Gold Bars

Gold ist wieder eine Sicherheitswährung geworden - das zeigt sich am Rekord-Goldpreis. (Bild: kenwnj - stock.adobe.com)

Der Goldpreis hat seinen Höchststand von 2.063 US-Dollar aus dem August 2020 weit hinter sich gelassen. Im Mai 2024 knackte er die Schallgrenze von 2.400 US-Dollar pro Feinunze. Am 20. Mai 2024 erreichte der Goldpreis 2.425,49 US-Dollar - das ist bisheriger Rekord und der höchste bislang erreichte Goldpreis.

Dabei vermeldete der Golpreis im März 2021 noch seinen vorläufigen Jahrestiefststand mit einem Wert unter 1.700 US-Dollar. Allerdings setzte er Ende 2022 wieder erneut an und knackte zum Jahresende immerhin die Marke von 1.800 US-Dollar. Der Grund: Im ersten Halbjahr 2022 stieg die Inflation stark an - aufgrund des russischen Einmarschs in die Ukraine und die darauf folgende Energiekrise. Gold gilt in solchen Zeiten immer als sicherer Hafen für Anleger. Weniger vorteilhaft ist es jedoch für Einkäufer in der Industrie, die tagesaktuell einkaufen müssen. Der Goldpreis wird also vor allem von Investoren bestimmt.

Seit Beginn des Jahres 2023 stieg der Goldpreis weiter. Während die Zinsentwicklung in der letzten Zeit als Belastungsfaktor in den Hintergrund getreten ist, bleibt die Häufung der globalen Krisen als Grund für viele Anleger weiterhin nach einem vermeintlich sicheren Hafen zu suchen.

Bisheriges Goldpreis-Hoch aus 2011 geknackt

Der Goldpreis aus dem August 2020 markierte mit 2.065 US-Dollar ein neues Allzeit-Hoch. Höher war er zuvor nur 2011, als er im Dezember über 1.900 Dollar für eine Feinunze kletterte. Die 2.425,49 US-Dollar vom Mai 2024 markieren nun ein neues Rekordhoch.

Das zeigt wieder einmal deutlich: Gold ist mehr als nur ein Rohstoff für die Industrie. Die Nachfrage nach dem Edelmetall, und damit der Preis, wird maßgeblich vom Sicherheitsbedürfnis der Käufer bestimmt. Gold gilt immer noch als Reservewährung, als "sicherer Hafen" in wirtschaftlich stürmischen oder zumindest unsicheren Zeiten.

Wohin geht es mit dem Goldpreis?

Wie hoch ist der Goldpreis
Goldpreis (Bild: TECHNIK+EINKAUF mit Daten von Finanzen.net)

Schulden steigen, das Sicherheitsbedürfnis auch

Angesichts der ersten Pandemie-Welle und der damit verbundenen Schuldenaufnahmen war es nicht weiter verwunderlich, dass Experten im Juli 2020 davon ausgingen, dass die Marke von 1.800 US-Dollar für eine Feinunze Gold nicht das Ende der Fahnenstange war. "Wir denken, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Gold seinen Aufwärtstrend wieder aufnimmt", orakelte Daniel Briesemann von Commerzbank Research. "Das Investoreninteresse ist weiterhin groß", so der Rohstoff-Experte.

Es gibt auch gute Gründe, dass die Investoren weiter Gold kaufen: Die Schulden der Länder nehmen nicht ab, sondern zu. So haben sich die EU-Regierungschefs auf ein massives Hilfspaket geeinigt. Neben den 390 Milliarden Euro an Zuschüssen sollen 360 Milliarden Euro für weitere Kredite zur Verfügung stehen.

Briesemann weiß, was das bedeutet: "Weitere Schuldenberge und eine weitere Geldentwertung". Der Analyst geht daher von aus, dass Gold in seiner Eigenschaft als wertstabile Anlage davon "profitieren" werde. Für Rohstoffeinkäufer bedeutet das: steigende Preise.

Auch in den USA wird über weitere Finanzhilfen zur Bewältigung der Corona-Krise debattiert. Und diese sind nötig, denn die seit Wochen in die Höhe schnellenden Zahlen von Corona-Neuinfektionen hinterlassen bereits neue Spuren in der US-Wirtschaft: Das von der Universität Michigan erhobene Verbrauchervertrauen war im Juli 2020 deutlich gefallen. Erst im Oktober 2020 zeigten sich wieder erste vorsichtig optimistische Tendenzen.

Corona-Impfstoff lässt Goldpreis fallen

Wie stark Gold das Sicherheitsbedürfnis weltweit widerspiegelt, zeigte dann recht schnell der Preissturz als im November 2020 ein möglicher Durchbruch bei einem der Kandidaten für einen Corona-Impfstoff verkündet wurde. Der Preis für eine Feinunze fiel auf unter 1.900 Euro Dollar und wenig später sogar auf unter 1.800 Dollar.

Während an den Börsen ein Kursfeuerwerk zündete, sank der Goldpreis innerhalb weniger Stunden um 100 Dollar. Solche Preisschwankungen sind laut Commerzbank sehr ungewöhnlich für den Rohstoff. "Wir erachten in dem Preisrutsch bei Gold deshalb eher einen kurzzeitigen Rücksetzer als den Beginn einer länger anhaltenden Schwächephase", so Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch.

Damit sollte der Analyst vorerst auch Recht behalten, denn bis Januar 2021 kletterte der Goldpreis wieder über 1.900 Dollar. Mit der Übernahme von Biden im Weißen Haus änderten sich jedoch die Erwartungen an die neue US-Regierung. Hoffnungen auf einen starken Dollar und steigende Renditen von US-Anleihen ließen den Dollar stärker werden und den Goldpreis in den Keller rauschen.

Erst seit April 2020 gibt es eine Kehrtwende: Trotz guter Arbeitsmarkt- und Konjunkturdaten, die sich nicht auf den Dollar auswirkten, stieg der Goldpreis stetig. Denn die ultralockere Geldpolitik war bis Juni gesetzt. Erst mit der Ankündigung einer möglichen Zinsanhebung in den kommenden Jahren reagierte der Goldpreis wieder.

Schmuck, Investment, Industrie: Wer kauft das meiste Gold?

Tabelle mit der weltweiten Goldnachfrage nach Verwendung in den fünf Kategorien ETFs, Schmuck, Technologie, Zentralbanken und Münzen/Barren
Weltweite Goldnachfrage nach Verwendung in den fünf Kategorien ETFs, Schmuck, Technologie, Zentralbanken und Münzen/Barren. (Bild: TECHNIK+EINKAUF mit Daten des WGC)

Wer fragt Gold nach?

Traditionell gibt es fünf Hauptnachfrager für Gold:

  • die Schmuckindustrie,
  • Käufer von Barren und Münzen,
  • Investoren (für goldbesicherte ETF und ETC),
  • Industrie und
  • Zentralbanken.

Nach aktuellen Zahlen der weltweiten Lobby-Organisation World Gold Council, stieg die Nachfrage nach Gold 2022 im Vergleich zum Vorjahr um fast zehn Prozent auf insgesamt 4.021 Tonnen Gold.

Beispielsweise kauften Zentralbanken mit 463 Tonnen Gold 82 Prozent mehr Gold ein als noch im Jahr 2021. Auch stieg die Nachfrage nach Gold für die Schmuckindustrie wieder rasant um 67 Prozent an. 2.221 Tonnen kauften die Hersteller von Goldkettchen & Co.

Die Einkäufer von physische Goldbarren und -münzen ließen es ebenfalls ordentlich krachen. Ihr Einkaufsvolumen stieg um 31 Prozent auf 1.180 Tonnen im Vergleich zu 2020. Geschuldet ist das den Schnäppchenjägern sowie gestiegenen Inflationserwartungen.

Das Einkaufsvolumen der Industrie stieg durch den Produktionsaufschwung um 9 Prozent auf 463 Tonnen.

Investoren senken Goldpreis durch Verkäufe

Einen Ausverkauf erlebten stattdessen Gold-ETFs und ETCs. Das sind Wertpapiere, die den Goldkurs abbilden. Investoren kaufen sie, statt sich physische Goldbarren in den Tresor zu legen.  2021 wurden ETFs im Gegenwert von 173 Tonnen Gold mehr verkauft als gekauft.

Zum Vergleich: Bis zum dritten Quartal 2020 fragten Investoren mehr ETFs nach als sie verkauften. Befeuert wurde der Ansturm damals laut dem WGC vor allem in der Erwartung

  • eines weiterhin steigenden Goldpreises sowie
  • weiterhin niedrigen Zinsen.

Zudem galt es, mögliche Risiken durch die Sicherheitswährung auszugleichen.

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Silberpreis bleibt hoch

Auch der Silberpreis war lange Zeit gemeinsam mit Gold im Aufwärtstrend. Mit knapp über 20 US-Dollar (Stand: 21. Juli 2020) war er von seinem Höchststand (50,35 US-Dollar) zwar weit entfernt. Doch seit dem Absturz im März 2020 (12 US-Dollar) wird das Edelmetall stetig beliebter. Seinen Höhepunkt erreichte Silber gemeinsam mit Gold im August 2020 bei knapp unter 30 US-Dollar pro Feinunze. Seitdem kratzt der Rohstoff zwar immer wieder an seinem Rekord-Hoch, konnte ihn jedoch nicht knacken. Seit den massiven Zinssteigerungen in den USA gibt aber auch hier der Preis - mit Ausschlägen nach oben sowie unten - nach. Er pendelt aktuell um die 20-Dollar-Marke.

Der Rohstoff wird in der Industrie beispielsweise in Spiegeln und Solarmodulen eingesetzt. In der Medizintechnologie ist er ebenfalls beliebt durch seine antiseptischen Eigenschaften. Gerade während der Corona-Pandemie wurde das zum Vorteil.

Silberpreis seit Januar 2019 bis Ende 2022

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