Automatisierung

Wie ein Cobot den Engpass in der Elektronikfertigung auflöst

Ein Cobot von Delta Electronics automatisiert bei einem bayerischen Elektronikfertigungsdienstleister einen kritischen Bestückungsschritt. Die Teilautomatisierung wurde für rund 50.000 EUR in wenigen Tagen umgesetzt.

Pick and Place Roboter im Einsatz.
Gezielte Teilautomatisierung kann kritische Engpässe entschärfen und die Planbarkeit verbessern.

  • Ein Elektronikfertigungsdienstleister aus Bayern hatte bei wiederkehrenden Sonderserien einen Engpass in der Leiterplattenbestückung.

  • Ein Cobot vom Typ Delta D-Bot übernimmt die Bestückung mit insgesamt 68 Hochleistungskondensatoren.

  • Die Teilautomatisierung wurde gemeinsam mit Delta Electronics innerhalb weniger Tage für rund 50.000 EUR umgesetzt.

  • Zusätzliche Ablageplätze entkoppeln Materialfluss und Bestückung und verbessern so die Planbarkeit des Prozesses.

Automatisierte Fertigungslinien gelten als Garant für Effizienz. In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Nicht die stabil laufenden Prozesse entscheiden über die Wirtschaftlichkeit, sondern die Abweichungen davon. Genau dort, wo Varianten zunehmen, Losgrößen schwanken oder Bauteile nicht in bestehende Abläufe passen, geraten selbst hochoptimierte Linien unter Druck.

Für Einkaufsverantwortliche und Produktionsplaner entsteht damit ein Spannungsfeld. Klassische Automatisierung rechnet sich vor allem unter stabilen Bedingungen. Sobald diese nicht mehr gegeben sind, verschiebt sich die Bewertung: Prozesse lassen sich nicht mehr durchgängig standardisieren, Eingriffe werden notwendig, und die Planbarkeit sinkt. Die entscheidende Frage ist daher nicht, wie hoch der Automatisierungsgrad ist, sondern wie robust ein System mit Abweichungen umgehen kann.

Ein einzelner Prozessschritt als systemischer Engpass

Ein Elektronikfertigungsdienstleister aus Bayern sah sich genau mit dieser Situation konfrontiert. Während die Serienfertigung weitgehend stabil und automatisiert lief, führten wiederkehrende Sonderserien zu zunehmenden Störungen im Ablauf. Im Zentrum stand die Bestückung von Leiterplatten mit großvolumigen Hochleistungskondensatoren, deren Geometrie eine Verarbeitung über klassische SMT-Automaten ausschloss.

Die Bauteile wurden manuell aus Styropor-Trays entnommen und einzeln eingesetzt. Was auf den ersten Blick wie ein isolierter Arbeitsschritt erschien, entwickelte sich im Betrieb zu einem strukturellen Engpass. Der Prozess ließ sich weder sinnvoll skalieren noch in den bestehenden Materialfluss integrieren und entzog sich damit der Logik der ansonsten durchgetakteten Linie.

Zwischen Standardisierung und Realität: wo Linien instabil werden

In der Theorie sind automatisierte Linien auf Wiederholgenauigkeit ausgelegt. In der Praxis geraten sie genau dort unter Druck, wo diese Voraussetzung nicht mehr gegeben ist: bei schwankenden Losgrößen, variantenreichen Baugruppen oder nicht standardisierbaren Bauteilen.

Im vorliegenden Fall war es nicht die Komplexität der Baugruppe, die zur Herausforderung wurde, sondern ein einzelner Prozessschritt, der sich der Logik der Linie entzog. Die manuelle Bestückung ließ sich weder stabil einplanen noch flexibel in den Ablauf integrieren. Damit entstand ein Engpass, der unabhängig von der Leistungsfähigkeit der übrigen Fertigung wirkte.

Die Auswirkungen zeigten sich auf Systemebene: Sobald Sonderserien eingeplant wurden, verschoben sich Abläufe im gesamten Produktionsumfeld. Mitarbeitende mussten aus laufenden Prozessen abgezogen werden, Taktzeiten gerieten ins Wanken, und die Planbarkeit nahm spürbar ab. Was ursprünglich als margenstarker Zusatzauftrag gedacht war, entwickelte sich zunehmend zum Unsicherheitsfaktor im Gesamtsystem.

Ein kollaborativer Roboter übernahm einen bislang manuellen Bestückungsschritt und stabilisierte den Prozess.
Ein kollaborativer Roboter übernahm einen bislang manuellen Bestückungsschritt und stabilisierte den Prozess.

Genau hier wird eine Schwachstelle klassischer Automatisierungsstrategien sichtbar: Sie optimieren stabile Prozesse – nicht jedoch die Abweichungen davon. In der Realität entscheiden jedoch gerade diese Ausnahmen darüber, ob eine Fertigung wirtschaftlich betrieben werden kann.

Die vollständige Automatisierung des betroffenen Prozessschritts erwies sich dabei als wirtschaftlich nicht tragfähig. Zu gering waren die Stückzahlen, zu hoch die Varianz und zu aufwendig die Integration. Gleichzeitig zeigte sich, dass ein Festhalten am manuellen Prozess die Instabilität weiter verstärken würde.

Kollaborative Robotik als gezielter Eingriff

Die Lösung bestand daher nicht in einer umfassenden Neugestaltung der Linie, sondern in einem gezielten Eingriff an der richtigen Stelle. Gemeinsam mit Delta Electronics wurde eine Teilautomatisierung auf Basis eines kollaborativen Roboters umgesetzt.

Der eingesetzte Delta D-Bot übernahm die Bestückung der Leiterplatte mit insgesamt 68 Kondensatoren. Entscheidend war dabei weniger die Automatisierungsleistung im engeren Sinne als die veränderte Struktur des Prozesses: Der zuvor manuelle, schwer planbare Arbeitsschritt wurde in einen reproduzierbaren Ablauf überführt, ohne die Flexibilität für unterschiedliche Varianten einzuschränken.

Damit verschob sich der Charakter des Prozesses grundlegend. Aus einem Störfaktor im Linienbetrieb wurde ein klar definierter, stabil integrierter Prozessbaustein. Die Fertigung gewann an Vorhersagbarkeit, ohne dass tiefgreifende Änderungen an der Gesamtstruktur notwendig waren.

Prozessentkopplung als Hebel für Stabilität

Nach einem erfolgreichen Testbetrieb wurde die Lösung weiterentwickelt. Zusätzliche Ablageplätze für Bauteile und Leiterplatten ermöglichten es, den Materialfluss vom eigentlichen Bestückungsprozess zu entkoppeln.

Diese Anpassung hatte weitreichende Auswirkungen: Der Roboter konnte kontinuierlich arbeiten, unabhängig vom manuellen Materialhandling. Stillstände durch Übergaben entfielen, und der Prozess wurde von äußeren Einflüssen weitgehend isoliert.

Entscheidend war dabei nicht die reine Taktzeitverbesserung, sondern die gewonnene Stabilität im Gesamtsystem. Der Prozess ließ sich nun deutlich zuverlässiger planen und in den Produktionsablauf integrieren – ein zentraler Faktor für die Wirtschaftlichkeit in variantenreichen Fertigungsumgebungen.

Wirtschaftlichkeit durch gezielte Eingriffe

Neben der technischen Umsetzung spielte die wirtschaftliche Betrachtung eine zentrale Rolle. Die Lösung wurde innerhalb weniger Tage implementiert und lag mit rund 50.000 Euro in einem Investitionsrahmen, der auch für spezifische Einzelanwendungen darstellbar ist.

Damit zeigt sich eine Verschiebung im Verständnis von Automatisierung: Nicht zwingend großangelegte Investitionen entscheiden über Effizienzgewinne, sondern gezielte Eingriffe in systemkritische Prozessschritte. Gerade dort, wo klassische Automatisierung an ihre Grenzen stößt, lassen sich mit überschaubarem Aufwand erhebliche Effekte erzielen.

Effizienz entsteht im Umgang mit Ausnahmen

Der Praxisfall verdeutlicht, dass die Leistungsfähigkeit moderner Fertigungssysteme weniger von der Automatisierungstiefe abhängt als vom Umgang mit Abweichungen im Prozess.

Nicht die durchgängig automatisierte Linie war hier der limitierende Faktor, sondern ein einzelner Prozessschritt außerhalb dieser Logik. Erst durch dessen gezielte Entkopplung und Stabilisierung konnte die Gesamtperformance der Fertigung verbessert werden.

Teilautomatisierung erweist sich damit nicht als Kompromiss, sondern als strategisches Werkzeug: Sie ermöglicht es, genau dort einzugreifen, wo Standardisierung an ihre Grenzen stößt – und schafft so die Voraussetzung für stabile und gleichzeitig flexible Produktionssysteme.

Was Sie über Cobots wissen müssen

  • Welchen Engpass löst der Cobot in der Elektronikfertigung? – Der Cobot automatisiert die zuvor manuelle Bestückung von Leiterplatten mit großvolumigen Hochleistungskondensatoren.

  • Welche Aufgabe übernimmt der Cobot von Delta Electronics? – Der Delta D-Bot bestückt eine Leiterplatte mit insgesamt 68 Kondensatoren.

  • Was kostet der Cobot für diese Anwendung? – Die gesamte Lösung wurde für rund 50.000 EUR umgesetzt.

  • Wie schnell wurde die Cobot-Lösung implementiert? – Die Umsetzung erfolgte innerhalb weniger Tage.

  • Warum verbessert der Cobot die Prozessstabilität? – Die automatisierte Bestückung und die Entkopplung des Materialflusses machen den zuvor manuellen Prozess reproduzierbarer und besser planbar.