Frau im Supermarkt mit Netzen, in denen Obst und Gemüse steckt

Sind wir im Privaten nachhaltiger als im Job? (Bild: jchizhe - stock.adobe.com)

Bei den Diskussionen, Seminare und Vorträge der letzten 5 Jahre ging es vor allem um ein Thema: Einkauf 4.0. Ich nehme an, dass viele Unternehmen den Begriff wahrscheinlich nicht mehr hören können – aber zugleich haben viele leider auch immer noch wenig davon umgesetzt!

Bevor ich also weiterschreibe, habe ich einen Tipp für diese Unternehmen: Machen! Mit Ausreden kommt man im Leben nicht sehr weit. Für alle, die dem Prinzip „Abwarten und Tee trinken“ folgen, habe ich eine gute und schlechte Nachricht. Die Gute: Einkauf 4.0 steht nicht mehr ganz oben auf der Agenda der Einkaufsabteilungen, sondern dort findet man nun das Thema CSR. Die schlechte: auch hier ist Abwarten keine gute Idee.

Bei dem Thema CSR habe ich mir Unterstützung von meinem Kollegen Manos Voutsas geholt und die für mich wichtigsten Fragen und Antworten in dieser Kolumne zusammengefasst.

Portrait Hans Boot

Der Autor: Hans Boot

Hans Boot ist Partner bei der Durch Denken Vorne Consult GmbH, eine auf Einkauf und SCM spezialisierte Unternehmensberatung. Zuvor war er über zwölf Jahre als Führungskraft im Einkauf unterschiedlicher Unternehmen tätig. Seine Kolumne erscheint exklusiv auf Technik-Einkauf.de

1) Was bedeutet CSR?

  • CSR steht für Corporate Social Responsibility und zielt darauf ab, die Beschaffung sozial-, ökologie- und ökonomieverträglich zu gestalten.

2) Wie kann ich die CSR in mein Lieferantenmanagement einbinden?

  • Nutzen Sie eine einheitliche Lieferantenselbstauskunft, um konkrete Aspekte im Hinblick auf CSR abzufragen
  • Prüfen Sie Ihren aktuellen Lieferantenauswahlprozess und passen Sie ggf. die Kriterien an, z.B. für das Lieferantenaudit
  • Schaffen Sie einen Verhaltenskodex (Code of Conduct), der von Ihren Lieferanten gegengezeichnet wird. Gute Vorlagen gibt es hierfür beim BME oder bei anderen Unternehmen, die Ihren Kodex auf deren Websites zur Verfügung stellen
  • Erweitern Sie Ihre Lieferantenbewertung um ein CSR-Rating. Ein Bewertungspunkt dabei könnte die Akzeptanz Ihres Verhaltenskodex sein
  • Führen Sie ein Risikomanagement ein oder erweitern Ihr Vorhandenes um CSR-Risiken
  • Prüfen Sie die Lieferantenlangzeiterklärungen und erweitern Sie diese, falls nötig, um relevante Aspekte
  • Analysieren Sie Ihre Rahmenverträge und die AEBs und passen Sie diese, falls nötig an - gemäß Anforderungen aus dem Lieferkettengesetz
  • Nutzen Sie Plattformen wie zum Beispiel IntegrityNext oder Ecovadis für das dauerhafte Monitoring von Lieferanten, um mit begrenztem Aufwand und Wissen ausreichend gute Lösungen zu finden.

3) Jedes Unternehmen sollte sich eigentlich freiwillig um das Thema Nachhaltigkeit kümmern. Da dies jedoch nicht wirklich funktioniert hat, gibt es nun das Lieferkettengesetz. Was ist hier die wichtigste Maßnahme für den Einkauf? Starten Sie zunächst mit dem Risikomanagement, das heißt entweder das bestehende anpassen oder ein neues einführen.

4) Wie gehe ich hier am besten vor?

  • Machen Sie eine Selbsteinschätzung, indem Sie prüfen, ob Ihr aktuelles Vorgehen im Risikomanagement Überschneidungen zu den geforderten Sorgfaltspflichten bietet und wo es Lücken gibt. Vielleicht können die bereits genutzten Prozesse und Tools im Hinblick auf menschrechts- und umweltbezogene Risiken erweitert werden.
  • Führen Sie in Bezug auf diese Risiken eine Risikoanalyse in den Warengruppen und bei unmittelbaren Zulieferern durch und gewichten bzw. priorisieren die Ergebnisse auf Basis der Art und Schwere des geschätzten Risikos.
  • Um relevante Schnittstellen zu identifizieren und Verantwortlichkeiten zu setzen, prüfen Sie Ihre internen organisatorischen Prozesse. Um die interne Zuständigkeit zu verankern, kann hierbei die Erstellung einer RACI-Matrix helfen
  • Schulen und sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter

Ich weiß, dass sich das Thema CSR zunächst einmal nicht so „sexy“ anhört wie Einkauf 4.0, aber es ist in meinen Augen mindestens genauso wichtig. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir im privaten Bereich viel mehr auf Nachhaltigkeit achten als im Job – es bringt jedoch nicht allzu viel, wenn nicht auch die Unternehmen Verantwortung für unseren Planeten und seine Bewohner übernehmen.

Und da sich dies schon ein wenig wie das Wort zum Sonntag anhört, schieße ich direkt noch mit eine weitere Empfehlung nach: Nehmen Sie das Thema Corporate Social Responsibility ernst und machen Sie die nachhaltige Beschaffung zum festen Bestandteil der DNA Ihres Unternehmens!

Ihr

Hans Boot

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