SAP-Logistiksysteme laufen aus

Logistik braucht jetzt eine neue Strategie

Klassische SAP-Logistiksysteme wie SAP WM und LE-TRA laufen aus und zwingen Unternehmen, ihre Logistik neu zu denken. Denn parallel wandeln sich die Netzwerke: statt weniger Großlager entstehen kleine, regionale Standorte. Die Aufgabe: Neue Systeme und Strategie zugleich.

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Viele Unternehmen müssen bestehende SAP-Logistiklösungen ablösen. Dies ist die Chance, die eigene Logistikstrategie gezielt zu überprüfen.

  • Unternehmen mit bestehenden SAP-Logistiksystemen müssen ihre Lager- und Transportlösungen überprüfen.

  • SAP WM läuft je nach Szenario ab 2026 aus, LE-TRA wird im Standard bis Ende 2027 unterstützt; spätestens 2033 endet die verlängerte Wartung.

  • SAP EWM soll komplexe, automatisierte Lager abdecken, während SAP LGM auf kleinere und mittlere Standorte sowie verteilte Netzwerke zielt.

  • Welche Auswirkungen? Die Ablösung bestehender Systeme wird mit einer strategischen Neubewertung von Standorten, Prozessen und Systemlandschaften verbunden.

Das Auslaufen von SAP Warehouse Management (LEWM) und SAP LETRA zwingt viele Unternehmen, ihre Lager und Transportprozesse grundlegend zu hinterfragen – technisch wie strategisch. Parallel verändern sich Logistiknetzwerke: Statt weniger großer Zentren entstehen mehr regionale und kleinere Standorte. Mit SAP Logistics Management (LGM) erweitert SAP das Portfolio um eine Lösung, die genau solche verteilten Strukturen adressiert. Unternehmen stehen damit vor einer doppelten Aufgabe: Systeme ablösen – und die Logistikstrategie gleichzeitig zukunftsfähig ausrichten.

"Das Ende von SAP WM und SAP LE-TRA markiert für viele Unternehmen einen Wendepunkt in der Logistikstrategie", erklärt Oliver Bürger, Senior Director Logistics Execution & Procurement bei der All for One Group . "SAP WM läuft je nach Einsatzszenario bereits ab 2026 aus und endet spätestens 2033. SAP LE-TRA wird bis Ende 2027 im Standard unterstützt und läuft mit verlängerter Wartung ebenfalls bis spätestens 2033 aus." Zwar ließen sich bestehende Systeme oft noch betreiben, verlieren jedoch an Zukunftsfähigkeit. Updates entfallen, Unternehmen können regulatorische Anforderungen schwerer umsetzen und neue Technologien lassen sich nur mit höherem Aufwand integrieren. Parallel dazu entwickeln sich Lieferketten weiter. Viele Unternehmen setzen nicht mehr ausschließlich auf zentrale Distributionszentren, sondern bauen ihre Netzwerke über zusätzliche regionale und kleinere Standorte aus.

Damit verändern sich auch die Anforderungen an Logistiksysteme. IT-Lösungen, die für große und komplexe Lager ausgelegt sind, passen nicht automatisch zu dezentralen Strukturen mit vielen Standorten. Hinzu kommt die operative Realität: Informationen zu Verzögerungen oder Abweichungen liegen häufig zuerst bei Transportdienstleistern vor, erreichen die übergeordneten Lager- und Transportmanagementsysteme jedoch zu spät. "Das führt zu mehr manuellen Abstimmungen und schränkt die Planbarkeit ein. Auch die Personalsituation spielt eine Rolle", warnt Bürger. Häufig wechselnde Teams und kurze Einarbeitungszeiten erfordern Anwendungen, die einfach zu bedienen sind und Prozesse klar führen. Es reicht daher nicht aus, bestehende Systeme lediglich zu ersetzen. Unternehmen müssen ihre Logistik als vernetztes Gesamtsystem betrachten und für verschiedene Standorttypen passende Lösungen finden.

Unterschiedliche Anforderungen im Logistiknetzwerk

Mit wachsender Komplexität logistischer Netzwerke stößt ein einheitlicher, für alle Standorte gleicher Lösungsansatz an seine Grenzen. Große Distributionszentren haben andere Rahmenbedingungen als regionale Lager, Depots oder Service-Standorte.

Zentrale Lager investieren in Prozesstiefe und Automatisierung, um hohen Durchsatz zu bewältigen. Kleinere Standorte hingegen brauchen Lösungen, die sich schnell ausrollen lassen, Abläufe vereinheitlichen und Nutzer benutzerfreundlich durch die Prozesse führen. In vielen Projekten zeigt sich, dass gerade neu eröffnete oder kleinere Standorte mit den Logiken klassischer Warehouse-Systeme überfordert sind.

"Setzen Unternehmen für alle Standorte dieselbe Lösung ein, stimmt das Verhältnis von Aufwand und Nutzen oft nicht mehr", betont der Experte Bürger. "Besonders bei vielen kleineren Standorten kann eine zu komplexe Systemlogik Projekte verlängern, den Schulungsaufwand erhöhen und die Skalierbarkeit einschränken." Deshalb setzen sich zunehmend Ansätze durch, die sich an den Anforderungen der jeweiligen Standorte orientieren und Funktionalität, Geschwindigkeit und Wirtschaftlichkeit besser ausbalancieren. Genau hier zeigt sich der Vorteil des breit gefächerten SAP-Portfolios.

SAP LGM und SAP EWM im Zusammenspiel

Über den Experten

Oliver Bürger ist Senior Director Logistics Execution & Procurement bei der All for One Group. Er berät mittelständische Unternehmen bei der Transformation ihrer Logistik- und Supply-Chain-Prozesse und verfügt über langjährige Erfahrung in der Einführung und Weiterentwicklung SAP-basierter Logistiklösungen.

Mit SAP Logistics Management (LGM), das Anfang 2026 eingeführt wurde, erweitert SAP das Portfolio um eine Lösung, die speziell auf verteilte Logistiknetzwerke ausgerichtet ist. Sie richtet sich an Standorte, bei denen standardisierte Prozesse, schnelle Implementierung und gute Skalierbarkeit im Vordergrund stehen. Dabei handelt es sich nicht um eine vereinfachte Variante von SAP Extended Warehouse Management (EWM), sondern um einen eigenständigen Ansatz.

SAP EWM bleibt die geeignete Lösung für komplexe, automatisierte Lager mit hoher Prozesstiefe. SAP LGM hingegen unterstützt die Steuerung von Lager- und Transportprozessen in kleineren und mittleren Standorten, sodass Unternehmen diese effizient und mit überschaubarem Aufwand betreiben können.

Der zentrale Unterschied zeigt sich insbesondere in der Skalierungslogik. SAP EWM zielt auf vertikale Skalierung ab, also die maximale Prozessoptimierung innerhalb eines einzelnen, komplexen Lagers. SAP LGM hingegen unterstützt die horizontale Skalierung über viele Standorte hinweg und erleichtert die Einführung standardisierter Abläufe im gesamten Netzwerk.

"In der Praxis wird daraus perspektivisch ein hybrides Modell entstehen. So könnten zukünftig zentrale Distributionszentren mit SAP EWM betrieben werden, während kleinere oder neu entstehende Standorte auf SAP LGM setzen", so Bürger. Beide Lösungen würden dabei ineinandergreifen und gemeinsam eine Architektur bilden, die verschiedene Anforderungen innerhalb eines Netzwerks gezielt abdecken.

Mehr Transparenz in der operativen Steuerung

Eine zentrale Stärke von SAP LGM ist die enge Verzahnung von Lager- und Transportprozessen. Viele Unternehmen steuern diese Bereiche getrennt voneinander, obwohl sie operativ eng miteinander verbunden sind. Informationen aus dem Transport fließen häufig zeitverzögert in die Planung ein, was den Abstimmungsaufwand erhöht.

SAP LGM bindet Transportdienstleister stärker in die operative Steuerung ein. Rückmeldungen zu Transportereignissen fließen in Echtzeit in die Prozesse ein und ermöglichen es, die Planung kontinuierlich anzupassen. Mit SAP LGM vergeben Unternehmen Transportaufträge digital und verarbeiten Rückmeldungen von Transportdienstleistern direkt (bidirektionales Tendering). Zudem vereinfacht LGM die Fahrzeugabfertigung am Hof (Yard-Prozesse). Gleichzeitig erstellt das System Dokumente automatisch – und reduziert so manuelle Abstimmungen.

Ein weiterer Aspekt ist die Bedienbarkeit. In Umgebungen mit hoher Personalfluktuation sind klare und geführte Prozesse entscheidend. SAP LGM setzt hier auf rollenbasierte Oberflächen und eine intuitive Nutzerführung, die eine schnelle Einarbeitung unterstützt und den Schulungsaufwand reduziert.

"Die Auswahl der passenden Logistiklösung hängt stark von der Rolle einzelner Standorte im Netzwerk ab", erzählt der Experte. "Viele Unternehmen verfügen über gewachsene Strukturen mit variierenden Anforderungen und Systemlandschaften. Unternehmen können Entscheidungen daher nicht isoliert treffen, sondern müssen sie im Kontext des gesamten Netzwerks bewerten." Dabei werden Prozesskomplexität, Automatisierungsgrad, Durchsatz und zukünftige Wachstumspläne betrachtet. Auf dieser Grundlage können Unternehmen ableiten, welche Lösung zu welchem Standort passt.

In der Umsetzung entsteht häufig eine gestufte Strategie. Komplexe Standorte werden gezielt weiterentwickelt, während kleinere Standorte parallel standardisiert und schneller modernisiert werden. So setzen Unternehmen Transformationen effizienter um und reduzieren Risiken.

Transparenz als Grundlage für fundierte Entscheidungen

Die entscheidende Frage ist daher, wie Unternehmen zu belastbaren Entscheidungen kommen. Die Auswahl der passenden SAP-Logistiklösung ist komplex und sollte nicht ausschließlich auf internen Einschätzungen basieren. Eine neutrale, externe Perspektive hilft, Standortprofile objektiv zu bewerten und unterschiedliche Handlungsoptionen systematisch zu vergleichen.

"In der Praxis hat sich deshalb ein strukturierter Discovery-Ansatz bewährt. Dieser schafft Transparenz und reduziert Fehlentscheidungen bei der Auswahl der passenden Lösung – insbesondere in heterogenen Netzwerken", beton Oliver Bürger. "Er beginnt mit einer unabhängigen Analyse des Status quo, bei der Unternehmen Prozesse, Systemlandschaften und Anforderungen systematisch erfassen und einordnen. Ziel ist es, ein transparentes Verständnis der bestehenden Logistik sowie des SAP-Portfolios zu schaffen." Darauf aufbauend lasse sich eine belastbare Entscheidungsgrundlage entwickeln, die für jeden Standort den passenden Lösungsansatz definiert und gleichzeitig die strategische Ausrichtung des gesamten Netzwerks berücksichtigt. Die Ergebnisse werden strukturiert dokumentiert und bilden die Basis für die weitere Transformation.

Was Sie über SAP-Logistiksysteme wissen müssen

  • Wann laufen klassische SAP-Logistiksysteme aus? – SAP WM läuft je nach Einsatzszenario bereits ab 2026 aus und endet spätestens 2033. SAP LE-TRA wird im Standard bis Ende 2027 unterstützt und mit verlängerter Wartung ebenfalls bis spätestens 2033.

  • Welche Rolle spielt SAP LGM bei SAP-Logistiksystemen? – SAP LGM ist auf kleinere und mittlere Standorte sowie verteilte Logistiknetzwerke mit standardisierten Lager- und Transportprozessen ausgerichtet.

  • Wie unterscheiden sich die SAP-Logistiksysteme LGM und EWM? – SAP EWM fokussiert komplexe, automatisierte Lager und vertikale Skalierung. SAP LGM zielt auf horizontale Skalierung über viele Standorte.

  • Warum erfordern SAP-Logistiksysteme eine Netzwerkstrategie? – Unterschiedliche Standorttypen weisen verschiedene Anforderungen bei Prozesskomplexität, Automatisierung, Durchsatz und Skalierbarkeit auf.

  • Wie lässt sich die Auswahl neuer SAP-Logistiksysteme vorbereiten? – Ein strukturierter Discovery-Ansatz erfasst Prozesse, Systemlandschaften und Anforderungen und schafft damit eine Entscheidungsgrundlage für die Transformation.