Kloepfel Gehaltsreport 2025

Wo Einkäufer jetzt sechsstellig verdienen

Einkäufer in der Automobilindustrie gehören zu den Top-Verdienern in der deutschen Industrie. Wer darüber hinaus Führungsverantwortung, hohe Bildung, Projekterfahrung und Digitalisierungskompetenz kombiniert, stößt schnell in sechsstellige Gehaltsregionen vor, so der Kloepfel Gehaltreport.

Veröffentlicht Geändert
Was verdienen Einkaufsprofis in der DACH-Region – und wo stehen Sie im Vergleich?

Die Automobilindustrie bestätigt 2025 ihren Status als Schwergewicht im deutschen Einkauf: 85 Einkaufsprofis aus diesem Sektor nahmen am aktuellen Kloepfel Gehaltsreport teil und stellen damit rund 11 % aller 769 Industrievertreter. Mit einem mittleren Jahreseinkommen von 102.000 EUR liegen Auto-Einkäufer rund 5 % über dem Industriedurchschnitt (97.000 EUR) und 6 % über dem Gesamtdurchschnitt aller 1.146 Teilnehmenden (96.000 EUR).

Für Einkaufsleiter, Lead Buyer, Commodity Manager und strategische Einkäufer ist die Autoindustrie damit einer der attraktivsten Arbeitgeber – vor allem, wenn Verantwortung und Spezialisierung zusammenkommen.

Führungsrollen: Verantwortung zahlt sich aus

Der Gehaltsvorsprung zeigt sich besonders in Führungsfunktionen. Einkaufsleiter in der Automobilindustrie erzielen im Schnitt 123.000 EUR jährlich und liegen damit rund 8 % über dem Niveau ihrer Kolleginnen und Kollegen in der übrigen Industrie. Lead Buyer und Commodity Manager kommen im Auto-Sektor im Mittel auf 103.000 EUR gegenüber 97.000 EUR in der Industrie insgesamt.

Strategische Einkäufer erreichen in der Automobilindustrie 81.000 EUR, während der entsprechende Industriedurchschnitt bei 79.000 EUR liegt. Bemerkenswert: Diese drei Rollen – Einkaufsleiter, Lead Buyer/Commodity Manager und strategische Einkäufer – stellen zusammen über 76 % der befragten Auto-Einkäufer und prägen damit das Gehaltsbild der Branche entscheidend. 

Direkt, indirekt, Projekt: Wo der Einkauf am besten verdient

Beim Blick auf die Beschaffungsschwerpunkte zeigt sich ein differenziertes Bild. Rund die Hälfte der Befragten arbeitet ausschließlich im direkten Einkauf, vor allem als strategische Einkäufer (78.000 EUR) oder Lead Buyer (103.000 EUR). Ein weiteres Drittel verantwortet sowohl direkte als auch indirekte Beschaffung – hier dominieren Einkaufsleiter, die im Schnitt 112.000 EUR verdienen. Nur 16 % sind rein im indirekten Einkauf tätig, bewegen sich mit rund 103.000 EUR aber ebenfalls im gehobenen Segment.

80 % der Teilnehmenden beschaffen direktes Material und liegen mit ihren Gehältern nahe am Branchenwert. Besonders lukrativ sind jedoch Spezialisierungen: Wer indirekte Materialien oder Dienstleistungen verantwortet (36 %), erreicht im Mittel 110.000 EUR, Projekteinkäufer kommen auf 118.000 EUR, und im Investitionsgüter-Einkauf steigen die Jahresgehälter im Schnitt auf 126.000 EUR – ein Feld für sehr erfahrene Einkaufsprofis.

Bildung und Weiterbildung als Gehaltstreiber

Der Bildungsgrad erweist sich als besonderer Hebel für die Karriere im Auto-Einkauf. Rund 20 % der Befragten verfügen über einen universitären Masterabschluss und erzielen damit ein Spitzeneinkommen von durchschnittlich 123.000 EUR. Auch Fachhochschulabsolventen (18 %) sowie höher Qualifizierte mit Abschlüssen wie Fachwirt oder Betriebswirt (zusammen 29 %) sind stark vertreten.

Die Gehaltskurve steigt dabei klar mit dem Qualifikationsniveau: Bei einer klassischen Berufsausbildung liegt das mittlere Einkommen bei 93.000 EUR, mit FH-Abschluss bereits bei 102.000 EUR. Noch deutlicher ist der Effekt kontinuierlicher Weiterbildung: 65 % der Auto-Einkäufer haben sich beruflich weitergebildet und verdienen im Schnitt 111.000 EUR – rund 8 % mehr als der Branchenschnitt –, während Verzicht auf Fortbildung mit durchschnittlich 89.000 EUR spürbar ins Geld geht.

Gender Pay Gap: Frauen deutlich abgehängt

Trotz hoher Gehälter bleibt die Branche beim Thema Gleichstellung im Hintertreffen. 81 % der Befragten sind Männer und verdienen im Median 108.000 EUR, während Frauen – mit einem Anteil von 19 % – nur auf 78.000 EUR kommen. Damit liegt der Gender Pay Gap im Auto-Einkauf bei rund 27 %.

Teilweise erklärt sich diese Lücke durch die Positionen: Männer sind häufiger als Einkaufsleiter oder Lead Buyer tätig, Frauen häufiger im strategischen Einkauf. Doch selbst innerhalb dieser Position verdienen Strateginnen im Einkauf im Schnitt rund 13 % weniger als ihre männlichen Kollegen – ein klares Signal, dass Unternehmen ihre Vergütungsstrukturen kritisch überprüfen sollten.

Was und wie gemessen wird – und was sich lohnt

Wie Leistung im Einkauf gemessen wird, hat spürbaren Einfluss auf das Gehalt. 86 % der Auto-Einkäufer werden an erzielten Einsparungen gemessen, fast die Hälfte zusätzlich an der Einhaltung von Budgets. Weitere Kriterien wie Versorgungssicherheit (40 %), Liefertermine (35 %) oder strategische Ausrichtung (34 %) sind verbreitet, aber meist weniger direkt gehaltswirksam.

Studienleiter Dr. Stephan Hofstetter, Partner bei Kloepfel by EPSA, verweist insbesondere auf die strategische Leistungsmessung als Hebel: Wer Verantwortung für Themen wie Digitalisierung oder Automatisierung trägt (9 %), erzielt ein Durchschnittsgehalt von 122.000 EUR, Risikomanagement und Krisenresilienz (24 %) gehen mit rund 121.000 EUR einher. Wo dagegen Leistung gar nicht gemessen wird (9 % der Befragten), sinkt das durchschnittliche Jahreseinkommen auf nur 68.000 EUR.

KI-Nutzung: Digitalisierung mit Gehaltsbonus

Die Automobilindustrie ist beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Einkauf bereits einen Schritt weiter als viele andere Branchen – und das spiegelt sich im Einkommen wider. 48 % der Befragten arbeiten in Unternehmen, die KI aktiv einsetzen, und verdienen dort im Schnitt 110.000 EUR.

Wo KI-Nutzung fehlt oder nicht geplant ist, bleiben die Gehälter signifikant zurück: In Unternehmen ohne aktive Nutzung liegen sie bei etwa 91.000 EUR, in Firmen ohne KI-Pläne sogar nur bei 85.000 EUR. Digitalisierung ist damit längst nicht mehr nur Effizienzprogramm, sondern ein klarer Gehaltstreiber – insbesondere für Einkäuferinnen und Einkäufer, die sich frühzeitig als Gestalter dieser Transformation positionieren.

FAQ - Gehälter im Einkauf

Was verdienen Einkaufsprofis in der Automobilindustrie im Durchschnitt?

Das mittlere Jahreseinkommen liegt bei 102.000 EUR – rund 5 % über dem Industriedurchschnitt von 97.000 EUR und 6 % über dem Gesamtdurchschnitt aller Befragten (96.000 EUR).

Welche Positionen sind am besten bezahlt?

Einkaufsleiter verdienen im Schnitt 123.000 EUR, gefolgt von Lead Buyern und Commodity Managern mit 103.000 EUR sowie strategischen Einkäufern mit 81.000 EUR. Besonders lukrativ ist der Investitionsgüter-Einkauf mit durchschnittlich 126.000 EUR.

Welchen Einfluss haben Bildung und Weiterbildung auf das Gehalt?

Deutlichen Einfluss: Masterabsolventen erreichen im Schnitt 123.000 EUR, während Einkäufer mit klassischer Berufsausbildung bei 93.000 EUR liegen. Wer sich beruflich weiterbildet, verdient im Mittel 111.000 EUR – rund 8 % mehr als der Branchenschnitt.

Wie groß ist der Gender Pay Gap in der Branche?

Er beträgt rund 27 %. Männer verdienen im Median 108.000 EUR, Frauen 78.000 EUR. Selbst innerhalb derselben Position – etwa im strategischen Einkauf – verdienen Frauen durchschnittlich 13 % weniger als ihre männlichen Kollegen.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz für das Gehalt?

Eine zunehmend wichtige: Einkäufer in Unternehmen mit aktivem KI-Einsatz verdienen im Schnitt 110.000 EUR, während in Firmen ohne KI-Pläne nur 85.000 EUR erreicht werden. KI-Kompetenz entwickelt sich damit zu einem messbaren Gehaltstreiber.