Doppelter Auspuff eines Autos

Katalysatoren benötigen die Edelmetalle Rhodium und Palladium für die Abgasreinigung. (Bild: Patrick Daxenbichler/Adobestock)

| von Dörte Neitzel

Die Preise für die Rohstoffe Palladium und Rhodium sind zuletzt enorm gestiegen. Kein anderes Edelmetall als Palladium hat bis zum Beginn der Corona-Pandemie eine derart steile Preiskurve hingelegt. Zeitweise kletterte der Palladiumpreis auf mehr als 2.500 Euro für eine Feinunze. Seit April schwankt der Preis "nur" noch um die 1.750 Euro.

Ähnlich sieht die Entwicklung bei Rhodium aus: Bis Anfang März flog der Preis von etwas über 3.000 Euro pro Feinunze auf über 12.000 Euro. Dann folgte der Corona-Absturz. Seitdem pendelt der Rhodiumpreis zwischen 7.000 und 8.000 Euro.

Der Grund für den extremen Preisrutsch und prompte Reaktion der beiden Edelmetallpreise auf die weltweite Pandemie: Beide Rohstoffe sind relevant für die Autoindustrie. Sie werden in den Katalysatoren für die Abgasreinigung, von allem von Benzinern, verwendet. Fast 85 Prozent des weltweit geförderten Palladiums findet dort seine Bestimmung.

Was die aktuelle Situation für die Autoindustrie und Rohstoffproduzenten und -händlern bedeutet, erläutert Andrew Farry, Deputy Manager bei Tanaka Precious Metals.

TECHNIK+EINKAUF: Wo werden die Metalle Platin, Palladium und Rhodium eingesetzt?

Andrew Farry: Zu 80 Prozent in Dreiwege-Katalysatoren zur Abgasreinigung in Fahrzeugen. Der Rest wird für die Herstellung des Glases für Flachbildschirme oder Glasfasern sowie für Gas-Sensoren und Thermoelemente benötigt bzw. geht an die Schmuckbranche.

Wie entwickelt sich die Nachfrage nach diesen drei Metallen?

Derzeit steigt sie exponentiell und das wird sich in den nächsten Jahren auch nicht ändern. Denn auch wenn es immer mehr Elektroautos geben wird, Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren werden auch weiterhin gebaut. Da diese allerdings strengere Abgasvorschriften einhalten müssen, steigt die Nachfrage nach Katalysatoren, in denen, wie gesagt, diese Metalle zum Einsatz kommen.

Die Rolle von Edelmetallen in der Wasserstoffindustrie

Werden Platin, Palladium und Rhodium irgendwann knapp?

Schwer zu sagen. In den Hauptförderländern Südafrika und Russland liegen zwar große Vorkommen. 80 Prozent des weltweit geförderten Rhodiums und 40 Prozent des Palladiums kommen beispielsweise aus Südafrika. Doch bei einer derart großen, weltweiten Abhängigkeit von einem Lieferland, besteht immer ein gewisses Risiko für Engpässe.

Automobilhersteller versuchen sich deshalb mit langfristigen Lieferverträgen mit den Minen abzusichern. Denn bei Abgaskatalysatoren gibt es keine Alternative zu diesen Metallen.

Andrew Farry, Tanaka
Andrew Farry, Tanaka. (Bild: Tanaka)

Ist das Recycling dieser Metalle eine geeignete Strategie, um der Abhängigkeit von den Förderländern zu begegnen?

Ja. Tanaka stieg bereits Ende der 1980er ins Recycling ein, also zu einem Zeitpunkt, als die ersten Autos mit Katalysator verschrottet wurden. Derzeit decken wir 25 bis 30 Prozent unseres Bedarfs an Palladium, Rhodium und Platin durch das Recycling von Katalysatoren. Diesen Anteil wollen wir in den nächsten Jahren steigern.

Wir halten eine Quote von 40 bis 50 Prozent für ein realistisches Ziel. Doch das Recycling dieser drei Metalle ist deutlich aufwändiger als das von Gold oder Silber. Denn sie kommen nur in sehr geringen Mengen in einem Katalysator vor. Deshalb muss das gesamte Material zunächst zerkleinert und geschmolzen werden. An einem Kollektor aus Kupfer setzen sich die Edelmetalle dann ab. Von diesen muss das Kupfer entfernt werden.

Der Aufwand ist also groß und wir verdienen damit kein Geld. Doch es lohnt sich trotzdem, denn so sind wir unabhängiger vom Rohstoffmarkt.

Die Preise für Platin, Palladium und Rhodium schwanken stark. Woran liegt das?

Das hat unterschiedliche Gründe. Palladium ist beispielsweise in der Vergangenheit teurer geworden, weil es bevorzugt für Katalysatoren in Benzinmotoren verwendet wird, die wegen des Dieselskandals stärker nachgefragt wurden. Bei Platin, das wiederum stärker in Katalysatoren von Dieselfahrzeugen zum Einsatz kommt, sank dagegen die Nachfrage und damit der Preis.

Zudem gibt es für Platin und Palladium einen Sekundärmarkt. Hier werden die Preise teilweise von Spekulanten bestimmt, die Derivate handeln. Anders bei Rhodium, das nur physisch auf dem Primärmarkt gehandelt wird. Durch die Corona-Pandemie gab es zuletzt Panikverkäufe, aber keine Abnehmer, das hat die Preise fallen lassen. Das wird sich aber wieder ändern.

Wie federn Hersteller der Katalysatoren derartige Preisschwankungen ab?

Eine Strategie ist es, das Mischungsverhältnis der drei Metalle zu verändern, was für die Funktion des Katalysators keinen Unterschied macht. Typischerweise liegt das Verhältnis 10 : 5 : 1 für Platin, Palladium und Rhodium.

Als Platin sehr teuer wurde, erhöhten namhafte Automobilhersteller den Palladium-Anteil. Weil die Preise für Palladium zuletzt jedoch stark gestiegen sind, setzen die Hersteller wieder verstärkt auf Platin.

Die Fahrzeughersteller wechseln aber nicht ständig die Rezeptur, denn das erfordert eine aufwändige Requalifikation des Produkts, deshalb machen sie das nur bei einer neuen Motorengeneration.

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Wer ist Tanaka Precious Metals?

Tanaka Precious Metals ist ein japanischer Edelmetallproduzent. Das Unternehmen fokussiert sich auf Metalle für industrielle Produkte, wie beispielsweise Bonddraht und Katalysatoren für PEM-Brennstoffzellen. Es wurde 1885 gegründet und hat seinen Sitz in Tokio.

Das Unternehmen steht auf der Good-Delivery-Liste für Gold- und Silberbarren der London Bullion Market Association (LBMA). Auch als Platin- und Palladium-Scheideanstalt findet sich Tanaka auf der Good Delivery List der LPPM (London Platinum and Palladium Market), dem wichtigsten außerbörslichen Handelsplatz der beiden Edelmetalle. Das bedeutet, dass die gelieferten Barren detaillierten Vorgaben hinsichtlich ihrer Qualität (Form, Gewicht, jAussehen) und Prägung entsprechen.

Barren von zertifizierten Unternehmen sind weltweit anerkannt und werden von allen Banken und Edelmetallhändlern akzeptiert.

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