In einer Zeit, in der Unternehmen ihre Lieferketten neu ausrichten, rückt Europa als Absatzmarkt stärker in den Fokus. Ein schneller und zuverlässiger grenzüberschreitender Warenverkehr wird zum entscheidenden Faktor im Wettbewerb.
Stefan Dries Stefan Dries
Wettbewerbsvorteile lassen sich zunehmend nur noch verwirklichen, wenn sich Unternehmen auf ein stabiles, transparentes und flexibles Logistiknetzwerk verlassen könnenFedex
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Summary: Seit der Coronapandemie 2020 richten deutsche Mittelständler Beschaffungs- und Absatzmärkte neu aus. Produktions- und Lieferketten rücken näher an Europa, besonders nach Mittel- und Osteuropa. Schneller grenzüberschreitender Warenverkehr, digitale Transparenz und spezialisierte Logistik werden damit zu zentralen Faktoren für Resilienz und Wettbewerbsvorteile.
Seit der Coronapandemie 2020 ist der Einkauf bestimmter
Komponenten für den deutschen Mittelstand schwieriger geworden. Störungen in
der Lieferkette können von heute auf morgen zu einem Stillstand von Fabriken
führen. Geopolitische Spannungen haben Unsicherheiten in den
Beschaffungsstrategien der Unternehmen noch erhöht. Vor diesem Hintergrund
haben Mittelständler in den vergangenen Jahren ihre Beschaffungs- und
Absatzmärkte diversifiziert und Produktionsstandorte näher nach Europa
verlagert.
Laut einer aktuellen Analyse von „Strategy&“ stieg die
Zahl entsprechender Verlagerungsprojekte seit 2018 um 153 Prozent gegenüber dem
Zeitraum 2010 bis 2017. Rund 70 Prozent dieser Aktivitäten entfielen zuletzt
auf Standorte in Mittel- und Osteuropa.
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Unternehmen bewerten Nähe zu Kernmärkten neu
Die Entwicklungen rund um die Verlagerung von Produktions-
und Beschaffungsprozessen zeigen vor allem eines: Unternehmen versuchen, ihre
Lieferketten widerstandsfähiger zu gestalten. Doch es geht längst nicht mehr
nur um die Wahl des Produktionsstandortes. Die Aufrechterhaltung eines stabilen
Warenverkehrs unter schwierigen Rahmenbedingungen wird zunehmend zu einem
entscheidenden Faktor im Lieferkettenmanagement.
Die vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, dass
geopolitische Krisen, extreme Wetterereignisse und regulatorische Anforderungen
bestehende Lieferketten unter Druck setzen können. Als Konsequenz entwickelt
sich Resilienz für viele Unternehmen zu einem zentralen strategischen Kriterium
– verbunden mit dem Ziel, Risiken zu reduzieren und auf Veränderungen flexibel
zu reagieren.
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In diesem Kontext gewinnt Europa als Absatzmarkt an
Bedeutung. Denn der europäische Binnenmarkt umfasst gemeinsam mit den
EFTA-Staaten rund 460 Mio. Verbraucher und mehr als 24 Mio. Unternehmen. Deutschen Mittelständlern eröffnet sich dadurch einer der größten
zusammenhängenden Wirtschaftsräume der Welt.
Belastbare Lieferketten schlagen Brücke zum Markt
Der theoretische Zugang zu europäischen Märkten reicht nicht
aus, um Marktanteile zu erobern. Es braucht valide Fähigkeiten im Management
von Lieferketten, die einen schnellen, zuverlässigen und grenzüberschreitenden
Warenverkehr erlauben. Denn diese Faktoren schaffen Stabilität entlang der
Beschaffungs- und Vertriebsprozesse in wirtschaftlich unsicheren Zeiten.
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Ein Beispiel ist das europäische Luft- und Straßennetzwerk
von FedEx, das heute 45 Länder mit über 27 Road Hubs und mehr als 550 Abhol-
und Zustellstationen verbindet. Rund zwei Millionen Sendungen werden in diesen
Stationen täglich umgeschlagen. Wichtige Standorte in Deutschland, der Schweiz
oder den Niederlanden wurden in den vergangenen Jahren modernisiert. Hinzu
kommen erweiterte Kapazitäten an Luftfrachtstandorten in Istanbul und Paris.
Daten schaffen Transparenz und KI erhöht die Planbarkeit
Die Digitalisierung der physischen Infrastruktur ermöglicht
nicht nur eine virtuelle Echtzeit-Nachbildung von Warenströmen entlang der
Lieferketten, sondern auch Informationen über deren aktuellen Zustand.
Besonders deutlich wird dies bei sensiblen Produkten wie pharmazeutischen
Produkten, Sendungen für die klinische Forschung oder temperatursensiblen
Healthcare-Sendungen. Denn bei diesen Anwendungsbeispielen sind die
Anforderungen rund um Dokumentation, Sicherheit und Temperaturführung besonders
hoch.
Parallel zur Digitalisierung der Lieferkette steigen
allerdings auch die regulatorischen Vorgaben. Pharmaunternehmen müssen etwa in
der EU der Leitlinie EU-Good Distribution Practice (EU-GDP) nachkommen und hohe
Auflagen rund um die Einhaltung von Temperaturkontrollen erfüllen. Gerade bei Transporten
mit hohen regulatorischen Anforderungen zeigt sich, wie wichtig standardisierte
Prozesse, digitale Überwachung und spezialisierte logistische Expertise sind,
wie FedEx sie bietet.
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Spezialisierte Logistik gewinnt an Bedeutung
Expertenwissen ist auch bei anderen Produktkategorien
gefragt. In den vergangenen Jahren ist der Transport von
Lithium-Ionen-Batterien aufgrund der Nachfrage nach Produkten wie
beispielsweise Smartphones und Laptops deutlich angestiegen.
Lithium-Ionen-Batterien werden als Gefahrengut der Klasse 9 eingestuft, so dass
die korrekte Klassifizierung, Dokumentation, Verpackung und Einhaltung
internationaler Vorschriften entscheidende Voraussetzungen für den Transport
solcher Güter sind.
Konkret bedeutet das, dass je nach Transportweg
unterschiedliche regulatorische Regelwerke – beispielsweise die ICAO/IATA-Vorschriften
für den internationalen Lufttransport oder ADR-Regeln für den Straßentransport
– gelten. Auch hier zeigt sich, dass Anbieter wie FedEx nicht nur
Transportkapazität bereitstellen, sondern vor allem Erfahrung im Umgang mit
komplexen regulatorischen und operativen Anforderungen einbringen müssen.
Logistik ist somit inzwischen ein integraler Bestandteil des Risikomanagements
von Unternehmen.
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Europa bietet Chancen für den deutschen Mittelstand
Die Neuausrichtung globaler Lieferketten wird deutsche
Unternehmen in den kommenden Jahren weiterhin beschäftigen. Europäische Märkte
werden noch mehr an Bedeutung für den Absatz gewinnen. Kurze Handelsrouten,
eine harmonisierte Gesetzgebung und die enge Vernetzung eben jener Märkte
schaffen robuste Wettbewerbsbedingungen in einem komplexen Marktumfeld.
Für Einkaufs- und Supply-Chain-Manager bedeutet das, dass
Lieferketten mehr denn je zu einem strategischen Faktor werden.
Wettbewerbsvorteile lassen sich zunehmend nur noch verwirklichen, wenn sich
Unternehmen auf ein stabiles, transparentes und flexibles Logistiknetzwerk
verlassen können. Dazu gehört, dass diese Netzwerke unterschiedliche Optionen
in Bezug auf Geschwindigkeit, Kosten und Transportvolumen bieten. Denn im
Lieferkettenmanagement sind diese die Stellschrauben, die eine bedarfsgerechte
Steuerung des Warenverkehrs ermöglichen.
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Der Autor: Stefan Dries
In seiner Position als Vice President Ground
Operations für Deutschland, Österreich, die Schweiz und Benelux bei FedEx verantwortet
Stefan Dries das Nahverkehrsgeschäft von FedEx in den entsprechenden Ländern –
also die Abholung und Zustellung von Sendungen sowie die übergeordnete Leitung
der entsprechenden Standorte. Ein weiterer Fokus
seiner Tätigkeit liegt auf der engen Verzahnung mit dem Fernverkehr – den Line
Hauls und Road Hubs – und dem Air Network sowie auf strategischen Themen wie
Kooperationen mit Geschäftspartnern und der Koordination von Projekten und
Initiativen mit anderen Fachbereichen in den einzelnen Ländern.
Warum wird Lieferkettenmanagement für den Mittelstand wichtiger?
Weil Lieferketten seit der Coronapandemie, durch geopolitische Spannungen und regulatorische Anforderungen stärker unter Druck stehen.
Welche Rolle spielt Europa im Lieferkettenmanagement?
Europa gewinnt als Absatzmarkt an Bedeutung, weil kurze Handelsrouten, vernetzte Märkte und harmonisierte Rahmenbedingungen robuste Strukturen unterstützen.
Wie unterstützt Lieferkettenmanagement grenzüberschreitenden Warenverkehr?
Es sorgt für stabile Beschaffungs- und Vertriebsprozesse, bessere Planbarkeit und flexiblere Steuerung von Transporten.
Warum sind Daten im Lieferkettenmanagement wichtig?
Digitale Informationen ermöglichen Transparenz über Warenströme und deren Zustand, besonders bei sensiblen oder regulierten Produkten.
Welche Bedeutung hat spezialisierte Logistik im Lieferkettenmanagement?
Sie hilft, komplexe regulatorische Anforderungen etwa bei Pharma-Produkten oder Lithium-Ionen-Batterien einzuhalten.