Verschnallte Ladung vor einem Frachtflugzeug

Flugfracht: Wo wird das meiste umgesetzt? (Bild: Chalabala/Adobestock)

| von Dörte Neitzel

Lagen vor 15 Jahren noch zwei der drei größten Cargo-Flughäfen in den USA, ist das heute nicht mehr so. Die heutigen Drehkreuze befinden sich vor allem in Asien und einige im Nahen Osten.

2005 waren mit Paris und Frankfurt zumindest noch zwei europäische Flughäfen in den Top 10 vertreten. Heute sind immerhin vier in den Top 20. Unser Ranking der 20 größten Cargo-Flughäfen weltweit beruht auf den aktuellen Daten des Airports Council International.

Luftfracht vs. Seefracht

Im Gegensatz zur Seefracht konzentriert sich der Luftfrachtverkehr auf kapitalintensive, kurzlebige und verderbliche Güter. Bezogen auf das Gewicht der global transportierten Waren hat der Luftfrachtverkehr trotzdem eine geringe Bedeutung.

So wurden per Flugzeug 2019 insgesamt rund 61 Millionen Tonnen transportiert. Zum Vergleich: Im Weltseehandel waren es hingegen 11 Mrd. Tonnen.

Die Airline, die im Jahr 2019 mit fast 18 Milliarden Tonnenkilometern die meiste Luftfracht transportierte war FedEx, gefolgt von Qatar Airways und UPS.

Die größten Luftfrachtströme

Die größten Ströme des Luftfrachtverkehrs liegen auf der Nordhalbkugel. Dabei wird auf den Routen zwischen den USA und Asien (20 Prozent) sowie zwischen Europa und Asien (20 Prozent) die meiste Fracht per Luft transportiert.

Aber auch zwischen Europa und Nordamerika (10 Prozent) sowie innerhalb Asiens (10 Prozent) wird viel mit Flugzeugen transportiert. Unter "ferner liefen" sind Transportwege nach Südamerika, Afrika oder innerhalb Europas zu finden.

Per Luft werden hochwertige Güter transportiert

Im Jahr 2018 wurde rund ein Prozent des internationalen Welthandelsvolumens per Luftfracht befördert. Das entspricht laut dem Verband der Deutschen Lufverkehrswirtschaft (BDL) allerdings 35 Prozent des Warenwerts im internationalen Handel. Seit Mitte des Jahres hat sich die Nachfrage nach Luftfrachtkapazitäten abgekühlt.

Innherhalb Europas ist Deutschland das Land mit dem größten Luftfrachtumschlag (4.773 Millionen Tonnen), vor Großbritannien und Frankreic mit 2,739 Millionen Tonnen bzw. 2,586 Millionen Tonnen in 2017.

2017 war noch Frankfurt Europas Flughafen mit dem größten Frachtvolumen, zwei Jahre später hat Paris das deutsche Drehkreuz überholt. Dahinter liegen:

  • London
  • Amsterdam
  • Leipzig
  • Madrid
  • Lüttich
  • Köln/Bonn
  • Mailand
  • Brüssel.

Lüttich soll ab 2021 Europas Logistik-Drehkreuz für den chinesischen Online-Versender Alibaba werden.

Was wird per Luftfracht transportiert?

Am Beispiel von Deutschland hat der BDL aufgelistet, welche Warengruppen im Jahr 2017 per Luftfracht den Weg nach Deutschland gefunden haben und welche Exporte per Luftfracht auf die Reise gingen.

Den Löwenanteil, sowohl bei den Im- als auch den Exporten, stellen elektronische Waren. Waren im Wert von 55,5 Milliarden Euro wurden importiert, Waren im Wert von 61,4 Milliarden Euro gingen in den Export.

Maschinenbau- und Metallerzeugnisse wurden eher exportiert (34,5 Milliarden Euro) als importiert (12,1 Milliarden Euro). Ebenso sieht es bei Pharma- und Chemieprodukten aus. Hier gingen Waren im Wert von 25,7 Milliarden Euro ins Ausland, während Produkte für 9,3 Milliarden Euro eingekauft wurden. 

In der Hauptproduktgruppe Fahrzeug-, Flugzeug- und Schiffbau gingen Teile für 14,2 Milliarden Euro ins Ausland. Nur etwa die Hälfte (7 Milliarden Euro) wurden importiert.

Das zeigt die große Bedeutung der Luftfracht für die exportorientierte deutsche Wirtschaft. Insgesamt wurde 2017 hierzulande ein Außenhandelsvolumen von 261 Milliarden Euro über Flugzeuge abgewickelt. 104 Milliarden im Import und 157 Milliarden Euro im Export.

Wohin fliegen deutsche Frachtflugzeuge?

Den großen globalen Frachtströmen folgend, dominieren die Strecken in die USA und nach China. 2017 gingen deutsche Produkte im Wert von knapp 35 Milliarden Euro auf die Reise in die USA. Nach China waren es 26 Milliarden Euro.

Im Gegenzug dazu kamen Waren im Wert von 24,7 Milliarden Euro aus den USA zu uns. Aus China waren es knapp 24 Milliarden. Etwas ausgeglichener ist die Bilanz mit Japan: 8,9 Milliarden Euro im Import, 8,5 Milliarden Euro im Export.

Dabei wird der digitale Frachtbrief (eAWB) zu 60 Prozent genutzt. International liegt die eAWB-Rate laut IATA bei knapp über 70 Prozent (Stand September 2020). Während der Corona-Krise ist der Anteil rasant gestiegen. Zum Vergleich: Im Oktober 2019, also vor Beginn der Pandemie nutzen nur rund 66,1 Prozent der Unternehmen den eAWB.

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Komplexe Lieferkette in der Luftfracht

In der allgemeinen Luftfracht ist die Lieferkette des Produkts vom Versender bis zum Flugzeug sehr komplex. Denn es gibt mehrere Beteiligte mit unterschiedlichen Vertragsverhältnissen.

So hat der Spediteur in der Regel mit

  • Versender
  • dem Trucker im Vorlauf und Nachlauf
  • Empfänger

zu tun.

Im Gegensatz dazu kommuniziert die Airline mit den Abfertigern am Start- und Zielflughafen. Einen weiteren Daten- und Informationsaustausch gibt es dann wiederum zwischen Spediteur und Airline.

Dabei ist die Logistikkette laut BDL nur gering digitalisiert. Der Wettbewerb der Unternehmen untereinander gibt wenig Anreiz für mehr Transparenz. Gleichzeitig bedeutet die Digitalisierung einen hohen Innovationsaufwand bei ungleich verteiltem Nutzen - ja nach beteiligtem Unternehmen.

Zudem fehlen zwischen vielen Unternehmen Vertragsbeziehungen - etwa zwischen den am Vor- und Nachlauf beteiligten Firmen und dem Abfertiger auf dem Flugplatz. Auch sind Datenstandards und Schnittstellen nicht durchgehend definiert. Der Prozess selbst ist eher fragmentiert, es fehlt so etwas wie eine zentrale Instanz.

Was fällt unter Luftfracht?

Flughäfen befördern nicht nur Passagiere von A nach B. Ein zweites, immer wichtiger werdendes, Standbein ist die Beförderung von Frachten. Dabei gilt als Beförderung sowohl das Einladen als auch das Ausladen. Luftfracht wird unterteilt in Standard Luftfracht und Kurier.

Standard Luftfracht wird auf dem Boden einer Passagiermaschine befördert. Kleinere Sendungen kommen in sogenannte ULD-Container, standardisierte Aluminiumcontainer geformt nach der Krümmung des Flugzeuges. Größere Fracht wird auf einer ULD-Palette befestigt. Transportiert wird sie meist in Großraumflugzeugen als sogenannte Bellyfracht.

Kurierfracht wird von speziellen Kurierunternehmen durchgeführt. Diese haben zum Teil eigene Flugzeuge, die ausschließlich Fracht an Bord haben. Darunter fallen etwa DHL, Fedex, UPS und TNT. Die Anteile der beiden Frachtarten halten sich mit jeweils etwa 50 Prozent die Waage.

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