Pices of broken catalytic converter

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| von Dörte Neitzel

Haben Sie ausreichend Platz in Ihrem Kleiderschrank? Falls ja, können Sie darin nicht nur den neuen Anzug oder das zusätzliche Paar Jeans unterbringen, sondern theoretisch auch einen gewaltigen Schatz.  Denn die 25 Tonnen Rhodium, die weltweit jedes Jahr abgebaut werden, haben ein  Volumen von gerade mal zwei Kubikmetern – genau so viel, wie in einen durchschnittlichen Kleiderschrank passt. Die Menge des Edelmetalls, das sie dort lagern könnten, wäre nach dem aktuellen Preis von 929 US-Dollar pro Unze 820 Millionen Dollar wert.

Drei Förderländer liefern 98 Prozent des Rohstoffs Rhodium

Der Rohstoff Rhodium ist eines der edelsten und seltensten Metalle der Welt. Es fällt ausschließlich als Nebenprodukt des Platin- und Palladiumabbaus sowie sehr selten auch bei der Förderung von Nickel oder Kupfer an. Eigene Rhodiumminen gibt es nicht. Da die Bushveld-Igneous-Formation in Südafrika mit einer Ost-West-Ausdehnung von 450 Kilometern und einer Länge von 350 Kilometern von Nord nach Süd die größte Lagerstätte von Platin ist, stammen auch 87 Prozent des weltweit geförderten Rhodiums aus dem Land am Kap. Weitere neun Prozent des Angebots kommen aus Russland, zwei Prozent aus Kanada.  Wenn 98 Prozent der globalen Fördermenge eines Rohstoffs aus nur drei Staaten stammen, ist die Versorgungssicherheit prekär.

Fünf Bergbaukonzerne kontrollieren 84 Prozent des Weltmarkts

Zumal sich die fünf größten Rhodium abbauenden Bergbauunternehmen zugleich 84 Prozent des Marktes teilen. Dabei beherrscht allein der größte Anbieter, die britische Anglo American plc, ein Drittel des Marktes. Auf Platz zwei folgt mit einem Weltmarktanteil von gut 21 Prozent die südafrikanische Impala Platinum Holdings Ltd., auf den Rängen drei, vier und fünf die britische Lonmin plc sowie die Norilsk Nickel Mining & Metallurgical Company aus Russland und African Rainbow Minerals Ltd. mit Sitz im Johannesburger Vorort Sandton.

Extrem kleiner und hochvolatiler Markt

Diese Konzerne verhandeln die Preise für Rhodium direkt mit ihren Abnehmern. Deshalb ist der Weltmarkt für das Edelmetall intransparent und sehr volatil. Schon kleinste Änderungen der Nachfrage lösen Preissprünge auf dem Markt aus, auf dem weltweit jedes Jahr nur etwa eine Milliarde US-Dollar umgesetzt werden. Zum Vergleich: Auf dem globalen Goldmarkt tätigen Anbieter und Kunden jedes Jahr Geschäfte im Wert von über 200 Milliarden Dollar.

Da sich Rhodium in vielen Anwendungen zudem nur schwer oder gar nicht ersetzen lässt, ist es einer der am schwierigsten zu beschaffenden Rohstoffe. Das weiß-grau glänzende Metall ist nicht nur härter als Platin oder Palladium und damit extrem widerstandsfähig gegen Verschleiß. Es ist zugleich auch zäh sowie dehnbar und gut zu schmieden, leitet erstklassig Strom und Wärme und hat ein sehr hohes Reflexionsvermögen. Außerdem reagiert es kaum mit Säuren, hat dafür aber eine sehr hohe katalytische Aktivität.

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Autoindustrie verarbeitet 80 Prozent des Angebots zu Katalysatoren

Da Rhodium Stickoxide in harmlosen Stickstoff und Wasser zerlegen kann, beschichtet die Autoindustrie mit dem Metall die Keramikfilter in Katalysatoren. Etwa drei Gramm Rhodium, Platin und Palladium verbauen die Fahrzeughersteller in den Reinigungsanlagen. Rund 80 Prozent des weltweit jedes Jahr abgebauten Rhodiums verbrauchen daher Automobilkonzerne – Tendenz steigend, vor allem aufgrund der Skandale um schmutzige Diesel und der Forderung nach strengeren Grenzwerten für die Emissionen der Fahrzeuge.

Weitere acht Prozent des globalen Rhodiumangebots nimmt die chemische Industrie ab. Sie stellt damit Katalysatoren her, die etwa in Raffinerien oder bei der Produktion von Salpeter-, Blau- oder Essigsäure sowie zur Reinigung von Industrieabgasen benötigt werden.

Glasproduzenten verbrauchen etwa vier Prozent des verfügbaren Rhodiums, um damit die  Oberflächen von Öfen, Leitungen, Rühren und Düsen zu beschichten, die den hohen Temperaturen geschmolzenen Glases standhalten. Rhodium selbst schmilzt erst bei 1.964 Grad Celsius.

Geringe Mengen des Edelmetalls kommen zudem in der Elektronikindustrie sowie der Schmuckherstellung zum Einsatz.

Hohe Recyclingquoten entlasten den Markt

Aufgrund seines hohen Reflexionsvermögens und seines brillanten, weißen Glanzes ist Rhodium beispielsweise beliebter Werkstoff für Trauringe. Auch die Kronjuwelen der britischen Königin Elizabeth II. sind mit Rhodium beschichtet.

Ob die Juweliere Zepter und Krone der britischen Monarchin dabei mit primärem oder wiederverwertetem Edelmetall rhodiniert haben, ist indes nicht bekannt. Ganz auszuschließen ist es nicht, dass es sich um Recyclingmaterial gehandelt haben könnte. Immerhin liegt die Wiederverwertungsquote bei Rhodium mit 50 bis 60 Prozent sehr hoch. Nach Angaben des weltweit führenden Herstellers von Katalysatoren zur Abgasreinigung, Johnson Matthey plc mit Sitz in London, boten Recyclingunternehmen 2013 weltweit rund 8,6 Tonnen wiederverwertetes Rhodium an. Dieses Angebot stammte dabei vollständige aus dem Recycling von Autokatalysatoren.  Die Krone der Queen wurde allerdings bereits 1937, die Zepter der britischen Monarchen schon im 17. Jahrhundert angefertigt.

 

Zusammenfassung Rohstoff Rhodium
Beschreibung: · chemisches Element ‚Rh‘ mit der Ordnungszahl 45
· Als Erz ist Rhodium ein weiß-grau glänzendes sehr
hartes  Edelmetall
· Als Oxid in Verbindung mit anderen Elementen ist das Metall jedoch rötlich, benannte es sein Entdecker der Brite Sir Wollaston nach dem griechischen Wort für Rose – „Rhodeos“
· Rhodium ist extrem selten und fällt fast ausschließlich als Nebenprodukt des Platin- und Palladiumabbaus an
· Das Edelmetall ist extrem widerstandsfähig, zugleich jedoch zäh sowie dehnbar und gut zu schmieden
· Es leitet hervorragend Strom und Wärme und hat ein hohes Reflexionsvermögen
· Mit Säuren reagiert das Element kaum, hat aber eine sehr hohe katalytische Aktivität
Verwendung (einzelne Anteile unbekannt): · Autokatalysatoren (80%)
· Katalysatoren in der chemischen Industrie (8%)
· Glasindustrie (4%)
· Elektronikindustrie (0,5%)
Größte Förderländer von Rhodium: · Südafrika (87%)
· Russland (9%)
· Kanada (2%)
Größte rhodiumfördernde Unternehmen : · Anglo American plc (33%)
·Impala Platinum Holdings Ltd (21,2%)
· Lonmin plc (13,8%)
· Norilsk Nickel Mining & Metallurgical Co. (12,5%)
· African Rainbow Minerals Ltd (4%)
Vorhandene Reserven*: k.A.
Vorhandene Ressourcen**: k.A.
Statistische Reichweite der Reserven: k.A.
Statistische Reichweite der Ressourcen: k.A.
Recyclingquote: 50 bis 60 Prozent (ausschließlich aus Fahrzeugkatalysatoren)
Substituierbarkeit: Rhodium ist in den meisten Anwendungen nicht zu ersetzen.
Jahresproduktion von Rhodium 2013 weltweit: 17 Tonnen

Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, US Geological Survey

*Reserven = aktuell bekannte, mit der vorhandenen Technologie rentabel ausbeutbare Vorkommen
**Ressourcen = aktuell bekannte, aber noch nicht rentabel ausbeutbare Vorkommen