IT und Einkauf

Allianzen statt Silodenken

Digitalisierung im Einkauf scheitert selten an Software oder Strategie. Entscheidend ist die Allianz zwischen Procurement und IT – und eine Datenbasis, die KI, Governance und Mehrwert trägt.

IT und Einkauf können gemeinsam echten Mehrwert schaffen

Summary: Ivalua und KPMG zeigen, warum digitale Initiativen im Einkauf oft nicht den erwarteten Nutzen bringen. Entscheidend sind abgestimmte Rollen, saubere Lieferantendaten, klare Governance und messbare Wertrealisierung. Eine enge Verzahnung von IT und Beschaffung kann Projekte beschleunigen, Risiken senken und Wettbewerbsvorteile schaffen.

Warum scheitern eigentlich so viele Digitalisierungsprojekte, obwohl Unternehmen mehr Geld denn je in Technologien investieren? Die Antwort ist ebenso nüchtern wie unbequem: Es ist selten die Software. Und erstaunlich selten die Strategie. Es ist die fehlende Allianz zwischen den entscheidenden Akteuren.

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Gerade bei Einkauf und IT treffen zwei hochprofessionelle Welten aufeinander. Die eine denkt in Wertbeiträgen, Lieferantenstrategien, Resilienz und Kostenhebeln. Die andere in Architektur, IT-Sicherheit, Datenmodellen, Releasezyklen und Compliance-Vorgaben. Beide verfolgen legitime Ziele – aber nicht immer im Gleichklang.

Die Folgen sind bekannt: Projekte verzögern sich, Anforderungen werden mehrfach priorisiert, Schnittstellen funktionieren nicht wie geplant, Daten passen nicht zusammen. KI-Initiativen bleiben im Pilotstatus. Der versprochene Mehrwert kommt später – oder gar nicht. Christian Becker, Manager Solution Consulting DACH bei Ivalua, bringt es auf den Punkt: „Digitaler Erfolg braucht mehr als einen Champion. Es braucht eine echte Allianz.“

Unterschiedliche Prioritäten – gleiche Zielsetzung

Im Einkauf dominieren aktuell Themen wie Lieferkettenrisiken, geopolitische Spannungen, volatile Rohstoffmärkte und Nachhaltigkeitsanforderungen. Gleichzeitig kämpfen viele Organisationen mit strukturellen Defiziten bei Datenqualität und Systemintegration.

„Fast die Hälfte der Organisationen hat Schwierigkeiten bei der Integration von Einkaufssystemen mit ERP- und Finanzplattformen“, erklärt Becker. Schlechte Stammdaten beeinträchtigten Effizienz, Compliance und Entscheidungsqualität gleichermaßen.

Auf IT-Seite stehen Cyberrisiken, Modernisierung von Legacy-Systemen und der Druck, den Return on Investment von KI-Investitionen nachzuweisen, im Fokus. „Zwei Drittel der Organisationen verfügen nicht über KI-bereite Daten“, so Becker. Ohne saubere, strukturierte Datengrundlage bleibt der erwartete Mehrwert aus. Transformation wird daher weniger durch Technik limitiert als durch mangelnde Akzeptanz, unzureichende Abstimmung und fehlende Governance.

Der Golden Record als Fundament der Transparenz

Ein zentraler Hebel liegt im Management von Lieferantendaten. In globalen Organisationen mit zehntausenden Lieferanten und mehreren ERP-Systemen sind fragmentierte Datensätze eher die Regel als die Ausnahme. Da gibt es Unternehmen mit 16 separaten Lieferantendatenbanken weltweit. Die Konsequenz: Dubletten, inkonsistente Informationen, fehlende Transparenz und erhöhte Compliance-Risiken.

Die Lösung liegt in einem zentralen Golden Record – einem konsolidierten Datensatz, der alle relevanten Lieferanteninformationen bündelt und mit angebundenen Systemen synchronisiert. „Lieferantendaten sind heute genauso kritisch wie Kundendaten im Vertrieb“, betont Becker. Nur mit einer integrierten Datenbasis lassen sich Risiken, Performancekennzahlen und regulatorische Anforderungen verlässlich steuern.

Schlüssel‑Erkenntnisse:

  • Erfolgreiche Projekte erfordern eine echte Allianz zwischen Einkauf und IT, nicht nur einzelne Champions.
  • Datenqualität und Systemintegration sind die häufigsten Ursachen für Projekt‑Scheitern; ohne konsolidierte Daten bleibt KI ineffektiv.
  • Klare Spielregeln (Release‑, Change‑ und Rollout‑Regeln) sowie definierte Verantwortlichkeiten sind entscheidend für einen reibungslosen Ablauf.
  • Ein Transformation Office mit fachlicher und technischer Expertise sorgt für kontinuierliche Steuerung und Nachverfolgung von Wertschöpfung.
  • Frühzeitige Einbindung aller relevanten Abteilungen (Logistik, FICO, Personal) verhindert Engpässe und fördert nachhaltige Lösungen.

Besonders deutlich wird die Bedeutung konsistenter Daten beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz. „KI kann schlechte Prozesse nicht reparieren, sie skaliert sie nur“, warnt Becker.Fragmentierte oder qualitativ mangelhafte Daten führen zu falschen Empfehlungen, Compliance-Risiken und enttäuschenden Ergebnissen. Eine integrierte Datenarchitektur hingegen ermöglicht intelligente Assistenzsysteme, die in Echtzeit Vertragsstatus, Risikobewertungen oder Rechnungsinformationen bereitstellen. So entstehen Produktivitätsgewinne, schnellere Entscheidungen und bessere Transparenz – aber nur auf Basis einer durchgängigen, strukturierten Datenlandschaft.

Projektsteuerung als strategischer Erfolgsfaktor

Technologie allein genügt nicht. „Diese Schnittstelle zwischen Beschaffung und IT ist für den Erfolg digitaler Initiativen absolut zentral“, erklärt Nico Reuter, Manager bei KPMG. In vielen Organisationen würden klare Rollen, abgestimmte Zielbilder und eine konsistente Governance fehlen. Konflikte entstehen häufig bereits bei der Systemauswahl. Wird dieser Zielkonflikt nicht frühzeitig gelöst, begleitet er das gesamte Projekt.

Reuter plädiert für ein strukturiertes Value-Management: „Wertrealisierung darf kein Konzept auf dem Papier bleiben.“ Projekte müssen kontinuierlich gemessen, gesteuert und bei Bedarf nachjustiert werden. Zentrale Bausteine sind ein klar definierter Value Case, ein transparentes Benefit-Modell, ein verbindliches Value-Realization-Framework sowie standardisierte KPIs und Reporting-Strukturen. Messbar wird der Mehrwert etwa über Nutzungsgrade, verkürzte Prozessdurchlaufzeiten, reduzierte manuelle Aufwände im Lieferantenmanagement oder realisierte Einsparungen im Sourcing.

Ein häufig unterschätzter Erfolgsfaktor ist die Nutzerakzeptanz. Systeme müssen intuitiv bedienbar sein und Anwender im Arbeitsalltag unterstützen. Kontextbezogene, KI-gestützte Supportfunktionen können neue Mitarbeiter direkt im System anleiten, Prozesse erklären und durch komplexe Abläufe führen. Das reduziert Schulungsaufwand und erhöht die Nutzungstiefe. „Die Lösung muss den Menschen unterstützen – nicht umgekehrt“, so Becker.

Fazit: Allianz als Wettbewerbsvorteil

Erfolgreiche Digitalisierung im Einkauf ist kein isoliertes IT- oder Einkaufsprojekt. Sie ist ein gemeinsames Transformationsvorhaben mit klarer Governance, sauberer Datenbasis und messbarer Wertorientierung. Unternehmen, die IT und Procurement strategisch verzahnen, schaffen nicht nur technologische Modernisierung – sondern nachhaltigen, messbaren Mehrwert. In einer Zeit steigender Risiken und wachsender Komplexität wird die digitale Allianz damit zum echten Wettbewerbsvorteil.

FAQ Digitalisierung im Einkauf

Warum scheitert Digitalisierung im Einkauf häufig? 

Digitalisierung im Einkauf scheitert häufig an fehlender Abstimmung zwischen Einkauf und IT, mangelhafter Datenqualität und unklarer Governance.

Welche Rolle spielt der Golden Record bei Digitalisierung im Einkauf?

Der Golden Record bündelt relevante Lieferantendaten und schafft eine konsolidierte Grundlage für Transparenz, Compliance und KI-Anwendungen.

Warum ist Datenqualität für Digitalisierung im Einkauf so wichtig?

Ohne saubere und strukturierte Daten bleiben KI-Initiativen, Risikobewertungen und Prozessautomatisierung hinter ihrem Potenzial zurück.

Wie unterstützt IT die Digitalisierung im Einkauf?

Die IT liefert Architektur, Sicherheit, Datenmodelle, Systemintegration und Compliance-Strukturen für digitale Beschaffungsprozesse.

Was macht Digitalisierung im Einkauf erfolgreich?

Erfolgsfaktoren sind klare Rollen, gemeinsame Zielbilder, messbare Wertrealisierung, integrierte Daten und hohe Nutzerakzeptanz.