Mann mit Mundschutz im Lager, angelehnt an eine Palette mit Waren

Corona wird Unternehmen noch lange beschäftigen. Mit welchen strategischen Veränderungen reagieren Unternehmen? (Bild: dusanpetkovic1/Adobestock)

| von Dörte Neitzel

Rund 40 Prozent der Unternehmen rechnen mit Umsatzeinbrüchen zwischen elf und 30 Prozent im laufenden Jahr. Ein Drittel sieht sich noch nicht in der Lage, die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu quantifizieren. Angesichts immer noch gestörter Lieferketten hat der Großteil der Unternehmen daher bereits seine Strategien für den Einkauf angepasst.

Jedoch rechnen viele mit einem drastischen Anstieg der Insolvenzen. Eine Normalisierung sieht die Mehrheit der Firmenlenker aktuell noch nicht, vielmehr dürfte der Krisenmodus mindestens bis Jahresende dauern.

Das sind die Ergebnisse der zweiten Umfrage nach April 2020 des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Österreich (BMÖ), der Unternehmensberatung Stöhr Faktor sowie der Münchner International School of Management. Für die Umfrage wurden 55 Unternehmen aus Österreich und Deutschland nach den Auswirkungen der Corona-Krise befragt.

Balkendiagramm zu den wichtigsten Themen im Einkauf
Diese Themen sind im Einkauf laut der BMÖ-Umfrage am dringendsten. (Tabelle: Stöhr Faktor)

So verändert sich das Lieferantenmanagement

In der Studie wird deutlich, dass Einkauf bzw. Supply Chain Management (SCM) eine erfolgskritische Bedeutung zukommt. Mehr als 60 Prozent der Befragten sehen Änderungsbedarf bei ihrer Beschaffungsstrategie und Lieferantenmanagement. Damit gleichauf: das Risikomanagement. Fast zwei Drittel sehen die Digitalisierung als am wichtigsten an.

Vor allem in Asien wird das Beschaffungsvolumen mittelfristig zurückgefahren. In China beträgt das Minus 18 Prozent, in Indien 20 Prozent und in Nordamerika 14 Prozent. Der Stellenwert von Regional Sourcing nimmt deutlich zu. Davon profitieren vor allem Europa und Osteuropa. Die Alternativlieferanten sind laut der Befragung im Schnitt zwar teurer, liefern aber vergleichbare, wenn nicht bessere, Qualität. Dafür und für die bessere Versorgungslage sind Einkäufer auch bereit, höhere Preise zu zahlen.

Es gilt, die eigene finanzielle Stabilität und zumindest die der wichtigsten Lieferanten zu analysieren, um die Versorgung auch in kommenden kritischen Situationen absichern zu können. Dabei reagieren Unternehmen unterschiedlich: 43 Prozent der Befragten haben ihre vertraglichen Vereinbarungen fürs Erste ausgesetzt, ein Viertel unterstützt seine Lieferanten dagegen durch die Abnahme von Produkten trotz eines gesunkenen Bedarfs. 22 Prozent haben sogar Vorauszahlungen an ihre Lieferanten geleistet.

Insgesamt geht der Trend hin zu mehreren Lieferanten. 28 Prozent der befragten Unternehmen antworteten, dass sie künftig bei mehreren Quellen ordern möchten.

Zwei Balkendiagramme: ein mit den Auswirkungen von Covid auf die Lieferketten, eins mit den Reaktionen der Unternehmen darauf
So hat sich die Pandemie auf die Lieferketten bislang ausgewirkt. Dagegen setzen Unternehmen hauptsächlich sieben Maßnahmen. (Grafik: Stöhr Faktor)

Digitalisierung bekommt Schub durch Corona

Zwar ist die Digitalisierung ein bekanntes To-Do im Einkauf, durch die Pandemie wird die Notwendigkeit jedoch dringlicher. Das meinen immerhin 65 Prozent der vom BMÖ Befragten.

Dabei ist die Digitalisierung im operativen Einkauf und im Einkaufscontrolling am weitesten fortgeschritten. Der Großteil setzt bereits Technologien wie E-Invoicing, Data und Process Mining ein. Künstliche Intelligenz und Blockchain wird immerhin hohes Entwicklungspotenzial bescheinigt.

In Sachen Lieferantenmanagement und Echtzeit-Berichterstattung werden mehr bzw. bessere technische Lösungen gewünscht. Größte Hindernisse der Digitalisierung: mangelnde Kompatibilität zu Schnittstellen und Systemen (55%), nicht ausreichendes Investitionsbudget (49%), mangelnde Datenqualität bzw. Datentransparenz (43%) und festgefahrene Arbeitsweisen (40%).

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