KI-Lieferantensuche: Warum Gelbe Seiten ausgedient haben
KI-basierte Lieferantensuche soll Einkaufsteams schneller zu passenden Anbietern führen. Ensun setzt dafür auf öffentlich verfügbare Daten, semantische Suche und automatisiert erstellte Lieferantenprofile.
Kathrin IrmerKathrinIrmerSenior Editor
Ensun steht für die KI-gestützte B2B-Suchmaschine, die das Finden von Lieferanten, Technologien und Branchenexperten vereinfacht.Ensun
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Ensun betreibt eine KI-gestützte B2B-Suchmaschine zur Identifikation von Lieferanten, Technologien und Branchenexperten.
Öffentliche Daten aus Websites, Social Media und Messeberichten werden gesammelt, strukturiert und zu Lieferantenprofilen zusammengeführt.
Nach Angaben von Ensun umfasst die Datenbasis rund 25 Millionen Lieferantenstandorte; etwa 40.000 neue Lieferanten kommen pro Woche hinzu.
Ziel ist es, die frühe Lieferantenrecherche zu beschleunigen, Märkte transparenter zu machen und passende Anbieter schneller zu identifizieren.
Die Suche nach geeigneten Lieferanten ist für Einkaufsteams oft zeitaufwendig und wenig transparent. Klassische Plattformen zeigen meist nur Unternehmen, die sich aktiv registriert haben. Die B2B-Suchmaschine Ensun verfolgt einen anderen Ansatz: Sie baut aus öffentlich verfügbaren Daten automatisiert Lieferantenprofile auf – weltweit, frei zugänglich und zunehmend auch als Datenquelle für KI-Systeme.
Als Ensun 2020 gegründet wurde, startete das Unternehmen zunächst mit einem klassischen Softwaremodell. Firmen kauften eine Lizenz, durchliefen ein Onboarding und konnten anschließend die Suchtechnologie nutzen. Ziel war es, Einkaufs- und Entwicklungsabteilungen bei der Identifikation passender Lieferanten zu unterstützen – sowohl allgemein als auch für sehr spezifische technologische Anforderungen.
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„Unser Ansatz war eigentlich, dass wir es sowohl für die Einkaufsseite als auch für alle Entwicklungsbereiche einfacher machen wollten, technologiegetriebene Lieferanten zu identifizieren“, sagt Christopher Hill, CEO und Co Founder von Ensun. Schnell sei jedoch klar geworden, dass Lieferantensuche in vielen Unternehmen sehr differenziert ist: „Wir haben über die Zeit immer mehr gemerkt, dass die Suche sehr fragmentiert ist.“
Zugleich wurden die Suchanfragen der Einkäufer immer detaillierter, während bestehende Lösungen diese Anforderungen oft nicht sinnvoll abbilden konnten. Deshalb entwickelte das Team eine semantische Suchlogik, die aus einem Textzusammenhang erkennt, was ein Einkäufer tatsächlich sucht, und dazu passende Lieferanten aus öffentlichen Daten identifiziert.
Trotz spezialisierter Tools blieben viele Nutzer jedoch bei bekannten Routinen: Google, Bing und später ChatGPT. „Der Mensch benutzt immer gern das, was er auch in seinem Alltag generell verwendet“, sagt Hill. Daraus entstand der Strategiewechsel. „Wir haben dann entschieden, dass wir aus einem geschlossenen Softwareprodukt eine öffentliche Suchmaschine machen, die für jedermann einsetzbar ist, ohne Kosten, ohne sich zu registrieren.“
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Der Google-Ansatz für B2B-Lieferanten
Heute versteht sich die Plattform weniger als Marktplatz, sondern als Suchmaschine für Lieferanten. Die Datenbasis entsteht nicht durch reine Selbsteintragung von Firmen, sondern durch das automatisierte Sammeln und Strukturieren öffentlich zugänglicher Informationen.
„Wir sammeln öffentliche Daten aus Websites, Social Media, Messeberichten und so weiter und bauen dann quasi auf Basis dessen Lieferantenprofile“, erklärt Hill. Aktuell nutzen nach seinen Angaben knapp eine Million Einkäufer pro Monat das Produkt.
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Der Unterschied zu klassischen B2B-Verzeichnissen ist für Hill entscheidend. Dort seien meist nur Unternehmen sichtbar, die sich aktiv registriert haben. Die Suchmaschine wolle dagegen einen umfassenderen Blick auf den Markt ermöglichen: „Wir gehen vielmehr den Google-Ansatz. Das heißt, wir sagen: Alles, was irgendwo öffentlich im Internet liegt, können wir verwerten und bauen daraus die Lieferantenprofile selbst zusammen und aktualisieren sie auch stetig.“
Das Gründerteam der KI-basierten B2B-Plattform ensun besteht aus den beiden Brüdern Christopher (Chris) Hill und Benjamin Hill.Ensun
Profile mit Kontext und Quellen
Für Einkäufer ist vor allem relevant, wie belastbar die Informationen sind. Die Profile gehen über eine einfache Firmenbeschreibung hinaus. Wird ein Unternehmen gefunden, liefert das System zunächst ein „Key Takeaway“: eine kurze Begründung, warum dieser Lieferant zur Anfrage passt. Zusätzlich zeigt es, auf welche Quellen sich diese Einschätzung stützt.
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„Das System kann auf Basis aller Daten, die wir von der Firma haben, eine Antwort liefern, warum diese Firma passt und kann aber auch ähnlich wie Google die richtige Referenz ausgeben, wo diese Information gewonnen wurde“, sagt Hill.
Die Profile bündeln unter anderem Beschreibung, Kontaktdaten, Ansprechpartner, Standorte, Unternehmensgröße, Gründungsjahr, geschätzten Umsatz, Branchenbezug, Zertifikate, Datenbankeinträge und öffentlich verfügbare Hinweise zu ESG-Aspekten. Nach Hills Angaben umfasst die Datenbasis derzeit rund 25 Millionen Lieferantenstandorte. Pro Woche identifiziert das System etwa 40.000 neue Lieferanten.
Typische Anwendungsfälle sind Suchanfragen nach Spritzgussanbietern, Drehteilherstellern, bestimmten Fertigungstechnologien oder regional eingegrenzten Lieferanten. Nutzer können Ergebnisse weiter filtern, etwa nach Region, Unternehmensgröße, Umsatzklassen oder Branchen.
Der Anspruch ist nicht, den gesamten Einkaufsprozess zu ersetzen. Es geht vor allem um die frühe Phase der Recherche: passende Lieferanten identifizieren, Longlists erstellen und Märkte schnell überblicken.
„Unsere Suchmaschine bietet enorme Vorteile: sie ist immer schnell, kostenfrei, Top-Level, für Masse ausgerichtet“, sagt Hill. Nicht die vollständige Integration in Einkaufs-IT stehe im Vordergrund, sondern die schnelle Antwort auf eine konkrete Suchfrage.
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Gerade gegenüber Google sieht Hill hier den Mehrwert. Wer dort nach Lieferanten sucht, erhält häufig eine Mischung aus Firmenwebsites, Blogbeiträgen, Branchenartikeln und anderen Inhalten. Das System filtert diese Vielfalt auf potenzielle Lieferanten. Hill beschreibt das so: „Wir kanalisieren die Informationen und drücken damit die Recherchezeit.“ Nutzer meldeten zurück, dass sie bei bestimmten Recherchen „bis zu sechsmal schneller“ seien als zuvor.
Da die Suchmaschine kostenfrei zugänglich ist, setzt das Unternehmen vor allem auf bezahlte Sichtbarkeit für Lieferanten. Firmen können sich kostenlos platzieren und ihre Datenhoheit beanspruchen, wenn bereits ein automatisiert erzeugtes Profil existiert. Wer zusätzliche Sichtbarkeit in bestimmten Märkten oder Suchkontexten möchte, kann Anzeigen buchen.
Zusätzlich bietet die Plattform kostenpflichtige Funktionen für Einkäufer an, etwa Exportmöglichkeiten oder Tools für die Zusammenarbeit in Einkaufsteams. Hill beschreibt diese Erweiterungen als „Convenience Features“, die Arbeitsprozesse erleichtern.
ESG und Risikobewertung: bewusst pragmatisch
Ein wichtiger Aspekt in der Lieferantensuche sind Risiko- und Nachhaltigkeitsinformationen. Die Plattform integriert bereits Standort-ESG-Daten aus öffentlichen Quellen. Eine vollständige Finanz- oder Bonitätsbewertung ist derzeit jedoch noch nicht Teil des Systems.
Firmenprofil
Name: Ensun GmbH Mitarbeiter: 14 Mitarbeiter Gründer: Benjamin & Christopher Hill Standort: Siegen (NRW) Website: https://ensun.io/ Produkt: KI-basierte Lieferantensuchmaschine
„Stand heute können wir noch nicht Finanzdaten bewerten. Das ist bei uns auf der Roadmap“, sagt Hill. Die Herausforderung bestehe darin, Lösungen zu finden, die nicht nur in Märkten mit hoher Datentransparenz funktionieren. „Wir müssen dasselbe auch für eine 10-Mann-Firma in Indien können.“
Deshalb positioniert sich das Angebot nicht als umfassendes Prüf- oder Compliance-System, sondern als schnelle, breit angelegte Rechercheplattform. Die Gewichtung der Suchergebnisse orientiert sich vor allem an Passgenauigkeit und Quellenlage: Wie gut passt ein Unternehmen zur Anfrage, und über wie viele Quellen lässt sich diese Einschätzung verifizieren?
Die Lieferantensuche verändert sich. Klassische Verzeichnisse behalten ihre Berechtigung, stoßen aber dort an Grenzen, wo Märkte globaler, Suchanfragen spezifischer und Nutzergewohnheiten stärker von Google und KI-Systemen geprägt werden. Ensun positioniert sich in diesem Umfeld als Meta-Suchmaschine für B2B-Lieferanten: automatisiert, datengetrieben, global und auf Geschwindigkeit ausgelegt.
„Wir sind eigentlich mehr wie eine Meta-Suchmaschine“, sagt Hill. Öffentliche Daten werden gesammelt, neu strukturiert und vergleichbar gemacht. Für Einkäufer entsteht daraus ein Werkzeug, das nicht den gesamten Beschaffungsprozess ersetzt, aber die frühe Recherche deutlich vereinfachen kann.
Was Sie zum Thema KI-basierte Lieferantensuche wissen müssen
Wie funktioniert KI-basierte Lieferantensuche bei Ensun? – Öffentlich verfügbare Daten werden automatisiert gesammelt und zu Lieferantenprofilen strukturiert. Eine semantische Suche gleicht diese Informationen mit konkreten Suchanfragen ab.
Welche Daten nutzt die KI-basierte Lieferantensuche? – Ensun greift unter anderem auf Informationen aus Websites, Social Media und Messeberichten zurück und ergänzt diese um weitere öffentlich verfügbare Unternehmensdaten.
Wie groß ist die Datenbasis der KI-basierten Lieferantensuche? – Nach Angaben von Ensun umfasst sie rund 25 Millionen Lieferantenstandorte. Pro Woche kommen etwa 40.000 neu identifizierte Lieferanten hinzu.
Ersetzt KI-basierte Lieferantensuche den gesamten Einkaufsprozess? – Nein. Der Schwerpunkt liegt auf der frühen Recherche, der Identifikation potenzieller Anbieter und dem Aufbau von Longlists.
Welche Grenzen hat die KI-basierte Lieferantensuche derzeit? – Eine vollständige Finanz- oder Bonitätsbewertung ist aktuell noch nicht Bestandteil des Systems. ESG-Informationen werden bereits aus öffentlichen Quellen einbezogen.