Um möglichst viele Varianten anbieten zu können, setzen viele Getränke-Unternehmen auf Mixpaletten, bei denen unterschiedliche Geschmacksrichtungen einer Marke gemeinsam auf einer Palette zusammengestellt werden. Die manuelle Konfektionierung solcher Paletten ist jedoch personalintensiv und ergonomisch anspruchsvoll.
Redaktion TECHNIK+EINKAUFRedaktionTECHNIK+EINKAUF
Steigende Sortimentsvielfalt im Handel erhöht den Druck auf Getränkehersteller.hamkinstd - stock.adobe.com
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Das Unternehmen Project entwickelte für einen Getränkeabfüller in Großbritannien eine automatisierte Palettenmischanlage für bis zu vier Getränkesorten.
Die Anlage stellt alle 15 Sekunden eine Lage aus 26 Sixpacks zusammen und arbeitet dabei nach hinterlegten Rezepturen.
Sämtliche Antriebsaufgaben werden erstmals über den Movi-C-Automatisierungsbaukasten von SEW-Eurodrive realisiert.
Das modulare Konzept reduziert Verdrahtungs-, Engineering- und Wartungsaufwand und ermöglicht spätere Erweiterungen ohne grundlegende Umbauten.
Für einen Getränkeabfüller in Großbritannien entwickelte die Project Service & Produktion GmbH gemeinsam mit der project Automation & Consulting GmbH deshalb eine automatisierte Palettenmischanlage. Das Besondere aus Sicht von Planung und Einkauf: Sämtliche Antriebsaufgaben werden erstmals über den Automatisierungsbaukasten Movi-C von SEW-Eurodrive realisiert. Das reduziert Projektierungsaufwand, vereinfacht die Ersatzteilhaltung und schafft eine hohe Skalierbarkeit für zukünftige Anlagen.
Die Anlage verarbeitet bis zu vier unterschiedliche Getränkesorten und stellt alle 15 Sekunden eine Lage mit 26 Sixpacks zusammen. Herzstück des Konzepts ist eine modulare Architektur, die sich bei Bedarf ohne grundlegende Änderungen erweitern lässt.
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Am Anfang des Prozesses werden bis zu vier sortenreine Paletten automatisch depalettiert. Die einzelnen Sixpacks gelangen anschließend über Fördertechnik in vier separate Puffergassen. Von dort werden sie entsprechend hinterlegter Rezepturen zu individuell definierten Mischlagen zusammengestellt. Roboter übernehmen die Positionierung der Gebinde, bevor die fertigen Lagen palettiert werden.
Für den Betreiber bedeutet dies reproduzierbare Mischbilder, höhere Prozesssicherheit sowie eine deutliche Entlastung der Mitarbeitenden von körperlich belastenden Tätigkeiten.
Ein Antriebssystem für die gesamte Anlage
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Besonderes Augenmerk legte Project auf die Standardisierung der Automatisierungstechnik. Erstmals kommen sämtliche Antriebsachsen aus dem Movi-C-Baukasten von SEW-Eurodrive. Der Depalettierer und der Palettierer werden über 15 Achsen des Multi-Achs-Systems Movidrive modular betrieben. Für die Fördertechnik kommen 39 Movitrac classic sowie zwei Movitrac advanced zum Einsatz. Dadurch entsteht ein durchgängiges Antriebskonzept über die gesamte Anlage hinweg.
„Wir können damit alle Antriebsaufgaben mit einem einheitlichen System abdecken“, erläutert Holger Hoffrichter, Head of Electrical & Software Engineering bei Project Automation & Consulting. Für technische Einkäufer ergeben sich daraus mehrere Vorteile: weniger Varianten bei Ersatzteilen, vereinfachte Wartung, geringerer Schulungsaufwand und ein überschaubares Lifecycle-Management.
Vom Depalettierer werden die einzelnen Sixpacks über die Fördertechnik zur Sortierstation (links) transportiert, wo sie sortenrein den vier Puffergassen zugeordnet werden.SEW-Eurodrive
Weniger Verkabelung, geringerer Schaltschrankaufwand
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Auch beim Anlagenbau selbst zahlt sich die Standardisierung aus. Die Feldbusanbindung der Fördertechnik erfolgt über ein Gateway; weitere Geräte werden über einfache Kommunikationsmodule und Flachbandkabel miteinander verbunden.
Dadurch sinkt der Verdrahtungsaufwand erheblich. Gleichzeitig reduziert sich das Risiko von Installationsfehlern während Montage und Inbetriebnahme. Zusätzliche Vorteile ergeben sich durch das Multi-Achs-System Movidrive modular. Für bis zu 32 Achsen genügt eine gemeinsame Einspeisung. Komponenten wie Bremswiderstände, Schütze oder Motorschutzschalter werden deutlich reduziert. Das spart Platz im Schaltschrank und vereinfacht die Planung.
Der Bus wird bei den Movitrac-Geräten einfach mithilfe eines Flachbandkabels „durchgeschleift“.SEW-Eurodrive
Zudem kann Bremsenergie innerhalb des Systems von anderen Achsen weiterverwendet werden. Dies verbessert die Energieeffizienz gegenüber konventionellen Einzelachs-Lösungen.
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Skalierbarkeit reduziert Investitionsrisiken
Wie wertvoll das modulare Konzept ist, zeigte sich bereits während der Inbetriebnahme. Dort stellte sich heraus, dass das Einlegen der Zwischenlagen im Palettierer die Gesamtleistung begrenzte.
Die Lösung: Project ergänzte einen zusätzlichen Greifer und die dafür erforderlichen Antriebsachsen. Dank der vorhandenen Reserven konnten die zusätzlichen Komponenten ohne weitere Einspeisung in das bestehende System integriert werden.
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Für Anlagenbetreiber und Investitionsverantwortliche ist dies ein wichtiger Aspekt. Leistungssteigerungen oder spätere Anpassungen lassen sich häufig ohne grundlegende Umbauten realisieren. Das reduziert Investitionsrisiken und verlängert die Nutzungsdauer der Anlage.
Über die Project Automation & Consulting GmbH
Das Unternehmen hat seinen Sitz im nordrhein-westfälischen
Kranenburg unweit der niederländischen Grenze. Es beschäftigt rund 20
Mitarbeitende und hat sich auf die Planung und Umsetzung von
Automationsprojekten spezialisiert. Kunden profitieren von der engen
Zusammenarbeit mit dem benachbarten Schwesterunternehmen Project Service &
Produktion GmbH. Dieses wiederum verfügt über fundierte Erfahrung aus
Maschinenbauprojekten zum Beispiel für die Getränke- und Lebensmittelindustrie
oder Branchen wie Holz, Stahl oder Papier.
Schnellere Inbetriebnahme durch Softwarebausteine
Zur Inbetriebnahme nutzt Project vorgefertigte Softwaremodule aus dem Movikit-Baukasten von SEW-Eurodrive. Typische Motion-Control-Funktionen werden dabei überwiegend parametriert statt individuell programmiert.
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Das verkürzt Entwicklungszeiten und erleichtert die Wiederverwendung bewährter Lösungen in Folgeprojekten. Auch die Zusammenarbeit zwischen Maschinenbauer und Antriebslieferant erwies sich als Vorteil. Auf Anregung von project entwickelt SEW-Eurodrive derzeit ein weiteres Softwaremodul für den Kollisionsschutz verfahrbarer Achsen. Künftige Anlagen können dadurch noch schneller projektiert und umgesetzt werden.
Fazit
Für technische Einkäufer zeigt das Projekt, welchen wirtschaftlichen Nutzen konsequent modulare Automatisierungskonzepte bieten können. Neben einer höheren Anlagenflexibilität reduzieren standardisierte Antriebssysteme Engineering-Aufwand, Installationskosten, Ersatzteilvielfalt und Wartungsaufwand. Gleichzeitig schaffen sie die Voraussetzung, Anlagen später mit überschaubarem Aufwand an veränderte Marktanforderungen anzupassen.
Was Sie zum Thema Modulare Automatisierung wissen müssen
Was leistet modulare Automatisierung bei der Palettenmischanlage? – Die Anlage verarbeitet bis zu vier Getränkesorten und stellt alle 15 Sekunden eine Lage mit 26 Sixpacks nach hinterlegten Rezepturen zusammen.
Welche Antriebstechnik nutzt die modulare Automatisierung? – Sämtliche Antriebsaufgaben werden über den Movi-C-Baukasten von SEW-Eurodrive realisiert, darunter Movidrive modular sowie Movitrac classic und advanced.
Wie reduziert modulare Automatisierung den Installationsaufwand? – Eine gemeinsame Einspeisung kann bis zu 32 Achsen versorgen. Zudem reduzieren Gateways, Kommunikationsmodule und Flachbandkabel den Verdrahtungsaufwand.
Warum erleichtert modulare Automatisierung spätere Erweiterungen? – Vorhandene Systemreserven ermöglichen zusätzliche Komponenten und Antriebsachsen, ohne dass dafür zwingend grundlegende Umbauten erforderlich sind.
Welche Rolle spielt Software bei modularer Automatisierung? – Vorgefertigte Movikit-Module ermöglichen es, typische Motion-Control-Funktionen überwiegend zu parametrieren statt individuell zu programmieren.