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Wie steht es um den Ruf von Made in Germany im Ausland?

| von Dörte Neitzel

Die Herkunftsbezeichnung „Made in Germany“ steht seit über 130 Jahren für Qualität und Zuverlässigkeit. Doch gilt dieses Image immer noch? Wie haben sich Negativschlagzeilen aus Deutschland über Verzögerungen bei großen Bauprojekten oder Manipulationen der Automobilindustrie auf den internationalen Ruf ausgewirkt? An 43 Standorten weltweit haben die Marktanalysten von Germany Trade & Invest (GTAI) das aktuelle Image von „Made in Germany“ untersucht. Sie sprachen mit Unternehmen vor Ort über Konsumenten, Konkurrenten und Perspektiven. Die gute Nachricht: Das Label bleibt eine Erfolgsstory.

Label genießt immer noch guten Ruf

Das Gütesiegel „Made in Germany“ genießt im Ausland weiterhin einen sehr guten Ruf. Gleichzeitig zeigt die Studie der GTAI, dass die Herausforderungen steigen, denn die internationale Konkurrenz hat zugenommen. Unsere Unternehmen müssen ihre Vermarktungsmaßnahmen in den betreffenden Märkten künftig noch stärker landesspezifisch anpassen.

Besonders im Maschinenbau und bei Kfz ist das Herkunftslabel hilfreich bei der Vermarktung. Dabei werden besonders Begriffe wie Präzision, Langlebigkeit, Zuverlässigkeit, Spitzentechnologie,  aber auch teuer mit “Made in Germany” assoziiert. Der Studie zufolge haben deutsche Produkte und Dienstleistungen eine überdurchschnittliche hohe Qualität und sind besonders vertrauenswürdig. Sie repräsentieren zudem einen hohen Status und werden als innovativ wahrgenommen.

Im Gegenzug bleibt das Hauptproblem deutscher Produkte der relativ hohe Preis. Nicht jeder ist immer bereit oder in der Lage, hohe Geldbeträge auszugeben – insbesondere dann, wenn sich beispielsweise Konkurrenzprodukte aus Fernost als Alternative anbieten.

„Ein so exzellentes Label gibt man doch nicht auf“, so der chinesische Ingenieur eines deutsch-chinesischen Technologieunternehmens auf die Frage nach der Zukunft von „Made in Germany“. Ob Maschinen, Autos oder Haushaltsgüter: in Russland ist die Vorliebe für deutsche Markenprodukte ebenfalls ungebrochen. Nicht zuletzt hilft auch die gemeinsame Geschichte, wie z.B. in einigen Ländern Südamerikas, wo viele deutsche Auswanderer seit mehreren Generationen leben. In der Türkei wiederum leisteten seit Beginn der 1960er türkische Gastarbeiter einen wichtigen Beitrag zur Popularität deutscher Waren.

Konkurrenz aus dem Ausland

Befragt nach der Konkurrenz im Ausland, waren die Befragten der Meinung, dass diese zumist aus den USA komme. Auf den Plätzen dahinter liegen China und Frankreich. Schlüsselt man jedoch nach Branchen auf, kommt im Maschinenbau die meiste Konkurrenz aus China, bei der Umwelttechnik aus Frankreich und bei der Energietechnik und im Gesundheitswesen aus den USA. Nur bei den Kfz kann Japan noch herankommen.

Gleichzeitig kommt die Frage auf, ob ein Herkunftssiegel in einer globalisierten Weltwirtschaft überhaupt noch Sinn macht? Viele deutsche Unternehmen produzieren im Ausland – kann da überhaupt noch von „Made in Germany“ die Rede sein? Wie kann man verhindern, dass das Label als Absatzinstrument an Glaubwürdigkeit verliert? Reichen alternative Bezeichnungen wie „Designed“ oder „Engineered in Germany“ aus?

In Konkurrenz zu Made in Germany stehen mittlerweile die Firmenlabel. So zumindest sieht es Andreas Lier, Managing Director von BASF. Für ihn ist Made in Germany nach wie vor ein starkes Label “und dürfte es auch in Zukunft bleiben”. Jedoch ist es nach seiner Einschätzung nicht ausschlaggebend, ob es Made oder Designed in Germany heißt. Wichtig sei das Wissen der Kunden, dass es sich um deutsche Technologie und Know-how handelt.

Bild: castleski/Shutterstock.com

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