Eine Hand mit Handschuhen hält einen Computer-Chip

Halbleiter sind begehrte Produkte. Wer liefert am meisten? (Bild: H_Ko/Adobestock)

| von Dörte Neitzel
Aktualisiert am: 12. Nov. 2020

Vom Bordcomputer über die Motorsteuerung und Fahrerassistenzsysteme bis zu Komfortfunktionen wie der Sitzheizung verbauen Autohersteller viele der elektronischen Schaltungen. So sind in aktuellen Audi-Modellen zum Teil mehr als 100 vernetzte Steuergeräte im Einsatz, lässt die Ingolstädter VW-Tochter verlauten.

Der Anteil von Halbleitern und passiven Bauelementen sei innerhalb der letzten Jahre ebenfalls stark angestiegen. So sind in einem voll ausgestatteten Premiumauto bis zu 10.000 Halbleiter und ein Vielfaches davon an passiven Bauelementen verbaut.

Auf solche Bauteile sind Halbleiterhersteller spezialisiert, die auf Halbleiter basierende elektronische Bauteile herstellen. Doch welche Halbleiterhersteller sind die größten?

Wir stellen die zehn Unternehmen mit den höchsten Umsätzen der Halbleiterbranche vor – bezogen auf die Umsätze im ersten Halbjahr 2020. Wir berücksichtigen dabei sowohl solche mit eigener Fabrikation als auch Auftragsfertiger (Quelle: IC Insights).

Was sind Halbleiter?

Halbleiter sind Stoffe, die sowohl isolieren als auch elektrischen Strom leiten. Sie besitzen also die Eigenschaften von nichtleitenden Isolatoren als auch von Leitern.

Welche der Eigenschaft im Vordergrund steht, bestimmen äußere Bedinungen sowie die Störungen in der Struktur des Atomgitters eines Halbleiters. Die Stoffe werden in kristalline und amorphe Halbleiter eingeteilt. Eines der bekanntesten Materialien für Halbleiter ist Silizium. Auch Germanium wird verwendet.

Sogenennte organische Halbleiter bestehen größtenteils aus Kohlenstoffatomen. Sie kommen beispielsweise in Leuchtdioden (OLEDs) oder Solarzellen zum Einsatz.

Bedeutung von Chips steigt

Apple hat auf seiner Keynote im November 2020 seinen neuen Computerchip aus dem Hause Apple Silicon vorgestellt. Damit ersetzt der Tech-Riese die Intel-Prozessoren, mit denen er seine Produkte mehr als zwei Jahrzehnte ausgestattet hat, Schritt für Schritt. Ein Zulieferer wird also durch Eigenproduktion ersetzt.

Bisher konnte Apple in der von Intel und Samsung Electronics angeführten Halbleiterindustrie noch kaum Fuß fassen. Das soll sich nun mit den M1-Chips des neuen Macs ändern.

Dabei steckt eine Menge Musik in der Halbleiterindustrie. Nach Angaben der World Semiconductor Trade Statistics (WSTS) lag der weltweite Umsatz der Halbleiterunternehmen im Jahr 2018 bei knapp unter 400 Milliarden US-Dollar. Durch die konjunkturelle Abkühlung im Jahr darauf sank die Zahl zwar wieder. Für 2020 rechnen die Experten aber wieder mit einem Plus.

Säulendiagram mit dem Umsatz der weltweiten Halbleiterindustrie von 2014 bis 2021 (geschätzt)
So viel Umsatz machen Halbleiterunternehmen. (Quelle: WSTS, Grafik: TECHNIK+EINKAUF)

Welche Arten von Halbleiterherstellern gibt es?

Halbleiterhersteller lassen sich in drei Gruppen einteilen:

1. Klassische Halbleiterhersteller (IDM, Integrated Device Manufacturer): Diese Unternehmen sind sowohl in der Entwicklung als auch in der Produktion von Halbleitern tätig. Beispiele sind etwa Intel, Samsung, SK Hynix, Micron Technologies und Texas Instruments. Ihr Problem: Der Betrieb der Fabriken wird aufgrund der steigenden technischen Anforderungen immer kapitalintensiver.

2. Auftragsfertiger (Pure-Play Foundries): Diese Unternehmen produzieren für andere Unternehmen. Ihre Halbleiter tragen keine eigene Marke. Größter Auftragsfertiger ist TSMC in Taiwan. Auch die chinesische Semiconductor Manufacturing International Corporation (SMIC) fertigt im Auftrag. Seit September 2020 wird das Unternehmen nicht mehr mit Komponenten aus den USA beliefert wegen eines Embargos.

3. Reine Chipentwickler (Fabless): Diese Unternehmen sind nur noch in der Entwicklung tätig. Sie besitzen keine Produktionsstätten (fabless = fabriklos). Sie lassen andere für sich fertigen.

US-Sanktionen gegen chinesische Chiphersteller

Die USA hat unter Donald Trump Sanktionen gegen den chinesischen Konzern Huawei erlassen. Zunächst galt ein Verbot, von Huawei entwickelte Chips in US-Produkten zu verwenden. Die US-Regierung befürchtet, dass sich Huawei über sein Firmen-Netzwerk über Umwege Zugriff auf amerikanische Technik verschafft. Diese Regelung wurde jedoch verschärft.

Von den Sanktionen sind jetzt auch Zulieferer von Huawei betroffen. Beispielsweise stehen Unternehmen auf der Blacklist, die Maschinen aus den USA nutzen, um Chips herzustellen, die an Huawei geliefert werden sollen. Das Problem der Lieferanten. Sie haben ihre Maschinen für die Chipherstellung meist in den Vereinigten Staaten gekauft.

So stellen beispielsweise KLA-Tencor, Lam Research oder Applied Materials entsprechende Maschinen für die Herstellung von Chips her. Aber auch die niederländische ASML ist betroffen.

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Platz eins bis drei

Die ersten drei Plätze teilen sich seit geraumer Zeit Intel, Samsung und TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Company). Bis 2018 lag Samsung noch ganz vorne, wurde dann aber von seinem schärfsten Konkurrenten abgelöst. 

Insgesamt konnten alle drei Unternehmen im ersten Halbjahr ihre Umsätze steigern, und das sogar signifikant. TSMC hat hier mit einem Plus von 40 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 die Nase vorn.

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