Zwei Goldbarren liegen auf einem Blatt, auf dem Börsenkurse abgebildet sind

Gold wird mehr denn je zur Sicherheitswährung. (Bild: peterschreiber.media/Adobestock)

Der Goldpreis hat seinen Höchststand aus dem August 2020 hinter sich gelassen. Im März 2021 vermeldet er sogar seinen neuen Jahrestiefststand mit einem Wert unter 1.700 US-Dollar.

Aktuell, also Ende Juni 2021 notiert Gold bei etwas über 1.700 US-Dollar pro Feinunze. Dabei war das Edelmetall bereits wieder auf einem guten Weg in Richtung 2.000-Dollar-Marke. Doch dann meldete die US-Notenbank Fed auf ihrer Sitzung am 16. Juni 2021, dass die US-Inflation geringer ausfällt als angenommen. Auch die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt sieht die Fed optimistisch.

Auch sogenannte "falkenhafte Aussagen", dass die Zinsen möglicherweise angehoben werden könnten, stärkten den Dollarkurs, was im Gegenzug den Goldpreis drückt. Denn dieser wird international in US-Dollar gehandelt. Die Folge: An zwei aufeinander folgenden Handelstagen stürzte der Goldpreis um 90 Dollar ab.

Die Analysten von Commerzbank Research rechnen damit, dass sich der Goldpreis nur langsam erholt. Trotzdem erwarten sie, dass er bis zum Jahresende erneut die wichtige Marke von 2.000 US-Dollar erreicht.

Bisheriges Goldpreis-Hoch aus 2015 geknackt

Die Erwartungen der Experten kommen nicht von ungefähr: Vor einem Jahr, bevor Gold zu seiner großen Rallye im Juli und August 2020 ansetzte, lag der Goldpreis ebenfalls bei etwas unter 1.800 US-Dollar. Bis zum August 2020 kletterte er dann höher und höher und übersprang im Sommer die psychologisch wichtige Marke von 2.000 Dollar.

Das war der höchste Wert seit Dezember 2011 als der Goldpreis über 1.900 Dollar für eine Feinunze kletterte. Danach sank der Kurs bis Ende 2015 wieder auf knapp über 1.000 Dollar, um bis heute - mit einigen Ausschlägen nach unten - wieder anzusteigen.

Das zeigt wieder einmal deutlich: Gold ist mehr als nur ein Rohstoff für die Industrie. Die Nachfrage nach dem Edelmetall, und damit der Preis, wird maßgeblich vom Sicherheitsbedürfnis der Käufer bestimmt. Gold gilt immer noch als Reservewährung, als "sicherer Hafen" in wirtschaftlich stürmischen oder zumindest unsicheren Zeiten.

Chart mit einer Kurve des Goldpreises von März 2020 bis Juni 2021
Nach dem aktuten Corona-Schock hat sich der Goldpreis wieder berappelt - mit einigen Ausschlägen. (Quelle: Finanzen.net)

Schulden steigen, das Sicherheitsbedürfnis auch

Angesichts der ersten Pandemie-Welle und der damit verbundenen Schuldenaufnahmen war es nicht weiter verwunderlich, dass Experten im Juli 2020 davon ausgingen, dass die Marke von 1.800 US-Dollar für eine Feinunze Gold nicht das Ende der Fahnenstange war. "Wir denken, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Gold seinen Aufwärtstrend wieder aufnimmt", orakelte Daniel Briesemann von Commerzbank Research. "Das Investoreninteresse ist weiterhin groß", so der Rohstoff-Experte.

Es gibt auch gute Gründe, dass die Investoren weiter Gold kaufen: Die Schulden der Länder nehmen nicht ab, sondern zu. So haben sich die EU-Regierungschefs auf ein massives Hilfspaket geeinigt. Neben den 390 Milliarden Euro an Zuschüssen sollen 360 Milliarden Euro für weitere Kredite zur Verfügung stehen.

Briesemann weiß, was das bedeutet: "Weitere Schuldenberge und eine weitere Geldentwertung". Der Analyst geht daher von aus, dass Gold in seiner Eigenschaft als wertstabile Anlage davon "profitieren" werde. Für Rohstoffeinkäufer bedeutet das: steigende Preise.

Auch in den USA wird über weitere Finanzhilfen zur Bewältigung der Corona-Krise debattiert. Und diese sind nötig, denn die seit Wochen in die Höhe schnellenden Zahlen von Corona-Neuinfektionen hinterlassen bereits neue Spuren in der US-Wirtschaft: Das von der Universität Michigan erhobene Verbrauchervertrauen war im Juli 2020 deutlich gefallen. Erst im Oktober 2020 zeigten sich wieder erste vorsichtig optimistische Tendenzen.

Corona-Impfstoff lässt Goldpreis fallen

Wie stark Gold das Sicherheitsbedürfnis weltweit widerspiegelt, zeigte dann recht schnell der Preissturz als im November 2020 ein möglicher Durchbruch bei einem der Kandidaten für einen Corona-Impfstoff verkündet wurde. Der Preis für eine Feinunze fiel auf unter 1.900 Euro Dollar und wenig später sogar auf unter 1.800 Dollar.

Während an den Börsen ein Kursfeuerwerk zündete, sank der Goldpreis innerhalb weniger Stunden um 100 Dollar. Solche Preisschwankungen sind laut Commerzbank sehr ungewöhnlich für den Rohstoff. "Wir erachten in dem Preisrutsch bei Gold deshalb eher einen kurzzeitigen Rücksetzer als den Beginn einer länger anhaltenden Schwächephase", so Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch.

Damit sollte der Analyst vorerst auch Recht behalten, denn bis Januar 2021 kletterte der Goldpreis wieder über 1.900 Dollar. Mit der Übernahme von Biden im Weißen Haus änderten sich jedoch die Erwartungen an die neue US-Regierung. Hoffnungen auf einen starken Dollar und steigende Renditen von US-Anleihen ließen den Dollar stärker werden und den Goldpreis in den Keller rauschen.

Erst seit April 2020 gibt es eine Kehrtwende: Trotz guter Arbeitsmarkt- und Konjunkturdaten, die sich nicht auf den Dollar auswirkten, stieg der Goldpreis stetig. Denn die ultralockere Geldpolitik war bis Juni gesetzt. Erst mit der Ankündigung einer möglichen Zinsanhebung in den kommenden Jahren reagierte der Goldpreis wieder.

Tabelle mit der weltweiten Goldnachfrage nach Verwendung in den fünf Kategorien ETFs, Schmuck, Technologie, Zentralbanken und Münzen/Barren
Weltweite Goldnachfrage nach Verwendung. (Quelle: WGC, Grafik: TECHNIK+EINKAUF)

Wer fragt Gold nach?

Traditionell gibt es fünf Hauptnachfrager für Gold:

  • die Schmuckindustrie,
  • Käufer von Barren und Münzen,
  • Investoren (für Gold-ETFs),
  • Industrie und
  • Zentralbanken.

Nach aktuellen Zahlen der weltweiten Lobby-Organisation World Gold Council, ging die Nachfrage nach Gold im ersten Quartal 2021 im Vergleich zum ersten Quartal 2020 um fast ein Viertel zurück. Zwischen Januar und März 2021 wurden netto 815,7 Tonnen Gold nachgefragt

Beispielsweise kauften Zentralbanken mit 95,5 Tonnen Gold über ein Viertel weniger Gold ein als noch im ersten Quartal 2020. Dagegen stieg die Nachfrage nach Gold für die Schmuckindustrie wieder rasant um 52 Prozent an. 477 Tonnen kauften die Hersteller von Goldkettchen & Co.

Die Einkäufer von physische Goldbarren und -münzen ließen es krachen. Ihr Einkaufsvolumen stieg um 36 Prozent auf 339,5 Tonnen im Vergleich zu 2020. Geschuldet ist das den sogenannten Schnäppchenjägern sowie gestiegenen Inflationserwartungen.

Das Einkaufsvolumen der Industrie stieg durch den Produktionsaufschwung um 11 Prozent auf 81,2 Tonnen. Das waren etwas mehr als durchschnittliche Quartalsnachfrage in den letzten fünf Jahren. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2020, dem ersten Corona-Jahr, fanden nur 139,88 Tonnen ihren Weg in die Produktionshallen.

Investoren senken Goldpreis durch Verkäufe

Einen Ausverkauf erlebten stattdessen Gold-ETFs. Das sind Wertpapiere, die den Goldkurs abbilden. Investoren kaufen sie, statt sich physische Goldbarren in den Tresor zu legen. Im ersten Quartal 2021 wurden ETFs im Gegenwert von 177,9 Tonnen Gold mehr verkauft als gekauft.

Zum Vergleich: Bis zum dritten Quartal 2020 fragten Investoren mehr ETFs nach als sie verkauften. Befeuert wurde der Ansturm damals laut dem WGC vor allem in der Erwartung

  • eines weiterhin steigenden Goldpreises sowie
  • weiterhin niedrigen Zinsen.

Zudem galt es, mögliche Risiken durch die Sicherheitswährung auszugleichen.

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Silberpreis bleibt hoch

Auch der Silberpreis war lange Zeit gemeinsam mit Gold im Aufwärtstrend. Mit knapp über 20 US-Dollar (Stand: 21. Juli 2020) war er von seinem Höchststand (50,35 US-Dollar) zwar weit entfernt. Doch seit dem Absturz im März 2020 (12 US-Dollar) wird das Edelmetall stetig beliebter. Seinen Höhepunkt erreichte Silber gemeinsam mit Gold im August 2020 bei knapp unter 30 US-dollar pro Feinunze.

Der Rohstoff wird in der Industrie beispielsweise in Spiegeln und Solarmodulen eingesetzt. In der Medizintechnologie ist er ebenfalls beliebt durch seine antiseptischen Eigenschaften. Gerade während der Corona-Pandemie wurde das zum Vorteil.

Den rasanten Preissturz durch die Ankündigung eines Corona-Impfstoffs Ende 2020 machte aber auch Silber mit. Der Preis des Rohstoffs gab prozentual sogar stärker nach als der von Gold. Danach berappelte sich das Edeletall aber wieder und liegt seitdem beständig über der Marke von 25 US-Dollar pro Feinunze.

Chart mit einer Kurve des Silberpreises von Juni 2020 bis Juni 2021
Silberpreis seit Juni 2020: Der Preis für das Edelmetall wurde von Gold mit hochgezogen und bleibt mittlerweile recht hoch. (Quelle: Finanzen.net)

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