Waffen made in EU

Die größten Rüstungsunternehmen in Europa

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Die H140 wird mit Helionix ausgestattet, dem Avioniksystem von Airbus Helicopters. Es bietet neben dem 4-Achsen-Autopiloten ein innovatives Cockpit-Layout zur Verbesserung des Situationsbewusstseins, zur Verringerung der Arbeitsbelastung des Piloten und zur Erhöhung der Sicherheit während des Einsatzes.
Die H140 wird mit Helionix ausgestattet, dem Avioniksystem von Airbus Helicopters.

Die Rüstungsindustrie in Europa ist gut aufgestellt. Diese Konzern mischen in der Liga der größten Rüstungsunternehmen ganz vorne mit.

Die europäische Rüstungsindustrie ist in den letzten Jahren stark gewachsen, insbesondere durch die erhöhte Nachfrage infolge des Ukraine-Krieges und der gestiegenen Bedrohung durch Russland. Die Rüstungsumsätze europäischer Unternehmen stiegen 2024 um 13 Prozent auf 151 Milliarden US-Dollar, wobei Deutschland mit Firmen wie Rheinmetall, ThyssenKrupp, Hensoldt und Diehl einen deutlichen Zuwachs verzeichnete. Dennoch bleibt die US-Industrie mit einem Umsatz von 334 Milliarden Dollar und 39 der 100 weltgrößten Rüstungsunternehmen weiterhin dominierend, gefolgt von China und Russland.

Besonders Frankreich und Großbritannien schicken ihre Rüstungskonzerne in die Top 10, aber auch Deutschland sowie Schweden sind mit je einem Dickschiff vertreten.

Waffensysteme wie der Eurofighter, das Kampfflugzeug Gripen oder militärische Drohnen kommen mittlerweile aus Europa. Welche Schwerpunkte die europäischen Waffenhersteller haben und wieviel Umsatz sie damit im Jahr 2023 erreichen konnten, lesen Sie in unserer Bildergalerie. Quelle ist das schwedische Sipri-Institut, das die Zahlen jährlich sammelt und herausgibt.

Top 10-Ranking: Die größten Rüstungskonzerne in Europa

Der europäische Verteidigungsindustrie wird von zahlreichen Industriegiganten dominiert. Laut der Military Arms Base von Sipri zählen BAE Systems, Airbus Defence & Space sowie einige französische Unternehmen zu den umsatzstärksten Rüstungsunternehmen Europas.  Perspektivisch soll die Rüstungsindustrie in Europa jedoch nicht nur zu einem Wirtschaftsfaktor werden, sondern auch zu einem geopolitischen Machtinstrument.

Im Jahr 2024 erreichte der britische Konzern BAE Systems mit einem Umsatz von mehr als 33 Milliarden US-Dollar im Verteidigungsbereich die Spitzenposition. Damit liegt BAE Systems weit vor der Konkurrenz und belegt auch im weltweiten Vergleich einen achtbaren vierten Platz in den Top 10. Auch Airbus und das italienische Unternehmen Leonardo, das mit seiner Diversifikation in Luftfahrt, Elektronik und Hubschrauberfertigung eine strategisch wichtige Rolle einnimmt, spielen eine große Rolle in Europa.

Die größten Rüstungsunternehmen in Europa 2024 (Plätze 11 bis 26)

Unternehmen Land Umsatz in Mrd. US-Dollar Anteil des Rüstungsgeschäfts
11.Babcock International GroupGroßbritannien4,5774,00%
12.Dassault Aviation GroupFrankreich4,1136,60%
13.KNDSEuropa4,11100,00%
14.Czecholsovak GroupTschien3,6383,60%
15.PGZPolen3,0490,00%
16.JSC Ukrainian Defense IndustryUkraine3,01100,00%
17.FincantieriItalien2,9934,00%
18.Serco GroupGroßbritannien2,4235,80%
19.ThyssenKruppDeutschland2,296,00%
20.HensoldtDeutschland2,2493,00%
21.DiehlDeutschland2,1141,50%
22.QinetiQGroßbritannien1,9579,00%
23.Kongsberg GruppenNorwegen1,7839,00%
24.NavantiaSpanien1,2777,00%
25.Melrose IndustriesGroßbritannien1,2426,00%
26.Ultra Electronics GroupGroßbritannien1,0786,30%

Quelle: Sipri Institut

Technologische Unterschiede

Europa ist technologisch insbesondere bei Drohnen, Raketen und digitaler Kriegsführung hinter den USA, China und Russland zurückgeblieben. Während die USA mit Firmen wie Lockheed Martin und Northrop Grumman weltweit führend sind und ihre Umsätze weiter steigern, investiert Europa aktuell vor allem in Artillerie, Munition und Luftabwehrsysteme, aber weniger in hochmoderne Panzer oder Kampfflugzeuge. 

Die Produktionskapazitäten für Panzer und Raketen sind in Europa nach wie vor deutlich geringer als in Russland und China, was die europäische Abschreckungsfähigkeit beeinträchtigt.

 Welche Waffensysteme werden in Europa nicht gefertigt?

Interkontinentale Nuklearraketen (ICBM) und strategische Trident‑Systeme

Klassische landgestützte ICBM mit globaler Reichweite (à la Minuteman, DF‑41, Sarmat) werden in Europa nicht entwickelt oder produziert; Frankreich und Großbritannien setzen auf seegestützte Systeme mit US‑Beteiligung. Das britische Trident‑System basiert auf US‑Technologie, die Raketen selbst werden nicht in Europa gefertigt.

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Bestimmte Flugabwehr- und Raketenabwehrsysteme

Das Patriot‑System (PAC‑3 MSE) wird in den USA gefertigt und ist für Europa ein Importprodukt, auch wenn es teilweise in Europa integriert und angepasst wird. Hochentwickelte US‑Raketenabwehrkomponenten wie THAAD oder künftige Hyperschall‑Abwehrsysteme werden bislang nicht in Europa produziert.

Hyperschallwaffen und Long‑Range Strike

In Europa werden Hyperschallwaffen zwar bereits entwickelt, allerdings befindet sich die Fertigung größtenteils noch in frühen Projektstadien und ist nicht serienreif. Frankreich führt mit dem ASN4G (Aerospatiale Nouvelle Génération), einem luftgestützten Hyperschallgleiter für den Rafale-Träger, der bis 2035 einsatzbereit sein soll. Deutschland und MBDA leiten EU-weite Projekte wie EUCI-IBA im Rahmen des European Defence Fund (EDF 2026), die Hyperschallgleiter für Reichweiten über 1.000 km testen. US‑Systeme wie „Long‑Range Hypersonic Weapon“ (Dark Eagle) sind rein US‑amerikanische Entwicklungen und werden nicht in Europa hergestellt. Sie sollen zwar in Europa stationiert werden, verbleiben aber technologisch und industriell in US‑Hand.

Strategische Seeaufklärer und U‑Jagd-Plattformen

Das maritime Patrouillenflugzeug P‑8A Poseidon (Boeing) ist ein Beispiel für ein komplexes Seeaufklärungs- und U‑Jagd‑System, das Europa derzeit ausschließlich importiert. Diskutierte europäische Alternativen (MAWS etc.) sind frühestens mittelfristig zu erwarten und noch nicht in Serie.

Schwere Bomber und Stealth‑Plattformen

Strategische Bomber wie B‑52, B‑1B oder B‑2 sowie der neue B‑21 Raider werden ausschließlich in den USA entwickelt und produziert. Europa verfügt zwar über eigene Kampfflugzeuge (Rafale, Eurofighter, Gripen), jedoch über keinen vergleichbaren strategischen Bomber in Serienfertigung.

Hochintegrierte Satellitenaufklärung und bestimmte ISR‑Systeme

Europa ist bei militärischer Echtzeit‑Satellitenaufklärung, globalen Kommunikationssystemen und bestimmten SIGINT/ISR‑Plattformen in vielen Bereichen von US‑Systemen abhängig. Entsprechende Verbundsysteme (Sensorik, Datenlinks, KI‑Auswertung) werden in dieser Tiefe und Skalierung in Europa bisher nicht hergestellt.

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Bewaffnete Drohnen

Europa holt in der Drohnenproduktion zwar schnell auf, entwickelt und fertigt eigene Systeme. Schwere bewaffnete MALE‑Drohnen wie MQ‑9 Reaper/Protector werden jedoch weiterhin nur in den USA produziert und von mehreren europäischen Staaten importiert. Europa baut zwar eigene Drohnen (z.B. Eurodrohne geplant, kleinere Systeme und Kamikaze‑Drohnen), deckt aber das komplette Spektrum US‑amerikanischer Muster noch nicht ab.

Präzisionsabstandswaffen und Cruise Missiles

Europa produziert eigene Marschflugkörper (Storm Shadow/SCALP, Taurus), aber eine Reihe US‑Systeme wie Tomahawk oder bestimmte neuere Stand‑off‑Waffen werden weiterhin ausschließlich in den USA hergestellt. Diese Systeme werden – etwa in der Marine – von europäischen Staaten zugekauft, weil entsprechende europäische Alternativen entweder fehlen oder noch nicht reif sind.

Ausgaben und Marktanteile

Die USA geben mit fast einer Billion Dollar pro Jahr deutlich mehr für Verteidigung aus als jedes andere Land, gefolgt von China, Russland und der EU zusammen. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt investiert Russland den höchsten Anteil, die EU liegt knapp vor China. Die europäische Industrie gewinnt jedoch an Marktanteilen, da europäische Firmen stärker wachsen als US-Konzerne – ein Trend, der sich durch massive Nachbestellungen aus NATO-Staaten beschleunigt.

Insgesamt bleibt die europäische Rüstungsindustrie wirtschaftlich und politisch relevant, steht aber im Vergleich zu den USA, China und Russland weiterhin vor Herausforderungen hinsichtlich Kapazität, Technologie und Einheitlichkeit der Systeme.

Portrait Dörte Neitzel Redakteurin Technik+Einkauf

Die Autorin: Dörte Neitzel

Dörte Neitzel ist Wissens- und Infografik-Junkie vom Dienst. Dinge und Zusammenhänge zu erklären ist ihr Ding, daher beschreibt sie sich selbst auch gern als Erklärbärin mit Hang zur Wirtschaft – was einem lange zurückliegenden VWL-Studium geschuldet ist. Nach einigen Stationen im Fachjournalismus lebt sie dieses Faible bevorzugt auf der Webseite der TECHNIK+EINKAUF aus und taucht besonders gern ab in die Themen Rohstoffe und erneuerbare Energien.

Privat ist Südfrankreich für sie zur zweiten Heimat geworden, alternativ ist sie in der heimischen Werkstatt beim Schleifen, Ölen und Malern alter Möbel zu finden oder in südbayerischen Berg-und-See-Gefilden mit Hund im Gepäck unterwegs.

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Die größten europäischen Rüstungsunternehmen 2024

  1. BAE Systems
  2. Leonardo
  3. Airbus
  4. Thales
  5. Rheinmetall
  6. Rolls-Royce
  7. Saab
  8. Safran
  9. MBDA
  10. Naval Group
  11. Mehr Informationen zu den einzelnen Rüstungsunternehmen, welche Waffensysteme sie herstellen und wie viel Umsatz sie 2024 gemacht haben, finden Sie in unserer Bildergalerie.

Quelle: Arms Industry Database von Sipri.

FAQ - europäische Rüstungsindustrie

 Warum wächst die europäische Rüstungsindustrie so stark?

Die europäische Rüstungsindustrie wächst vor allem durch massive Investitionen infolge des Ukraine-Krieges und der gestiegenen Bedrohungslage durch Russland. Die EU plant mit Programmen wie „ReArm Europe“ Investitionen von bis zu 800 Milliarden Euro, um die Verteidigungsfähigkeit zu stärken. Zudem steigen die Verteidigungsausgaben der NATO-Staaten auf bis zu 3,5 Prozent des BIP, was einen direkten Schub für die Branche bedeutet.

Welche Unternehmen profitieren am meisten?

Zu den größten europäischen Rüstungskonzernen gehören Leonardo, Saab, Thales, Airbus, Rheinmetall und Safran. Deutsche Firmen wie Rheinmetall, ThyssenKrupp, Hensoldt und Diehl verzeichnen besonders hohe Umsatzsteigerungen und profitieren von Aufträgen aus ganz Europa und für die Ukraine.

Welche Herausforderungen gibt es für die europäische Rüstungsindustrie?

Die europäische Rüstungsindustrie ist stark fragmentiert und national ausgerichtet, was die Kooperation und Standardisierung erschwert. Ein weiteres Problem ist der Fachkräftemangel, der die Produktion bremst, obwohl die Auftragsbücher voll sind. Zudem fehlen oft die Kapazitäten für die Herstellung moderner Systeme wie Kampfflugzeuge oder Panzer im Vergleich zu den USA oder Russland.

Wie viel wird in Europa für Rüstung ausgegeben?

Die europäischen NATO-Staaten werden ihre Verteidigungsausgaben auf insgesamt rund 770 Milliarden Euro pro Jahr erhöhen. Davon entfallen etwa 217 Milliarden Euro auf Ausrüstung. Bis 2035 sollen die direkten Verteidigungsinvestitionen Europas insgesamt fast 2.200 Milliarden Euro betragen.

Welche Rolle spielt die EU bei der Förderung der Branche?

Die EU fördert die Rüstungsindustrie mit Programmen wie dem European Defence Industry Programme (EDIP), das 1,5 Milliarden Euro für den Zeitraum 2025 bis 2027 bereitstellt. Ziel ist die Stärkung der europäischen Lieferketten und die Zusammenarbeit mit der Ukraine, wobei maximal 35 Prozent der Materialien außerhalb der EU gekauft werden dürfen.