KI im Einkauf soll Risiken früher sichtbar machen, Ausgaben besser steuern und Routinetätigkeiten reduzieren. Doch der Weg vom Pilotprojekt zur skalierbaren Wirkung bleibt anspruchsvoll.
Salva Lombardo, Coupa Salva Lombardo, Coupa
Eine der größten Hürden für KI ist die Datenbasis.InfiniteFlow - stock.adobe.com
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Summary: Coupa zeigt anhand aktueller Daten aus einer Umfrage unter mehr als 600 Führungskräften, warum KI im Einkauf häufig noch nicht skaliert. Entscheidend sind verlässliche Daten, integrierte Systeme, klare Leitplanken und durchgängige Prozesse. Unternehmen profitieren, wenn Automatisierung zur Orchestrierung wird und menschliche Kontrolle gezielt dort greift, wo Risiken, Abweichungen oder strategische Fragen entstehen.
Künstliche
Intelligenz soll auch den Einkauf schneller, transparenter und
widerstandsfähiger machen. Sie soll Risiken früher sichtbar machen, Ausgaben
besser steuern und Teams von manuellen Routinetätigkeiten entlasten. Die
Erwartungen sind hoch, erste Anwendungsfälle laufen. Trotzdem bleibt der
tatsächliche Effekt im Alltag vieler Unternehmen begrenzt.
Das
liegt allerdings selten an der Technologie selbst. Gerade im Einkauf, wo große
Datenmengen, wiederkehrende Entscheidungen und komplexe Lieferantenbeziehungen
zusammenkommen, kann KI erheblichen Mehrwert schaffen. Doch dafür braucht sie
die richtigen Voraussetzungen. In vielen Organisationen trifft sie auf
fragmentierte Daten, uneinheitliche Prozesse und Unsicherheit im Umgang mit
automatisierten Empfehlungen.
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Aktuelle
Coupa-Daten zeigen diese Lücke deutlich.
In einer Umfrage unter mehr als 600 Führungskräften aus Einkauf, Finanzen, IT
und Supply Chain geben 86 Prozent an, dass KI unverzichtbar ist, um
wettbewerbsfähig zu bleiben. 79 % haben konkrete KI-Ziele formuliert. Gleichzeitig
verfügen nur 29 % über eine klare Strategie für den Einsatz von KI im
Ausgabenmanagement. Lediglich zwei Prozent haben KI bereits unternehmensweit
skaliert.
Ohne gemeinsame Datenbasis bleibt KI punktuell
Eine
der größten Hürden ist die Datenbasis. In vielen Unternehmen ist das
Einkaufsvolumen über verschiedene Systeme, Regionen und Warengruppen verteilt.
Informationen zu Lieferanten, Verträgen, Bestellungen und Rechnungen liegen
häufig in unterschiedlichen Anwendungen und sind nur teilweise miteinander
verknüpft. In vielen Einkaufsabteilungen entstehen Entscheidungen oft auf Basis
einzelner Ausschnitte. Ein Team verhandelt möglicherweise exzellente
Konditionen für eine Warengruppe, während vergleichbare Leistungen an anderer
Stelle zu völlig anderen Preisen beschafft werden. Vertragsinformationen sind
vorhanden, werden aber nicht im richtigen Moment sichtbar. Lieferantenrisiken
fließen nicht konsequent in operative Entscheidungen ein.
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KI
kann solche Brüche nicht automatisch beheben. Sie erkennt aber Muster in den
Daten, auf die sie zugreifen kann. Sind diese Daten unvollständig oder
voneinander getrennt, bleiben auch die Empfehlungen begrenzt. 77 % der
Befragten nennen Datenqualität und Systemintegration als zentrale Hürden. Nur
34 % fühlen sich bei Dateninfrastruktur und Datenqualität ausreichend
vorbereitet.
Um
KI effektiv nutzen zu können, müssen Unternehmen zunächst eine einheitliche
Datenbasis schaffen: vernetzte Systeme und einen einheitlichen Überblick über
direkte und indirekte Ausgaben, Lieferanten und Verträge. Erst dann erkennen
Unternehmen Preisunterschiede, abweichende Vertragsbedingungen oder Maverick
Buying, also unkontrollierte Beschaffung.
Automatisierung ersetzt keine Entscheidungslogik
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Ein
zweites Hindernis zeigt sich darin, wie Unternehmen KI einsetzen. Viele führen
die Technologie vor allem dort ein, wo sie einzelne Prozessschritte
beschleunigen wollen. Sie gleichen Rechnungen automatisch ab, leiten Anfragen
weiter, fassen Lieferantenprofile zusammen oder prüfen Bestellungen vor.
Diese
Anwendungen schaffen Effizienz, verbessern aber nicht automatisch die Qualität
der Entscheidungen. Solange Freigaberegeln uneinheitlich bleiben,
Schwellenwerte variieren und Zuständigkeiten nicht klar geregelt sind,
beschleunigt KI vor allem bestehende Reibungsverluste.
Der
größere Hebel liegt deshalb nicht in reiner Automatisierung, sondern in
Orchestrierung. Automatisierung optimiert einzelne Schritte. Orchestrierung
führt Bedarfsmeldung, Sourcing, Vertragsmanagement, Einkauf,
Lieferantenmanagement und Rechnungsprüfung zu einem durchgängigen Prozess
zusammen. Die Abteilungen treffen dann Entscheidungen entlang klarer Regeln,
statt sie in jedem Teilprozess neu auszuhandeln.
Auch
hier besteht Nachholbedarf. 77 % der Befragten richten ihre
KI-Investitionen vor allem auf einfache Automatisierung aus. Nur zwei Prozent
setzen bereits auf Orchestrierung.
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Das
zeigt sich etwa in der Rechnungsprüfung. KI kann eine Rechnung schneller prüfen
und dadurch Zeit sparen. Bleibt aber unklar, welche Abweichungen akzeptiert
werden dürfen und wann eine Eskalation nötig ist, entstehen neue Prüfschleifen.
Betrachtet das Unternehmen den Prozess dagegen ganzheitlich, kann KI
Routinefälle automatisch verarbeiten und nur relevante Ausnahmen weiterleiten.
Vertrauen braucht klare Leitplanken
Neben
Daten und Prozessen entscheidet Vertrauen über den Erfolg. Im Einkauf geht es
um sensible Ausgabeninformationen, Lieferantenbeziehungen, Compliance-Vorgaben
und finanzielle Entscheidungen. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an
Nachvollziehbarkeit und Kontrolle.
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78
% der Befragten sehen Datenschutz- und Sicherheitsrisiken als zentrale
Sorge. 67 % fürchten gravierende Fehler der KI, 64 % den Verlust
menschlicher Kontrolle. Vollständige Automatisierung ist für die meisten
Unternehmen daher nicht das Ziel. In Europa bevorzugen 65 % der Befragten
Modelle, bei denen KI unterstützt, Menschen aber bei relevanten Entscheidungen
eingebunden bleiben.
Wenn
„Human-in-the-Loop“ jedoch bedeutet, dass jede KI-Empfehlung manuell doppelt
überprüft werden muss, geht die Skalierbarkeit der KI sofort verloren.
Sinnvoller ist ein Modell, in dem Menschen sich auf Ausnahmen konzentrieren:
auf Fälle mit erhöhtem Risiko, ungewöhnlichen Abweichungen oder strategischer
Bedeutung. Dafür braucht es klare Regeln, Schwellenwerte und
Eskalationslogiken. Liegt eine Bestellung innerhalb bestehender
Vertragsbedingungen, erfüllt sie Compliance-Vorgaben und bleibt unter definierten
Wertgrenzen, kann sie ohne zusätzliche Prüfung weiterlaufen. Weicht sie davon
ab, wird sie gezielt eskaliert. Kontrolle geht dabei nicht verloren, sondern
wird dort eingesetzt, wo sie Mehrwert schafft.
Auch
Kompetenzen gehören zur Umsetzung. 69 % der Befragten nennen fehlende
KI-Kompetenz und unzureichende Schulung als Hürde, nur 21 Prozent fühlen sich
bei technischen KI-Kompetenzen ausreichend gerüstet. Teams müssen
nachvollziehen können, warum eine Empfehlung entsteht, welche Daten einfließen
und welche Entscheidung daraus folgt.
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Der Autor: Salva Lombardo
Salvatore
Lombardo ist Chief Product and Technology Officer bei Coupa. Er verantwortet
die Produkt- und Technologiestrategie sowie die Weiterentwicklung der
KI-nativen Total Spend Management-Plattform des Unternehmens. Mit mehr als 20
Jahren Erfahrung in den Bereichen Procurement, Cloud-Technologien und
Enterprise-Software treibt er Innovationen voran, die Unternehmen weltweit
dabei unterstützen, ihre Ausgaben intelligenter zu steuern. Zuvor war Lombardo
unter anderem Chief Product and Technology Officer für SAP Ariba sowie in
verschiedenen Führungspositionen bei SAP tätig, wo er maßgeblich die
Transformation zentraler Beschaffungslösungen in die Cloud mitgestaltete.
Vom Pilotprojekt zur Wirkung
Der
nächste Schritt liegt in der Verbindung von Daten, Prozessen, Governance und
Kompetenzen. Unternehmen schaffen den größten Mehrwert, wenn sie KI dort
eingebetten, wo Einkaufsentscheidungen tatsächlich entstehen.
Dafür braucht es
eine einheitliche Datenbasis, klare Regeln für automatisierte Entscheidungen
und durchgängige Prozesse von der Bedarfsmeldung über Sourcing und
Vertragsmanagement bis hin zu Einkauf und Lieferantenmanagement. Dann erkennt
KI relevante Abweichungen früh, weist auf bestehende Verträge hin, macht
Risiken sichtbar und leitet gezielt die Fälle weiter, die eine menschliche
Bewertung erfordern.
So
wird der Einkauf effizienter und zugleich steuerungsfähiger. Er trifft
Entscheidungen konsistenter, erkennt Risiken früher und lenkt Ausgaben
gezielter.
Unternehmen
skalieren KI im Einkauf erst dann erfolgreich, wenn sie die strukturellen
Voraussetzungen schaffen: verlässliche Daten, integrierte Systeme, klare
Leitplanken, praxisnahe Kompetenzen und durchgängige Prozesse. Dann wird aus
Automatisierung Orchestrierung – und aus Pilotprojekten messbarer Mehrwert.
KI im Einkauf unterstützt Unternehmen dabei, Ausgaben, Lieferanten, Verträge und Risiken datenbasiert zu analysieren und Prozesse effizienter zu steuern.
Warum scheitert KI im Einkauf häufig an der Skalierung?
Häufig fehlen eine einheitliche Datenbasis, integrierte Systeme, klare Entscheidungsregeln und ausreichende KI-Kompetenzen.
Welche Rolle spielt Datenqualität für KI im Einkauf?
Ohne vollständige und verknüpfte Daten bleiben KI-Empfehlungen begrenzt und können operative Entscheidungen nur eingeschränkt verbessern.
Warum ist Orchestrierung für KI im Einkauf wichtig?
Orchestrierung verbindet Bedarfsmeldung, Sourcing, Vertragsmanagement, Einkauf, Lieferantenmanagement und Rechnungsprüfung zu einem durchgängigen Prozess.
Wie bleibt Kontrolle bei KI im Einkauf erhalten?
Kontrolle bleibt erhalten, wenn klare Schwellenwerte, Regeln und Eskalationslogiken festlegen, wann Menschen eingebunden werden müssen.