Kupferrohre übereinander gestapelt

Kupfer ist ein unabkömmlicher Rohstoff für die Klima- und Energiewende. (Bild: Pixabay)

Ohne Kupfer gelingt weder die Energiewende noch der Übergang zur Elektromobilität. Das Buntmetall ist daher inzwischen so teuer wie noch nie. Weitere Risiken für die Lieferkette ergeben sich aus der hohen Konzentration des Kupferabbaus in nur wenigen Staaten und Bergwerken.

Kaum einen Rohstoff nutzt die Menschheit häufiger als das schon seit der Steinzeit bekannte lachsrote Metall. Da Kupfer Wärme fast genauso gut leitet wie Elektrizität, auch bei tiefen Temperaturen nicht versprödet, formbar, säurebeständig, zäh und widerstandsfähig gegen Schwingungen ist und kaum korrodiert, weil es sich davor durch eine stabile Patina schützt, ist das Metall aus einer Vielzahl von Anwendungsbereichen nicht wegzudenken. Nicht zuletzt bildet Kupfer leicht Legierungen – etwa gemeinsam mit Zinn, Bronze oder Messing in Verbindung mit Zink.

Vor allem aufgrund seiner Leitfähigkeit verarbeitet die Elektroindustrie 57 Prozent der knapp 1,2 Milliarden Tonnen Kupfer, die Deutschland jedes Jahr importiert, zu Leitungen und Kabeln. Die Baubranche stellt mit weiteren 15 Prozent Rohre für den Sanitär- und Heizungsbereich sowie die Trinkwasser-, Öl- und Gasversorgung, Dachrinnen, Fassadenverkleidungen und Dacheindeckungen her.

Kupfer ist kein Edelmetall. Dennoch war es mit einem Preis von 10.390 US-Dollar pro Tonne noch nie so wertvoll wie Anfang April 2022. In den vergangenen zwei Jahren ist die Notierung für das Buntmetall an der London Metall Exchange damit um mehr als 116 Prozent gestiegen.

Auslöser der Hausse ist die im Zuge der Energie- und Klimawende massiv steigende Nachfrage nach Kupfer. Traditionell verarbeitet die Elektroindustrie rund 60 Prozent des nach Deutschland importierten sowie des durch Recycling wieder gewonnenen Buntmetalls vor allem zu Leitungen und Kabeln. Künftig wird sie es auch zunehmend für den Bau von Windkraftgeneratoren, Stromspeichern sowie für die im Zuge des Ausbaus der Erneuerbaren Energien erforderliche Erweiterung und Modernisierung des Leitungsnetzes benötigen. Der Kupferbedarf wird sich dadurch bis 2040 verdoppeln, erwartet die Internationale Energieagentur (IEA).

E-Autos brauchen vier mal so viel Kupfer wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor

Auch die Automobilindustrie wird künftig mehr Kupfer verarbeiten. Bislang stellt sie mit rund neun Prozent der hierzulande verfügbaren Menge des Metalls vor allem Bremsleitungen her. Für den Bau von Elektrofahrzeugen wird sie in den kommenden Jahren allerdings rund vier Mal so viel Kupfer benötigen wie für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Während in diesen im Schnitt 23 Kilogramm Kupfer verbaut sind, enthält ein Stromer wenigstens 83 Kilo des Buntmetalls – vor allem in den Wicklungen seines Motors. Batteriehersteller verarbeiten Kupfer zudem in den Anoden ihrer Akkus.

Kupferpreis erreicht bis 2030 „historischen Höchststand“

Schon heute reicht die weltweite Kupferproduktion nicht mehr aus, um die steigende Nachfrage zu bedienen. Wie die Deutsche Industriebank IKB berichtet, förderten Kupferminen bis November 2021 immerhin 2,5 Prozent mehr des Buntmetalls als im gleichen Zeitraum des Vorjahres zu Tage. Der Bedarf jedoch war so groß, dass 2021 trotzdem weltweit rund 340.000 Tonnen Kupfer fehlten. Im laufenden Jahr wird das Angebotsdefizit wohl 100.000 Tonnen betragen.

Bis zum Ende des Jahrzehnts wird sich daran wenig ändern, befürchtet Lukas Boer, Ökonom am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Schließlich dauere es bis zu 20 Jahre, um neue Minen zu erschließen. Die Preise für Kupfer und andere für die Energiewende benötigte Metalle erreichen daher bis 2030 „historische Höchststände oder übertreffen diese und verweilen dort für mehrere Jahre“, erwartet Boer in einer soeben veröffentlichten Studie.

Kriegsverbrecher Putin treibt den Kupferpreis in die Höhe

Derzeit wird der Preis zudem noch durch den Überfall von Kriegsverbrecher Wladimir Putin auf die Ukraine nach oben getrieben. Denn Russland ist weltweit der siebtgrößte Lieferant von Kupfer. Es steuerte dem geologischen Dienst der Vereinigten Staaten (USGS) zufolge 2021 rund 820.000 Tonnen oder fast vier Prozent zum globalen Angebot an Kupfer bei. Norilsk Nickel ist der zehntgrößte Kupferproduzent der Welt.

Energie- und Verkehrswende könnten Kupfervorkommen schnell restlos aufzehren

Selbst wenn der Krieg gegen die Ukraine schnell zu Ende geht, bleibt die Versorgungssituation bei Kupfer angespannt. Denn die Kupfervorkommen auf der Erde könnten schneller zu Ende gehen als erwartet. Nach Informationen des USGS verfügt die Menschheit derzeit über 880 Millionen Tonnen Kupferreserven und 2.100 Millionen Tonnen an Ressourcen.

Bliebe die weltweite Förderung des Metalls auf dem Niveau des Jahres 2021 würden diese Reserven noch etwa 42 Jahre ausreichen. Die Ressourcen wären in 100 Jahre erschöpft. Wenn der sich Bedarf an dem Buntmetall wie von der IEA erwartet jedoch bis 2040 verdoppelt, könnten die Lagerstätten erheblich schneller restlos geleert sein.

Kupfer ist das rote Gold der Anden

Gut 22 Prozent der heute erschlossenen oder rentabel erschließbaren Vorkommen liegen Zahlen des USGS zufolge in Chile, weitere 8,6 Prozent im Nachbarland Peru, 10,6 Prozent in Australien. Weitere nennenswerte Kupfervorkommen gibt es in Mexiko. Dort lagern sechs Prozent der Reserven, in der Demokratischen Republik Kongo und in Polen immerhin 3,5 Prozent. Russland verfügt über sieben Prozent der Reserven, die USA über 5,5 Prozent. Auch in Europa bauen Bergwerksbetreiber das rote Metall ab – etwa in Portugal, Spanien und Schweden

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Kaum Risiken für die Lieferkette beim Nachschub mit Kupfer

Besorgniserregende Angebotskonzentration

Bei der Förderung des Erzes führen Chile und Peru das internationale Feld an. Die beiden Andenstaaten schürfen zusammen gut 37 Prozent des weltweit angebotenen Kupfers. China und die Demokratische Republik Kongo folgen mit weitem Abstand und einem Anteil von 8,5 Prozent an der weltweiten Förderung, gefolgt von den USA mit 5,7 Prozent.

So stehen hinter mehr als 60 Prozent des globalen Kupferabbaus nur fünf Staaten. Diese Angebotskonzentration ist in Anbetracht der zu erwartenden Knappheit an Kupfer besorgniserregend.

Die fünf größten Anbieter von Kupfer fördern ein Drittel der weltweit verfügbaren Menge

Zumal neben der Länder- auch die Anbieterkonzentration hoch ist. Auf die drei größten Förderunternehmen – die chilenische Corporacion Nacional del Cobre, die australische BHP Billiton Group und Glencore aus der Schweiz entfällt mehr als ein Viertel der globalen Kupfergewinnung. Zusammen mit den Bergwerksgesellschaften auf dem vierten und fünften Platz des internationalen Vergleichs, der Freeport McMoRan Copper & Gold Inc. und der Southern Copper Corp. aus den USA steigt der Weltmarktanteil der fünf größten Anbieter von Kupfer sogar auf fast ein Drittel.

Kupfer lässt sich ohne Qualitätsverlust recyceln

Aus der Abhängigkeit von diesen Anbietern und Lieferländern könnte sich Deutschland teilweise befreien, wenn es mehr Kupfer recyceln würde. Immerhin lässt sich das Metall ohne Qualitätsverlust wiederverwerten. So dass theoretisch das gesamte jemals abgebaute Kupfer unendlich nutzbar bleibt. Deutschland recycelt nach Angaben des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, UNEP, allerdings bislang nicht mal die Hälfte des in Altprodukten enthaltenen Buntmetalls. Dabei betreibt die Hamburger Aurubis AG in Lünen eine der größten Kupferrecyclinganlagen der Welt.

Entspannung auf dem Beschaffungsmarkt für Kupfer könnte auch die Wiederbelebung des Abbaus des Metalls in Deutschland bringen. Die Kupferschiefer Lausitz GmbH, eine Tochter des US-Bergbaukonzerns Minera, hat daher jüngst ein Projekt zum Kupferabbau in Spremberg in der Lausitz  wiederaufgenommen. Dort lagern 130 Millionen Tonnen Kupfererz, die sich zu 1,9 Millionen Tonnen reinem Metall verhütten ließen.

Einkauf Rohstoff Kupfer

Zusammenfassung Rohstoff Kupfer
Beschreibung
  • Chemisches Element ‚Cu‘ mit der Ordnungszahl 29
  • Kupfer leitet Wärme und Elektrizität besser als die meisten anderen Metalle
  • Es ist extrem säure- und korrosionsbeständig, formbar und schwingungsresistent
  • Auch bei tiefen Temperaturen versprödet Kupfer nicht
  • Kupfer bildet leicht Legierungen mit anderen Metallen. In Verbindung mit Zinn wird daraus Bronze hergestellt zusammen mit Zink Messing.
Verwendung
  • Baubranche (28%)
  • Elektrische Infrastruktur (16%)
  • Automobilindustrie (13%)
  • Maschinenbau (12%)
  • Elektronik, IT-Technik (5%)
Größte Förderländer
  • Chile (26,7%)
  • Peru (10,5%)
  • China (8,6%)
  • Dem. Rep. Kongo (8,6%)
Größte kupferfördernde Unternehmen (mit Anteil an der weltweiten Kupferförderung)
  • Corporacion Nacional del Cobre (8,6%)
  • BHP Billiton Group (6,3%)
  • Glencore (6,1%)
  • Southern Copper (4,8%)
Vorhandene Reserven* 880 Mio. Tonnen
Vorhandene Ressourcen** 2.100 Mio. Tonnen
Statistische Reichweite der Reserven 42 Jahre
Statistische Reichweite der Ressourcen 100 Jahre
Recyclingquote Kupfer kann theoretisch zu 100 Prozent ohne Qualitätsverlust wiedergewonnen werden. Derzeit liegt die weltweite Recyclingquote allerdings nur bei 50 Prozent.
Substituierbarkeit Kupfer kann in einzelnen Anwendungen durch Rohstoffe wie Titan, Glasfaser oder Plastik substituiert werden. In Stromleitungen ließe es sich durch Aluminium ersetzen. Natrium-Ionen-Batterien wie sie der chinesische Spezialist, CATL, künftig in Erfurt für Elektrofahrzeuge herstellt, kommen anders als herkömmliche Lithium-Ionen-Akkus ganz ohne Kupfer aus.
Jahresproduktion von Kupfer 2021 21 Millionen Tonnen

Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, US Geological Survey (USGS)

*Reserven = aktuell bekannte, mit der vorhandenen Technologie rentabel ausbeutbare Vorkommen

**Ressourcen = aktuell bekannte, aber noch nicht rentabel ausbeutbare Vorkommen

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