Die Zahlungsmoral deutscher Unternehmen hat sich weiter verschlechtert. Gleichzeitig bauen viele Betriebe ihre Lagerbestände aus und bezahlen Lieferanten vergleichsweise schnell. Dadurch steigt der Druck auf die Liquidität, wie eine aktuelle Studie des Kreditversicherers Allianz Trade zeigt.
Laut Allianz Trade sank die Zahlungsmoral der Deutschen im vergangenen Jahr.Symbolbild - erstellt mit KI
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Summary: Der Cash Collection Cycle deutscher Unternehmen stieg 2025 auf 79 Tage. Zahlungsziele verlängern sich, gleichzeitig wachsen die Lagerbestände. Allianz Trade erwartet für 2026 eine weitere Verschlechterung auf 83 Tage.
Zahlungsmoral in Deutschland verschlechtert sich weiter
Deutsche Unternehmen müssen immer länger auf den Zahlungseingang ihrer Rechnungen warten. Gleichzeitig bauen sie ihre Lagerbestände aus und bezahlen ihre Lieferanten deutlich schneller als viele Wettbewerber in Westeuropa. Dadurch verschlechtert sich die Liquiditätssituation vieler Unternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie des Kreditversicherers Allianz Trade.
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Im Mittelpunkt der Untersuchung steht der sogenannte Cash Collection Cycle (CCC). Er beschreibt die Zeitspanne, die Unternehmen benötigen, um investiertes Kapital wieder als liquide Mittel aus Verkäufen zurückzuerhalten.
Deutschland liegt deutlich über dem westeuropäischen Durchschnitt
Der Cash Collection Cycle stieg in Deutschland 2025 um 1,8 Tage auf 79 Tage. Damit benötigen deutsche Unternehmen rund 16 Tage länger als der Durchschnitt in Westeuropa, der bei 63 Tagen liegt.
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Besonders lange Kapitalbindungszeiten verzeichneten laut Allianz Trade die Branchen Computer und Telekommunikation, Elektronik, Papier sowie Pharma.
„In Deutschland dauert es vergleichsweise lang, bis Unternehmen ihre Ausgaben wieder hereinholen“, sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Ursache seien unter anderem längere Zahlungsfristen sowie höhere Lagerbestände.
Ein wesentlicher Treiber ist die Verschlechterung der Zahlungsmoral. Die sogenannten Days Sales Outstanding (DSO) – also die durchschnittliche Zeit bis zum Zahlungseingang – erhöhten sich 2025 um 2,8 Tage auf 55 Tage.
Hinzu kommt ein weiterer Anstieg der Lagerbestände. Die Days Inventory Outstanding (DIO), die die durchschnittliche Lagerdauer beschreiben, stiegen um 0,9 Tage auf 58 Tage.
Zwar verlängerten Unternehmen auch ihre Zahlungsziele gegenüber Lieferanten. Die Days Payable Outstanding (DPO) nahmen um 1,9 Tage auf 35 Tage zu. Im europäischen Vergleich bleiben deutsche Unternehmen damit jedoch schnelle Zahler. Lieferanten erhalten ihr Geld im Durchschnitt rund 14 Tage früher als im westeuropäischen Mittel.
Geringer Spielraum belastet die Liquidität
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Was bedeutet der Cash Collection Cycle?
Der Cash Collection Cycle (CCC) beschreibt die Zeitspanne zwischen dem Einkauf von Waren oder Rohstoffen und dem tatsächlichen Zahlungseingang aus deren Verkauf. Er setzt sich aus drei Kennzahlen zusammen:
DSO (Days Sales Outstanding): Durchschnittliche Dauer bis Kunden ihre Rechnungen bezahlen.
DIO (Days Inventory Outstanding): Durchschnittliche Lagerdauer von Waren.
DPO (Days Payable Outstanding): Durchschnittliche Zahlungsfrist gegenüber Lieferanten.
Je kürzer der CCC, desto schneller wird gebundenes Kapital wieder als Liquidität verfügbar.
Nach Einschätzung von Allianz Trade schränkt dieses Verhalten die finanziellen Handlungsmöglichkeiten der Unternehmen ein. Da Lieferanten vergleichsweise früh bezahlt werden, lässt sich eine schlechtere Zahlungsmoral auf Kundenseite nur begrenzt ausgleichen.
Für 2026 erwartet Allianz Trade deshalb einen weiteren Anstieg des Cash Collection Cycle um vier Tage auf 83 Tage.
Unternehmen setzen stärker auf Lager statt Effizienz
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Weltweit lag der Cash Collection Cycle 2025 bei durchschnittlich 67 Tagen und damit leicht über dem Vorjahreswert.
Als Hauptursache sieht Allianz Trade den Strategiewechsel vieler Unternehmen: Statt Lieferketten ausschließlich auf Effizienz auszurichten, werden höhere Lagerbestände aufgebaut, um Produktionsunterbrechungen und geopolitische Risiken besser abzufedern.
„Die Lagerhaltung erklärt mittlerweile fast 80 Prozent des CCC-Niveaus“, sagt Maxime Lemerle, Leiter der Insolvenzforschung bei Allianz Trade. Unternehmen verabschiedeten sich zunehmend vom Prinzip der „Just-in-Time"-Produktion und setzten stattdessen auf mehr Versorgungssicherheit.
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Global nur moderater Anstieg erwartet
Für 2026 rechnet Allianz Trade weltweit lediglich mit einem begrenzten weiteren Anstieg des Cash Collection Cycle. Höhere strategische Lagerbestände dürften zwar weiterhin Kapital binden. Gleichzeitig könnten Investitionen in KI-Infrastruktur und Rechenzentren insbesondere die Bereiche Computer, Telekommunikation sowie Software und IT stützen und damit den Effekt teilweise kompensieren.
Warum verschlechtert sich die Zahlungsmoral in Deutschland?
Mehrere Faktoren tragen dazu bei. Viele Unternehmen stehen unter wirtschaftlichem Druck und nutzen vereinbarte Zahlungsziele zunehmend vollständig aus oder überschreiten sie. Gleichzeitig führen konjunkturelle Unsicherheiten, steigende Finanzierungskosten und eine schwächere Nachfrage dazu, dass Liquidität länger im Unternehmen gehalten wird.
Welche Folgen haben längere Zahlungsfristen für Industrieunternehmen?
Längere Zahlungsfristen binden Kapital und verschlechtern den Cashflow. Unternehmen müssen Ausgaben für Material, Energie oder Personal finanzieren, bevor die entsprechenden Zahlungseingänge erfolgen. Dadurch steigt der Bedarf an Betriebsmittelkrediten oder anderen Finanzierungsinstrumenten.
Warum bauen Unternehmen trotz hoher Kapitalbindung ihre Lagerbestände weiter aus?
Viele Unternehmen setzen bewusst auf größere Lagerbestände, um Lieferketten widerstandsfähiger zu machen. Geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und mögliche Lieferengpässe haben dazu geführt, dass Versorgungssicherheit heute häufig wichtiger ist als maximale Lagerkosteneffizienz.
Welche Branchen sind von einem langen Cash Collection Cycle besonders betroffen?
Vor allem kapitalintensive Branchen mit komplexen Lieferketten weisen häufig einen langen Cash Collection Cycle auf. Dazu zählen unter anderem die Computer- und Telekommunikationsbranche, die Elektronikindustrie, die Papierindustrie sowie die Pharmaindustrie. Hohe Lagerbestände und lange Projektlaufzeiten verlängern dort die Kapitalbindung zusätzlich.
Wie können Unternehmen ihre Liquidität trotz längerer Zahlungsfristen verbessern?
Unternehmen können ihre Liquidität unter anderem durch ein konsequentes Forderungsmanagement, digitale Rechnungsprozesse, Bonitätsprüfungen neuer Kunden sowie Factoring oder Warenkreditversicherungen verbessern. Auch eine Optimierung der Lagerbestände und eine engere Abstimmung mit Lieferanten können dazu beitragen, Kapital schneller wieder freizusetzen.