Die Logistikstrategie vieler Unternehmen steht vor einem Wendepunkt, statt weniger großer Zentren entstehen mehr regionale, kleinere Standorte. Mit dem Auslaufen von SAP Warehouse Management und LE-TRA rücken daher Lösungen für dezentrale Netzwerke in den Fokus.
Oliver BürgerOliverBürgerSenior Director Logistics Execution & Procurement, All for One
Statt große Zentren zu betreiben, setzen viele Unternehmen in der Logistik auf Regionalität mit kleineren Einheiten. Das erfordert ein Umdenken in der IT.Anusa - stock.adobe.com
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Summary:
SAP WM und SAP LE-TRA laufen bis spätestens 2033 aus, SAP LE-TRA im Standard bis Ende 2027. Unternehmen müssen ihre Lager- und Transportprozesse neu bewerten, weil Logistiknetzwerke stärker regional und dezentral organisiert werden. SAP LGM ergänzt SAP EWM und adressiert kleinere sowie mittlere Standorte mit standardisierten, skalierbaren Prozessen.
Das Ende von SAP WM und SAP LE-TRA markiert für viele Unternehmen
einen Wendepunkt in der Logistikstrategie. SAP WM läuft je nach Einsatzszenario
bereits ab 2026 aus und endet spätestens 2033. SAP LE-TRA wird bis Ende 2027 im
Standard unterstützt und läuft mit verlängerter Wartung ebenfalls bis
spätestens 2033 aus. Zwar lassen sich bestehende Systeme oft noch betreiben,
verlieren jedoch an Zukunftsfähigkeit. Updates entfallen, Unternehmen können
regulatorische Anforderungen schwerer umsetzen und neue Technologien lassen
sich nur mit höherem Aufwand integrieren. Parallel dazu entwickeln sich
Lieferketten weiter. Viele Unternehmen setzen nicht mehr ausschließlich auf
zentrale Distributionszentren, sondern bauen ihre Netzwerke über zusätzliche
regionale und kleinere Standorte aus.
Damit verändern sich auch die Anforderungen an
Logistiksysteme. IT-Lösungen, die für große und komplexe Lager ausgelegt sind,
passen nicht automatisch zu dezentralen Strukturen mit vielen Standorten. Hinzu
kommt die operative Realität: Informationen zu Verzögerungen oder Abweichungen
liegen häufig zuerst bei Transportdienstleistern vor, erreichen die übergeordneten
Lager- und Transportmanagementsysteme jedoch zu spät. Das führt zu mehr manuellen Abstimmungen und
schränkt die Planbarkeit ein. Auch die Personalsituation spielt eine Rolle. Häufig
wechselnde Teams und kurze Einarbeitungszeiten erfordern Anwendungen, die
einfach zu bedienen sind und Prozesse klar führen.
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Es reicht daher nicht aus, bestehende Systeme lediglich zu ersetzen.
Unternehmen müssen ihre Logistik als vernetztes Gesamtsystem betrachten und für
verschiedene Standorttypen passende Lösungen finden.
Unterschiedliche Anforderungen im Logistiknetzwerk
Mit wachsender Komplexität logistischer Netzwerke stößt ein
einheitlicher, für alle Standorte gleicher Lösungsansatz an seine Grenzen.
Große Distributionszentren haben andere Rahmenbedingungen als regionale Lager,
Depots oder Service-Standorte.
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Zentrale Lager investieren in Prozesstiefe und Automatisierung, um
hohen Durchsatz zu bewältigen. Kleinere Standorte hingegen brauchen Lösungen,
die sich schnell ausrollen lassen, Abläufe vereinheitlichen und Nutzer
benutzerfreundlich durch die Prozesse führen. In vielen Projekten zeigt sich, dass gerade neu
eröffnete oder kleinere Standorte mit den Logiken klassischer Warehouse-Systeme
überfordert sind.
Setzen
Unternehmen für alle Standorte dieselbe Lösung ein, stimmt das Verhältnis von
Aufwand und Nutzen oft nicht mehr. Besonders bei vielen kleineren
Standorten kann eine zu komplexe Systemlogik Projekte verlängern, den Schulungsaufwand
erhöhen und die Skalierbarkeit einschränken. Deshalb
setzen sich zunehmend Ansätze durch, die sich an den Anforderungen der jeweiligen
Standorte orientieren und Funktionalität, Geschwindigkeit und
Wirtschaftlichkeit besser ausbalancieren. Genau hier zeigt sich der Vorteil des
breit gefächerten SAP-Portfolios.
SAP LGM und SAP EWM im Zusammenspiel
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Mit SAP Logistics Management (LGM), das Anfang 2026
eingeführt wurde, erweitert SAP das Portfolio um eine Lösung, die speziell auf
verteilte Logistiknetzwerke ausgerichtet ist. Sie
richtet sich an Standorte, bei denen standardisierte Prozesse, schnelle
Implementierung und gute Skalierbarkeit im Vordergrund stehen. Dabei handelt es
sich nicht um eine vereinfachte Variante von SAP Extended Warehouse Management
(EWM), sondern um einen eigenständigen Ansatz.
SAP EWM bleibt die geeignete Lösung für komplexe,
automatisierte Lager mit hoher Prozesstiefe. SAP LGM hingegen unterstützt die Steuerung von
Lager- und Transportprozessen in kleineren und mittleren Standorten, sodass
Unternehmen diese effizient und mit überschaubarem Aufwand betreiben können.
Der zentrale Unterschied zeigt sich insbesondere in der
Skalierungslogik. SAP EWM zielt auf vertikale Skalierung ab, also die maximale Prozessoptimierung
innerhalb eines einzelnen, komplexen Lagers. SAP LGM hingegen unterstützt die horizontale
Skalierung über viele Standorte hinweg und erleichtert die Einführung
standardisierter Abläufe im gesamten Netzwerk.
In der Praxis wird daraus perspektivisch ein hybrides Modell entstehen.
So könnten zukünftig zentrale Distributionszentren mit SAP EWM betrieben werden,
während kleinere oder neu entstehende Standorte auf SAP LGM setzen. Beide
Lösungen würden dabei ineinandergreifen und gemeinsam eine Architektur bilden,
die verschiedene Anforderungen innerhalb eines Netzwerks gezielt abdecken.
Eine zentrale Stärke von SAP LGM ist die enge Verzahnung
von Lager- und Transportprozessen. Viele Unternehmen steuern diese Bereiche
getrennt voneinander, obwohl sie operativ eng miteinander verbunden sind. Informationen aus dem Transport fließen häufig
zeitverzögert in die Planung ein, was den Abstimmungsaufwand erhöht.
SAP LGM bindet Transportdienstleister stärker in die
operative Steuerung ein. Rückmeldungen zu Transportereignissen fließen in
Echtzeit in die Prozesse ein und ermöglichen es, die Planung kontinuierlich
anzupassen. Mit SAP LGM vergeben Unternehmen Transportaufträge digital und
verarbeiten Rückmeldungen von Transportdienstleistern direkt (bidirektionales
Tendering). Zudem vereinfacht LGM die Fahrzeugabfertigung am Hof
(Yard-Prozesse). Gleichzeitig erstellt das System Dokumente automatisch – und
reduziert so manuelle Abstimmungen.
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Ein weiterer Aspekt ist die Bedienbarkeit. In Umgebungen mit hoher
Personalfluktuation sind klare und geführte Prozesse entscheidend. SAP LGM
setzt hier auf rollenbasierte Oberflächen und eine intuitive Nutzerführung, die
eine schnelle Einarbeitung unterstützt und den Schulungsaufwand reduziert.
Transformation als strategische Aufgabe
Die Auswahl der passenden Logistiklösung hängt stark von
der Rolle einzelner Standorte im Netzwerk ab. Viele Unternehmen verfügen über
gewachsene Strukturen mit variierenden Anforderungen und Systemlandschaften. Unternehmen
können Entscheidungen daher nicht isoliert treffen, sondern müssen sie im
Kontext des gesamten Netzwerks bewerten. Dabei werden Prozesskomplexität,
Automatisierungsgrad, Durchsatz und zukünftige Wachstumspläne betrachtet. Auf dieser Grundlage können Unternehmen
ableiten, welche Lösung zu welchem Standort passt.
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In der Umsetzung entsteht häufig eine gestufte Strategie. Komplexe
Standorte werden gezielt weiterentwickelt, während kleinere Standorte parallel
standardisiert und schneller modernisiert werden. So setzen Unternehmen Transformationen
effizienter um und reduzieren Risiken.
Transparenz als Grundlage für fundierte Entscheidungen
Die entscheidende Frage ist daher, wie Unternehmen zu belastbaren Entscheidungen
kommen. Die Auswahl der passenden
SAP-Logistiklösung ist komplex und sollte nicht ausschließlich auf internen
Einschätzungen basieren. Eine neutrale, externe Perspektive hilft,
Standortprofile objektiv zu bewerten und unterschiedliche Handlungsoptionen
systematisch zu vergleichen.
In der Praxis hat sich deshalb ein strukturierter
Discovery-Ansatz bewährt. Dieser schafft Transparenz und reduziert Fehlentscheidungen bei der
Auswahl der passenden Lösung – insbesondere in heterogenen Netzwerken. Er beginnt mit einer unabhängigen Analyse
des Status quo, bei der Unternehmen Prozesse, Systemlandschaften und
Anforderungen systematisch erfassen und einordnen. Ziel ist es, ein transparentes
Verständnis der bestehenden Logistik sowie des SAP-Portfolios zu schaffen.
Darauf aufbauend lässt sich eine belastbare
Entscheidungsgrundlage entwickeln, die für jeden Standort den passenden
Lösungsansatz definiert und gleichzeitig die strategische Ausrichtung des
gesamten Netzwerks berücksichtigt. Die Ergebnisse werden strukturiert dokumentiert
und bilden die Basis für die weitere Transformation.
Oliver Bürger ist Senior Director Logistics Execution & Procurement bei der All for One Group. Er berät mittelständische Unternehmen bei der Transformation ihrer Logistik- und Supply-Chain-Prozesse und verfügt über langjährige Erfahrung in der Einführung und Weiterentwicklung SAP-basierter Logistiklösungen.All for One
Logistik differenziert weiterentwickeln
Viele Unternehmen müssen bestehende SAP-Logistiklösungen ablösen. Dies
ist die Chance, die eigene Logistikstrategie gezielt zu überprüfen.
Unterschiedliche Standorttypen erfordern passgenaue Lösungsansätze.
SAP EWM bleibt die richtige Wahl für komplexe und
automatisierte Lager. SAP LGM ergänzt dieses Spektrum für Standorte, bei denen
Standardisierung, schnelle Einführung und Skalierbarkeit im Vordergrund stehen.
In Kombination
entsteht so eine Architektur, die die Anforderungen moderner Logistiknetzwerke
besser erfüllt.
Entscheidend ist dabei die Perspektive auf das Gesamtbild. Wer seine
Standorte differenziert bewertet und Lösungen entsprechend zuordnet, schafft
Transparenz im Netzwerk und reduziert so die Komplexität im Betrieb. Daran
zeigt sich, wie gut Unternehmen ihre Logistik künftig steuern können.
FAQ - SAP-Logistikstrategie
Was bedeutet die SAP-Logistikstrategie für Unternehmen?
Sie beschreibt, wie Unternehmen ihre Lager- und Transportprozesse nach dem Auslaufen von SAP WM und SAP LE-TRA neu ausrichten.
Warum wird die SAP-Logistikstrategie jetzt wichtiger?
SAP WM und SAP LE-TRA laufen aus, während Logistiknetzwerke stärker dezentral und regional organisiert werden.
Welche Rolle spielt SAP LGM in der SAP-Logistikstrategie?
SAP LGM unterstützt kleinere und mittlere Standorte mit standardisierten, skalierbaren Lager- und Transportprozessen.
Wie ergänzt SAP EWM die SAP-Logistikstrategie?
SAP EWM bleibt die passende Lösung für komplexe, automatisierte Lager mit hoher Prozesstiefe.
Warum braucht die SAP-Logistikstrategie unterschiedliche Lösungen?
Große Distributionszentren, regionale Lager und Depots haben unterschiedliche Anforderungen an Prozesse, Automatisierung und Skalierbarkeit.