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Bild: Pixabay - Steve Bidmead

| von Dörte Neitzel

Nicht alles Gold glänzt: Im Sudan, Simbabwe und der Demokratischen Republik Kongo  finanzieren Rebellen und Bürgerkriegsparteien mit Erlösen aus dem Abbau des gelben Edelmetalls ihre blutigen Auseinandersetzungen und Übergriffe auf die Zivilbevölkerung. Um das schmutzige Geschäft mit dem Blutgold auszutrocknen, haben die USA bereits 2012 im Frank-Dodd-Gesetz eine Nachweispflicht für die Herkunft des Goldes eingeführt, das Unternehmen in ihren Produkten verwenden. Die Europäische Union ging im April 2017 zwar nicht so weit. Verlangt von Industriebetrieben, die nach der Corporate-Social-Responsibility-Richtline der EU berichtspflichtig sind, jedoch immerhin dass sie freiwillig dokumentieren, woher das Gold stammt, das sie verarbeiten.

Goldpreis nicht rational bestimmt

Nicht nur der mit der Dokumentationspflicht verbundene Aufwand erschwert Einkäufern die Beschaffung des Edelmetalls. Auch der Goldpreis folgt nicht immer rationalen und damit vorhersehbaren Gesetzen. Da Anleger und Zentralbanken das Element in Zeiten politischer Krisen und niedriger Zinsen als sicheres und werterhaltendes Investment schätzen, steigt dessen Preis, wenn etwa Großbritannien seinen Austritt aus der EU erklärt, oder sich in den Vereinigten Staaten die Wahl eines Präsidenten abzeichnet, dessen Politik der Weltwirtschaft schaden könnte. Allein deutsche Privatanleger haben deshalb seit 2014 Gold für gut 17 Milliarden Euro  gekauft. In ihren Depots lagern heute 8.672 Tonnen des Edelmetalls. Auch die Bundesbank schätzt die Sicherheit, die Gold ihr bietet. In ihren Tresoren liegen derzeit 3.378 Tonnen des Edelmetalls. Mehr davon besitzt mit gut 8.000 Tonnen nur die Federal Reserve Bank der USA. Gemeinsam verfügen die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik damit über rund acht Prozent allen Goldes, das jemals geschürft wurde.

Die größten Goldminen der Welt
Goldmine, Land Produktion in 2015
1. Muruntau, Usbekistan 61 Tonnen
2. Grasberg Kupfer- und Goldmine, Indonesien 42,3 Tonnen
3. Goldstrike Goldminen Komplex, USA 32,8 Tonnen
4. Cortez, USA 31,1 Tonnen
5. Pueblo Viejo, Dominikanische Republik 29,7 Tonnen
6. Yanacocha Goldminen Komplex, Peru 28,6 Tonnen
7. Carlin Goldminen Komplex, USA 27,5 Tonnen
8. Penasquinto Silber- und Goldmine, Mexiko  26,8 Tonnen
9. Lihir Goldmine, Papua-Neuguinea 25 Tonnen
 10. Boddington Kupfer- und Goldmine, Australien  24,7 Tonnen

Quelle: US Global Investors

Idealer Industrierohstoff

Da neben Zentralbanken und Anlegern die Schmuckbranche und die Zahnmedizin einen großen Teil des weltweit abgebauten Goldes aufkaufen, ist die Beschaffung des gelben Edelmetalls für Einkäufer aus der Industrie ein Abenteuer. Dabei hat das Element Eigenschaften, die es zum optimalen Rohstoff für eine Vielzahl von Anwendungen machen. So leitet Gold Wärme und Strom hervorragend, korrodiert nicht und ist extrem widerstandsfähig gegen Feuchtigkeit, Hitze und Säuren. Lediglich eine Mischung aus Salz- und Salpetersäure kann das Edelmetall angreifen. Außerdem lässt sich Gold leicht legieren, ist weich und lässt sich einfacher formen als jedes andere Metall. So lassen sich Folien mit einer Stärke von nur wenigen Atomlagen herstellen.

Aufgrund seiner Korrosionsfestigkeit und Leitfähigkeit produziert die Elektronikindustrie mit dem Edelmetall Steckverbindungen, Schalter, Kontakte oder Drähte für Geräte her, die mit sehr niedrigen Spannungen und Strömen arbeiten. Ihre elektrische Schaltungen könnten durch andere Materialien, die leicht korrodieren, gestört werden. Die Luft- und Raumfahrt stellt mit dem Edelmetall Ultrarot-Reflektoren für Satelliten und Beschichtungen her, die die im All sehr starke und damit aggressive UV-Strahlung von Sonden, Raumstationen oder den Helmen von Raumanzügen fernhalten. Die Optik nutzt das große Reflexionsvermögen von Gold in der Lasertechnik. Glashersteller nutzen winzige Beimischungen des Metalls als Färbemittel, mit dem sie rubinrote Gläser produzieren. Die Medizintechnik schließlich benötigt Gold für die Herstellung von Sonden und Ultraschallgeräten.

Bild: Pixabay – Steve Bidmead

Breit diversifizierte Anbieterstruktur sorgt für geringe Lieferrisiken

Gäbe es die Gier der Anleger und Zentralbanken nicht, könnten Einkäufer aus all diesen Industriebranchen ausreichende Mengen des Edelmetalls beschaffen, ohne sich gegen die unberechenbare Entwicklung des Goldpreises absichern zu müssen. Schließlich findet sich das Element weltweit an knapp 20.000 Fundorten in fast 100 Ländern. Da Gold meist als Beiprodukt des Kupferabbaus anfällt, kommt aus Staaten mit großen Kupfervorkommen wie Chile, Peru, Australien, Mexiko, den USA, der Demokratischen Republik Kongo oder Russland auch der Großteil des weltweit angebotenen Goldes. Weitere große Lagerstätten finden sich in Brasilien, Kanada, Indonesien sowie Usbekistan, der Mongolei, Kirgistan und Südafrika.

China ist Goldproduzent Nummer Eins

Mit einem Anteil von 15 Prozent am globalen Abbau des Edelmetalls baut China zwar mit Abstand mehr Gold ab, als Australien, das mit von 8,8 Prozent auf Platz zwei folgt und Russland, das mit 7,5 Prozent den dritten Rang belegt. Allerdings bietet die Volksrepublik das im Land geschürfte Gold nicht auf dem Weltmarkt an. Deshalb ist Australien nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) mit einer Liefermenge von 240 Tonnen pro Jahr derzeit der weltweit wichtigste Anbieter von Gold. Ihm folgen Russland mit knapp 180 Tonnen, Peru und Mexiko mit je etwa 140 Tonnen des Elements sowie Ghana, Südafrika, Kanada und die USA, die jeweils rund 100 Tonnen zum globalen Angebot beisteuern. Damit stammt zwar fast die Hälfte des weltweit angebotenen Goldes aus diesen acht Ländern, Grund zur Sorge ist dies nach Ansicht der BGR dennoch nicht. Denn die andere Hälfte des Angebots bauen Minenbetreiber in über 80 Staaten ab. So kann einzelner Produzent eine marktbeherrschende Stellung einnehmen.

Selbst der größte Goldförderer der Welt, die kanadische Barrick Gold Corporation beherrscht nur sechs Prozent des Marktes. Die Newmont Mining Corporation aus den USA sowie die südafrikanische AngloGold Ashanti Ltd. bringen es auf den Plätzen zwei und drei auf Marktanteile von jeweils knapp fünf Prozent.

Goldfördernde Unternehmen

Erstklassige Wiederverwertbarkeit gleicht begrenzte Reserven aus

Besorgniserregender als die Angebotsstruktur auf dem Goldmarkt ist daher, dass die 57.000 Tonnen derzeit bekannten Reserven des Edelmetalls bei der heutigen Fördermenge von gut 3.100 Tonnen Gold pro Jahr nur noch für gut 18 Jahre reichen. Dabei verfügen nach Daten des US Geological Survey Australien mit 9.500 Tonnen, Russland mit 8.000 Tonnen und Südafrika mit 6.000 Tonnen über den Löwenanteil dieser Vorkommen. Die größte einzelne Lagerstätte des Edelmetalls befindet sich allerdings auf der nur 22 Kilometer langen und 14 Kilometer breiten Insel Niolam in Papua-Neuguinea.

Da sich Gold vollständig wiederverwerten und  in vielen Anwendungen durch andere Edelmetalle wie Platin, Palladium und Silber ersetzen lässt, dürfte das Element jedoch trotz der begrenzten Reichweite der Reserven nicht so schnell knapp werden. Zumal die deutsche Industrie erst 30 Prozent des verwendeten Edelmetalls wiedergewinnt. Damit kann sie es sich, wie Wissenschaftler an der Technischen Universität Berlin herausfanden, trotz des seit Jahren steigenden Goldpreises leisten, auf den Großteil der 22,2 Gramm Gold zu verzichten, die jede Tonne Schrott enthält. Würden diese Reste vollständig aussortiert und verkauft, ließe sich damit beim gegenwärtigen Goldpreis pro Tonne Schrott ein Gewinn von 800 Euro erzielen.

Zusammenfassung Rohstoff Gold
Beschreibung: · Chemisches Element „Au“ mit der Ordungszahl 79
· Gold ist neben Kupfer das einzige farbige Metall
· Das Element leitet Elektrizität und Wärme hervorragend, ist korrosionsbeständig und widerstandsfähig gegen Säuren
· Gold ist sehr weich und lässt sich deshalb zu Folien von nur wenigen Atomlagen Stärke austreiben
·
Verwendung: · Banken und Investoren nutzen Gold als Anlageform
· Schmuckindustrie
· Münzproduktion
· Zahnmedizin
· Elektronikindustrie
· Glasverarbeitung
Größte Förderländer 2016: · China (15%)
· Australien (8,8%)
· Russische Föderation (7,5%)
Größte Förderunternehmen 2016: · Barrick Gold Corp. (6,2%)
· Newmont Mining Corp. (4,9%)
· AngloGold Ashanti Ltd. (4,9%)
Vorhandene Reserven*: 57.000 Tonnen
Vorhandene Ressourcen**: k.A.
Statistische Reichweite der Reserven: 18,3 Jahre
Statistische Reichweite der Ressourcen: k.A.
Recyclingquote: · Gold ließe sich vollständig wiederverwerten. Es kann ohne Qualitätsverlust beliebig oft eingeschmolzen und verarbeitet werden.
· Dennoch liegt die Recyclingquote in Deutschland derzeit nur bei rund 30 Prozent.
Substituierbarkeit: Gold lässt sich in vielen Anwendungen durch andere Edelmetalle wie Platin, Palladium oder Silber ersetzen
Jahresproduktion von Gold 2016: 3.104Tonnen

Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, US Geological Survey, KfW

 

*Reserven = aktuell bekannte, mit der vorhandenen Technologie rentabel ausbeutbare Vorkommen

**Ressourcen = aktuell bekannte, aber noch nicht rentabel ausbeutbare Vorkommen

Autor: Gerd Meyring