Bild von Port Arthur in Texas bei Nacht

Saudi-Arabien startet einen neuen Preiskrieg im Streit um die Ölfördemenge. (Bild: Pixabay)

| von Dörte Neitzel

Der aktuelle Ölpreis ist innerhalb eines Tages um fast 30 Prozent gefallen - das entspricht dem größten Tagesverlust seit dem Golfkrieg 1991. Erdöl der Sorte Brent, die in der Nordsee gefördert wird, fiel auf bis zu 31 US-Dollar pro Barrel, das US-geförderte Erdöl Westen Texas Intermediate (WTI) sank auf gut 27 US-Dollar.

Auslöser war die Ankündigung des OPEC-Mitglieds Saudi-Arabiens, die Ölproduktion ab April auf mehr als 10 Millionen Barrel pro Tag zu erhöhen und die offiziellen Verkaufspreise insbesondere für asiatische Kunden im April massiv zu senken. Im kommenden Monat soll Arab Light mit einem Abschlag von 3,1 US-Dollar je Barrel gegenüber der Referenz Oman/Dubai angeboten. So groß war er nicht einmal während des Preiskampfes 2014/15, schreibt Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch.

Damit hat Saudi-Arabien einen neuen Preiskrieg um Marktanteile eröffnet. Hauptziel dieser Maßnahme dürfte laut Fritsch Russland sein, das sich weigert, die von der OPEC vorgeschlagenen zusätzlichen Produktionskürzungen um 1,5 Millionen Barrel pro Tag mitzutragen und damit die dreijährige Kooperation innerhalb der "OPEC+" quasi aufgekündigt hat.

Die OPEC machte daraufhin ihre Drohung war und nahm den Kürzungsvorschlag zurück. Der Ölmarkt könnte daher im zweiten Quartal von einem massiven Überangebot geprägt sein, zumal die Nachfrage wegen der Covid-19-Pandemie noch für einige Zeit stark beeinträchtigt bleiben dürfte. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) erwartet inzwischen einen (leichten) Nachfragerückgang in diesem Jahr. Das war zuletzt während der großen Wirtschaftskrise 2009 der Fall.

 

Wie geht es jetzt mit dem Ölpreis weiter?

Die Commerzbank rechnet damit, dass es zunächst eine längere Phase der Bodenbildung mit stärkeren Preisausschlägen in beide Richtungen geben könnte. Das niedrige Preisniveau werde jedoch dazu führen, dass das Ölangebot außerhalb der OPEC (v.a. US-Schieferöl) weniger stark steigt und dass die Ölnachfrage angefacht wird, sobald die Folgen der Covid-19-Pandemie nachlassen. Deshalb sehen die Experten die Ölpreise im zweiten Halbjahr wieder steigen.

Laut Fritsch könnte das Jahr 2016 als Blaupause dienen: Damals legten die Ölpreise nach dem Absturz auf 30 US-Dollar im Januar bis zum Jahresende auf 55 US-Dollar zu. Allerdings halfen damals auch Spekulationen auf Produktionskürzungen der OPEC. Von daher dürfte der Preisanstieg diesmal kaum so stark ausfallen.