Finger tippt ein Preis-Chart auf einem Display an

Steigende Rohstoffpreise sind die große Herausforderung für Einkäufer. (Bild: iamchamp - stock.adobe.com)

Die Rohstoffpreise steigen und steigen. Diese Preisspirale trifft Unternehmen mit voller Wucht. Das sorgt für eine - nicht nur gefühlte - Versorgungsknappheit, die auch noch mit zusätzlichen Kosten einhergeht. Das sind nur einige der Ergebnisse der Rohstoffstudie 2021 von Inverto zusammen mit dem Handelsblatt.

Viele Unternehmen fühlen sich durch steigende Rohstoffpreise stark gefährdet, denn sie treffen Unternehmen aktuell unvorbereitet. Ein Ende ist für die meisten noch nicht in Sicht. Der Grund dafür ist klar: Der Einfluss von Rohstoffpreisen (+57 Prozentpunkte) hat im Vergleich zum vergangenen Jahr über alle Rohstoffgruppen hinweg stark zugenommen. Laut den Befragten wirkt sich dieser Faktor am stärksten auf das Geschäftsergebnis aus.

Die steigenden Rohstoffpreise dürften die meisten Unternehmen zudem stark überrascht haben: In der Rohstoffstudie aus 2020 hatten nämlich nur 47 Prozent (weiter) steigende Rohstoffpreise erwartet (niedrigster Wert seit 2015). Seitdem steigen die Rohstoffpreise allerdings stark an.

Mehr als drei Viertel (76 Prozent) der Befragten erwarten in den nächsten 18 Monaten daher auch weiterhin stark oder moderat steigende Rohstoffpreise. Von einer moderaten Entwicklung gehen im Vergleich zu 2020 jedoch weniger Teilnehmer aus. Deutlich mehr rechnen mit einem weiterhin starken Kostenanstieg.

Wie reagieren Unternehmen auf die steigenden Rohstoffpreise?

Um sich vor der Preisvolatilität zu wappnen, treffen Unternehmen zahlreiche Maßnahmen. Dazu gehören unter anderem der Ausbau des Rohstoffmanagements. Vor allem die „Weitergabe gestiegener Rohstoffkosten an den Kunden“ wird als die geeignetste Maßnahme (75 Prozent) angesehen.

Die am häufigsten genutzte Maßnahme ist jedoch nach wie vor die „Analyse der Supply Chain und Optimierung der Lagerbestände“. Außerdem gehören zu den prominenten Maßnahmen während der Covid-19 Pandemie Preisverhandlungen, indexbasierte Preisgestaltungen sowie der Aufbau alternativer Lieferanten.

Für 89 Prozent der Unternehmen hat sich die Verfügbarkeit von Rohstoffen erheblich verschlechtert. Dadurch erwarten sie verstärkte Versorgungsprobleme. Einst priorisierte Probleme wie Konjunktur, Absatz, Wettbewerb und die Rahmenbedingungen rücken dadurch in den Hintergrund.

Das höchste Risiko von Versorgungsproblemen sehen die Studienteilnehmer für Kunststoffe, Papier/ Holz/ Celluloseprodukte und Eisenmetalle und Stahl. Als größte Herausforderungen für die Supply Chain werden

  • verlängerte Lieferzeiten (86 Prozent) erachtet,
  • gefolgt von geringerer Rohstoffverfügbarkeit (73 Prozent),
  • Lieferausfällen (68 Prozent)
  • Produktionsausfällen (54 Prozent).

Welche Rohstoffe sind besonders betroffen?

Alle teilnehmenden Unternehmen, die mehr als 70 Prozent Rohstoffanteil am Einkaufsvolumen haben, kommen aus dem produzierenden Gewerbe. 63 Prozent aller Studienteilnehmer haben einen Rohstoffanteil von mehr als 30 Prozent am Einkaufsvolumen.

Über die Hälfte (53 Prozent) der befragten Unternehmen geben an, dass Kunststoffe eine der relevantesten Rohstoffgruppe in ihrem Unternehmen sind. Da die Teilnehmer davon ausgehen, dass die Preise für Kunststoffe steigen, stellen diese das größte potenzielle Risiko dar. Auch Aluminium und Kupfer sind schwerer zu beschaffen als früher.

Energierohstoffe wie Strom (2019: 44 Prozent; 2020: 37 Prozent) und Öl und Gas (2019: 32 Prozent; 2020: 20 Prozent) verlieren im Vergleich zu den vergangenen Jahren an Relevanz.

Steigende Rohstoffpreise und das Geschäftsergebnis

Der Einfluss von Rohstoffpreisen (+57 Prozentpunkte im Vergleich zu 2020) und die reduzierte Verfügbarkeit von Rohstoffen (+49 Prozentpunkte) haben im Vergleich zum vergangenen Jahr stark zugenommen. Beide Faktoren beeinflussen das Geschäftsergebnis maßgeblich.

Der Einfluss von rückläufigen Absatzmengen verliert im Vergleich zu 2020 deutlich an Relevanz (-40 Prozentpunkte). Auch die Unsicherheit bezüglich konjunktureller Entwicklungen (-26 Prozentpunkte), politische Rahmenbedingungen (-12 Prozentpunkte) und erhöhter Wettbewerb (-9 Prozentpunkte) rücken in diesem Jahr in den Hintergrund.

Steigende Energiepreise (+17 Prozentpunkte) und Personalknappheit (+13 Prozentpunkte) gewinnen in
diesem Jahr hingegen wieder an Einfluss.

Geht diese Entwicklung so weiter? Immerhin erwarten 76 Prozent aller Studienteilnehmer einen starken oder moderaten
Kostenanstieg der Rohstoffpreise innerhalb der nächsten 18 Monate.

43 Prozent der Teilnehmer rechnen mit einem starken Kostenanstieg. Dies hat im Vergleich zu den Vorjahren stark zugenommen. 33 Prozent aller Teilnehmer erwarten einen moderaten Kostenanstieg. Die Erwartungen fallen im Vergleich zu 2019 und 2020 etwas ab. Nur 7 Prozent aller teilnehmenden Unternehmen gehen davon aus, dass die Rohstoffpreise unverändert bleiben. Keines der befragen Unternehmen rechnet dagegen mit einer starken Kostensenkung.

Welche Maßnahmen ergreifen Einkäufer?

Preisvereinbarungen mit Preisgleitklausel für Rohstoffkosten mit Lieferanten (zum Beispiel Koppelung an Index) und längerfristige Preisvereinbarungen (inklusive Rohstoffkostenanteil) werden wie auch im Jahr 2020 am häufigsten umgesetzt.

41 Prozent der Teilnehmer nutzen keine festen Preisvereinbarungen (das Tagespreise/Spotmarkt Modell hat im Vergleich zum Vorjahr deutlich gewonnen). Preisvereinbarungen mit vordefinierten Materialteuerungszuschlägen für Rohstoffkosten mit dem Lieferanten werden von 28 Prozent der Teilnehmer umgesetzt.

Bei Festpreisen hat sich die akzeptierte Zeitspanne 2021 stark verkürzt. 82 Prozent der Teilnehmer erfahren eine (stark) verkürzte Zeitspanne. Nachdem 2020 nur 34 Prozent der Teilnehmer der Meinung waren, dass sich die Zeitspanne für Festpreise beim Lieferanten verkürzt oder stark verkürzt hat, hat sich diese Zahl im Jahr 2021 mehr als verdoppelt. 82 Prozent der Teilnehmer sehen die Zeitspanne als (stark) verkürzt: Die langfristige Planbarkeit sinkt und die Unberechenbarkeit steigt. Unternehmen müssen in diesem Jahr daher mit kurzen Verhandlungszyklen rechnen.

Furcht vor hohen Preisen

Insgesamt sehen die Teilnehmer eher eine Gefahr ausgehend von Preissteigerungen als von Versorgungsproblemen bei den einzelnen Rohstoffgruppen. Nur für Chemikalien überwiegt die Sorge vor Versorgungsproblemen leicht.

Im Vergleich zu 2020 erwarten die Studienteilnehmer für fast alle Rohstoffgruppen Preissteigerungen und stärkere Versorgungsprobleme. Am stärksten betroffen sind Aluminium, Eisenmetalle/Stahl, Kunststoffe, Papier/Holz/ Celluloseprodukte. Hier erwarten 40 bis 48 Prozent Preissteigerungen. 17 bis 35 Prozent befürchten Versorgungsprobleme.

Dennoch sind 54 Prozent der Befragten relativ optimistisch, was die Zukunft betrifft. Sie erwarten, dass sich die Lieferketten bis Ende 2021 wieder stabilisieren. Immerhin haben es bereits 15 Prozent der Teilnehmer geschafft, ihre Lieferketten zu stabilisieren. Weitere 15 Prozent verfügten während der gesamten Pandemie über eine stabile Supply Chain

Bei 53 Prozent der Unternehmen hat sich die Lieferantenstruktur durch Covid-19 nicht dauerhaft verändert. 28 Prozent der Befragten geben an, dass die Pandemie zu einem größeren Lieferantenportfolio geführt hat. 24 Prozent setzen nun vermehrt auf regionales Sourcing. Nur selten (11 Prozent) führte die Pandemie zu einem kleineren Lieferantenportfolio oder zu anderen Lieferanten (bei gleichbleibender Anzahl).

Die Learnings aus der Covid-19-Krise stellen sich für die Befragten an der Rohstoffstudie wie folgt dar:

Bei den vorhandenen Zulieferern haben 68 Prozent der Befragten bereits Preisverhandlungen durchgeführt, weitere 22 Prozent planen diese. Die bereits durchgeführten Verhandlungen können laut Inverto ein Resultat immer kürzerer Zeitspannen für Fixpreise sein.

Der Aufbau alternativer Lieferanten in neuen Beschaffungsmärkten wird von 54 Prozent praktiziert und ist bei 31 Prozent geplant. 54 Prozent der Teilnehmer sichern die Bezugspreise bereits durch indexbasierte Preise, während weitere 14 Prozent diese Maßnahme planen.

Zu den häufig ergriffenen Maßnahmen zählen zudem Volumenverschiebungen zwischen Lieferanten, Aufbau der Lagerbestände, Prüfung alternativer Rohstoffe, die Absicherung der Bezugspreise durch langfristige Verträge und durch langfristige Festpreise - auch, wenn diese nicht mehr so einfach zu erreichen sind.

Immer informiert mit den Newsletter von TECHNIK+EINKAUF

Hat Ihnen gefallen, was Sie gerade gelesen haben? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter. Zwei Mal pro Woche halten wir Sie auf dem Laufenden über Neuigkeiten, Trends und Wissen rund um den technischen Einkauf - kostenlos!

Newsletter hier bestellen!

Risikomanagement bekommt mehr Bedeutung

Das Verfolgen eines Risikomanagements in der Lieferkette ist eine dauerhafte Veränderung für den Einkauf, die bei 74 Prozent der Unternehmen vorgenommen wird. Rund die Hälfte der Befragten gibt an, dass sie höhere Lagerbestände, ein besser koordiniertes Vorgehen bei Krisen und die verstärkte Nutzung von Dual-/Multiple-Sourcing als dauerhafte Veränderung erwarten. Nur sieben Prozent der Teilnehmer erwarten keine dauerhaften Veränderungen für den Einkauf infolge der Pandemie.

Insgesamt sind 42 Prozent der Studienteilnehmer der Meinung, dass sie durch die Pandemie gelernt haben, auch künftige Versorgungsrisiken besser zu managen. Immerhin 26 Prozent glauben, dass sie zwar durch die Covid-Krise Vieles gelernt haben, dies für künftige Krisen aber nur bedingt übertragbar ist. 31 Prozent sind sogar der Meinung, dass ihr Rohstoffmanagement bereits vor der Krise optimal war, sodass die Lernerfahrung eher gering war.

Kostenlose Registrierung

Newsletter
Bleiben Sie stets zu allen wichtigen Themen und Trends informiert.
Das Passwort muss mindestens acht Zeichen lang sein.

Ich habe die AGB, die Hinweise zum Widerrufsrecht und zum Datenschutz gelesen und akzeptiere diese.

*) Pflichtfeld

Sie sind bereits registriert?