.

Der grassierende Coronavirus trifft die Industrie weltweit hart. Besonders bitter ist es für die 170 Milliarden Euro schwere europäische Stahlindustrie. Bereits vor der Pandemie sahen sich viele Stahlunternehmen mit einer weltweiten Überkapazität von 500 Millionen Tonnen. Durch Corona ist es nur noch schlimmer geworden.

Die Branche steht unter enormem Druck, sich in einem Markt voller Unsicherheit und geringer Nachfrage neu zu erfinden.

Welcher Stahl wird auf Vanilla Steel gehandelt?

Der Bedarf an digitalen Verkaufskanälen für Stahl ist groß. Ihr Vorteil: Sie sollen sowohl die Verkaufskosten als auch Kosten für die Lagerhaltung senken. Doch nicht jedes Unternehmen ist in der Lage, seine eigene digitale Lösung zu entwickeln.

Über Vanilla Steel können Anbieter ihr überschüssiges Material über Online-Auktionen verkaufen. Auch frei Produktionskapazitäten sind ausgeschrieben. Die Plattform wendet sich an Stahlunternehmen, also sowohl Produzenten und Verarbeiter als auch Lagerhalter.

In der Regel sind solche Überschüsse hochgradig illiquides Material und nur schwer verkäuflich. Denn sie tragen kein Preisschild. Durch die Auktion sollen solche Güter einen fairen Marktpreis erhalten.

Auf Vanilla Steel wird ein breites Spektrum an überschüssigem Material gehandel: Halbzeug, Überwalz- und Überschussmengen ohne Kundenauftrag sowie deklassiertes Material, das weiterverarbeitet werden kann. Lagerhalter verwenden Vanilla Steel unter anderem auch, um langsam drehendes Material zu verkaufen.

 

Unabhängig von Stahlproduzenten

Jede Woche können Verkäufer Auktionen veröffentlichen. Mögliche Käufer geben über Mindestpreise Gebote ab. Vanilla Steel stellt Lieferanten die Kontaktdaten der erfolgreichen Bieter zur Verfügung. Die Transaktion wird direkt zwischen Lieferant und Käufer zu den vorher vereinbarten Bedingungen abgeschlossen.

Die meisten Online-Shops von Stahl oder Stahlprodukten werden von Produzenten oder Händlern betrieben. Vanilla Steel dagegen ist unabhängig. “Unabhängigkeit ist ein Schlüsselelement für unseren erfolgreichen Start. Wir schützen alle Daten, die wir erhalten, und kein Wettbewerber kann einen Anspruch darauf erheben”, bestätigt Vanilla-Steel-Mitgründer Simon Zühlke.

Die E-Auktionsplattform Vanilla Steel haben die vier Gründer Matthias Affeldt, Alexis Ducros, Clifford Ondara und Simon Zühlke im Juni ins Leben gerufen. Ihren beruflichen Ursprung haben sie in der IT-Branche. Das Unternehmen zählt bereits jetzt Lieferanten und Käufer in 20 europäischen Ländern zu seinen Kunden.

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