Zwei Männer vor einem Desktop-Rechner und Laptop mit Programmiercode auf dem Bildschirm

Open Source Software ist für immer mehr Unternehmen eine echte Alternative zu Programmen von Microsoft oder Apple. (Bild: MIND AND I - stock.adobe.com)

Bei Open Source Software haben viele Entwickler ihre Finger im Spiel. Viele Hände schreiben sie, viele Augen prüfen das Ergebnis. Daher gilt sie als sicherer als reine Hersteller-Software. Zudem ist sie kostenfrei zu haben. Trotz dieser Vorteile gibt es bei ihrem Einsatz so einiges zu beachten.

„Open Source Software ist ein Krebsgeschwür und ihre Nutzer sind alle Kommunisten“, wütete der damalige Microsoft-Chef Steve Ballmer über die Linux-Software. Das war im Jahr 2001. Inzwischen hat Microsoft – unter einem neuen Chef – seine Meinung geändert. Damit ist der US-Konzern und Marktführer bei den Betriebssystemen nicht allein.

Sieben von zehn Unternehmen sind überzeugt von den Vorteilen einer Open Source Software (OSS). In Deutschlands wichtigster Branche, der Automobilindustrie, setzen 72 Prozent auf Linux & Co. In der Finanzbranche ist es mit 73 Prozent sogar noch ein Prozentpunkt mehr. Insgesamt vertrauen vor allem Großunternehmen mit mehr als 2.000 Mitarbeiter auf Open Source: Ganze 87 Prozent gaben im „Open Source Monitor 2021“ des Digitalverbandes Bitkom an, OSS zu nutzen.

Selbst Software-Riesen wie SAP nutzen inzwischen frei zugänglichen Code. Eines der wichtigsten Produkte des Unternehmens, das Enterprise-Resource-Planning-System SAP S/4 HANA, baut zu großen Teilen auf Linux auf. Und auch Microsoft hat seine Einstellung zu Open Source geändert. Vor vier Jahren kaufte der Konzern die Plattform Github. Auf ihr koordinieren IT-Profis ihre gemeinsame Entwicklung von OSS-Lösungen. Auch mehr als 100 gemeinnützige Stiftungen wie die Linux-, die Cloud-Native-Computing- und die Apache-Foundation spielen dabei eine zentrale Rolle.

Proprietäre Software und ihre Open-Source-Alternativen

Mittlerweile hat die OSS-Community zu fast jeder kommerziellen Software eine lizenzfreie Alternative entwickelt. Beispielsweise macht Linux den Betriebssystemen Microsoft Windows und Mac OS Konkurrenz.

Statt auf Produkte von Oracle und Microsoft setzen Entwickler auf Datenbanken wie MySQL und Webserver wie Apache. Das Weiße Haus in Washington betreibt seine Website mit dem OSS-Content-Management-System Drupal. Mozilla Firefox ist mit einem Weltmarktanteil von 16 Prozent einer der drei am weitesten verbreiteten Browser – Open Source! In Deutschland belegt er mit einem Marktanteil von 36 Prozent sogar den ersten Platz.

Inzwischen setzt sogar die neue Bundesregierung auf OSS. In ihrem Koalitionsvertrag schreiben die Ampel-Parteien, dass sie für „öffentliche IT-Projekte offene Standards“ vorschreiben und „Entwicklungsaufträge in der Regel als Open Source“ beauftragen wird.

Für SPD, Grüne und FDP steht damit wohl im Vordergrund, dass sie beeinflussen wollen, wie Software entwickelt wird. Unternehmen schätzen OSS aus anderen Gründen: Für ihre Nutzung fallen nämlich, anders als bei proprietären Lösungen von Software-Herstellern, keine Lizenzgebühren an. Jeder vierte Teilnehmer der Bitkom-Umfrage gab Kostengründe als größtes Plus von OSS an.

OSS-Nutzer sind nicht an Anbieter gebunden

Dennoch fallen auch bei lizenzfreier Software Kosten für deren Implementierung und Support sowie gegebenenfalls die Beratung bei der Auswahl der richtigen Lösung an. Laut der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC), kommen diese Posten allerdings oft nicht mal auf die Hälfte dessen, was die Anschaffung und Einführung proprietärer Software kostet.

Anders als bei Microsoft & Co. sind Unternehmen mit OSS auch nicht an den Support eines Herstellers gebunden. So laufen sie auch nicht Gefahr, dass sie erneut investieren müssen, wenn der Anbieter seine Updates für ein bestimmtes Produkt einstellt.

Unternehmen, die eine OSS in Betracht ziehen, haben darüber hinaus eine große Auswahl an Agenturen und Freelancer. Diese entwickeln nicht nur sehr individuell und auf die einzelnen Bedürfnisse abgestimmt, sondern bieten auch weitere Beratungs- und Service-Leistungen. Diese Expertise speist sich aus der Erfahrung mit unterschiedlichen Kunden und Anforderungen.

OSS macht Unternehmen innovativer

Unternehmen werden durch den Einsatz von OSS um bis zu 30 Prozent innovativer, so die Unternehmensberatung McKinsey. Warum ist das so? Weil OSS günstiger ist und sich flexibler implementieren und individualisieren lässt, sagen die Unternehmensberater.

Entwickler laden sich Open-Source-Lösungen mit einem bereits erheblichen Funktionsumfang kostenlos aus dem Netz. und ohne Zeitdruck ausprobieren, welche Software ihre Ansprüche am besten erfüllt. Haben sie die richtige Lösung gefunden, können sie diese frei an ihre Bedürfnisse anpassen.

Dabei nutzen sie zugleich Software, die besser dokumentiert und von höherer Qualität ist, als die proprietären Produkte vieler Hersteller. Davon ist jeder dritte der fast 1.300 IT-Profis überzeugt, die der Anbieter von OSS-Lösungen Red Hat für den Bericht „The State of Enterprise Open Source 2022“ befragte.

Mehr als vier von zehn Befragten erklären dies damit, dass in der OSS-Community viele Experten den bei einem Projekt geschriebenen Code sichten und auf Schwachstellen überprüfen. Denn sie sind in erster Linie dadurch motiviert, in ihrer Community guten Code zu veröffentlichen. Deshalb werden in der Regel auch Fehler schneller behoben als beim Software-Hersteller. Davon ist mehr als die Hälfte der von Red Hat befragten IT-Profis überzeugt.

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Sicherheitslücken fallen schneller auf

Da mehr Entwickler OSS-Code ihrem kritischen Blick unterziehen, fallen auch Sicherheitslücken schneller auf und werden geschlossen. Open-Source-Software ist deshalb sicherer als proprietäre Anwendungen, sagt fast ein Drittel der Teilnehmer der Red-Hat-Umfrage.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bestätigt das. Es überprüft unter anderem Mail-Software und Betriebssysteme regelmäßig auf Sicherheitslücken. Unter den untersuchten Mail-Programmen glänzt die OS-Anwendung Mozilla Thunderbird regelmäßig mit den wenigsten Defiziten. Auch Linux belegt im BSI-Ranking einen Spitzenplatz.

Dennoch sollten Unternehmen, die OSS einsetzen und weiterentwickeln, diese auf Sicherheitslücken und Compliance-Verstöße überprüfen (lassen). Das allerdings veranlasst nur ein Drittel der vom Bitkom für seinen Open Source Monitor befragten Organisationen. Dabei lauern gerade im juristisch korrekten Umgang mit OSS große Stolperstricke.

Open Source Software und Lizenz? Doch, ja!

Weil Entwickler den Code für OSS meist ohne Bezahlung schreiben, haben sie ein großes Interesse, dass andere diesen kostenfrei nutzen können. Dieses Recht regeln Lizenzen. Sie legen fest, welche Verpflichtungen Nutzer der Software im Gegenzug für deren kostenlose Überlassung haben. Die meisten Regelwerke fordern etwa, dass der Urheber oder die Urheberin des Codes genannt wird und einen Gewährleistungsausschluss erklärt wird.

Darüber hinaus schreiben fast alle Lizenzen vor, dass die freie Weiterverbreitung und Nutzung einer Software gestattet ist, die mithilfe einer originären OSS hergestellt wurde.

Andere Lizenztypen verpflichten die Entwickler von Open Source Software, zu dokumentieren, welche Änderungen sie am Original vorgenommen haben. Diese Vorschriften gelten auch für die meisten aus dem Internet kopierten Code-Schnipsel.

Rechtssichere Prozesse für den Einsatz von OSS

Die Entscheidung für OSS geht einher mit einigen juristisch relevanten Entscheidungen. „Denn, wenn Unternehmen bei der Nutzung von Open Source Software die Lizenzbedingungen verletzen, kann dies zu empfindlichen Schadenersatzforderungen, Unterlassungsklagen oder Imageschäden führen“, warnt Marcel Scholze, verantwortlicher Director für Open Source Software Management und Compliance bei PwC. Wer OSS nutzt und weiterentwickelt, muss sich auch überlegen, inwieweit er durch die Weitergabe und Offenlegung von ihm oder ihr geschriebenen Codes in seinen oder ihren Produkten, Wettbewerber kritisches Know-how preisgibt.

Da weder festangestellte Entwickler noch Freelancer diese Entscheidung treffen können, müssen Unternehmen Verantwortliche bestimmen, die entsprechende juristische Entscheidungen treffen.

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