Die EU verschärft ihre Regeln für Stahlimporte. Künftig darf deutlich weniger Stahl zollfrei in den Binnenmarkt gelangen, für zusätzliche Einfuhren steigen die Zölle spürbar.
Die EU hat die Einfuhr von zollfreiem Stahl deutlich beschränkt - zum Schutz der heimischen Unternehmen.NVB Stocker - stock.adobe.com
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Summary: Vertreter der EU-Mitgliedstaaten und des EU-Parlaments haben sich in der Nacht zum 14. April 2026 auf neue Regeln für Stahlimporte in die EU geeinigt. Die zollfreie Einfuhrmenge sinkt auf 18,3 Millionen Tonnen pro Jahr, für zusätzliche Mengen steigt der Zoll von 25 % auf 50 %. Ziel ist es, den europäischen Markt vor Überproduktion zu schützen, die Auslastung der Werke zu erhöhen und die bisherigen Schutzmaßnahmen zu ersetzen, die am 30. Juni auslaufen.
Warum die EU Stahlimporte stärker begrenzt
Die Europäische Union will ihre Stahlindustrie mit strengeren Einfuhrregeln stützen. Vertreter der Mitgliedstaaten und des EU-Parlaments haben sich darauf verständigt, deutlich weniger Stahl als bisher zollfrei in die EU zu lassen. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem Einfuhren aus China, Indien und der Türkei.
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Nach Angaben der EU soll der europäische Markt damit besser gegen die globale Überproduktion und damit gegen Dumping-Stahl abgeschirmt werden. Die EU wirft insbesondere China vor, der eigenen Stahlindustrie mit staatlichen Hilfen einen unfairen Vorteil zu verschaffen und so zu einer Überversorgung des Weltmarkts beizutragen.
Künftig wird die zollfreie Einfuhrmenge auf 18,3 Mio. Tonnen pro Jahr begrenzt. Das entspricht laut EU einem Rückgang von rund 47% gegenüber der bisherigen Regelung. Für alle Einfuhren oberhalb dieser Schwelle soll der Einfuhrzoll zugleich von 25% auf 50% steigen.
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Die neuen Quoten sollen die bisherigen Schutzmaßnahmen ablösen, die noch aus der ersten Amtszeit von Donald Trump stammen. Diese laufen nach den Regeln der Welthandelsorganisation am 30. Juni 2026 aus. Die nun vereinbarte Regelung soll an ihre Stelle treten und dauerhaft gelten.
Wie die neuen Regeln Umgehungen erschweren sollen
Ein weiterer Baustein der Neuregelung ist die genauere Herkunftserfassung importierten Stahls. Künftig soll stärker berücksichtigt werden, wo der Stahl ursprünglich geschmolzen und gegossen wurde. Damit will die EU Umgehungen der Schutzmaßnahmen erschweren. Die Wirksamkeit der Maßnahmen soll zudem regelmäßig überprüft werden.
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Bevor die Regeln in Kraft treten, müssen die Mitgliedstaaten und die Abgeordneten des EU-Parlaments noch formell zustimmen. Dieser Schritt gilt jedoch als Formsache.
Belastung für Europas Stahlindustrie
Der Handlungsdruck in der Branche ist hoch. Nach Angaben der EU-Staaten arbeiten europäische Stahlproduzenten derzeit nur mit 65% ihrer Kapazität. Mit den neuen Regeln soll die Auslastung auf 80% steigen. Zusätzlich zu steigenden Importen belasten auch die von den USA verhängten 50-%-Zölle die Branche.
Hinzu kommen hohe Energiepreise und die teure Umstellung der energieintensiven Stahlproduktion auf grüne Energie. Hersteller wie die Stahlsparte von Thyssenkrupp oder ArcelorMittal stehen laut Bericht deshalb unter Druck, viele Werke sind nicht ausgelastet. Die Europäische Kommission verweist zudem darauf, dass der EU-Stahlsektor seit 2008 rund 100.000 Arbeitsplätze verloren hat. Ohne weitergehende Beschränkungen würde die Produktion weiter sinken.
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Auch die Dimension des globalen Wettbewerbs wird im Bericht deutlich. Zahlen des Weltstahlverbands zufolge produzierte China im vergangenen Jahr rund 961 Millionen Tonnen Stahl und damit mehr als die Hälfte der weltweiten Menge. Die deutsche Industrie kam im Vergleich dazu auf rund 34 Millionen Tonnen.