Europa -Fokus

Wenn Nähe zum Wettbewerbsvorteil wird

In einer Zeit, in der Unternehmen ihre Lieferketten neu ausrichten, rückt Europa als Absatzmarkt stärker in den Fokus. Ein schneller und zuverlässiger grenzüberschreitender Warenverkehr wird zum entscheidenden Faktor im Wettbewerb.

Wettbewerbsvorteile lassen sich zunehmend nur noch verwirklichen, wenn sich Unternehmen auf ein stabiles, transparentes und flexibles Logistiknetzwerk verlassen können
Wettbewerbsvorteile lassen sich zunehmend nur noch verwirklichen, wenn sich Unternehmen auf ein stabiles, transparentes und flexibles Logistiknetzwerk verlassen können

Summary: Seit der Coronapandemie 2020 richten deutsche Mittelständler Beschaffungs- und Absatzmärkte neu aus. Produktions- und Lieferketten rücken näher an Europa, besonders nach Mittel- und Osteuropa. Schneller grenzüberschreitender Warenverkehr, digitale Transparenz und spezialisierte Logistik werden damit zu zentralen Faktoren für Resilienz und Wettbewerbsvorteile.

Seit der Coronapandemie 2020 ist der Einkauf bestimmter Komponenten für den deutschen Mittelstand schwieriger geworden. Störungen in der Lieferkette können von heute auf morgen zu einem Stillstand von Fabriken führen. Geopolitische Spannungen haben Unsicherheiten in den Beschaffungsstrategien der Unternehmen noch erhöht. Vor diesem Hintergrund haben Mittelständler in den vergangenen Jahren ihre Beschaffungs- und Absatzmärkte diversifiziert und Produktionsstandorte näher nach Europa verlagert.

Laut einer aktuellen Analyse von „Strategy&“ stieg die Zahl entsprechender Verlagerungsprojekte seit 2018 um 153 Prozent gegenüber dem Zeitraum 2010 bis 2017. Rund 70 Prozent dieser Aktivitäten entfielen zuletzt auf Standorte in Mittel- und Osteuropa.

Unternehmen bewerten Nähe zu Kernmärkten neu

Die Entwicklungen rund um die Verlagerung von Produktions- und Beschaffungsprozessen zeigen vor allem eines: Unternehmen versuchen, ihre Lieferketten widerstandsfähiger zu gestalten. Doch es geht längst nicht mehr nur um die Wahl des Produktionsstandortes. Die Aufrechterhaltung eines stabilen Warenverkehrs unter schwierigen Rahmenbedingungen wird zunehmend zu einem entscheidenden Faktor im Lieferkettenmanagement.

Die vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, dass geopolitische Krisen, extreme Wetterereignisse und regulatorische Anforderungen bestehende Lieferketten unter Druck setzen können. Als Konsequenz entwickelt sich Resilienz für viele Unternehmen zu einem zentralen strategischen Kriterium – verbunden mit dem Ziel, Risiken zu reduzieren und auf Veränderungen flexibel zu reagieren.

In diesem Kontext gewinnt Europa als Absatzmarkt an Bedeutung. Denn der europäische Binnenmarkt umfasst gemeinsam mit den EFTA-Staaten rund 460 Mio. Verbraucher und mehr als 24 Mio. Unternehmen. Deutschen Mittelständlern eröffnet sich dadurch einer der größten zusammenhängenden Wirtschaftsräume der Welt.

Belastbare Lieferketten schlagen Brücke zum Markt

Der theoretische Zugang zu europäischen Märkten reicht nicht aus, um Marktanteile zu erobern. Es braucht valide Fähigkeiten im Management von Lieferketten, die einen schnellen, zuverlässigen und grenzüberschreitenden Warenverkehr erlauben. Denn diese Faktoren schaffen Stabilität entlang der Beschaffungs- und Vertriebsprozesse in wirtschaftlich unsicheren Zeiten.

Ein Beispiel ist das europäische Luft- und Straßennetzwerk von FedEx, das heute 45 Länder mit über 27 Road Hubs und mehr als 550 Abhol- und Zustellstationen verbindet. Rund zwei Millionen Sendungen werden in diesen Stationen täglich umgeschlagen. Wichtige Standorte in Deutschland, der Schweiz oder den Niederlanden wurden in den vergangenen Jahren modernisiert. Hinzu kommen erweiterte Kapazitäten an Luftfrachtstandorten in Istanbul und Paris.

Daten schaffen Transparenz und KI erhöht die Planbarkeit

Die Digitalisierung der physischen Infrastruktur ermöglicht nicht nur eine virtuelle Echtzeit-Nachbildung von Warenströmen entlang der Lieferketten, sondern auch Informationen über deren aktuellen Zustand. Besonders deutlich wird dies bei sensiblen Produkten wie pharmazeutischen Produkten, Sendungen für die klinische Forschung oder temperatursensiblen Healthcare-Sendungen. Denn bei diesen Anwendungsbeispielen sind die Anforderungen rund um Dokumentation, Sicherheit und Temperaturführung besonders hoch.

Parallel zur Digitalisierung der Lieferkette steigen allerdings auch die regulatorischen Vorgaben. Pharmaunternehmen müssen etwa in der EU der Leitlinie EU-Good Distribution Practice (EU-GDP) nachkommen und hohe Auflagen rund um die Einhaltung von Temperaturkontrollen erfüllen. Gerade bei Transporten mit hohen regulatorischen Anforderungen zeigt sich, wie wichtig standardisierte Prozesse, digitale Überwachung und spezialisierte logistische Expertise sind, wie FedEx sie bietet.

Spezialisierte Logistik gewinnt an Bedeutung

Expertenwissen ist auch bei anderen Produktkategorien gefragt. In den vergangenen Jahren ist der Transport von Lithium-Ionen-Batterien aufgrund der Nachfrage nach Produkten wie beispielsweise Smartphones und Laptops deutlich angestiegen. Lithium-Ionen-Batterien werden als Gefahrengut der Klasse 9 eingestuft, so dass die korrekte Klassifizierung, Dokumentation, Verpackung und Einhaltung internationaler Vorschriften entscheidende Voraussetzungen für den Transport solcher Güter sind.

Konkret bedeutet das, dass je nach Transportweg unterschiedliche regulatorische Regelwerke – beispielsweise die ICAO/IATA-Vorschriften für den internationalen Lufttransport oder ADR-Regeln für den Straßentransport – gelten. Auch hier zeigt sich, dass Anbieter wie FedEx nicht nur Transportkapazität bereitstellen, sondern vor allem Erfahrung im Umgang mit komplexen regulatorischen und operativen Anforderungen einbringen müssen. Logistik ist somit inzwischen ein integraler Bestandteil des Risikomanagements von Unternehmen.

Europa bietet Chancen für den deutschen Mittelstand

Die Neuausrichtung globaler Lieferketten wird deutsche Unternehmen in den kommenden Jahren weiterhin beschäftigen. Europäische Märkte werden noch mehr an Bedeutung für den Absatz gewinnen. Kurze Handelsrouten, eine harmonisierte Gesetzgebung und die enge Vernetzung eben jener Märkte schaffen robuste Wettbewerbsbedingungen in einem komplexen Marktumfeld.

Für Einkaufs- und Supply-Chain-Manager bedeutet das, dass Lieferketten mehr denn je zu einem strategischen Faktor werden. Wettbewerbsvorteile lassen sich zunehmend nur noch verwirklichen, wenn sich Unternehmen auf ein stabiles, transparentes und flexibles Logistiknetzwerk verlassen können. Dazu gehört, dass diese Netzwerke unterschiedliche Optionen in Bezug auf Geschwindigkeit, Kosten und Transportvolumen bieten. Denn im Lieferkettenmanagement sind diese die Stellschrauben, die eine bedarfsgerechte Steuerung des Warenverkehrs ermöglichen.

Der Autor: Stefan Dries

In seiner Position als Vice President  Ground Operations für Deutschland, Österreich, die Schweiz und Benelux bei FedEx verantwortet Stefan Dries das Nahverkehrsgeschäft von FedEx in den entsprechenden Ländern – also die Abholung und Zustellung von Sendungen sowie die übergeordnete Leitung der entsprechenden Standorte. Ein weiterer Fokus seiner Tätigkeit liegt auf der engen Verzahnung mit dem Fernverkehr – den Line Hauls und Road Hubs – und dem Air Network sowie auf strategischen Themen wie Kooperationen mit Geschäftspartnern und der Koordination von Projekten und Initiativen mit anderen Fachbereichen in den einzelnen Ländern.

FAQ - Lieferketten in Europa

Warum wird Lieferkettenmanagement für den Mittelstand wichtiger?

 Weil Lieferketten seit der Coronapandemie, durch geopolitische Spannungen und regulatorische Anforderungen stärker unter Druck stehen.

Welche Rolle spielt Europa im Lieferkettenmanagement?

 Europa gewinnt als Absatzmarkt an Bedeutung, weil kurze Handelsrouten, vernetzte Märkte und harmonisierte Rahmenbedingungen robuste Strukturen unterstützen.

Wie unterstützt Lieferkettenmanagement grenzüberschreitenden Warenverkehr?

Es sorgt für stabile Beschaffungs- und Vertriebsprozesse, bessere Planbarkeit und flexiblere Steuerung von Transporten.

Warum sind Daten im Lieferkettenmanagement wichtig?

Digitale Informationen ermöglichen Transparenz über Warenströme und deren Zustand, besonders bei sensiblen oder regulierten Produkten.

Welche Bedeutung hat spezialisierte Logistik im Lieferkettenmanagement?

Sie hilft, komplexe regulatorische Anforderungen etwa bei Pharma-Produkten oder Lithium-Ionen-Batterien einzuhalten.