Digitalisierung im Einkauf scheitert selten an Software oder Strategie. Entscheidend ist die Allianz zwischen Procurement und IT – und eine Datenbasis, die KI, Governance und Mehrwert trägt.
Kathrin IrmerKathrinIrmer
IT und Einkauf können gemeinsam echten Mehrwert schaffenMuhammed-adobestock.com
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Summary:
Ivalua und KPMG zeigen, warum digitale Initiativen im Einkauf oft nicht den erwarteten Nutzen bringen. Entscheidend sind abgestimmte Rollen, saubere Lieferantendaten, klare Governance und messbare Wertrealisierung. Eine enge Verzahnung von IT und Beschaffung kann Projekte beschleunigen, Risiken senken und Wettbewerbsvorteile schaffen.
Warum scheitern
eigentlich so viele Digitalisierungsprojekte, obwohl Unternehmen mehr Geld denn
je in Technologien investieren? Die Antwort ist ebenso nüchtern wie unbequem:
Es ist selten die Software. Und erstaunlich selten die Strategie. Es ist die fehlende
Allianz zwischen den entscheidenden Akteuren.
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Gerade bei Einkauf und IT treffen
zwei hochprofessionelle Welten aufeinander. Die eine denkt in Wertbeiträgen,
Lieferantenstrategien, Resilienz und Kostenhebeln. Die andere in Architektur,
IT-Sicherheit, Datenmodellen, Releasezyklen und Compliance-Vorgaben. Beide
verfolgen legitime Ziele – aber nicht immer im Gleichklang.
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Die Folgen sind bekannt:
Projekte verzögern sich, Anforderungen werden mehrfach priorisiert,
Schnittstellen funktionieren nicht wie geplant, Daten passen nicht zusammen.
KI-Initiativen bleiben im Pilotstatus. Der versprochene Mehrwert kommt später –
oder gar nicht. Christian Becker, Manager Solution Consulting DACH bei Ivalua,
bringt es auf den Punkt: „Digitaler Erfolg braucht mehr als einen Champion. Es
braucht eine echte Allianz.“
Im Einkauf dominieren
aktuell Themen wie Lieferkettenrisiken, geopolitische Spannungen, volatile
Rohstoffmärkte und Nachhaltigkeitsanforderungen. Gleichzeitig kämpfen viele
Organisationen mit strukturellen Defiziten bei Datenqualität und
Systemintegration.
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„Fast die Hälfte der
Organisationen hat Schwierigkeiten bei der Integration von Einkaufssystemen mit
ERP- und Finanzplattformen“, erklärt Becker. Schlechte Stammdaten
beeinträchtigten Effizienz, Compliance und Entscheidungsqualität gleichermaßen.
Auf IT-Seite stehen
Cyberrisiken, Modernisierung von Legacy-Systemen und der Druck, den Return on
Investment von KI-Investitionen nachzuweisen, im Fokus. „Zwei Drittel der
Organisationen verfügen nicht über KI-bereite Daten“, so Becker. Ohne saubere,
strukturierte Datengrundlage bleibt der erwartete Mehrwert aus. Transformation
wird daher weniger durch Technik limitiert als durch mangelnde Akzeptanz,
unzureichende Abstimmung und fehlende Governance.
Der Golden Record als Fundament der
Transparenz
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Ein zentraler Hebel liegt
im Management von Lieferantendaten. In globalen Organisationen mit
zehntausenden Lieferanten und mehreren ERP-Systemen sind fragmentierte
Datensätze eher die Regel als die Ausnahme. Da gibt es Unternehmen mit 16
separaten Lieferantendatenbanken weltweit. Die Konsequenz: Dubletten,
inkonsistente Informationen, fehlende Transparenz und erhöhte
Compliance-Risiken.
Die Lösung liegt in einem
zentralen Golden Record – einem konsolidierten Datensatz, der alle relevanten
Lieferanteninformationen bündelt und mit angebundenen Systemen synchronisiert. „Lieferantendaten
sind heute genauso kritisch wie Kundendaten im Vertrieb“, betont Becker. Nur
mit einer integrierten Datenbasis lassen sich Risiken, Performancekennzahlen
und regulatorische Anforderungen verlässlich steuern.
Schlüssel‑Erkenntnisse:
Erfolgreiche Projekte
erfordern eine echte Allianz zwischen Einkauf und IT, nicht nur einzelne
Champions.
Datenqualität und
Systemintegration sind die häufigsten Ursachen für Projekt‑Scheitern; ohne
konsolidierte Daten bleibt KI ineffektiv.
Klare Spielregeln
(Release‑, Change‑ und Rollout‑Regeln) sowie definierte Verantwortlichkeiten
sind entscheidend für einen reibungslosen Ablauf.
Ein Transformation
Office mit fachlicher und technischer Expertise sorgt für kontinuierliche
Steuerung und Nachverfolgung von Wertschöpfung.
Frühzeitige Einbindung
aller relevanten Abteilungen (Logistik, FICO, Personal) verhindert Engpässe und
fördert nachhaltige Lösungen.
Besonders deutlich wird
die Bedeutung konsistenter Daten beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz. „KI
kann schlechte Prozesse nicht reparieren, sie skaliert sie nur“, warnt
Becker.Fragmentierte oder qualitativ mangelhafte Daten führen zu falschen
Empfehlungen, Compliance-Risiken und enttäuschenden Ergebnissen. Eine
integrierte Datenarchitektur hingegen ermöglicht intelligente Assistenzsysteme,
die in Echtzeit Vertragsstatus, Risikobewertungen oder Rechnungsinformationen
bereitstellen. So entstehen Produktivitätsgewinne, schnellere Entscheidungen
und bessere Transparenz – aber nur auf Basis einer durchgängigen,
strukturierten Datenlandschaft.
Projektsteuerung als strategischer
Erfolgsfaktor
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Technologie allein genügt
nicht. „Diese Schnittstelle zwischen Beschaffung und IT ist für den Erfolg
digitaler Initiativen absolut zentral“, erklärt Nico Reuter, Manager bei KPMG. In
vielen Organisationen würden klare Rollen, abgestimmte Zielbilder und eine
konsistente Governance fehlen. Konflikte entstehen häufig bereits bei der
Systemauswahl. Wird dieser Zielkonflikt nicht frühzeitig gelöst, begleitet er
das gesamte Projekt.
Reuter plädiert für ein
strukturiertes Value-Management: „Wertrealisierung darf kein Konzept auf dem
Papier bleiben.“ Projekte müssen kontinuierlich gemessen, gesteuert und bei
Bedarf nachjustiert werden. Zentrale Bausteine sind ein klar definierter Value
Case, ein transparentes Benefit-Modell, ein verbindliches
Value-Realization-Framework sowie standardisierte KPIs und
Reporting-Strukturen. Messbar wird der Mehrwert etwa über Nutzungsgrade,
verkürzte Prozessdurchlaufzeiten, reduzierte manuelle Aufwände im Lieferantenmanagement
oder realisierte Einsparungen im Sourcing.
Ein häufig unterschätzter
Erfolgsfaktor ist die Nutzerakzeptanz. Systeme müssen intuitiv bedienbar sein
und Anwender im Arbeitsalltag unterstützen. Kontextbezogene, KI-gestützte
Supportfunktionen können neue Mitarbeiter direkt im System anleiten, Prozesse
erklären und durch komplexe Abläufe führen. Das reduziert Schulungsaufwand und
erhöht die Nutzungstiefe. „Die Lösung muss den Menschen unterstützen – nicht
umgekehrt“, so Becker.
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Fazit: Allianz als Wettbewerbsvorteil
Erfolgreiche
Digitalisierung im Einkauf ist kein isoliertes IT- oder Einkaufsprojekt. Sie
ist ein gemeinsames Transformationsvorhaben mit klarer Governance, sauberer
Datenbasis und messbarer Wertorientierung. Unternehmen, die IT und Procurement
strategisch verzahnen, schaffen nicht nur technologische Modernisierung –
sondern nachhaltigen, messbaren Mehrwert. In einer Zeit steigender Risiken und
wachsender Komplexität wird die digitale Allianz damit zum echten
Wettbewerbsvorteil.