Einkäufer in der Automobilindustrie gehören zu den Top-Verdienern in der deutschen Industrie. Wer darüber hinaus Führungsverantwortung, hohe Bildung, Projekterfahrung und Digitalisierungskompetenz kombiniert, stößt schnell in sechsstellige Gehaltsregionen vor, so der Kloepfel Gehaltreport.
Kathrin IrmerKathrinIrmer
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Was verdienen Einkaufsprofis in der DACH-Region – und wo stehen Sie im Vergleich?Andrey Popov-adobestock.com)
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Die Automobilindustrie bestätigt 2025 ihren Status als
Schwergewicht im deutschen Einkauf: 85 Einkaufsprofis aus diesem Sektor nahmen
am aktuellen Kloepfel Gehaltsreport teil und stellen damit rund 11 % aller 769 Industrievertreter.
Mit einem mittleren Jahreseinkommen von 102.000 EUR
liegen Auto-Einkäufer rund 5 % über dem
Industriedurchschnitt (97.000 EUR)
und 6 % über dem Gesamtdurchschnitt aller 1.146 Teilnehmenden (96.000 EUR).
Für Einkaufsleiter, Lead Buyer, Commodity Manager und
strategische Einkäufer ist die Autoindustrie damit einer der attraktivsten
Arbeitgeber – vor allem, wenn Verantwortung und Spezialisierung zusammenkommen.
Der Gehaltsvorsprung zeigt sich besonders in
Führungsfunktionen. Einkaufsleiter in der Automobilindustrie erzielen im
Schnitt 123.000 EUR jährlich und liegen damit rund 8 %
über dem Niveau ihrer Kolleginnen und
Kollegen in der übrigen Industrie. Lead Buyer und
Commodity Manager kommen im Auto-Sektor im Mittel auf 103.000 EUR gegenüber
97.000 EUR in der Industrie
insgesamt.
Strategische Einkäufer erreichen in der Automobilindustrie
81.000 EUR, während der entsprechende Industriedurchschnitt bei 79.000 EUR liegt. Bemerkenswert: Diese
drei Rollen – Einkaufsleiter, Lead Buyer/Commodity
Manager und strategische Einkäufer – stellen zusammen über 76 % der befragten Auto-Einkäufer und prägen damit das Gehaltsbild der Branche
entscheidend.
Direkt, indirekt, Projekt: Wo der Einkauf am besten
verdient
Beim Blick auf die Beschaffungsschwerpunkte zeigt sich ein
differenziertes Bild. Rund die Hälfte der Befragten arbeitet ausschließlich im
direkten Einkauf, vor allem als strategische Einkäufer (78.000 EUR) oder Lead Buyer (103.000 EUR). Ein weiteres Drittel
verantwortet sowohl direkte als auch indirekte Beschaffung – hier dominieren Einkaufsleiter, die im Schnitt 112.000 EUR verdienen. Nur 16 % sind rein im indirekten
Einkauf tätig, bewegen sich mit rund 103.000 EUR aber ebenfalls im gehobenen
Segment.
80 % der
Teilnehmenden beschaffen direktes Material und liegen mit ihren Gehältern nahe am Branchenwert. Besonders lukrativ sind jedoch
Spezialisierungen: Wer indirekte Materialien oder Dienstleistungen verantwortet
(36 %), erreicht im Mittel
110.000 EUR, Projekteinkäufer kommen auf 118.000 EUR,
und im Investitionsgüter-Einkauf steigen die Jahresgehälter im Schnitt auf 126.000 EUR
– ein Feld für sehr
erfahrene Einkaufsprofis.
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Bildung und Weiterbildung als Gehaltstreiber
Der Bildungsgrad erweist sich als besonderer Hebel für die
Karriere im Auto-Einkauf. Rund 20 %
der Befragten verfügen über einen
universitären Masterabschluss und erzielen damit ein
Spitzeneinkommen von durchschnittlich 123.000 EUR.
Auch Fachhochschulabsolventen (18 %)
sowie höher Qualifizierte mit Abschlüssen wie Fachwirt oder Betriebswirt (zusammen 29 %) sind stark vertreten.
Die Gehaltskurve steigt dabei klar mit dem
Qualifikationsniveau: Bei einer klassischen Berufsausbildung liegt das mittlere
Einkommen bei 93.000 EUR,
mit FH-Abschluss bereits bei 102.000 EUR.
Noch deutlicher ist der Effekt kontinuierlicher Weiterbildung: 65 % der Auto-Einkäufer haben sich beruflich weitergebildet und verdienen im
Schnitt 111.000 EUR – rund 8 %
mehr als der Branchenschnitt –, während Verzicht auf Fortbildung mit durchschnittlich 89.000 EUR spürbar ins
Geld geht.
Gender Pay Gap: Frauen deutlich abgehängt
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Trotz hoher Gehälter bleibt die Branche beim Thema
Gleichstellung im Hintertreffen. 81 %
der Befragten sind Männer und verdienen im Median 108.000 EUR, während
Frauen – mit einem Anteil von 19 % – nur auf
78.000 EUR kommen. Damit
liegt der Gender Pay Gap im Auto-Einkauf bei rund 27 %.
Teilweise erklärt sich diese Lücke durch die Positionen:
Männer sind häufiger als Einkaufsleiter oder Lead Buyer tätig, Frauen häufiger
im strategischen Einkauf. Doch selbst innerhalb dieser Position verdienen
Strateginnen im Einkauf im Schnitt rund 13 %
weniger als ihre männlichen Kollegen – ein klares Signal, dass Unternehmen ihre Vergütungsstrukturen kritisch überprüfen sollten.
Was und wie gemessen wird – und was sich lohnt
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Wie Leistung im Einkauf gemessen wird, hat spürbaren
Einfluss auf das Gehalt. 86 %
der Auto-Einkäufer werden an erzielten Einsparungen
gemessen, fast die Hälfte zusätzlich an
der Einhaltung von Budgets. Weitere Kriterien wie Versorgungssicherheit (40 %), Liefertermine (35 %) oder strategische Ausrichtung
(34 %) sind verbreitet,
aber meist weniger direkt gehaltswirksam.
Studienleiter Dr. Stephan Hofstetter, Partner bei Kloepfel
by EPSA, verweist insbesondere auf die strategische Leistungsmessung als Hebel:
Wer Verantwortung für Themen wie Digitalisierung oder Automatisierung trägt (9 %), erzielt ein
Durchschnittsgehalt von 122.000 EUR,
Risikomanagement und Krisenresilienz (24 %)
gehen mit rund 121.000 EUR
einher. Wo dagegen Leistung gar nicht gemessen wird (9 % der Befragten), sinkt das durchschnittliche
Jahreseinkommen auf nur 68.000 EUR.
KI-Nutzung: Digitalisierung mit Gehaltsbonus
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Die Automobilindustrie ist beim Einsatz von Künstlicher
Intelligenz im Einkauf bereits einen Schritt weiter als viele andere Branchen –
und das spiegelt sich im Einkommen wider. 48 %
der Befragten arbeiten in Unternehmen, die KI aktiv einsetzen, und verdienen
dort im Schnitt 110.000 EUR.
Wo KI-Nutzung fehlt oder nicht geplant ist, bleiben
die Gehälter signifikant zurück: In Unternehmen ohne aktive Nutzung liegen sie
bei etwa 91.000 EUR, in Firmen ohne KI-Pläne sogar nur bei 85.000 EUR.
Digitalisierung ist damit längst
nicht mehr nur Effizienzprogramm, sondern ein klarer Gehaltstreiber – insbesondere für Einkäuferinnen
und Einkäufer, die sich frühzeitig als Gestalter dieser Transformation
positionieren.
FAQ - Gehälter im Einkauf
Was verdienen Einkaufsprofis in der Automobilindustrie im Durchschnitt?
Das mittlere Jahreseinkommen liegt bei 102.000 EUR – rund 5 % über dem Industriedurchschnitt von 97.000 EUR und 6 % über dem Gesamtdurchschnitt aller Befragten (96.000 EUR).
Welche Positionen sind am besten bezahlt?
Einkaufsleiter verdienen im Schnitt 123.000 EUR, gefolgt von Lead Buyern und Commodity Managern mit 103.000 EUR sowie strategischen Einkäufern mit 81.000 EUR. Besonders lukrativ ist der Investitionsgüter-Einkauf mit durchschnittlich 126.000 EUR.
Welchen Einfluss haben Bildung und Weiterbildung auf das Gehalt?
Deutlichen Einfluss: Masterabsolventen erreichen im Schnitt 123.000 EUR, während Einkäufer mit klassischer Berufsausbildung bei 93.000 EUR liegen. Wer sich beruflich weiterbildet, verdient im Mittel 111.000 EUR – rund 8 % mehr als der Branchenschnitt.
Wie groß ist der Gender Pay Gap in der Branche?
Er beträgt rund 27 %. Männer verdienen im Median 108.000 EUR, Frauen 78.000 EUR. Selbst innerhalb derselben Position – etwa im strategischen Einkauf – verdienen Frauen durchschnittlich 13 % weniger als ihre männlichen Kollegen.
Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz für das Gehalt?
Eine zunehmend wichtige: Einkäufer in Unternehmen mit aktivem KI-Einsatz verdienen im Schnitt 110.000 EUR, während in Firmen ohne KI-Pläne nur 85.000 EUR erreicht werden. KI-Kompetenz entwickelt sich damit zu einem messbaren Gehaltstreiber.