Großinsolvenzen: Jede dritte kommt aus Deutschland
Großinsolvenzen bleiben in Deutschland auf Rekordniveau. Im ersten Halbjahr 2026 zählt Allianz Trade 33 Fälle. Autoindustrie und Maschinenbau gehören zu den besonders betroffenen Branchen.
Einer der bekanntesten Insolvenzen der letzten Jahre war Allgeier Automotive aus dem schwäbischen Uhingen.
Allgeier Gruppe
Allianz Trade registrierte im ersten Halbjahr 2026 in Deutschland 33 Großinsolvenzen bei Unternehmen mit mehr als 50 Mio. EUR Jahresumsatz – 10 % mehr als im Vorjahreszeitraum.
Mit sieben Fällen führt die Automobilbranche das deutsche Branchenranking an, der Maschinenbau verzeichnet vier Großinsolvenzen.
In den vergangenen vier Quartalen entfielen 97 von 325 westeuropäischen Großinsolvenzen auf Deutschland – rund 30 %
Weltweit stieg die Zahl der Großinsolvenzen im ersten Halbjahr um 13 % auf 247 Fälle. Mehr als 60 % davon entfielen auf Westeuropa.
Warum bleiben Großinsolvenzen auf hohem Niveau?
Die Zahl der Großinsolvenzen in Deutschland steigt weiter. Im ersten Halbjahr 2026 registrierte Allianz Trade 33 Unternehmensinsolvenzen bei Firmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Mio. EUR. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Plus von 10 %, wie der Kreditversicherer mitteilt.
Damit setzt sich die Entwicklung nach dem Rekordjahr 2025 fort. Im vergangenen Jahr hatte Allianz Trade insgesamt 94 Großinsolvenzen in Deutschland erfasst. 2024 waren es 87 Fälle gewesen, was einem Anstieg um 8 % entsprach. Der Wert von 2025 war der höchste seit Beginn der Auswertung von Großinsolvenzen im Jahr 2015.
„Es gibt auch 2026 keine Verschnaufpause bei den Großinsolvenzen“, sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Der Negativtrend aus dem Vorjahr verfestigt sich. Das ist ein Warnsignal für die deutsche Wirtschaft. Es zeigt, dass der Anpassungsdruck in vielen Branchen weiterhin enorm ist. Großunternehmen stehen häufig im Zentrum komplexer Wertschöpfungsketten. Fällt ein Marktteilnehmer dieser Größenordnung aus, geraten oftmals auch Zulieferer, Dienstleister und andere Geschäftspartner unter Druck.“
Autoindustrie führt das Branchenranking an
Besonders betroffen war im ersten Halbjahr 2026 die Automobilbranche. Sie kam auf sieben Großinsolvenzen und führte damit das Branchenranking an. Es folgten der Einzelhandel mit fünf Fällen sowie Maschinenbau und Dienstleistungen mit jeweils vier Fällen.
Damit geraten laut Mitteilung zunehmend auch klassische industrielle Kernbranchen unter Druck.
Der Blick auf die Quartale zeigt dabei eine unterschiedliche Entwicklung. Im ersten Quartal 2026 registrierte Allianz Trade drei Großinsolvenzen im Maschinenbau, im zweiten Quartal kam eine weitere hinzu. In der Automobilbranche waren es jeweils zwei Fälle im ersten und fünf im zweiten Quartal.
Welche Schäden verursachen die Großinsolvenzen?
Mit der steigenden Zahl der Fälle erhöhten sich auch die wirtschaftlichen Schäden. Der kumulierte Jahresumsatz der insolventen Großunternehmen nahm im ersten Halbjahr 2026 um 3 % auf rund 4,5 Mrd. EUR zu.
Der durchschnittliche Umsatz der betroffenen Großunternehmen ging dagegen um knapp 7 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück und lag bei rund 137 Mio. EUR. Damit waren zuletzt etwas kleinere Unternehmen betroffen. Wegen der weiterhin hohen Fallzahlen bleibt das Risiko für Lieferanten und Kreditgeber laut Allianz Trade jedoch erheblich.
Besondere Bedeutung haben dabei mögliche Auswirkungen entlang der Wertschöpfungsketten. Großunternehmen sind häufig mit zahlreichen Zulieferern, Dienstleistern und weiteren Geschäftspartnern verbunden. Unternehmensausfälle können damit zusätzlichen Druck entlang komplexer Lieferketten erzeugen.
Deutschland stellt rund 30 % der Fälle in Westeuropa
Im europäischen Vergleich fällt die Entwicklung in Deutschland besonders deutlich aus. In den vergangenen vier Quartalen registrierte Allianz Trade weltweit 504 Großinsolvenzen. Davon entfielen 325 Fälle auf Westeuropa.
Deutschland kam in diesem Zeitraum auf 97 große Insolvenzen und damit auf rund 30 % aller westeuropäischen Fälle. Dahinter folgten Frankreich mit 69, Italien mit 62 und Großbritannien mit 45 Großinsolvenzen.
„Jede dritte Insolvenz in Westeuropa in den vergangenen zwölf Monaten kommt aus Deutschland“, sagt Bogaerts. „Wir erwarten auch im weiteren Jahresverlauf keine nachhaltige Entspannung. Die Zahl der Großinsolvenzen dürfte 2026 auf einem erhöhten Niveau bleiben. Besonders Branchen mit hohen Investitions- und Energiekosten sowie Unternehmen mit geringer Preissetzungsmacht bleiben anfällig für finanzielle Schieflagen."
Wie entwickeln sich Großinsolvenzen weltweit?
Der Anstieg beschränkt sich nicht auf Deutschland. Weltweit registrierte Allianz Trade im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 247 Großinsolvenzen. Das waren 13 % mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Die meisten Fälle entfielen auf den Einzelhandel mit 59 Großinsolvenzen. Dahinter folgten der Dienstleistungssektor mit 38 Fällen und das Baugewerbe mit 33 Fällen. Diese Branchen lagen laut Allianz Trade auch gegenüber ihren langfristigen Durchschnittswerten deutlich über dem historischen Niveau.
Westeuropa nimmt bei der weltweiten Entwicklung eine besondere Stellung ein. Mehr als 60 % aller im ersten Halbjahr 2026 erfassten Großinsolvenzen entfielen auf die Region.
„Die Zahl der Großinsolvenzen steigt in vielen Regionen der Welt. Westeuropa bleibt jedoch besonders betroffen und steht für mehr als 60 Prozent aller weltweit erfassten Fälle“, sagt Maxime Lemerle, Leiter der Insolvenzforschung bei Allianz Trade. „Das zeigt: Die wirtschaftliche Erholung vieler europäischer Industriebranchen bleibt fragil. Besonders Unternehmen in energieintensiven und kapitalintensiven Bereichen stehen weiterhin unter erheblichem Druck. Dadurch steigt die Anfälligkeit für größere Unternehmensausfälle."
Neben Einzelhandel, Dienstleistungen und Bauwirtschaft geraten nach Angaben von Allianz Trade zunehmend wichtige europäische Industriebranchen unter Druck. Dazu zählen Chemie, Automobil und Maschinenbau. Gemessen an ihren historischen Durchschnittswerten weisen sie überdurchschnittlich viele Großinsolvenzen auf.
Insolvente Unternehmen in der jüngsten Vergangenheit sind beispielsweise: Recaro Automotive, BBS Leichtmetallräder, Borgers, die WKW-Gruppe, Allgeier Werke, Eisenwerk Hasenclever & Sohn, Dr. Schneider Unternehmensgruppe, Veritas, MAG IAS-Maschinenbau, Schlemmer Gruppe. Wobei nicht jede Insolvenz dazu geführt hat, dass der Name verschwindet.
Was Sie zum Thema Großinsolvenzen wissen müssen
Wie viele Großinsolvenzen gab es in Deutschland im ersten Halbjahr 2026? – Allianz Trade registrierte 33 Fälle bei Unternehmen mit mehr als 50 Mio. EUR Jahresumsatz. Das waren 10 % mehr als im Vorjahreszeitraum.
Welche Branche verzeichnet die meisten Großinsolvenzen in Deutschland? – Die Automobilbranche lag mit sieben Fällen an der Spitze. Einzelhandel folgte mit fünf, Maschinenbau und Dienstleistungen mit jeweils vier Fällen.
Wie hoch ist Deutschlands Anteil an den Großinsolvenzen in Westeuropa? – In den vergangenen vier Quartalen entfielen 97 von 325 westeuropäischen Großinsolvenzen auf Deutschland. Das entspricht rund 30 %.
Welche Risiken entstehen durch Großinsolvenzen für die Industrie? – Laut Allianz Trade können Ausfälle großer Unternehmen Zulieferer, Dienstleister und weitere Geschäftspartner entlang komplexer Wertschöpfungsketten unter Druck setzen.
Wie entwickeln sich Großinsolvenzen weltweit? – Allianz Trade registrierte im ersten Halbjahr 2026 weltweit 247 Großinsolvenzen und damit 13 % mehr als im Vorjahreszeitraum.