Zwei Goldbarren liegen auf einem Blatt, auf dem Börsenkurse abgebildet sind

Gold wird mehr denn je zur Sicherheitswährung. (Bild: peterschreiber.media/Adobestock)

| von Dörte Neitzel
Aktualisiert am: 17. Nov. 2020

Der Goldpreis hat seinen Höchststand aus dem August hinter sich gelassen. Aktuell vermeldet er sogar seinen größten Tagesverlust in der jüngeren Vergangenheit.

Noch im Juli 2020 lag der Goldpreis bei etwas über 1.800 US-Dollar je Feinunze. Bis zum August kletterte er sogar noch höher und übersprang die psychologisch wichtige Marke von 2.000 Dollar. Das ist der höchste Wert seit Dezember 2011 als der Goldpreis über 1.900 Dollar für eine Feinunze kletterte. Danach sank der Kurs bis Ende 2015 wieder auf knapp über 1.000 Dollar, um bis heute - mit einigen Ausschlägen nach unten - wieder anzusteigen.

Das zeigt wieder einmal deutlich: Gold ist mehr als nur ein Rohstoff für die Industrie. Die Nachfrage nach dem Edelmetall, und damit der Preis, wird maßgeblich vom Sicherheitsbedürfnis der Käufer bestimmt. Gold gilt immer noch als Reservewährung, als "sicherer Hafen" in wirtschaftlich stürmischen oder zumindest unsicheren Zeiten.

Schulden steigen, das Sicherheitsbedürfnis auch

Daher war es nicht weiter verwunderlich, dass Experten im Juli davon ausgingen, dass die Marke von 1.800 US-Dollar für eine Feinunze Gold nicht das Ende der Fahnenstange war. "Wir denken, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Gold seinen Aufwärtstrend wieder aufnimmt", orakelt Daniel Briesemann von Commerzbank Research. "Das Investoreninteresse ist weiterhin groß", so der Rohstoff-Experte.

Es gibt auch gute Gründe, dass die Investoren weiter Gold kaufen: Die Schulden der Länder nehmen nicht ab, sondern zu. So haben sich die EU-Regierungschefs auf ein massives Hilfpaket geeinigt. Neben den 390 Milliarden Euro an Zuschüssen sollen 360 Milliarden Euro für weitere Kredite zur Verfügung stehen.

Briesemann weiß, was das bedeutet: "Weitere Schuldenberge und eine weitere Geldentwertung". Der Analyst geht daher von aus, dass Gold in seiner Eigenschaft als wertstabile Anlage davon "profitieren" werde. Für Rohstoffeinkäufer bedeutet das: steigende Preise.

Auch in den USA wird über weitere Finanzhilfen zur Bewältigung der Corona-Krise debattiert. Und diese sind nötig, denn die seit Wochen in die Höhe schnellenden Zahlen von Corona-Neuinfektionen hinterlassen bereits neue Spuren in der US-Wirtschaft: Das von der Universität Michigan erhobene Verbrauchervertrauen war im Juli deutlich gefallen. Erst im Oktober 2020 zeigten sich wieder erste vorsichtig optimistische Tendenzen.

Corona-Impfstoff lässt Goldpreis fallen

Wie stark Gold das Sicherheitsbedürfnis weltweit widerspiegelt, zeigt der Preissturz als ein möglicher Durchbruch bei einem der Kandidaten für einen Corona-Impfstoff verkündet wurde. Der Preis für eine Feinunze fiel auf unter 1.900 Euro Dollar.

Während an den Börsen ein Kursfeuerwerk zündete, sank der Goldpreis innerhalb weniger Stunden um 100 Dollar. Solche Preisschwankungen sind laut Commerzbank sehr ungewöhnlich für den Rohstoff. "Wir erachten in dem gestrigen Preisrutsch bei Gold deshalb eher einen kurzzeitigen Rücksetzer als den Beginn einer länger anhaltenden Schwächephase", so Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch.

Tabelle mit der weltweiten Goldnachfrage nach Verwendung
Weltweite Goldnachfrage nach Verwendung. (Quelle: WGC, Grafik: TECHNIK+EINKAUf)

Wer fragt Gold nach?

Traditionell gibt es fünf Hauptnachfrager für Gold:

  • die Schmuckindustrie,
  • Käufer von Barren und Münzen,
  • Investoren (für Gold-ETFs),
  • Industrie und
  • Zentralbanken.

Nach aktuellen Zahlen der weltweiten Lobby-Organisation World Gold Council, war die Zusammensetzung der Nachfrage nach Gold im vergangenen Halbjahr sehr untypisch für die Vergangenheit.

So kauften Zentralbanken mit 233 Tonnen Gold rund 39 Prozent weniger Gold als im ersten Halbjahr 2019. Auch die Nachfrage nach Gold für die Schmuckindustrie brach um die Hälfte ein. Nur noch 572 Tonnen kauften die Hersteller von Goldkettchen & Co.

Auch die Einkäufer von physische Goldbarren und -münzen waren eher zurückhaltend. Ihr Einkaufsvolumen fiel um 17 Prozent auf 396,7 Tonnen bezogen auf den Zeitraum Januar bis Juni im Vergleich zu 2019.

Zu guter Letzt sank auch das Einkaufsvolumen der Industrie durch den Produktionsrückgang aufgrund diverser Corona-Lockdowns weltweit. Waren es im ersten Halbjahr 2019 von 160 Tonnen, fanden im selben Zeitraum 2020 nur noch 139,88 Tonnen ihren Weg in die Produktionshallen.

Investoren trieben Goldpreis in die Höhe

Einen Run erlebten stattdessen Gold-ETFs. Das sind Wertpapiere, die den Goldkurs abbilden. Investoren kaufen sie, statt sich physische Goldbarren in den Tresor zu legen. Allein im ersten Halbjahr 2020 wurden ETFs in der Höhe von 734 Tonnen Gold gehandelt. Das ist absoluter Rekord.

Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2019 fragten Investoren 326,6 Tonnen Gold in ETFs nach. Befeuert wurde der Ansturm laut dem WGC vor allem ]in der Erwartung von

  • einem weiterhin steigenden Goldpreis sowie
  • weiterhin niedrigen Zinsen.

Zudem galt es, mögliche Risiken durch die Sicherheitswährung auszugleichen.

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Gold zieht Silberpreis mit sich

Auch der Silberpreis war lange Zeit gemeinsam mit Gold im Aufwärtstrend. Mit knapp über 20 US-Dollar (Stand: 21. Juli 2020) war er von seinem Höchststand (50,35 US-Dollar) zwar weit entfernt. Doch seit dem Absturz im März (12 US-Dollar) wird das Edelmetall stetig beliebter.

Der Rohstoff wird in der Industrie beispielsweise in Spiegeln und Solarmodulen eingesetzt. In der Medizintechnologie ist er ebenfalls beliebt durch seine antiseptischen Eigenschaften. Gerade während der Corona-Pandemie wurde das zum Vorteil.

Laut Commerzbank Research ist Silber bei Investoren schon seit Monaten beliebter als Gold. In der letzten Woche (KW 29) verzeichneten die von Bloomberg erfassten Silber-ETFs Zuflüsse von fast 320 Tonnen, seit Beginn des Monats Juli seien es rund 1.440 Tonnen - ein Anstieg um fast 6 Prozent. Im gleichen Zeitraum war es bei Gold "nur" ein Zuwachs um 2 Prozent.

Den rasanten Preissturz durch die Ankündigung eines baldigen Corona-Impfstoffs machte aber auch Silber mit. Der Preis des Rohstoffs gab prozentual sogar stärker nach als der von Gold.

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