Warum Datensicherheit die Plattformwahl entscheidet
Digitale Fertigungsplattformen können die Bauteilbeschaffung beschleunigen. Bei sensiblen CAD-Daten entscheidet jedoch der Plattformansatz darüber, wer Zugriff auf technisches Know-how erhält.
Redaktion TECHNIK+EINKAUFRedaktionTECHNIK+EINKAUF
CAD-Modelle und technische Zeichnungen gehören zu den sensibelsten Unternehmensdaten im Maschinen- und Anlagenbau, daher heißt es "Augen auf" bei der Wahl der richtigen Plattform.Daniel Ingold
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CAD-Modelle und technische Zeichnungen gehören zu den sensibelsten Unternehmensdaten im Maschinen- und Anlagenbau.
Klassische Anfragen per E-Mail verteilen Konstruktionsdaten häufig an zahlreiche Lieferanten und erhöhen damit die potenzielle Angriffsfläche.
Digitale Fertigungsplattformen unterscheiden sich deutlich darin, wann und an wie viele Fertigungspartner technische Daten weitergegeben werden.
Spanflug setzt auf eine Trennung von Angebotsberechnung und Datenfreigabe sowie auf ein auditiertes Fertigungsnetzwerk innerhalb der EU.
CAD-Modelle und technische Zeichnungen bilden die Grundlage für die Beschaffung und Fertigung kundenspezifischer Drehteile, Frästeile, Blechteile und Baugruppen. Meist handelt es sich dabei um individuell konstruierte Bauteile für Prototypen, Einzelteile oder Serienprodukte im Maschinen- und Anlagenbau. Entsprechend sensibel sind die darin enthaltenen Informationen, da sie zentrale Entwicklungsleistungen eines Unternehmens abbilden und damit ein wesentlicher Teil des geistigen Eigentums sind.
In der Praxis erfolgt die Beschaffung solcher Bauteile nach wie vor oft über klassische Anfrageprozesse. Konstruktion oder Einkauf senden die CAD-Daten per E-Mail an einen großen und nicht selten globalen Lieferantenpool, um im nächsten Schritt die erhaltenen Angebote zu vergleichen. Der Anfrageweg über E-Mail ist nicht nur zeit- und kostenaufwendig, sondern birgt erhebliche Risiken. Die Kontrolle darüber, wer Zugriff auf die Daten erhält und wie sie gespeichert oder weitergegeben werden, ist in vielen Fällen kaum gegeben.
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„E-Mail ist aus Sicht der IT-Sicherheit einer der problematischsten Kommunikationskanäle, insbesondere wenn sensible Konstruktionsdaten an viele Empfänger verteilt werden, wie es im herkömmlichen Anfrageprozess vom Einkäufer an seinen Lieferantenpool der Fall ist“, erklärt Ignacio Martin Ochoa, Head of Cyber Security bei Spanflug. „Jeder zusätzliche Empfänger erhöht die potenzielle Angriffsfläche für Cyberangriffe.“
Laut aktuellem Lagebericht des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI, 8/2025) bleibt die IT-Sicherheitslage in Deutschland angespannt, viele Unternehmen – und vor allem immer mehr KMUs – gelten weiterhin als unzureichend geschützt. Im Durchschnitt werden weltweit rund 119 neue Sicherheitslücken pro Tag entdeckt. Auch wenn der Bericht auf einen Rückgang der E-Mail-bezogenen Angriffsfläche hinweist, lässt sich daraus keine Entwarnung für den industriellen B2B-Kontext ableiten. Denn während private Kommunikation zunehmend über Messenger und soziale Netzwerke läuft und sich das Risko entsprechend mitverschiebt, bleibt E-Mail im industriellen Umfeld ein zentraler Kanal für Angebote, Bestellungen, technische Unterlagen und verbindliche Abstimmungen mit Kunden, Lieferanten und Partnern. Für Unternehmen im B2B-Industriekontext bleibt E-Mail daher weiterhin eine besonders relevante Angriffsfläche und eines der naheliegenden Einfallstore für Cyberangriffe.
Plattformen als Chance – mit Risiken
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Digitale Fertigungsplattformen setzen genau an diesem Punkt an. Sie ermöglichen es, Beschaffungsprozesse für kundenspezifische Bauteile zu strukturieren und den Anfrageprozess zu automatisieren. Gleichzeitig bieten sie das Potenzial, Lieferketten robuster zu gestalten, etwa durch den Zugriff auf ein etabliertes Netzwerk qualifizierter Fertigungspartner. Einkaufsabteilungen können so die Effizienz ihrer Einkaufsprojekte erhöhen und Beschaffungsnebenkosten senken.
Doch Plattform bedeutet nicht automatisch Sicherheit. Im Gegenteil. Je nach Ansatz unterscheiden sich die Modelle erheblich darin, wie Anfragen und Beauftragung und somit die Verarbeitung der Daten gehandhabt werden. Teilweise entstehen sogar neue Risiken.
Grafik DatenscherheitSpanflug
Streuen oder steuern?
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Im Kern lassen sich bei digitalen Fertigungsplattformen zwei Ansätze unterscheiden. Bieterplattformen arbeiten häufig mit breiten Ausschreibungen. Anfragen werden dabei teils in offenen Bieterverfahren an eine Vielzahl an Lohnfertigern verteilt, um möglichst viele Angebote zu generieren. Das erhöht den Preiswettbewerb, führt aber gleichzeitig dazu, dass sensible Konstruktionsdaten weit und häufig auch global gestreut werden. Transparenz und Kontrolle darüber, wer Zugriff auf die Bauteildaten erhält, wie sie gespeichert oder weiterverarbeitet werden und in welchem Rechtsraum sie letztlich landen, sind in der Praxis oft nicht gegeben.
Ein kontrollierter Ansatz, wie ihn beispielsweise Spanflug verfolgt, trennt die Angebotsphase von der Auftragsbearbeitung und limitiert somit die Weitergabe sensibler Daten auf ein nötiges Minimum. Die Angebotsberechnung für CNC- und Blechteile erfolgt in wenigen Sekunden direkt auf der Plattform. Die Basis dafür bilden intelligente, KI-gestützte Algorithmen zur Bauteilanalyse und Fertigungsplanung.
CAD-Daten und technische Zeichnungen müssen nicht an Externe verteilt werden. Erst wenn ein Auftrag konkret vergeben wird, erhält der technisch und logistisch passendste Fertigungspartner Zugriff auf die Bauteildaten. Statt auf ein möglichst großes Netzwerk setzt Spanflug zudem auf ein sorgfältig ausgewähltes und auditiertes Netzwerk spezialisierter Fertigungspartner innerhalb der EU. Kurze Lieferwege, nachvollziehbare Qualitätsstandards und ein gemeinsamer Rechtsraum erleichtern dabei die Kontrolle über Fertigungs-, Vertrags- und Datenprozesse.
„Die tatsächliche Datensicherheit hängt weniger von einzelnen technischen Maßnahmen ab als vom grundsätzlichen Ansatz im Umgang mit sensiblen Daten“, betont auch Lucas Giering, Chief Product Officer bei Spanflug. „Ein zentraler Hebel hierfür liegt für uns darin, die Preisermittlung von der Weitergabe technischer Informationen zur Auftragsbearbeitung zu entkoppeln.“
Was eine sichere Fertigungsplattform auszeichnet
Unternehmen sollten bei der Plattformauswahl genau hinsehen. Denn effiziente Bauteilbeschaffung und Datensicherheit dürfen sich nicht ausschließen. Zu den technischen Grundlagen zählen eine DSGVO-konforme Verarbeitung personenbezogener Nutzerdaten, eine TLS-verschlüsselte Datenübertragung sowie eine ausschließlich innerhalb der EU gehostete und nach ISO 27001 zertifizierte Infrastruktur.
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Ebenso entscheidend sind klar definierte und standardisierte Prozesse nach ISO 9001:2015 – sowohl beim Plattformbetreiber für Softwareentwicklung und ‑betrieb sowie für die Geschäftsabläufe zur Auftragsbearbeitung als auch bei den Partnern im Fertigungsnetzwerk. Ein wirksames Need-to-know-Prinzip sollte auf mehreren Ebenen greifen:
Innerhalb des beschaffenden Unternehmens (Kunde) durch rollenbasierte Zugriffskontrollen für alle am Beschaffungsprozess beteiligten Plattformnutzer.
Bei den Mitarbeitern des Plattformbetreibers (Anbieter), limitierter Datenzugriff, beispielsweise nur auf Auftragsabwicklung und Support-Anfragen.
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Im Fertigungsnetzwerk durch Datenfreigabe nur an den zum Bauteil am besten passenden Fertiger und erst nach der Bestellung, bzw. bei hybriden Angebotswegen nur an wenige, gezielt ausgewählte Partnerunternehmen innerhalb der EU.
Auch die Struktur des Netzwerks ist ein Sicherheitsfaktor. Sorgfältig ausgewählte und auditierte Fertigungspartner im selben Rechtsraum (EU) erleichtern die Kontrolle, Durchsetzbarkeit von Geheimhaltungsvereinbarungen (GHV) und Verträgen, und stellen sicher, dass Qualitäts-, Sicherheits- und Compliance-Anforderungen eingehalten werden.
Nicht zuletzt ist auch der Betrieb der Plattform selbst entscheidend. Eine stabile und hochverfügbare Infrastruktur mit einer Systemverfügbarkeit von 99,9 % ist Voraussetzung, um digitale Beschaffungsprozesse zuverlässig und sicher abzubilden.
Grafik DatenscherheitSpanflug
Fazit: Sicherheit ist eine Frage des Plattformansatzes
Datensicherheit in der Bauteilbeschaffung entsteht nicht allein durch technische Schutzmaßnahmen, sondern vor allem durch kontrollierte Prozesse und einen bewussten Umgang mit sensiblen Konstruktionsdaten.
Entscheidend ist letztlich, wie konsequent der Zugriff auf technische Informationen begrenzt wird – von der Angebotsphase bis zur Auftragsvergabe. Denn je weniger Parteien Zugriff auf kritische Daten erhalten, desto besser lassen sich Konstruktions-Know-how und geistiges Eigentum und somit Wettbewerbsvorteile schützen.
Was Sie über Datenschutz auf digitalen Fertigungsplattformen wissen müssen
Warum ist Datensicherheit bei digitalen Fertigungsplattformen wichtig? – CAD-Modelle und technische Zeichnungen enthalten zentrale Entwicklungsleistungen und bilden einen wesentlichen Teil des geistigen Eigentums eines Unternehmens ab.
Welche Risiken entstehen bei digitalen Fertigungsplattformen durch eine breite Datenverteilung? – Werden Konstruktionsdaten an viele Fertigungspartner verteilt, steigt die Zahl der Empfänger und damit auch die potenzielle Angriffsfläche.
Wie können digitale Fertigungsplattformen CAD-Daten besser schützen? – Ein kontrollierter Ansatz trennt die Angebotsberechnung von der Datenfreigabe und übermittelt technische Unterlagen erst nach der Auftragsvergabe an ausgewählte Fertigungspartner.
Welche technischen Kriterien sind bei digitalen Fertigungsplattformen relevant? – Genannt werden unter anderem DSGVO-konforme Datenverarbeitung, TLS-Verschlüsselung, Hosting innerhalb der EU, eine nach ISO 27001 zertifizierte Infrastruktur sowie standardisierte Prozesse nach ISO 9001:2015.
Welche Rolle spielt das Need-to-know-Prinzip bei digitalen Fertigungsplattformen? – Es begrenzt den Zugriff auf sensible Daten innerhalb des Kundenunternehmens, beim Plattformbetreiber und im Fertigungsnetzwerk auf die jeweils erforderlichen Personen und Partner.