Geringere Qualität, gleicher Preis: Wie KI Skimpflation erkennt
Skimpflation erreicht den industriellen Einkauf: Unternehmen senken Spezifikationen oder wechseln zu günstigeren Komponenten. Eine Ivalua-Studie zeigt Risiken für Qualität, Lieferketten und Transparenz.
Skimpflation ist im industriellen Einkauf angekommen. Was können Beschaffer dagegen tun?Double Brain - stock.adobe.com
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Ivalua befragte im März 2026 insgesamt 800 Einkaufs- und Supply-Chain-Entscheider aus Deutschland, Frankreich, den USA und dem Vereinigten Königreich.
52 % der Befragten geben an, dass Kostendruck sie zur Qualitätsreduktion bei Komponenten zwingt; 49 % beobachten ein solches Trading-down bei Lieferanten.
In Deutschland fehlt 50 % der Unternehmen Transparenz über Tier-1-Lieferanten hinaus, 54 % verfügen über kein einheitliches Bild ihres Lieferantenrisikos.
Digitale Prozesse und eine belastbare Datengrundlage sollen Skimpflation sichtbar und damit steuerbar machen.
Was bedeutet Skimpflation für den industriellen Einkauf?
Gleicher oder höherer Preis, aber geringere Qualität: Ein aus dem Konsumgüterbereich bekanntes Prinzip erreicht laut einer Studie von Ivalua die industrielle Beschaffung. Dort zeigt sich Skimpflation unter anderem durch abgesenkte Spezifikationen, kostengünstigere Materialien oder den Wechsel zu preiswerteren Lieferanten.
Die internationale Befragung basiert auf den Rückmeldungen von 800 Einkaufs- und Supply-Chain-Entscheidern. Demnach ist Skimpflation inzwischen auch im Direktmaterial-Einkauf angekommen. Gleichzeitig fehlen vielfach Werkzeuge und Einblicke in die Lieferketten, um die Entwicklung zu steuern.
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Einsparungen führen nur selten zu niedrigeren Preisen
Unternehmen, die im vergangenen Jahr auf günstigere Komponenten umgestiegen sind oder Spezifikationen angepasst haben, geben daraus resultierende Einsparungen überwiegend nicht über niedrigere Verkaufspreise weiter. 43 % der Befragten erhöhten ihre Preise, 47 % hielten sie konstant und lediglich 10 % senkten sie.
In Deutschland fällt das Verhältnis noch deutlicher aus. Nur 5 % der befragten Unternehmen reduzierten ihre Preise, während 62 % sie unverändert ließen. Gleichzeitig weist Deutschland laut Studie den geringsten Überblick über Lieferantenrisiken auf.
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Skimpflation vs. Shrinkflation: Was ist was?
Shrinkflation und Skimpflation unterscheiden sich vor allem darin, wo Hersteller sparen: Bei der Shrinkflation bleibt der Preis eines Produkts gleich oder steigt sogar, während Menge, Gewicht oder Packungsgröße sinken.
Bei der Skimpflation wird dagegen nicht die Menge reduziert, sondern die Qualität: Hersteller oder Lieferanten setzen etwa günstigere Materialien ein, senken Spezifikationen oder reduzieren Leistungen. Für industrielle Einkäufer ist Skimpflation besonders kritisch, weil Qualitätsverschlechterungen häufig schwerer zu erkennen sind als eine offen ausgewiesene Mengenreduzierung.
Warum wird Skimpflation zum strukturellen Risiko?
Der Kostendruck wirkt laut Befragung entlang der gesamten Lieferkette. 52 % der Befragten geben an, dass er sie zur Qualitätsreduktion beziehungsweise zum Trading-down bei Komponenten zwingt.
49 % beobachten ein entsprechendes Verhalten bei ihren Partnern: niedrigere Spezifikationen bei gleichbleibendem Preis.
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Die Mehrheit der Unternehmen gibt Preissenkungen nicht weiter.Ivalua
59 % der Einkaufsorganisationen haben im vergangenen Jahr ihre Spezifikationen angepasst. Weitere 36 % wechselten zu günstigeren Lieferanten oder Komponenten. Im Durchschnitt wurde fast ein Fünftel des Direktmaterial-Budgets zu kostengünstigeren Quellen verschoben.
Damit können sich auch Qualitäts-, Ausfall- und Reklamationsprofile von Bauteilen verändern. Fehlt eine zentrale Übersicht, bleiben solche Veränderungen möglicherweise unbemerkt.
Fehlende Transparenz erschwert die Steuerung
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Eine wesentliche Schwachstelle liegt laut Studie in der Transparenz der Lieferketten. 44 % der Befragten verfügen über keine Transparenz jenseits ihrer Tier-1-Lieferanten. In Deutschland betrifft dies sogar 50 %.
Zudem besitzen 45 % kein einheitliches und verlässliches Bild ihres Lieferantenrisikos. Unter den deutschen Teilnehmern liegt der Anteil bei 54 % und damit auf dem höchsten Niveau im Ländervergleich. Weitere 58 % erklären, dass ihre Abhängigkeit von Tabellenkalkulationen sie menschlichen Fehlern aussetzt.
Wie machen digitale Prozesse Skimpflation sichtbar?
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Der Digitalisierungsgrad beeinflusst laut Untersuchung, wie häufig Unternehmen Skimpflation erkennen. Von Unternehmen, die KI-Werkzeuge im Einkauf einsetzen oder pilotieren, erkennen 51 beziehungsweise 58 % entsprechende Entwicklungen. Bei Unternehmen, die den KI-Einsatz bislang lediglich erwägen, sind es 29 %.
Digitale Prozesse sollen damit helfen, schleichende Qualitätsminderungen sichtbar zu machen. Bei manuellen Prozessen können diese dagegen erst auffallen, wenn sie sich etwa in Reklamationen, Lieferverzögerungen, Lieferausfällen oder Absatzverlusten zeigen.
Einkauf setzt auf Automatisierung
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73 % der Einkaufsverantwortlichen wollen Technologie nutzen, um Beschaffungsprozesse zu automatisieren und zu beschleunigen. Gleichzeitig entfällt im Durchschnitt fast ein Fünftel der Arbeitszeit auf manuelle Tätigkeiten, die automatisiert werden könnten.
Eine Herausforderung bleibt die Datengrundlage. Jeder Zweite hält die eigenen Beschaffungsdaten für noch nicht KI-tauglich. Ebenso viele Befragte bewerten ihre Lieferantenprüfung als zu langsam für das heutige Risikoumfeld.
Wie können Unternehmen der Skimpflation begegnen?
Für Alex Saric, Experte für Smart Procurement bei Ivalua, sind Transparenz und belastbare Daten entscheidend:
„Wenn Unternehmen keinen Überblick über ihre Lieferkette haben, zwingt sie der Kostendruck zum Handeln. Sie streichen Komponenten, wechseln zu günstigeren Lieferanten und hoffen, dass die Kunden ein Auge zudrücken. Deutschland ist besonders betroffen, wenn hier die Hälfte der Unternehmen keinen Einblick in ihre Lieferkette über die Tier-Lieferanten hinaus haben“, sagt Alex Saric, Experte für Smart Procurement bei Ivalua.
KI kann dabei helfen, Skimpflation zu erkennen und Potenzial für Preisnachverhandlungen zu erschließen.Ivalua
Er warnt zugleich davor, KI ohne eine entsprechende Datengrundlage einzusetzen: „Wenn man KI einfach nur auf Tabellenkalkulationen und verstreuten Systemen einsetzt, führt das nicht zu besseren Entscheidungen – es führt nur dazu, dass falsche Entscheidungen schneller getroffen werden. Nur wenn die Datengrundlagen stimmen, merkt man, dass die Qualität sinkt, während die Preise gleich bleiben oder gar steigen. Digitale Einkaufsprozesse schließen genau diese Lücke – sie machen aus verstreuten Einzeldaten ein belastbares Gesamtbild und verwandeln Kostendruck in eine steuerbare Größe statt in ein verdecktes Risiko. Dann müssen Unternehmen nicht mehr zwischen dem Schutz ihrer Margen und dem Schutz ihrer Kunden wählen.“
Wie wurde die Skimpflation-Studie durchgeführt?
Die Umfrage wurde im März 2026 von Sapio Research im Auftrag von Ivalua durchgeführt. Insgesamt wurden 800 Einkaufs- und Supply-Chain-Entscheiderinnen und -Entscheider aus Deutschland, Frankreich, den USA und dem Vereinigten Königreich befragt, jeweils 200 pro Land.
Die Teilnehmer verantworten Beschaffungs-, Logistik- oder Lieferkettenfunktionen in Organisationen unterschiedlicher Größe und Branche. Fragen zur direkten Materialbeschaffung wurden Unternehmen aus direkt beschaffenden Industrien gestellt. Diese Teilstichprobe umfasste 240 Befragte.
Was bedeutet Skimpflation im Einkauf? – Skimpflation bezeichnet hier unter anderem die Absenkung von Spezifikationen, den Einsatz kostengünstigerer Materialien oder den Wechsel zu preiswerteren Lieferanten.
Wie verbreitet ist Skimpflation bei Komponenten? – 52 % der Befragten geben an, dass Kostendruck sie zur Qualitätsreduktion bei Komponenten zwingt. 49 % beobachten ein entsprechendes Trading-down bei ihren Lieferanten.
Warum ist Skimpflation in Deutschland besonders relevant? – In Deutschland haben 50 % keinen Einblick über Tier-1-Lieferanten hinaus. 54 % fehlt ein einheitliches, verlässliches Bild des Lieferantenrisikos.
Welche Rolle spielt Digitalisierung bei Skimpflation? – Laut Studie erkennen Unternehmen mit eingesetzten oder pilotierten KI-Werkzeugen Skimpflation häufiger als Unternehmen, die deren Einsatz erst erwägen.
Wie können Unternehmen Skimpflation besser steuern? – Laut Ivalua sind transparente Lieferketten, belastbare Datengrundlagen und digitale Einkaufsprozesse entscheidend, um Qualitätsveränderungen sichtbar zu machen.