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Bild: denisismagilov/AdobeStock

| von Dörte Neitzel

War wohl nix! Wer auf dem Höhepunkt des Hypes um die Kryptowährung Bitcoin im Herbst 2017 in das digitale Zahlungsmittel investierte, hat seitdem mehr als drei Viertel seines Kapitals verloren. Alles andere als ein Flop ist dagegen Blockchain – die Technologie, auf der die virtuelle Währung aufbaut.

Mehrwert durch Blockchain auch im Einkauf

Mit Hilfe von Blockchain werden Unternehmen ihre Prozesse so verschlanken und zugleich neue Umsätze generieren, dass ihnen daraus 2025 weltweit ein Mehrwert von 176 Milliarden US-Dollar entsteht. Das erwartet das Marktforschungsunternehmen Gartner.

Da sich Informationen in einer Blockchaindatenbank nicht fälschen lassen, sind sie die Grundlage, auf der Smart Contracts Bestellungen und Zahlungen automatisch auslösen. Daher werden Blockchains auch im Einkauf Prozesse schneller und effizienter machen. Daran glauben 80 Prozent der Einkäufer, die die Unternehmensberatung Camelot Management Consultants jüngst zu der Technologie befragt hat.

So funktionieren Blockchains

Blockchain ist eine Datenbanktechnologie. Das heißt; Anwender speichern mit ihr verschlüsselt Dokumente und Informationen über Geschäfte und Transaktionen in einem Verzeichnis, das in identischer Form auf einer Vielzahl von miteinander vernetzten Rechnern vorliegt.

Loggt sich ein Nutzer in das Netzwerk ein, lädt er die jeweils aktuelle Version der Datenbank herunter. Hat er seine Transaktion abgeschlossen, wird diese automatisch auf allen an das Netzwerk angeschlossenen Rechnern gespeichert. Jeder Nutzer der Blockchain weiß damit zu jeder Zeit, welche Vorgänge und Geschäfte stattgefunden haben.

Lückenlose Dokumentation

Außerdem werden Transaktionen nacheinander in die Datenbank eingetragen und dort zu Blöcken zusammengefasst. Ist ein Block voll, wird ein neuer beschrieben. Dieser enthält eine Prüfsumme, die beim Abschluss des vorangegangenen Blocks gebildet wurde. So entsteht eine Kette von absolut fälschungssicheren Datensätzen.

Eine Manipulation der Einträge ist nicht möglich. Wollte ein Mitglied des Netzwerks Angaben nachträglich verändern, müsste er diese auf allen beteiligten Rechnern fälschen.

Smart Contracts bringen den eigentlichen Mehrwert

Der eigentliche Mehrwert der Blockchain für Unternehmen entsteht jedoch erst, wenn sie Smart Contracts in die Datenbanken integrieren.

Diese Programme übersetzen vertragliche Vereinbarungen in Code. Sie lösen in den Verträgen definierte Transaktionen automatisch aus, sobald eine festgelegte Bedingung erfüllt wird und dies in der Blockchain eingetragen ist.

Wann dies der Fall ist, prüfen Smart Contracts automatisch durch regelmäßige Abfragen der Datenbank.

 

Smart Contracts bilden sämtliche Vertragsdetails ab

Selbst Rabatte oder die Kopplung des Preises an die Termintreue eines Zulieferers lassen sich mit digitalen Verträge abbilden.

Registrieren Enterprise-Ressource-Planning-Systeme, dass die für einen Rabattsprung vereinbarte Bestellmenge erreicht ist, oder die Lieferungen eines Partners immer pünktlich eingehen, melden sie dies der Blockchain. Der mit dem Lieferanten geschlossene Smart Contract ermittelt automatisch, welcher Betrag zu überweisen ist.

Auch beim Einkauf von Dienstleistungen entlasten Blockchains den Einkauf. Wer etwa Auftragsfertiger für sich arbeiten lässt und deren Maschinen an die Blockchaindatenbank anbindet, hat jederzeit Einblick in die Laufzeiten und Prozessdaten der Anlagen.

Die Blockchain verhindert, dass der Partner die Daten manipuliert. Digitale Verträge weisen Zahlungen dann auf Grundlage von Pay-per-Use-Modellen an.

Was bringen Blockchains dem Einkauf?

Blockchains könnten die operative Beschaffung grundlegend verändern. Sieben von zehn von der Unternehmensberatung Camelot zu der Technologie befragte Einkäufer sind überzeugt, dass sie die Transaktionskosten und -zeiten entlang aller Schritte im Purchase-to-Pay-Prozess erheblich reduzieren wird.

Das ist kein frommer Wunsch. Denn mit smarter Lagertechnik oder Maschinen verknüpft lassen sich über Blockchains automatisch Bestellungen auslösen, wenn Materialbestände unter ein definiertes Level fallen. Durch die Rechtssicherheit, die Smart Contracts und die Blockchain bieten, können sich Lieferanten auf die Echtheit des Auftrags genauso verlassen, als hätte ihn ein Einkäufer unterschrieben.

Am Ende des Prozesses müssen sie auch keine Rechnung mehr verschicken. Sobald Sensoren der Datenbank melden, dass die Ware pünktlich und mangelfrei eingegangen ist, löst ein Smart Contract deren Bezahlung aus.

Blockchain macht Lieferketten transparent

Blockchain wird auch überall dort Prozesse verändern, wo Eigentumsverhältnisse und -übergänge, Herkunfts- und Identitätsangaben sowie Informationen über den Verlauf und Zustand einer Lieferung lückenlos und rechtssicher dokumentiert werden müssen. Sieben von zehn Teilnehmern der Camelot-Studie erwarten, dass die Technologie mehr Transparenz in ihre Lieferketten bringt.

Werden nicht nur Zulieferer und Sublieferanten, sondern auch Zollbehörden, Reedereien, Hafen- und Airportbetreiber an eine Blockchain angeschlossen, lässt sich der Weg einer Komponente vom Hersteller der Vorprodukte, über die Produktion beim Tier-1-Lieferanten und den Transport bis ins eigene Unternehmen vollständig und fälschungssicher dokumentieren.

Und das inklusive aller Begleitpapiere, Herkunfts- und Echtheitsnachweise. Dies ermöglicht, Chargen lückenlos zurückzuverfolgen oder mit digitalen Frachtpapieren Zollverfahren zu automatisieren.

Da jedes Mal, wenn das Bauteil von einer Station der Lieferkette an die nächste übergeht, ein Eintrag in der Datenbank erfolgt, haben Einkäufer zudem jederzeit Klarheit über den Stand der Lieferung. Da die Blockchain auch von Sensoren erfasste und übermittelte Daten über die Transportbedingungen speichert, wissen sie zudem, ob eine Lieferung während des Versands Schaden nimmt und wer dafür verantwortlich ist.

Mehr Freiraum für strategische Aufgaben im Einkauf

Blockchains entlasten so das Supply-Chain-Management. Sie senken im operativen Einkauf die Durchlaufzeiten und Personalkosten. Befreit von zeitaufwändigen administrativen Aufgaben können sich Beschaffer auf den strategischen Einkauf konzentrieren.

„Wir gehen davon aus, dass sich das klassische Einkaufsmodell in naher Zukunft auf den Kopf stellen wird. Heute sind die größten Ressourcen in operativen Prozessen gebunden. In Zukunft werden diese auf ein Minimum reduziert“, fasst Dr. Josef Packowski, Managing Partner bei Camelot, den Nutzen von Blockchains im Einkauf zusammen.

Autor: Gerd Meyring

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