Das Schwermetall Wolfram ist unverzichtbar für die Produktion hochfester Stähle. Doch die Versorgungslage ist kritisch und der Preis hoch. Warum?
Gerd MischlerGerdMischler
Wolfram wird für die Produktion von hochfesten Stählen verwendet.(Bild: hlxandr - stock.adobe.com)
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Summary: Wolfram wird vor allem von der Metall- und Stahlindustrie, der Elektronikbranche, der Chemie sowie der Luftfahrt genutzt. Die Förderung konzentriert sich stark auf China, das den Markt seit 2002 auch über Exportbeschränkungen steuert. Recycling und begrenzte Substitutionsmöglichkeiten entlasten die Versorgung, lösen das Rohstoffrisiko aber nicht.
Was Wolfram so besonders macht
Hart, härter, Wolfram – nur wenige Metalle sind robuster als dieses stahlgraue Schwermetall. Vor allem bei hohen Temperaturen. Denn mit 3.422 Grad Celsius hat Wolfram den höchsten Schmelzpunkt aller Metalle sowie den zweithöchsten aller Elemente. Nur Kohlenstoff hält Hitze noch länger Stand.
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Mit einer Dichte von 19,25 Gramm pro Kubikzentimeter muss sich Wolfram zudem nur Gold, Osmium und Iridium geschlagen geben. Damit ist das Element bruchfester als Diamanten, härter als jeder Stahl, hat eine extrem hohe Abriebfestigkeit und dehnt sich bei Hitze so gut wie nicht aus. Bei niedrigen Temperaturen hat das Material hingegen supraleitende Eigenschaften. Einziger Nachteil: Wolfram lässt sich sehr schlecht bearbeiten und nur mittels Laser- oder Elektronenstrahl schweißen.
Bei der Stahlproduktion bindet Wolfram den im Eisenerz enthaltenen Kohlenstoff an sich und bildet extrem harte Wolframkarbide aus. Die Metall- und Stahlindustrie verarbeitet deshalb über 80 Prozent des weltweit verfügbaren Angebots an dem Rohstoff zu Hartmetallen und Superlegierungen. Diese kommen überall dort zum Einsatz, wo Material bei hohen Temperaturen besonders hart und fest sein muss.
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So stellen Werkzeugbauer mit Wolframstählen hochpräzise Schneidwerkzeuge, Fräsen, Bohrkronen, Bohrer und Meißel her, die besonders hohen Belastungen standhalten. Autohersteller brauchen den Rohstoff zur Produktion von Katalysatoren und Glühkerzen für Dieselmotoren. Die Waffenindustrie verarbeitet wolframhaltige Hartmetalle zu Projektilen, Gewehrkugeln und panzerbrechender Munition. In Legierungen härtet das Element die Schaufeln von Turbinen oder Düsentriebwerken in der Luftfahrt.
Welche Rolle Wolfram in Elektronik und Chemie spielt
Auch die Beleuchtungs- und Elektronikindustrie schätzt die einzigartigen Eigenschaften von Wolfram. Zwar verarbeitet in Europa heute niemand mehr das Metall zu Glühdrähten für Glühbirnen. Als Material für die Elektroden von Energiesparlampen, sowie bei der Produktion von fluoreszierender Leuchtmittel hat Wolfram in Verbindung mit Kalzium und Magnesium jedoch nach wie vor eine glänzende Perspektive. Auch in elektrischen Kontakten, Kathoden und Dünnfilmtransistoren findet das Element Verwendung.
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Minenproduktion von Wolfram in Tonnen
2014
86.800
2015
89.400
2016
88.100
2017
82.100
2018
81.100
2019
83.800
2020
78.400
2021
79.000
2022
79.800
2023
78.000
2024
82.000
2025
85.000
Quelle: US Geological Survey Mineral Commodities
Insgesamt elf Prozent des jedes Jahr auf dem Weltmarkt gehandelten Wolfram kaufen deshalb Einkäufer von Elektronikunternehmen und Beleuchtungsspezialisten auf. Sieben Prozent der globalen Jahresförderung verarbeitet schließlich die chemische Industrie zu Pigmenten und nutzt sie als Schmiermittel oder Katalysatoren für chemische Prozesse.
Selbst in Kugelschreibern sowie in der Formel 1 kommt das Material zum Einsatz. Im Rennsport nutzen Ingenieure Platten aus Wolfram, um ihre Boliden auf das vorgeschriebene Mindestgewicht von 620 Kilogramm zu bringen.
China dominiert Förderung und Markt
Wie aus Zahlen der US Geological Survey hervorgeht, stammen mehr als 78% des weltweit abgebauten Wolframs aus China. Mit deutlichem Abstand folgen Vietnam mit 3,5%, Kasachstan mit 2,8% sowie Nordkorea und Russland mit jeweils 2,3%. Kleinere Beiträge leisten Bolivien, Ruanda und Australien.
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Trotz dieser Zahl an Förderländern bewertet die BGR die Versorgung der deutschen Wirtschaft mit Wolfram als kritisch. Ausschlaggebend ist die marktbeherrschende Stellung Chinas. Neben dem Länderrisiko hält die BGR auch die hohe Anbieterkonzentration für bedenklich, weil staatlich kontrollierte chinesische Bergbauunternehmen den Weltmarkt prägen.
Dass diese Einschätzung nicht unbegründet ist, zeigt die chinesische Rohstoffpolitik. China hat die Ausfuhr von Wolfram bereits 2002 eingeschränkt. Seitdem steuert die Volksrepublik den Markt mit Abbau- und Exportquoten, mit Zöllen und durch Eingriffe in die Branchenstruktur, indem einzelne Bergwerksunternehmen geschlossen oder mit anderen Gesellschaften verschmolzen werden.
Minenproduktion von Wolfram nach Ländern im Jahr 2025 in Tonnen
China
67.000
Vietnam
3.000
Kasachstan
2.400
Nordkorea
2.000
Russland
2.000
Bolivien
1.700
Ruanda
1.300
Australien
1.000
Österreich
840
Spanien
800
Portugal
700
Andere
2.400
Quelle: US Geological Survey
Warum Europa die Wolframförderung ausbaut
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Die hohen Rohstoffpreise haben dazu geführt, dass sich der Abbau inzwischen auch in Europa rechnet. Für die häufigste Legierung Ferrowolfram zahlen Einkäufer derzeit fast 70% mehr als noch vor einem Jahr. Deshalb fördern auch Minen in Portugal, Spanien, Großbritannien und im österreichischen Felbertal den Rohstoff. Aus Österreich stammt knapp 1% des auf dem Weltmarkt angebotenen Wolframs.
Europäische Länder wie Österreich, Spanien und Portugal haben ihre Produktion entsprechend hochgefahren. Allerdings fallen die Vorkommen dort deutlich geringer aus als in China. Die europäische Förderung kann die starke Abhängigkeit vom chinesisch dominierten Markt daher nur begrenzt abfedern.
Welche Reserven es an Wolfram gibt
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Fast zwei Drittel der Wolframreserven liegen in China. Auch hier ragt das Land mit 2,5 Mio. Tonnen heraus, Australien folgt mit großem Abstand. Insgesamt spricht die US-Behörde von Reserven in Höhe von mehr als 4,7 Mio. Tonnen. An der geografischen Problematik ändert das wenig, weil sich die Vorkommen stark auf autokratische Staaten wie China und Russland konzentrieren.
Kleinere Lagerstätten finden sich außerhalb Chinas in Spanien, Österreich und Portugal. Diese Vorkommen reichen jedoch nicht aus, um Chinas protektionistische Rohstoffpolitik auszugleichen.
Wolframreserven nach Ländern 2025 in Tonnen
China
2.500.000
Australien
570.000
Russland
400.000
Vietnam
170.000
Spanien
66.000
Österreich
10.000
Portugal
3.400
Andere Länder
950.000
Quelle: US Geological Service
Wolfram-Recyclingrate hoch
Etwas günstiger stellt sich die Lage beim Recycling dar. Die International Tungsten Industry Association schätzt, dass 30 bis 40% des weltweit angebotenen Wolframs aus Wiederverwertung stammen. Dies, sowie die Tatsache, dass sich Wolfram in einzelnen Bereichen durch Molybdän oder abgereichertes Uran und Blei ersetzen lässt, könnten den Zeitpunkt noch eine Zeitlang aufschieben, an dem Unternehmen außerhalb Chinas der Wolframnachschub ausgeht.
Wolframpreis in EUR/Tonne
Tiefstpreis
Höchstpreis
Durchschnitt
03.04.2026
2,430.40
2,768.92
2,599.66
27.03.2026
2,425.08
2,728.22
2,576.65
20.03.2026
2,156.75
2,415.56
2,286.15
13.03.2026
1,830.76
2,092.30
1,961.53
06.03.2026
1,721.10
1,888.91
1,805.00
27.02.2026
1,599.32
1,690.71
1,645.00
20.02.2026
1,400.44
1,612.63
1,506.54
13.02.2026
1,390.64
1,538.14
1,464.39
06.02.2026
1,011.63
1,306.69
1,159.16
30.01.2026
924.36
1,174.78
1,049.57
23.01.2026
907.56
1,113.44
1,010.50
16.01.2026
850.72
905.02
877.87
09.01.2026
817.55
849.40
833.47
02.01.2026
769.23
807.84
790.65
26.12.2025
705.13
769.23
737.18
19.12.2025
699.15
762.71
730.93
12.12.2025
677.97
699.15
688.56
05.12.2025
627.12
677.97
652.54
28.11.2025
622.88
661.02
641.95
21.11.2025
622.88
661.02
641.95
Quelle: Molytun
Wie sich der Wolframpreis bildet
Wolfram nicht nicht direkt an der LME (London Metal Exchange) gehandelt da die Rohstoffbörse sich auf bestimmte Nichteisenmetalle wie Kupfer, Aluminium, Zinn, Nickel, Zink und Blei konzentriert. Der Preis für Wolfram wird primär über spezielle Preisagenturen (wie Fastmarkets) und Handelsplätze in Rotterdam oder China gesetzt. Für Europa ist Rotterdam maßgeblich. Es gilt als zentraler Handelsplatz für Ammoniumparawolframat (APT) in Europa.
Der Wolframpreis ist sowohl 2025 als auch mit Beginn des Irankriegs massiv gestiegen. Eine Analyse zu 2025 finden Sie hier , die Auswirkungen des Irankriegs haben wir hier beschrieben.
Warum hat Wolfram den höchsten Schmelzpunkt aller Metalle?
Wolfram besitzt mit ca. 3.422 °C den höchsten Schmelzpunkt aller reinen Metalle. Dies liegt an der extrem starken metallischen Bindung zwischen den Atomen. Die Elektronen in den d-Orbitalen gehen sehr feste Bindungen ein, was zu einer enormen Gitterenergie führt. Wegen dieser Eigenschaft wird es überall dort eingesetzt, wo extreme Hitze herrscht, etwa in Glühwendeln von Lampen oder in der Raumfahrt.
Wie hart ist Wolfram im Vergleich zu Diamant?
Reines Wolfram ist relativ dehnbar und weich (etwa wie hochwertiger Stahl). Wolframcarbid (eine Verbindung aus Wolfram und Kohlenstoff) ist dagegen extrem hart. Es erreicht auf der Mohs-Skala einen Wert von etwa 9 bis 9,5. Zum Vergleich: Ein Diamant hat den Maximalwert 10. Wolframcarbid ist nahezu kratzfest, weshalb es in der Werkzeugindustrie (Bohrer, Fräser) und für Eheringe sehr beliebt ist.
Ist Wolfram giftig für den Menschen?
Im Vergleich zu anderen Schwermetallen wie Blei oder Quecksilber gilt Wolfram als gering toxisch. Bei Hautkontakt ist es unbedenklich (daher auch die Nutzung für Schmuck). Wird es inhaliert, kann es die Atemwege reizen.
Warum ist Wolfram so schwer (Dichte)?
Wolfram hat eine Dichte von 19,25 g/cm³. Das ist fast identisch mit der Dichte von Gold (19,30 g/cm3). Die Folge: Wolfram wird oft als (legales) Gegengewicht in der Industrie oder im Motorsport verwendet. Wegen der ähnlichen Dichte wird Wolfram leider auch oft für Goldfälschungen (vergoldete Wolframbarren) missbraucht, da das Gewicht beim in die Hand nehmen täuschend echt wirkt.
Wo wird Wolfram heute noch verwendet (außer in Glühbirnen)?
Hartmetall: Der Großteil wird für Schneid- und Bohrwerkzeuge verwendet.
Elektronik: Als Kontaktmaterial oder zur Abschirmung von Röntgen- und Gamma-Strahlung.
Militär: In kinetischer Munition (Wuchtgeschosse), da es aufgrund seiner Härte und Dichte Panzerungen durchschlagen kann, ohne giftig wie Uran zu sein.
Sport: Dartpfeile (Tungsten-Darts) bestehen meist aus Wolframlegierungen, um die Pfeile bei hohem Gewicht sehr dünn halten zu können.