Manager bei Strategiebesprechung

Welche Strategie ist bei Einkäufern besonders beliebt? (Bild: itchaznong/AdobeStock)

| von Dörte Neitzel
Aktualisiert am: 17. Aug. 2020

Der Einkauf ist eine der Abteilungen, die Unternehmensziele am stärksten unterstützen - oder im schlimmsten Fall auch sabotieren - kann. Eine Strategie bestimmt explizit und implizit zahlreiche Faktoren:

  • welche Ziele im Vordergrund stehen,
  • wie Einkaufsprozesse wie ablaufen,
  • mit welchen anderen Abteilungen der Einkauf zusammenarbeitet,
  • welche Aufgaben der Einkauf übernimmt.

Den hohen Stellenwert und den hohen Beitrag der Beschaffungsabteilung sehen auch die Einkäufer selbst, so die 2019er-Umfrage von Entero und BME "Einkaufscontrolling in Deutschland 2019".

Dabei legen die meisten Unternehmen drei Kriterien in ihrer Einkaufsstrategie fest - über alle Branchen hinweg. Am höchsten im Kurs stehen:

Diese drei Ziele vereinen 92 Prozent der Antworten auf sich. Die restlichen acht Prozent teilen sich:

  • Effizienz,
  • Risiko und
  • Innovation.

Um diese Kriterien gezielt steuern zu können, die Lieferanten und die Einkaufsorganisation weiterzuentwickeln, ist es wichtig die richtigen Kennzahlen (KPI, Key Performance Indicator) zu erheben. An ihnen können dann gezielte Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet werden.

Tabelle mit den wichtigsten Kriterien für die Auswahl einer Einkaufsstrategie nach Branchen
Diese Kriterien zählen bei der Wahl einer Einkaufsstrategie. (Daten: Entero/BME)

Welche Einkaufsstrategien sind am wichtigsten?

In der Befragung wurden insgesamt 23 Strategien zur Auswahl gestellt. Im Vergleich zur Studie 2017 haben die Strategien "Rahmenvertrag" und "Abrufkontrakt" weiter an Bedeutung gewonnen.

1. Rahmenverträge

Die Nutzung von Rahmenverträgen wurde über die Branchen hinweg am häufigsten als sehr wichtig eingestuft. Dies zeigt deutlich das Interesse der Unternehmen an einer langfristigen Beziehung zu ihren Lieferanten mit Sicherheit sowohl beim Preis als auch in der (Produktions-)Planung. Eine wichtige Kennzahl dabei ist zum Beispiel die Rahmenvertragsnutzung. Sie zeigt, inwieweit durch Rahmenverträge abgedeckte Beschafffungsvolumina in der Praxis durch Rahmenverträge bestellt werden.

Erfahren Sie hier alles über Rahmenverträge.

2. Abrufkontrakte

Ein Abrufkontrakt ist eigentlich ein spezieller Rahmenvertrag. Dieser legt Regelungen für einen bedarfsorientierten Abruf von Materialien beim Lieferanten fest. Vereinbart ist, welche Güter in welchen Mengen abgenommen werden. Vielfach wird jedoch kein konkreter Liefertermin festgeklopft.

Erfahren Sie hier alles über Abrufkontrakte.

3. Warengruppen

Der Einkauf nach Warengruppen (Warengruppenstrategie) liegt weiterhin auf Rang 3 bei den befragten Unternehmen. Sie fasst unterschiedliche Waren zu Gruppen zusammen, etwa Standardmaterialien und strategische Materialien. Die Warengruppenstrategie trägt unter anderem dazu bei, die Anzahl von Schnittstellen zu Lieferanten zu reduzieren.

Erfahren Sie hier alles zur Einkaufsstrategie nach Warengruppen.

4. Part Sourcing

Part Sourcing oder auch Unit Sourcing besagt, das Objekte als Einzelteile oder als Rohstoffe beschafft werden. Die Teile werden erst im Unternehmen weiterverarbeitet oder gehen sofort ins Endprodukt ein. Der Vorteil hier: Das Know-how bleibt beim Unternehmen, es muss aber viele unterschiedliche Zulieferer koordinieren. Der Stellenwert von Part Sourcing ist im Vergleich zur Studie 2017 gleich geblieben.

5. Preferential Sourcing

Viele Unternehmen versuchen, durch Preferential Sourcing (Vorzugslieferanten-Strategie) die Anzahl ihrer Zulieferer möglichst niedrig zu halten. Die am höchsten qualifizierten Lieferanten, etwa bezüglich ihrer Qualität oder ihres Preises, werden vorzugsweise behandelt. Sie werden gern für Engpassteile (bei A-Materialien) genutzt oder erhalten bestimmte Beschaffungsquoten.

6. Dual Sourcing

Beim Dual Sourcing werden Waren von zwei voneinander unabhängigen Zulieferern bezogen. Meist geschieht das in Quoten, etwa 60 Prozent zu 40 Prozent. Das kombiniert die positiven Seiten des Single Sourcing mit den Vorteilen von Multiple Sourcing zu kombinieren. Die Vorteile hierbei sind einerseits hohe Rabatte durch die Bündelung von Bestellungen, andererseits auch ein geringeres Risiko des Ausfalls und weniger Abhängigkeit.

Tabelle zu den jeweils 3 beliebtesten Einkaufsstrategien in ausgewählten Branchen
Welche Einkaufsstrategie ist in welcher Branche am weitesten verbreitet? (Daten: Entero/BME)

7. Multiple Sourcing

Mit Multiple Sourcing, auch Multi Sourcing genannt, setzen Unternehmen auf eine Vielzahl von Lieferanten für Güter. Das ist meistens begründet in einem großen Bedarf an Rohstoffen bzw. Einzelteilen im produzierenden Gewerbe. Der Vorteil: Versorgungssicherheit. Der Nachteil: die Koordination vieler Zulieferer.

8. Local Sourcing / Domestic Sourcing

Das Local oder Domestic Sourcing legt besonderen Wert auf die geografische Nähe zum Lieferanten. Streng genommen, wird noch zwischen lokaler und regionaler Beschaffung unterschieden. Gegebenenfalls höhere Warenpreise werden durch eine bessere Qualität, niedrigere Transportkosten und ein geringeres Versorgungsrisiko kompensiert. Es entfällt zudem das Risiko langer Transportwege.

Erfahren Sie hier alles zum Local Sourcing.

9. Global Sourcing

Global Sourcing schafft den weltweiten Zugang zu Ressourcen und Produkten, die günstiger und/oder auf dem lokalen Markt nicht zu finden sind. Bei der Anwendung von Global Sourcing ist ein Mehraufwand an Koordination, Planung und Information über die Märkte nötig. Oft wird auch eine Zone, etwa Europa, unter die globale Beschaffung gezählt. Für andere läuft das bereits unter regionaler Beschaffung.

Erfahren Sie hier alles zur Einkaufsstrategie Global Sourcing.

10. Lead Buyer / Category Manager

Ein Lead-Buyer-Konzept bezeichnet einen "federführenden Einkauf" für ein Produkt oder eine im Vorfeld festgelegte Warengruppe. Dabei kann es sein, dass der Lead Buyer innerhalb eines (großen und weltweit agierenden) Unternehmens eingesetzt wird oder sogar über Unternehmensgrenzen hinweg in Einkaufskooperationen. Daher gilt Lead Buying auch als Kompromiss zwischen zentralem und dezentralem Einkauf. Die Nachteile: Es entstehen "Einkaufs-Königreiche, Fehleinschätzungen des Lead Buyers können schwere Folgen haben und auch die Transparenz ist nicht immer optimal.

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Es gibt noch weitere Einkaufsstrategien, die jedoch in der Entero/BME-Umfrage keine oder keine größere Rolle spielen. Das sind beispielsweise:

Modular oder System Sourcing

Bei diesen Strategien setzt ein Unternehmen auf nur wenige Lieferanten. Diese liefern komplette Module oder Baugruppen. Diese wurden entweder gemeinsam entwickelt (System Sourcing) oder vom Lieferanten (Modular Sourcing). Die Begriffe Modular und System grenzen sich also durch die Enge der Zusammenarbeit ab. Diese Verlagerung der Entwicklung und Produktion bedeutet eine hohe Abhängigkeit zum Lieferanten. Oft ist das auch verbunden mit einem Verlust an Know-how an den Zulieferer.

E-Procurement / E-Sourcing

Die Umfrage listet auch E-Procurement als Strategie. Hier setzt der Einkauf auf die Digitalisierung der Beschaffung durch entsprechende Prozesse und Tools, etwa Robotic Process Automation.

Der Eintrag "freemium_overlay_form_tue" existiert leider nicht.