Digitaler Produktpass

Digitaler Produktpass: Warum Transparenz jetzt zum Vorteil wird

Der Digitale Produktpass erhöht die Anforderungen an transparente Lieferketten. Mit EPCIS 2.0 können Unternehmen regulatorische Vorgaben erfüllen und Daten zugleich für fundierte Entscheidungen nutzen.

DigitalerProduktpass
EPCIS (Electronic Product Code Information Services) ist ein internationaler GS1 Standard zur lückenlosen Rückverfolgung von Waren, zur Transparenz in Lieferketten und zum Austausch von Prozessereignisdaten.

Summary: Unternehmen stehen durch neue regulatorische Vorgaben vor steigenden Anforderungen an die Transparenz ihrer Lieferketten. Wie aus der Mitteilung hervorgeht, schafft der GS1-Standard EPCIS die Grundlage für maschinenlesbare und auditfähige Nachweise. Gleichzeitig lassen sich Lieferanten, Prozesse und Nachhaltigkeitskennzahlen besser vergleichen und bewerten.

Für Einkaufs- und Technikverantwortliche bedeutet die vielen neuen Regelwerke vor allem eines: mehr Daten, mehr Prüfungen, mehr Verantwortung. „Viele Unternehmen starten mit Transparenz, weil sie müssen – nicht, weil sie wollen“, berichtet Thomas Hirsch, Geschäftsführer der Benelog GmbH & Co. KG, einem führenden Anbieter von Rückverfolgbarkeits- und Supply-Chain-Management-Lösungen. „Die eigentliche Frage ist aber: Was mache ich mit den Daten, wenn ich sie einmal habe?“ Genau hier unterscheidet sich die Pflicht von der Kür.

Die regulatorischen Anforderungen gehen längst über klassische Lieferantenerklärungen oder PDF-Dokumente hinaus. Gefordert sind überprüfbare, maschinenlesbare Nachweise entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt. Schätzungen oder aggregierte Berichte reichen nicht mehr aus. Technisch bedeutet das: Transparenz muss ereignisbasiert funktionieren. Jeder relevante Schritt – Produktion, Transport, Lagerung – wird als Ereignis erfasst und eindeutig beschrieben: Was ist passiert? Wann? Wo? Und durch wen? Nur so lassen sich Lieferketten konsistent abbilden und bei Audits belastbar nachweisen.

EPCIS: gemeinsame Sprache statt IT-Großprojekt

Fünf Tipps für Einkaufsverantwortliche

1. Transparenz als Einkaufsprojekt denken – nicht als IT-Thema
Die entscheidenden Fragen kommen aus dem Einkauf: Welche Informationen brauche ich für Entscheidungen? Die IT ist Enabler, nicht Treiber.

2. Mit regulatorischen Pflichtdaten starten
Beginnen Sie dort, wo der Druck am größten ist – etwa bei Herkunftsnachweisen oder Entwaldungsdaten. Daraus entwickeln sich oft schnell weitere Nutzenpotenziale.

3. Lieferanten schrittweise einbinden
Verlangen Sie keine Vollumstellung. Wichtig ist, dass Daten strukturiert bereitgestellt werden – nicht, welches System genutzt wird.

4. Daten aktiv vergleichen, nicht nur sammeln
Transparenz entfaltet ihren Wert erst, wenn sie in Ausschreibungen, Lieferantengesprächen und Make-or-Buy-Entscheidungen einfließt.

5. Nachhaltigkeit und Kosten gemeinsam betrachten
Ereignisbasierte Daten ermöglichen erstmals, ökologische und wirtschaftliche Effekte zusammen zu bewerten – eine zentrale Aufgabe für den technischen Einkauf.

Genau an diesem Punkt setzt der GS1-Standard EPCIS (Electronic Product Code Information Services) an. Statt einzelne Systeme zu ersetzen, schafft EPCIS eine gemeinsame Sprache für Lieferkettenereignisse. Unterschiedliche Unternehmen können Informationen austauschen, ohne ihre IT-Landschaft komplett umbauen zu müssen. „EPCIS zwingt niemanden in ein zentrales System“, erklärt Thomas Hirsch. „Aber es sorgt dafür, dass alle dasselbe meinen, wenn sie über ein Ereignis sprechen.“

Damit wird Transparenz technisch beherrschbar – und auditfähig. Für den Einkauf bedeutet das beispielsweise: weniger Abstimmungsaufwand im Ernstfall und belastbare Daten gegenüber Behörden, Kunden und Auditoren.

Mit EPCIS 2.0 verschiebt sich der Fokus von der reinen Dokumentation zur aktiven Nutzung von Daten. Ereignisse lassen sich um zusätzliche Messwerte ergänzen – etwa zu CO₂-Emissionen, Energieverbrauch, Temperatur oder Qualität. Dadurch eröffnen sich neue Möglichkeiten: Lieferanten lassen sich nicht nur preislich, sondern auch prozessual und ökologisch vergleichen. Transportwege können hinsichtlich Kosten und Emissionen bewertet, Alternativen faktenbasiert diskutiert werden. „In Gesprächen wird uns immer wieder bestätigt, welch großen Vorteil es darstellt, wenn beispielsweise im Einkauf endlich beleget werden kann, warum ein Lieferant nicht nur günstiger, sondern insgesamt besser ist.“ berichtet Thomas Hirsch.

Praxisnah: Transparenz nutzen, ohne Lieferanten zu überfordern

Ein zentrales Thema ist die Realität in Lieferketten: Nicht jeder Partner ist technisch gleich weit. Während größere Unternehmen bereits moderne Standards einsetzen, arbeiten viele Zulieferer weiterhin mit älteren Systemen. Moderne Transparenzlösungen – etwa OpenEPCIS von benelog – können Ereignisdaten unterschiedlicher EPCIS-Versionen parallel verarbeiten und automatisch übersetzen. So kann intern bereits mit erweiterten Daten gearbeitet werden, ohne Lieferanten zu einem sofortigen Systemwechsel zu zwingen. Das reduziert Reibung und erhöht die Akzeptanz in der Lieferkette.

Ein oft übersehener Vorteil moderner Transparenzansätze liegt in der semantischen Beschreibung von Daten. Werte sind nicht mehr interpretationsbedürftig, sondern eindeutig definiert. Das bedeutet: Angebote, Kennzahlen und Nachhaltigkeitsdaten lassen sich systematisch vergleichen – ohne manuelle Nacharbeit. Gerade bei Lieferantengesprächen schafft das eine neue Qualität. Diskussionen basieren nicht mehr auf Annahmen, sondern auf gemeinsamen Fakten.

Transparenz in Lieferketten ist regulatorisch verpflichtend. Es bedeutet zwar zusätzlichen Aufwand – aber auch eine große Chance. EPCIS 2.0 liefert die technische Grundlage, um diese Pflicht effizient zu erfüllen. Unternehmen, die Transparenz bewusst aufsetzen, machen mehr daraus: Sie gewinnen bessere Vergleichbarkeit, fundiertere Entscheidungen und stärkere Argumente gegenüber Lieferanten, Management und Kunden. Damit wird Transparenz vom regulatorischen Muss zum strategischen Hebel im technischen Einkauf.

FAQ Digitaler Produktpass

Welche Rolle spielt der Digitale Produktpass?

Er erhöht die Anforderungen an transparente und nachvollziehbare Lieferketten sowie an maschinenlesbare Nachweise.

Wie unterstützt EPCIS den Digitalen Produktpass?

EPCIS stellt einen GS1-Standard bereit, der Lieferkettenereignisse einheitlich beschreibt und den Datenaustausch erleichtert.

Welche Vorteile bietet EPCIS 2.0 für den Digitalen Produktpass?

Zusätzliche Informationen wie CO₂-Emissionen, Energieverbrauch oder Qualitätsdaten können in Ereignisdaten integriert werden.

Warum ist der Digitale Produktpass für den Einkauf relevant?

Belastbare Daten erleichtern den Vergleich von Lieferanten sowie die Kommunikation mit Behörden, Kunden und Auditoren.

Wie können Unternehmen den Digitalen Produktpass umsetzen, wenn Lieferanten unterschiedliche Systeme nutzen?

Moderne Transparenzlösungen können verschiedene EPCIS-Versionen parallel verarbeiten und automatisch übersetzen.