Vier Goldbarren unterschiedlicher Größe zu einem Haufen gelegt vor weißem Hintergrund

Goldbarren: Das Edelmetall dient bei weitem nicht nur als Rohstoff für die Industrie. (Bild: vladk213 - stock.adobe.com)

Nicht alles Gold glänzt: Im Sudan, Simbabwe und der Demokratischen Republik Kongo finanzieren Rebellen und Bürgerkriegsparteien mit Erlösen aus dem Abbau des gelben Edelmetalls ihre blutigen Auseinandersetzungen und Übergriffe auf die Zivilbevölkerung.

Um das schmutzige Geschäft mit dem Blutgold auszutrocknen, haben die USA bereits 2012 im Frank-Dodd-Gesetz eine Nachweispflicht für die Herkunft des Goldes eingeführt, das Unternehmen in ihren Produkten verwenden. Die Europäische Union ging im April 2017 zwar nicht so weit. Verlangt von Industriebetrieben, die nach der Corporate-Social-Responsibility-Richtline der EU berichtspflichtig sind, jedoch immerhin, dass sie freiwillig dokumentieren, woher das Gold stammt, das sie verarbeiten.

Goldpreis nicht rational bestimmt

Nicht nur der mit der Dokumentationspflicht verbundene Aufwand erschwert Einkäufern die Beschaffung des Edelmetalls. Auch der Goldpreis folgt nicht immer rationalen und damit vorhersehbaren Gesetzen. Da Anleger und Zentralbanken das Element in Zeiten politischer Krisen und niedriger Zinsen als sicheres und werterhaltendes Investment schätzen, steigt dessen Preis, wenn etwa Großbritannien seinen Austritt aus der EU erklärt, oder sich in den Vereinigten Staaten die Wahl eines Präsidenten abzeichnet, dessen Politik der Weltwirtschaft schaden könnte.

Allein deutsche Privatanleger haben deshalb seit 2014 Gold für gut 17 Milliarden Euro  gekauft. In ihren Depots lagern heute 8.672 Tonnen des Edelmetalls. Auch die Bundesbank schätzt die Sicherheit, die Gold ihr bietet. In ihren Tresoren liegen derzeit 3.378 Tonnen des Edelmetalls. Mehr davon besitzt mit gut 8.000 Tonnen nur die Federal Reserve Bank der USA. Gemeinsam verfügen die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik damit über rund acht Prozent allen Goldes, das jemals geschürft wurde.

In welchen Minen wird das meiste Gold geschürft?

Die größte Goldmine ist der aus sechs Minen bestehende Goldbergbaukomplex Nevada Gold Mines - ein Joint Venture von Barrick Gold und Newmont Corporation.  Das gemeinsame Unternehmen besteht aus den Minen Goldstrike, Cortez und Carlin und produziert jährlich mehr als 3,3 Millionen Unzen Gold. Nevada Gold Mines hat damit die langjährige Nummer-eins-Mine Muruntau in Usbekistan auf Platz zwei verwiesen.

Muruntau ist einer der tiefsten Tagebaubetriebe der Welt. Das Bergwerk wird vom staatlichen Navoi Mining & Metallurgy Combinat geführt und produzierte 2021 knapp 3 Millionen Unzen pro Jahr. Das Bergwerk macht mehr als 80 Prozent der gesamten Goldproduktion Usbekistans aus. Nur noch die Minen Grasberg und Olimpiada produzierten im Jahr 2021 mehr als eine Million Unzen Gold.

Grasberg ist nicht nur die drittgrößte Goldmine, sondern auch eine der größten Kupferminen der Welt. Seit 1990 holte der Betreiber Freeport-McMoRan mehr als 53 Millionen Unzen Gold aus der Mine, was Grasberg zur ergiebigsten Goldmine weltweit macht. Der oberste Rand des im Durchmesser rund zwei Kilometer großen Tagebau-Kraters liegt auf einer Höhe von 3.900 Metern über dem Meeresspiegel.

Wieviel Gold wird jährlich produziert?

Wie wird Gold in der Industrie verwendet?

Da neben Zentralbanken und Anlegern die Schmuckbranche und die Zahnmedizin einen großen Teil des weltweit abgebauten Goldes aufkaufen, kann die Beschaffung des gelben Edelmetalls für Einkäufer aus der Industrie ein Abenteuer werden. Dabei hat das Element Eigenschaften, die es zum optimalen Rohstoff für eine Vielzahl von Anwendungen machen. So leitet Gold Wärme und Strom hervorragend, korrodiert nicht und ist extrem widerstandsfähig gegen Feuchtigkeit, Hitze und Säuren. Lediglich eine Mischung aus Salz- und Salpetersäure kann das Edelmetall angreifen. Außerdem lässt sich Gold leicht legieren, ist weich und lässt sich einfacher formen als jedes andere Metall. So lassen sich Folien mit einer Stärke von nur wenigen Atomlagen herstellen.

Aufgrund seiner Korrosionsfestigkeit und Leitfähigkeit produziert die Elektronikindustrie mit dem Edelmetall Steckverbindungen, Schalter, Kontakte oder Drähte für Geräte her, die mit sehr niedrigen Spannungen und Strömen arbeiten. Ihre elektrischen Schaltungen könnten durch andere Materialien, die leicht korrodieren, gestört werden. Die Luft- und Raumfahrt stellt mit dem Edelmetall Ultrarot-Reflektoren für Satelliten und Beschichtungen her, die die im All sehr starke und damit aggressive UV-Strahlung von Sonden, Raumstationen oder den Helmen von Raumanzügen fernhalten.

Die Optik nutzt das große Reflexionsvermögen von Gold in der Lasertechnik. Glashersteller nutzen winzige Beimischungen des Metalls als Färbemittel, mit dem sie rubinrote Gläser produzieren. Die Medizintechnik schließlich benötigt Gold für die Herstellung von Sonden und Ultraschallgeräten.

Neben Industrie und Investments gibt es noch einen sehr außergewöhnlichen Verwendungszweck für Gold: Mittlerweile existiert kulinarisches Gold. Es wird unter anderem als Füllung für Pralinen verwendet. Das Edelmetall ist ungiftig und wird nach dem Verzehr wieder vollständig ausgeschieden.

Breit diversifizierte Anbieterstruktur sorgt für geringe Lieferrisiken

Gäbe es die Gier der Anleger und Zentralbanken nicht, könnten Einkäufer aus all diesen Industriebranchen ausreichende Mengen des Edelmetalls beschaffen, ohne sich gegen die unberechenbare Entwicklung des Goldpreises absichern zu müssen. Schließlich findet sich das Element weltweit an knapp 20.000 Fundorten in fast 100 Ländern.

Da Gold meist als Beiprodukt des Kupferabbaus anfällt, kommt aus Staaten mit großen Kupfervorkommen wie Chile, Peru, Australien, Mexiko, den USA, der Demokratischen Republik Kongo oder Russland auch der Großteil des weltweit angebotenen Goldes. Weitere große Lagerstätten finden sich in Brasilien, Kanada, Indonesien sowie Usbekistan, der Mongolei, Kirgistan und Südafrika.

Welche Unternehmen produzieren das meiste Gold?

China ist Goldproduzent Nummer Eins

Größter Goldförderer ist China mit rund 370 Tonnen. Australien folgt mit 330 Tonnen und Russland holt rund 300 Tonnen aus dem Boden. Das sind die aktuellen Daten des United States Geological Survey. Allerdings exportiert China so gut wie kein Gold, daher ist Australien das größte Gold-Exportland, laut dem Raw Materials Information System der EU. China ist dagegen - trotz eigener hoher Produktion - das größte Importland von Primär-Gold. Das Reich der Mitte raffiniert den Großteil des Goldes und exportiert diesen dann auch.

Weiterhin zählen

  • die USA (180 Tonnen)
  • Kanada (170 Tonnen),
  • Ghana (130 Tonnen),
  • Mexiko (100 Tonnen)
  • Südafrika (100 Tonnen)
  • Usbekistan (100 Tonnen)

zu den großen Gold-Ländern. Damit stammt zwar fast die Hälfte des weltweit angebotenen Goldes aus diesen acht Ländern, Grund zur Sorge ist dies nach Ansicht der BGR dennoch nicht. Denn die andere Hälfte des Angebots bauen Minenbetreiber in über 80 Staaten ab. So kann einzelner Produzent eine marktbeherrschende Stellung einnehmen.

Erstklassige Wiederverwertbarkeit gleicht begrenzte Reserven aus

Besorgniserregender als die Angebotsstruktur auf dem Goldmarkt ist daher, dass die 54.000 Tonnen derzeit bekannten Reserven des Edelmetalls bei der heutigen Fördermenge von gut 3.500 Tonnen Gold pro Jahr nur noch für gut 15 Jahre reichen. Dabei verfügen nach Daten des US Geological Survey Australien mit 9.500 Tonnen, Russland mit 8.000 Tonnen und Südafrika mit 6.000 Tonnen über den Löwenanteil dieser Vorkommen. Die größte einzelne Lagerstätte des Edelmetalls befindet sich allerdings auf der nur 22 Kilometer langen und 14 Kilometer breiten Insel Niolam in Papua-Neuguinea.

Da sich Gold vollständig wiederverwerten und in vielen Anwendungen durch andere Edelmetalle wie Platin, Palladium und Silber ersetzen lässt, dürfte das Element jedoch trotz der begrenzten Reichweite der Reserven nicht so schnell knapp werden. Zumal die deutsche Industrie erst 30 Prozent des verwendeten Edelmetalls wiedergewinnt. Damit kann sie es sich, wie Wissenschaftler an der Technischen Universität Berlin herausfanden, trotz des seit Jahren steigenden Goldpreises leisten, auf den Großteil der 22,2 Gramm Gold zu verzichten, die jede Tonne Schrott enthält. Würden diese Reste vollständig aussortiert und verkauft, ließe sich damit beim gegenwärtigen Goldpreis pro Tonne Schrott ein Gewinn von 800 Euro erzielen.

Zusammenfassung Rohstoff Gold
Beschreibung · Chemisches Element „Au“ mit der Ordungszahl 79
· Gold ist neben Kupfer das einzige farbige Metall
· Das Element leitet Elektrizität und Wärme hervorragend, ist korrosionsbeständig und widerstandsfähig gegen Säuren
· Gold ist sehr weich und lässt sich deshalb zu Folien von nur wenigen Atomlagen Stärke austreiben
Verwendung · Banken und Investoren nutzen Gold als Anlageform
· Schmuckindustrie
· Münzproduktion
· Zahnmedizin
· Elektronikindustrie
· Glasverarbeitung
Größte Förderländer 2021 · China (370 Tonnen)
· Australien (330 Tonnen)
· Russland (300 Tonnen)
Größte Förderunternehmen 2020 (in Unzen) · Newmont (5,905 Mio.)· Barrick Gold (4,76 Mio.)
· Newcrest Mining (2,2 Mio.)
· Agnico-Eagle Mines (1,74 Mio.)
· Kirkland Lake Gold (1,37 Mio.)
Vorhandene Reserven* 54.000 Tonnen
Vorhandene Ressourcen** k.A.
Statistische Reichweite der Reserven 15,4 Jahre
Statistische Reichweite der Ressourcen k.A.
Recyclingquote · Gold ließe sich vollständig wiederverwerten. Es kann ohne Qualitätsverlust beliebig oft eingeschmolzen und verarbeitet werden.
· Dennoch liegt die Recyclingquote in Deutschland derzeit nur bei rund 30 Prozent.
Substituierbarkeit Gold lässt sich in vielen Anwendungen durch andere Edelmetalle wie Platin, Palladium oder Silber ersetzen
Jahresminenproduktion von Gold 2021 3.560,7 Tonnen (+2% im Vergleich zu 2020)

Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, US Geological Survey, KfW

 

*Reserven = aktuell bekannte, mit der vorhandenen Technologie rentabel ausbeutbare Vorkommen

**Ressourcen = aktuell bekannte, aber noch nicht rentabel ausbeutbare Vorkommen

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